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	<title>Koroljow &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<description>Das Portal für Astronomie- und Raumfahrtbegeisterte</description>
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	<title>Koroljow &#8211; Raumfahrer.net</title>
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	<item>
		<title>Roskosmos-Chef bei RKK Energija und ZNIImasch</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/roskosmos-chef-bei-rkk-energija-und-zniimasch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gerhard Kowalski]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Aug 2022 21:23:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Arbeitsbesuch von Borissow in der RKK Energija und im ZNIImasch &#8211; Gespräch auch mit russischen ISS-Kosmonauten. Ein Beitrag von Gerhard Kowalski. Moskau, 1. August 2022 &#8211; Der neue Generaldirektor der GK Roskosmos, Juri Borissow, hat am Montag dem Raumfahrtkonzern RKK Energija und dem Zentralen Wissenschaftlichen Forschungsinstitut des Maschinenbaus (ZNIImasch), dem Leitinstitut der Raketen- und Raumfahrtbranche, [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Arbeitsbesuch von Borissow in der RKK Energija und im ZNIImasch &#8211; Gespräch auch mit russischen ISS-Kosmonauten.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Gerhard Kowalski.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Moskau, 1. August 2022 &#8211; Der neue Generaldirektor der GK Roskosmos, Juri Borissow, hat am Montag dem Raumfahrtkonzern RKK Energija und dem Zentralen Wissenschaftlichen Forschungsinstitut des Maschinenbaus (ZNIImasch), dem Leitinstitut der Raketen- und Raumfahrtbranche, in Koroljow bei Moskau einen Arbeitsbesuch abgestattet. In der RKK Energija sprach er mit der Führung über die finanzielle Gesundung, die Erfüllung der Aufgaben bis 2025 und die digitale Umgestaltung des Unternehmens, wurde auf dem Telegram-Kanal von Roskosmos mitgeteilt. Im ZNIImasch besichtigte er unter anderem das Modell des Landeapparates des künftigen Orjol-Raumschiffes und des Wissenschaftlich-Energetischen Moduls (NEM), das als Basimodul für die geplante Russische Orbitale Dienststation (ROSS) dient.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Gespräch aus dem Flugleitzentrum (ZUP) übermittelte der Raumfahrtchef den Kosmonauten Oleg Artemjew, Denis Matwejew und Sergej Korssakow in der Internationalen Raumstation ISS &#8222;die besten Wünsche für eine erfolgreiche Arbeit und die Erfüllung aller geplanten wissenschaftlichen Experimente&#8220; sowie &#8222;einen riesigen Gruß an die ganze internationale Mannschaft, die Astronauten-Kollegen&#8220;. Er versprach seinen Landsleuten, dass man auch bei der Entwicklung der bemannten Raumfahrt &#8222;dynamisch voranschreiten&#8220; werde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Gerhard Kowalski</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=3428.msg535556#msg535556" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Russische Raumfahrt</a></li></ul>
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			</item>
		<item>
		<title>Suborbitale Flüge in der Sowjetunion</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/suborbitale-fluege-in-der-sowjetunion/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Weise]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Apr 2019 01:13:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Aprilscherz]]></category>
		<category><![CDATA[Gagarin]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[Landekapsel]]></category>
		<category><![CDATA[Raumschiff]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rückblende: Frühe bemannte suborbitale Flüge in der Sowjetunion. Neue Informationen und neue Fragen &#8230; (Achtung, Aprilscherz) Ein Beitrag von Andreas Weise. Quelle: Foto/Recherche. In wenigen Tagen jährt sich zum 58. Mal der historische Flug von Juri Gagarin. 1961 startete zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ein Raumschiff mit einem Menschen an Bord zu [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading advgb-dyn-f7079836">Rückblende: Frühe bemannte suborbitale Flüge in der Sowjetunion. Neue Informationen und neue Fragen &#8230; (Achtung, Aprilscherz)</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Andreas Weise. Quelle: Foto/Recherche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In wenigen Tagen jährt sich zum 58. Mal der historische Flug von Juri Gagarin. 1961 startete zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ein Raumschiff mit einem Menschen an Bord zu einem Flug in den Weltraum. Der Flug ging über einen kompletten Erdorbit. Diese Erstleistung wurde von der Sowjetunion vollbracht. 
<br>
Die USA brachten ihren Mann erst einen Monat später ins All. Dabei absolvierte der Astronaut Alan B. Shepard einen ballistischen Flug mit einer Redstone-Rakete. Technologisch gleich ziehen mit der Sowjetunion konnten die USA erst ein Jahr später mit dem historischen Flug von John Glenn. Alle diese Unternehmen waren höchst risikoreich und es gebührt den damaligen Raumfahrern höchste Anerkennung für ihren Mut. Nicht bekannt ist, wie viele Opfer es bei der Erringung dieser Ziele im Vorfeld gegeben hat. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Speziell für den Zeitraum der Endfünfzigerjahre gibt es in der Sowjetischen Raumfahrt- und Raketenentwicklung noch so manches Geheimnis, das den Nährboden verschiedenste Verschwörungstheorien bereitet. So fällt in diese Zeit die Entwicklung und Erprobung des Überschall-Marschflugkörpers W-350 Burja, der mit einer Geschwindigkeit von Mach 3,5 eine Wegstrecke von bis zu 8.500 Kilometer überbrücken können sollte. Die Starts dazu fanden auf dem streng geheimen Raketentestgelände in Kapustin Yar statt. Viele weitere Raketenwaffensysteme wurden hier erprobt und getestet. Darunter auch das Waffensystem Rakete R-5, dem man als Gegenstück zur amerikanischen Redstone-Rakete ein besonderes Augenmerk schenken sollte. </p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-large is-resized advgb-dyn-8b586806"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/01042019031336_big_1.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/01042019031336_small_1.jpg" alt="Wikipedia / Stache" width="260"/></a><figcaption class="wp-element-caption">
Redstone (li.) und R-5 (re.) im Vergleich &#8211; Illustration 
<br>
(Bild: Wikipedia / Stache)
</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Denn die R-5 könnte auch für die bemannte Raumfahrt eine Rolle gespielt haben. Wie bekannt, sind die Gerüchte nie ganz verstummt, dass es vor dem historischen Flug von Juri Gagarin bemannte Versuche mit ballistischen, suborbitalen Raumflügen gegeben haben soll. Diese sollen im Zeitraum zwischen 1958 und 1959 stattgefunden haben. Vermutlich kam hier eine bemannte Version der R-5 zum Einsatz. Alle Flüge, insgesamt vier, sollen von Kapustin Yar gestartet worden sein. Alle Flüge sollen gescheitert sein. Das bedeutet: Alle 4 mutmaßlichen suborbitale Kosmonauten sind dabei ums Leben gekommen. In mancher verschwörungstheoretischen Literatur sind sogar die Namen der Verunglückten genannt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Quellen dieser Informations-Gerüchte sind unterschiedlich. Sie reichen von Geheimarchiven des sowjetischen Geheimdienstes KGB, über Statements ehemaliger hochrangiger Parteifunktionäre der Tschechoslowakischen Kommunistischen Partei bis zu Äußerungen des berühmten Raketenwissenschaftlers und Raumfahrtpioniers Hermann Oberth. Sogar die bekannte russische Tageszeitung Prawda beschäftigte sich 2001 in einem größeren Artikel mit dieser Problematik. Handfestes Material zu dem Thema war bis dato aber nirgends zu finden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur der Raumfahrtjournalist und Autor Peter Stache hatte in seinem Buch „Sowjetische Raketen“ Entwurfszeichnungen für mögliche ballistische bemannte Flüge, von keinem geringeren als S.P. Koroljow erdacht, beschrieben. Auch veröffentlichte er mögliche Kombinationen mit der Rakete R-5, hier W-5 bzw. W-5a. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der bemannte ballistische „Raumflug“ mit den vorhandenen Höhenraketen in der Sowjetunion wäre möglich gewesen. Die Sowjetunion hat mit Höhenraketen Experimente mit Hunden durchgeführt. Das war schon frühzeitig in verschiedenen DDR-Publikationen nachzulesen. Aber auch im Westen erschien Literatur, die das beschrieb. Zum Beispiel „Rote Raketen – Keiner kennt Baikonur“ von 1972. Vom Hund zum Mensch wäre es nur noch ein kleiner technologischer Schritt gewesen. Warum sollte die Sowjetunion diesen Schritt nicht durchgeführt haben? </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wichtig ist zu beachten: Allen diesen mutmaßlichen Informationen ist eines gemeinsam. Es gibt nicht einen einzigen Beweis, nicht eine einzige nachprüfbare Zeugenaussage, nicht ein belegtes Schriftstück dazu… . Scheinbar bis jetzt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun ist ein Foto aufgetaucht, das Bewegung in die Geschichtsforschung bringen könnte. Es zeigt auf einer stillgelegten Versuchsanlage die Reste eines Raketenkopfs einer R-5 für den bemannten Einsatz. Die Fallschirmsektion in der Spitze des Kegels fehlt, was auf einen erfolgten Einsatz hinweisen könnte. Sogar der mutmaßliche Aufnahmeort soll bekannt sein: 48°36&#8217;55.7&#8243;N, 46°17&#8217;57.9&#8243;O. </p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized advgb-dyn-eeb72ad1"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/01042019031336_big_2.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/01042019031336_small_2.jpg" alt="RN" width="934" height="254"/></a><figcaption class="wp-element-caption">
altes Material in der Steppe &#8211; Raketenkopf im Hintergrund, rechts größer 
<br>
(Bild: RN)
</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bild, im Original in sehr schlechtem Zustand, soll aus Kreisen ehemaliger Militärs des Warschauer Vertrages stammen, die in Kapustin Yar in den 70er Jahren mit dem Raketensystem Scud trainiert haben. Ähnlich wie in Baikonur liegt nicht benötigtes Material einfach in der Steppe herum, wobei schnell Sinn und Zweck in Vergessenheit geraten können. Trotz Fotoverbot rutschte hier dieses Bild offenbar durch. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun gilt es zu analysieren, was wirklich zu sehen ist und in wie weit das Gezeigte mit den allgemeinen Gerüchten in Einklang zu bringen ist. Denn wenn an diesem Gerücht etwas dran wäre, dann würde das bedeuten, dass die Sowjetunion bereits dei Jahre vor den USA versucht hätte, bemannte suborbitale Flüge durchzuführen. Man darf gespannt sein. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Fortsetzung folgt. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Update:</strong>
<br>
April! April! Alles nur geträumt! Wobei, eigentlich stimmt (fast) alles, was in dem Beitrag steht.  Bleibt nur anzumerken, dass Peter Stache in seinem Buch „Sowjetische Raketen“  im Kapitel „Stratonauten starten nicht“ genau das Gegenteil schreibt, als hier suggeriert. Nämlich, warum die Sowjetunion trotz der vorhandenen Technologie auf den bemannten suborbitalen Flug verzichtet hat. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das Bild? Es ist so Manches auf ehemaligen sowjetischen Flugplätzen abgestellt. Das hat aber fast immer nichts mit Raumfahrt zu tun, obwohl es so aussehen könnte.  Und der angegebene Aufnahmeort ist geraten. Er zeigt einen Startort auf dem Testgelände in Kapustin Yar, wo (vielleicht) die R-5 gestartet sein könnte.  </p>
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			</item>
		<item>
		<title>Rückblende: Es begann mit einem Piep&#8230;</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/rueckblende-es-begann-mit-einem-piep/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Weise]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Sep 2017 19:47:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Erdumlaufbahn]]></category>
		<category><![CDATA[Gagarin]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrtgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[Sputnik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 4. Oktober 1957 startete der erste künstliche Erdsatellit Sputnik 1. Mit ihm begann vor 60 Jahren das Zeitalter der Raumfahrt. Ein Beitrag von Andreas Weise. Das ist der Beginn einer neuen Ära: Das Bewusstsein der kosmischen Existenz der Menschheit. Überall auf der Welt haben die Menschen das von Sputnik 1 gesendete Signal, hörbar als [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Am 4. Oktober 1957 startete der erste künstliche Erdsatellit Sputnik 1. Mit ihm begann vor 60 Jahren das Zeitalter der Raumfahrt.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von <a href="https://www.raumfahrer.net/redakteure/" data-wpel-link="internal">Andreas Weise</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist der Beginn<strong> </strong>einer neuen Ära: Das Bewusstsein der kosmischen Existenz der Menschheit.<br><br>Überall auf der Welt haben die Menschen das von Sputnik 1 gesendete Signal, hörbar als deutlich vernehmbares Piepen, empfangen. Damit war an diesem 4. Oktober 1957 ein Jahrhunderte alter Traum der Menschheit erfüllt. Der Mensch hat zum ersten Mal in der Geschichte selbst einen Himmelskörper erschaffen. Der Körper hat die Erdanziehungskraft überwunden und den Weltraum erobert.<br><br>Und wir haben ein neues Wort zu unserem Vokabular hinzugefügt: Sputnik. (Frei nach dem Text des Songs &#8222;Sputnik&#8220; der britischen Band Public Service Broadcasting vom Album The Race for Space.)</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/Sputnik1ModellimSpiegelderAutor1500-1.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/Sputnik1ModellimSpiegelderAutor260-1.jpg" alt=""/></a><figcaption>Sputnik-1-Modell in Berlin im Foyer der<br> <a href="https://www.raumfahrer.net/berlin-vorab-einblick-in-gagarins-vermaechtnis/" data-wpel-link="internal">Rosa-Luxemburg-Stiftung</a><br>(Bild: Andreas Weise)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Vielleicht sind nur die Briten in der Lage, unverklemmt und mit ehrlicher typisch britischer Sportlichkeit Siege des vermeidlichen Gegners anzuerkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider verwischt die Bedeutung mancher geschichtlicher Ereignisse im Laufe der Jahrzehnte. Außerdem ist die Bewertung stark von den jeweiligen aktuellen politischen Sichtweisen geprägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal erlebt man auch den Versuch, dass die Geschichte teilweise oder ganz umgeschrieben werden soll. Und da hört und erlebt man so allerlei. Frei nach dem Motto: „Wer hat&#8217;s erfunden?“ wurde mir nach einem Vortrag über die Anfänge der Raumfahrt nahe gelegt, ich solle auch den ersten bemannten Flug der Natter als direkte bemannte Raumfahrtgeschichte werten. Zu Erklärung: Die BA-349 „Natter“ war ein bemanntes Raketenflugzeug und sollte als Wunderwaffe im Frühjahr 1945 helfen, die drohende Niederlage abzuwenden. Beim einzigen bemannten Testflug am 1. März 1945 kam der Testpilot Lothar Sieber ums Leben. Man könnte auch sagen, er wurde für eine aussichtslose Sache skrupellos verheizt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch verstummen die Diskussionen nicht, dass der erste geglückte Start einer A4-Rakete am 3. Oktober 1942 in Peenemünde den Beginn der Raumfahrt markiere. Die erreichte Flughöhe betrug ca. 85 Kilometer und kratzte so schon etwas am Weltraum. Und das fast genau 15 Jahre vor Sputnik(!). Nebenbei bemerkt, die A4 war nie für die Raumfahrt, sondern für den Kampfeinsatz gedacht. Jeder, der damals von Raumfahrt gesprochen hätte, lief Gefahr, wegen Wehrkraftzersetzung abgeurteilt zu werden. Als V2 (Vergeltungswaffe 2) bleibt die A4 in der Kriegsgeschichtsschreibung als Terrorwaffe speziell gegen die Zivilbevölkerung von London und Antwerpen in Erinnerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Definition des Beginns der Raumfahrt ist es also so eine Sache…</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als klarer Anfangspunkt ist allgemein der erste Start eines Satelliten in die Erdumlaufbahn anerkannt. Zum sogenannten Internationalen Geophysikalischen Jahr (International Geophysical Year, IGY, 1. Juli 1957 bis 31. Dezember 1958) hatten sowohl die USA als auch die UdSSR einen entsprechenden Start angekündigt. Niemand im Westen glaubte aber im Ernst, dass die Sowjetunion in der Lage sein würde, dieses ambitionierte Vorhaben zu realisieren.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/Sputnik1innernaussenMuseumLondon800.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/Sputnik1innernaussenMuseumLondon260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Sputnik-1-Modelle in London<br>(Bild: Andreas Weise)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Doch dann passierte etwas, was als Sputnik-Schock in die Geschichte einging. Völlig überraschend startete die Sowjetunion am 4. Oktober 1957 den ersten künstlichen Erdsatelliten. Das Raumfahrtzeitalter war angebrochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei war der erste künstliche Erdsatellit einfach nur ein kleiner Radiosender, der nichts weiter konnte, als sein berühmtes Piep-Piep in den Raum und zur Erde zu schicken. Es war ein Geniestreich des Vordenkers der sowjetischen Raumfahrt Sergej P. Koroljow. Die verwendete Trägerrakete R-7 war ursprünglich als schwere Interkontinentalrakete für sowjetische Atomsprengsätze konzipiert. Nach einigen Fehlschlägen fanden im Sommer 1957 zwei erfolgreiche Teststarts statt. Die Geschosse, gestartet in Baikonur, schlugen im vorberechneten Zielgebiet ein. Der Beweis war erbracht, dass man in der Lage war, das Territorium der USA per Fernrakete zu erreichen. Und die Fracht der Rakete konnte eine Atombombe sein. Eine ungeheuerliche Erkenntnis für alle handelnden Akteure im Kalten Krieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Koroljow, der genau wusste, dass seine Raketenentwicklung von der Finanzierung des Militärs abhängig war, gelang mit Sputnik-1 ein genialer Schachzug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einerseits „verkaufte“ er den Militärs den Flug des ersten, nur rund 80 Kilogramm schweren, künstlichen Satelliten in der Umlaufbahn als Machtdemonstration sowjetischer Militärstärke. Jeder Ballistiker konnte sich ausrechnen, wie groß die Masse X eines mutmaßlichen Atomsprengkopfs auf einer ballistischen Bahn in Richtung USA seien könnte, wenn ein Körper mit der Masse Y in eine Erdumlaufbahn gelangen konnte. Eine Demonstration der Stärke in aller Öffentlichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Übrigens werden gerade aktuell wieder verstärkt derartige Überlegungen angestellt. Ballistiker beschäftigen sich mit der Frage, ob ein Raketengeschoss mit bestimmter Leistung, von Nordkorea abgefeuert mit einer Nutzlast definierter Masse, wie zum Beispiel einem Kernsprengkopf, ausgestattet, wirklich amerikanische Interessengebiete oder gar das amerikanische Festland erreichen könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück blickend kann man heute offen sagen, dass die R-7 als Nuklearträger völlig ungeeignet war. Zu groß war der Aufwand für die Startvorbereitung. Sowohl infrastrukturell, als auch hinsichtlich des Zeitaufwands. Ein einziges Mal soll eine R-7 mit einem Atomsprengkopf für einen Kampfeinsatz vorbereitet worden sein. Und zwar während der Kuba-Krise im Herbst 1962. Glücklicherweise blieb ihr kriegerischer Einsatz aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andererseits wurde die Botschaft vom Beginn der friedlichen Erforschung des Weltalls um den Globus getragen. Der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow hatte das enorme Propaganda-Potential sehr schnell erkannt und förderte die Koroljowschen Entwicklungen. Der „Aufhänger“ für den Satellitenstart war schnell gefunden. Wie berichtet, hatte die UN das Jahr 1957 zum Geophysikalischen Jahr ausgerufen. Während man der Sowjetunion allgemein Leistungen im Bereich der Hochtechnologie nicht zutraute, nahm man diese Problematik in den USA auf die ganz leichte Schulter. Die Folge waren Streitereien um Kompetenzen und Geldmittel, sowie Arroganz hinsichtlich der mutmaßlichen eigenen technischen Fähigkeiten. Sie führten dann unweigerlich zum katastrophalen Publicity-Supergau beim spektakulären Fehlstart des ersten US-Satelliten.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/Sputnik3innernaussenMuseumEnergia1000.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/Sputnik3innernaussenMuseumEnergia260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Sputnik 3 (Innenleben vorne, Hülle dahinter)<br> im Energia-Museum<br>(Bild: Bernhard Dieke)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch bei Koroljow lief nicht alles nach Plan. Als Meister der Improvisation konnte er die Unzulänglichkeiten aber ausgleichen. Der für den ersten Flug vorgesehene Satellit war noch nicht fertig und niemand in der Sowjetunion wusste, wie weit die Amerikaner wirklich mit ihren Startvorbereitungen waren. Die Zeit drängte. Ursprünglich war als erster künstlicher Erdsatellit ein 1.327 Kilogramm schweres Objekt vorgesehen. Ein Exemplar dieses Satelliten flog dann später am 15. Mai 1958 als Sputnik 3. Ein erster Startversuch war zuvor gescheitert. Bereits Anfang Oktober 1957 war die erste Trägerrakete startklar, aber die passende Nutzlast fehlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also wurde auf die Schnelle ein einfacher Funksender mit einer für Jedermann empfangbaren Funkfrequenz gebaut. Jeder sollte den Satelliten in der Umlaufbahn hören können. Es sollte keine Zweifel geben. Über den Sender selber soll Boris Tschertok, einer der Stellvertreter Koroljows, gesagt haben: Jeder Bastelzirkel „Junger Pioniere“ hätte diesen Sender bauen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Piep-Piep des kleinen Senders war schließlich in der Tat rund um den Erdball zu hören. Für die einen kündete der kleine Piepsrich den Beginn eines neuen Zeitalters an, für wenige, speziell Militärs, verbreitete er Angst und Schrecken, war er doch der Beweis, dass kein Punkt auf dem Globus fortan für einen Atomschlag unerreichbar war.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/Sputnik1innernMuseumEnergia1000.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/Sputnik1innernMuseumEnergia260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Sputnik-1-Modell im Energia-Museum<br>(Bild: Andreas Weise)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Wie ging es weiter? Die Geschichte ist allgemein bekannt. Die Amerikaner bündelten ihre bis dahin verzettelten Kräfte in der NASA und strebten in aller Öffentlichkeit den ersten bemannten Weltraumflug an. Doch auch hier wurden sie nur zweiter Sieger, nach dem am 12. April 1961 Juri Gagarin als erster Mensch in Weltraum und Umlaufbahn vorstieß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der technische Vorsprung der Sowjetunion in Raketentechnik und -leistung war zu Beginn der 1960er einfach noch zu groß. Erst mit dem Flug von John Glenn 1962 konnten die USA gleichziehen. Es folgte der sogenannte Wettlauf zum Mond, den die USA dank der Aufbietung aller zur Verfügung stehenden öknomischen und technologischen Möglichkeiten gewannen. Raumstationen schlossen sich an, das erste gemeinsame internationale Raumflugprojekt, die Entwicklung der Shuttle-Technologie und so weiter und so fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute umkreisen unzählige künstliche Himmelskörper unseren Globus. Viele zum friedlichen Nutzen der Menschen. Manche auch nicht so friedlich. Sonden sind zu fernen Himmelskörpern aufgebrochen. Bilder vom Mars sind heute nichts Außergewöhnliches mehr. Die Krönung der Entwicklung der Raumfahrt mag derzeit die ISS darstellen, die Internationale Raumstation. An Bord ist die friedliche Zusammenarbeit Realität und soll uns hier unten auf der Erde ein Beispiel sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und alles begann vor 60 Jahren, als man das Piep-Piep einer kleinen silbernen Kugel hörte, die um die Erde kreiste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was kommt?<br>Schwer zu sagen. Die Raumfahrt hätte sich bestimmt anders entwickelt, wenn nicht einschneidende geschichtliche Ereignisse den Weg bestimmt hätten. Hierzu ist ohne Frage der frühe Tod von Koroljow zu nennen. Seine Pläne sahen vor, bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts bemannt zum Mars zu fliegen. Aber auch der Tod von Kennedy hatte Auswirkungen auf die Planungen in den USA. Nach dem Apollo-Programm, dem Sieg im Wettlauf zum Mond und der gelungenen Revanche für den Sputnik fehlte der Wille für die weitere Entwicklung. Gelder und Programme wurden gekürzt. Der Bau der ISS ist dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass er zu einem geschichtlichen Zeitpunkt erfolgte, als alle Seiten, jeweils aus ihrer Sichtweise, den Nutzen der Angelegenheit sahen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Raumfahrt ist im Alltag angekommen und viele wunderbare Dinge werden als selbstverständlich hin genommen. Es gilt jetzt neue Schritte vorwärts zu machen. Diese könnten in Richtung Mond oder Mars gehen. Ideen gibt es und auch Leute, die bereit sind, sie umzusetzen. Vieler Orts fehlt aber der politische Wille. Leider.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich möchte es aber auf jeden Fall erleben: Den ersten Menschen auf dem Mars… .</p>



<p class="wp-block-paragraph">Raumfahrt lebte – und lebt &#8211; von Visionen.</p>
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		<title>Rückblende: Das gelüftete Geheimnis der Wostok-Rakete</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/rueckblende-das-gelueftete-geheimnis-der-wostok-rakete/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Weise]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Aug 2017 11:03:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raketen]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[Luna]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Sputnik]]></category>
		<category><![CDATA[Wostok]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im RAUMCON-Forum wird auch über ältere Raumfahrttechnik diskutiert. So zum Beispiel die Wostok-Trägerrakete. Wie sah diese aus? Wie funktionierte sie? Sind die Fotos echt? Und wenn ja, von welchem Flug stammen die? Ein scheinbares Chaos herrscht hier an historischen Informationen. Warum?Diese Rückblende zeigt wie das Geheimnis der Wostok-Rakete vor 50 Jahren im Westen gelüftet wurde. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Im RAUMCON-Forum wird auch über ältere Raumfahrttechnik diskutiert. So zum Beispiel die Wostok-Trägerrakete. Wie sah diese aus? Wie funktionierte sie? Sind die Fotos echt? Und wenn ja, von welchem Flug stammen die? Ein scheinbares Chaos herrscht hier an historischen Informationen. Warum?<br>Diese Rückblende zeigt wie das Geheimnis der Wostok-Rakete vor 50 Jahren im Westen gelüftet wurde.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Quelle: Typenbuch der Raumflugkörper, Aero-Sport, Andreas Weise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In unserer heutigen Informationsgesellschaft, wo jede mutmaßliche Info nur einen Klick entfernt ist, kann man die Geheimniskrämerei in der Hochzeit des Kalten Krieges nicht mehr rational nachvollziehen. Das betrifft speziell die sowjetische Raumfahrt. Da hier alles irgendwie mit dem sowjetischen Militär verwoben war, lag über allem der Schatten der Geheimhaltung. Anders bei den US-amerikanischen Raumfahrtprogrammen. Hier wurde man gerade zu mit Informationen zugeschüttet. Es war eben ein ganz anderer Ansatz in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. Und während man die amerikanischen Trägerraketen in der Fachliteratur schon recht genau dargestellt sah, wusste man über die sowjetischen Raketen fast gar nichts. Es oblag den Raumfahrtjournalisten, sich aus den wenigen Informationsschnipseln ein Bild zusammen zu reimen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/wostok-zeichnung.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/wostok-zeichnung_klein.jpg" alt=""/></a><figcaption>Auszug aus „Typenbuch der Raumflugkörper“<br> (links) und realistische Darstellungen von<br> Sputnik-, Luna- und Wostok-Raketen (rechts)<br>(Bild: Herbert Pfaffe und Peter Stache)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">1964 erschien das „Typenbuch der Raumflugkörper“ von Herbert Pfaffe und Peter Stache noch mit einer fiktiven Darstellung der Wostok-Rakete. Im Begleittext war zu lesen:<em> „… ist die mögliche Größe der Trägerrakete des Wostok-Raumschiffes dargestellt, wie sie sich aus einer Nutzmassenrechnung ergibt. Die Form ist willkürlich gewählt.“</em> Auf der Zeichnung ist das Dilemma zu erkennen. Während zu den amerikanischen Atlas- und Redstone-Raketen Informationen über das Äußere vorlagen, tappte man bei der sowjetischen Technik im Dunkeln. Das genaue Aussehen des Wostok-Raumschiffes wurde beispielsweise erst 1965 gelüftet. Aber das ist eine andere Geschichte. Die Grafik aus jenem Buch von 1964 ist hier zum Vergleich kombiniert mit Darstellungen der wirklichen Größe verschiedener R-7-Trägerraketen: Sputnik, Luna und Wostok.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer 1967 war man dann aber von sowjetischer Seite der Meinung, dass eine Präsentation der gagarinschen Wostok-Trägerrakete sinnvoll wäre. Wie gesagt: 1967! Da war auf US-Seite das Gemini-Projekt gerade vorbei und das Apollo-/Saturn-Programm war in der Öffentlichkeit detailliert zu bestaunen. Im sowjetischen Raumfahrtprogramm lief es zu dieser Zeit nicht gerade rund. Das geheime Mondflugprogramm, die Proton-Rakete, die N1 und die neue Sojus waren die aktuellen Sorgenkinder. Die Sowjetunion brauchte also wieder einen Knüller für die Öffentlichkeit, wenngleich der auch schon 7 Jahre alt war (!).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser „Knüller“ stahl dann auch den Amerikanern und West-Europäern die Show auf dem Pariser Aerosalon Le Bourget 1967. Hier wurde erstmals ein 1:1 Modell der Wostok-Trägerrakete der staunenden Öffentlichkeit präsentiert. Die Rakete war in schneeweiß gehalten. Eine Farbgebung die nicht dem Flugmuster entsprach. Aber das war zu diesem Zeitpunkt nebensächlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Fachpresse stürzte sich darauf. Und so erschien im August-Heft der Aero-Sport 1967 folgender Artikel von Herbert Pfaffe.</p>



<figure class="wp-block-gallery columns-3 is-cropped wp-block-gallery-1"><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-308-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="211" height="300" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-308-211x300.jpg" alt="" data-id="8777" data-full-url="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-308-scaled.jpg" data-link="https://www.raumfahrer.net/as-1967-08-seite-308/" class="wp-image-8777" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-308-211x300.jpg 211w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-308-scaled-600x854.jpg 600w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-308-719x1024.jpg 719w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-308-768x1094.jpg 768w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-308-1079x1536.jpg 1079w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-308-1438x2048.jpg 1438w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-308-scaled.jpg 1798w" sizes="(max-width: 211px) 100vw, 211px" /></a><figcaption class="blocks-gallery-item__caption is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">Artikel von Herbert Pfaffe in der Aero-Sport August 1967 (Teil 1)
(Bild: Aero-Sport)</figcaption></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-309-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="211" height="300" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-309-211x300.jpg" alt="" data-id="8775" data-full-url="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-309-scaled.jpg" data-link="https://www.raumfahrer.net/as-1967-08-seite-309/" class="wp-image-8775" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-309-211x300.jpg 211w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-309-scaled-600x854.jpg 600w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-309-719x1024.jpg 719w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-309-768x1094.jpg 768w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-309-1079x1536.jpg 1079w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-309-1438x2048.jpg 1438w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-309-scaled.jpg 1798w" sizes="(max-width: 211px) 100vw, 211px" /></a><figcaption class="blocks-gallery-item__caption">Artikel von Herbert Pfaffe in der Aero-Sport August 1967 (Teil 2)
(Bild: Aero-Sport)</figcaption></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-310-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" width="211" height="300" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-310-211x300.jpg" alt="" data-id="8773" data-full-url="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-310-scaled.jpg" data-link="https://www.raumfahrer.net/as-1967-08-seite-310/" class="wp-image-8773" srcset="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-310-211x300.jpg 211w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-310-scaled-600x854.jpg 600w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-310-719x1024.jpg 719w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-310-768x1094.jpg 768w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-310-1079x1536.jpg 1079w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-310-1438x2048.jpg 1438w, https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-08-Seite-310-scaled.jpg 1798w" sizes="(max-width: 211px) 100vw, 211px" /></a><figcaption class="blocks-gallery-item__caption">Artikel von Herbert Pfaffe in der Aero-Sport August 1967 (Teil 3)
(Bild: Aero-Sport)
</figcaption></figure></li></ul></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im Titelbild der Oktober-Ausgabe 1967 der Aero-Sport wurde dann die Stufentrennung der 1. Stufe (Außenblöcke) künstlerisch dargestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die AeroSport wurde übrigens 1970 zur FliegerRevue und ist heute Deutschlands dienstälteste Fachzeitschrift für Luft- und Raumfahrt. Wir danken an dieser Stelle für die freundliche Genehmigung, diesen Artikel hier nach 50 Jahren noch einmal präsentieren zu dürfen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-10-Wostok.jpg" data-rel="lightbox-image-4" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/AS-1967-10-Wostok_klein.jpg" alt=""/></a><figcaption>Titelbild Oktober-Ausgabe 1967<br> der Aero-Sport mit Stufentrennung<br> (Außenblöcke) der Wostokrakete<br>(Bild: Aero-Sport)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Pfaffes Artikel und speziell das Vokabular sind natürlich unter den damaligen historischen Gesichtspunkten zu betrachten. Es war die Zeit der ideologischen Auseinandersetzung der beiden sich gegenüber stehenden Weltsysteme. Der Kalte Krieg war gegenwärtig. Wenn man aber alles politisch, ideologisch Verklärte einmal bei Seite lässt, so findet man doch interessante Details, die Damals neu waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Le Bourget 1967 tauchte eine, vermutlich diese, Wostok-Trägerrakete als Prunkstück auf der Allunionsausstellung WDNCH in Moskau vor dem damaligen Kosmos-Pavilion auf. Der Autor machte 1972 ein Foto davon. Später wurde der Eisenbahn-Transportwagen der Rakete (Original Wostok-Transportwagen) gegen einen anderen Eisenbahn-Transportwagen ausgetauscht. Wann das geschah, ist nicht genau bekannt. (Vielleicht kann ein Leser hier Informationen an den Autor geben.) Dieser „neue“ und jetzt aktuelle Transportwagen ähnelt sehr stark einem umgebauten Sojus-Raketen-Transporter. An der Spitze für die dritte Stufe ist er entsprechend gekürzt.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/Wostok-WDNCH-2017-04-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-5" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/Wostok-WDNCH-2017-04_klein.jpg" alt=""/></a><figcaption>Wostok-Rakete der Allunionsausstellung WDNCH<br>in Moskau (Bild: Andreas Weise)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">2011 wurde die Wostok-Trägerrakete auf der WDNCH zum 50sten Gagarin-Flugjubiläum restauriert. Zuvor war sie über die Jahre in einem bemitleidenswerten Zustand gewesen. Eine Anmerkung zur WDNCH: Derzeit finden dort (Stand Juli 2017) umfangreiche Rekonstruktionsmaßnahmen statt. So wird zum Beispiel der ehemalige Kosmos-Pavillon entkernt und das Dach und die große Kuppel erneuert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres 1:1 Modell der Wostok-Trägerrakete, ebenfalls in weiß gehalten, befindet sich in den Außenanlagen des Raumfahrtmuseums in Kaluga. Dort kann man auch noch einen „echten“ Wostok-Eisenbahn-Transportwagen besichtigen. In Koroljow auf dem Gelände des Sojus-Herstellers Energia, steht auch eine Wostok-Trägerrakete. Die Farbgebung ist hier Dunkelgrau.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Grundlagenartikel zur Luna-/Wostok-Rakete bei Raumfahrer.net:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://www.raumfahrer.net/luna-wostok/" data-wpel-link="internal">Luna / Wostok</a> (04.09.2011)</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die technischen Daten zur Luna-/Wostok-Rakete bei Raumfahrer.net:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://www.raumfahrer.net/luna-wostok-technische-daten/" data-wpel-link="internal">Luna / Wostok &#8211; Technische Daten</a> (04.09.2011)</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Startliste der Luna-/Wostok-Rakete bei Raumfahrer.net:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://www.raumfahrer.net/luna-wostok-startliste/" data-wpel-link="internal">Luna / Wostok &#8211; Startliste</a> (04.09.2011)</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=10775.0" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Wostok-Programm</a></li><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=15591.0" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Trägerraketen der Sowjetunion bzw. Russlands</a></li></ul>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Neues von der und für die ISS</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/neues-von-der-und-fuer-die-iss/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Feb 2017 15:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Boeing]]></category>
		<category><![CDATA[HTV]]></category>
		<category><![CDATA[ISS]]></category>
		<category><![CDATA[JAXA]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[Kounotori]]></category>
		<category><![CDATA[NanoRacks]]></category>
		<category><![CDATA[NASA]]></category>
		<category><![CDATA[Progress-MS]]></category>
		<category><![CDATA[RKK Energia]]></category>
		<category><![CDATA[Roskosmos]]></category>
		<category><![CDATA[Sojus]]></category>
		<category><![CDATA[Woronesch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://test-portal.raumfahrer.net/?p=7856</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Frachter HTV 6 und Progress-MS 03 haben die Internationale Raumstation (International Space Station, ISS) verlassen. Neue Besatzungsmitglieder bekommt die ISS frühestens Ende April 2017. Eine neue Satellitenschleuse soll es 2019 geben. Ein Beitrag von Axel Nantes. Quelle: Energia, JAXA, NanoRacks, NASA, Raumfahrer.net, RIAN, Roskosmos, A. Zak. Das ZUP &#8230; &#8230; genannte russische Flugleitzentrum in [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Die Frachter HTV 6 und Progress-MS 03 haben die Internationale Raumstation (International Space Station, ISS) verlassen. Neue Besatzungsmitglieder bekommt die ISS frühestens Ende April 2017. Eine neue Satellitenschleuse soll es 2019 geben.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Axel Nantes. Quelle: Energia, JAXA, NanoRacks, NASA, Raumfahrer.net, RIAN, Roskosmos, A. Zak.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/4076539752ms03rosc1500.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/4076539752ms03rosc260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Progress-MS 03 bei Startvorbereitungen in Baikonur<br>(Bild: Roskosmos)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das ZUP &#8230;<br></strong> &#8230; genannte russische Flugleitzentrum in Koroljow bei Moskau bestätigte am 31. Januar 2017 das feurige Ende des russischen ISS-Versorgers Progress-MS 03 (№433, russ. Прогресс МC-03) alias Progress 64P. Gegen 19:24 Uhr MEZ trat das unbemannte Raumfahrzeug wieder in dichtere Atmosphärenschichten ein und wurde dabei zerstört. Gegebenenfalls übrig gebliebene Bestandteile dürften bei 51,21 Süd und 232,11 Grad Ost in einer Region des Pazifik ohne nennenswerten Schiffsverkehr niedergegangen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Start des von <a href="https://web.archive.org/web/20220321061616/https://www.energia.ru/english/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">RKK Energia</a> gebauten Versorgers war am 16. Juli 2016 um 23:41 Uhr und 45 Sekunden MESZ erfolgt. Die Startmasse des Versorgers betrug 7.281 Kilogramm. Beladen war er mit rund 2.406 Kilogramm Fracht für die ISS. Tanks enthielten 705 Kilogramm Treibstoffe für die Raumstation, 420 Kilogramm Wasser und 51 Kilogramm komprimiertes Atemgas. Die druckbeaufschlagte Frachtsektion hatte man mit 1.230 Kilogramm Trockenfracht beladen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/020100proms03rkkenergiaOlegNovitsky.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/020100proms03rkkenergiaOlegNovitsky260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Progress-MS 03 an der ISS<br>(Bild: Kosmonaut Oleg Novitski via RKK Energia)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">In der druckbeaufschlagten Frachtsektion von Progress-MS 03 hatten sich unter anderem Lebensmittel (705 Kilogramm), Behälter für Abfall, Sanitär- und Hygieneartikel, medizinische Ausrüstung, Hardware für das Energieversorgungs- und das Temperaturkontrollsystem des russischen Stationssegments sowie Werkzeuge und Experimente befunden. Am 19. Juli 2016 um 2:22 Uhr MESZ hatte der Transporter am Modul <a href="https://www.raumfahrer.net/pirs/" data-wpel-link="internal">Pirs</a> (russ. Пирс für Pier, auch DC-1 für docking compartment 1) an der ISS angelegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Trennung von der ISS geschah am 31. Januar 2017 um 15:52 Uhr MEZ. Eine Bremszündung, der sogenannte deorbit burn, folgte um 18:34 Uhr MEZ. Beim Rücksturz des Transporters zur Erde befanden sich nicht mehr benötigte Ausrüstungsgegenstände und Müll an Bord.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Progress-MS 03 wurde katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.670 bzw. als COSPAR-Objekt 2016-045A.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/htv6at13dec2016JAXAESANASA1500.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/htv6at13dec2016JAXAESANASA260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Das HTV 6 vor der Verbindung mit der ISS<br>(Bild: ESA / JAXA / NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die JAXA &#8230;<br></strong> &#8230;, Japans Weltraumforschungsagentur (Japan Aerospace Exploration Agency), bestätigte mit Datum 6. Februar 2017 den Wiedereintritt ihres ISS-Versorgers HTV 6 alias Kounotori 6 in die Erdatmosphäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 28. Januar 2017 um 11:59 Uhr MEZ wurde das HTV 6 von seinem Kopplungsport an der ISS abgedockt und später gegen 16:45 Uhr MEZ vom Roboterarm ins All entlassen. Nach drei Bremszündungen am 5. Februar 2017 um 9:42, 11:12 und 15:42 Uhr MEZ trat das H-2 Transfer Vehicle (HTV) gegen 16:06 Uhr MEZ am 5. Februar rund 120 Kilometer über der Ostküste Neuseelands in die Erdatmosphäre ein und wurde anschließend zerstört.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/ORUsatTanegashimaJune12016jaxa1500.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/ORUsatTanegashimaJune12016jaxa260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Akku-ORUs im Juni 2016 in Tanegashima<br>(Bild: JAXA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Mögliche Überreste des unbemannten Transportschiffs dürften nach Angaben der JAXA am 5. Februar 2017 zwischen 16:18 und 16:42 Uhr MEZ ins Meer gestürzt sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor seiner Entsorgung misslang dem Transporter ein KITE für Kounotori Integrated Tether Experiment genannter Versuch, der der Untersuchung einer Möglichkeit zur Beseitigung von Weltraumschrott dienen sollte. Vorgesehen war, ein rund 700 Meter langes Kabel mit einem Testkörper am Ende von einer Winde an Bord des HTV 6 abzurollen. In ausgerolltem Zustand war zwischen dem HTV und dem Testkörper ein durch den Flug durch das Magnetfeld der Erde verursachter Maximalstrom von rund 10 Milliampere erwartet worden. Bewegungen des Testkörpers wollte man mit den ISS-Annäherungssensoren des HTV erfassen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/ISSEVA39ShaneKimbroughhr1500.jpg" data-rel="lightbox-image-4" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/ISSEVA39ShaneKimbroughhr260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Akku-Erneuerung am Solar-Array S4 &#8211; Shane Kimbrough (rechts oben) im EMU am 13. Januar 2017</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Erfolgreich war jedoch der Transport von Nachschub, Lebensmitteln und wichtigen Ersatzteilen zur Raumstation. Auf der Transportpalette des HTV-6 war eine Nutzlast von rund 1.900 Kilogramm ins All gelangt. In der druckbeaufschlagten Sektion hatten sich rund 3.900 Kilogramm Fracht befunden.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/iss050e036132htv6releasenasa1500.jpg" data-rel="lightbox-image-5" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/iss050e036132htv6releasenasa260.jpg" alt=""/></a><figcaption>das HTV 6 am 28. Januar 2017 vor dem Aussetzen neben der ISS<br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Vom HTV 6, gestartet am 9. Dezember 2016 um 14:26 Uhr und 47 Sekunden MEZ, wurden unter anderem sechs Ersatzakkumulatorensätze (Orbital Replacement Units, ORUs) angeliefert. Die mit Lithium-Ionen-Akkumulatorenzellen ausgestatteten Komponenten wurden im Rahmen mehrerer Außenbordeinsätze als Ersatz für verschlissene Nickelmetallhydrid-Akkumulatoren außen an der Station installiert. Bei kommenden HTV-Flügen sollen weitere 18 Akku-ORUs zur ISS gebracht werden, um auch in Zukunft die Speicherung von durch die großen Solarzellenausleger der Station bereitgestellter elektrischer Energie zu gewährleisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das HTV 6 wurde katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.881 bzw. als COSPAR-Objekt 2016-76A.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>NanoRacks und Boeing &#8230;<br></strong> &#8230; wollen zusammen eine neue Schleusungseinrichtung für die ISS bauen. Nach derzeitigem Planungsstand soll das Schleusenmodul 2019 zur Raumstation transportiert und am US-amerikanischen Modul <a href="https://www.raumfahrer.net/tranquility/" data-wpel-link="internal">Tranquility</a> montiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://voyagertechnologies.com/space-solutions/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">NanoRacks</a> wurde 2009 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Houston im US-amerikanischen Bundesstaat Texas. Zusammen mit dem US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing will NanoRacks das nach eigenen Angaben erste kommerzielle Schleusenmodul für die ISS bereitstellen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/ISSNanoRacksAirlocknanoracks1500.jpg" data-rel="lightbox-image-6" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/ISSNanoRacksAirlocknanoracks260.jpg" alt=""/></a><figcaption>NanoRacks-Schleuse an der ISS &#8211; Illustration<br>(Bild: NanoRacks)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mai 2016 hatte NanoRacks zusammen mit der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtagentur (NASA) eine Vereinbarung über die Installation eines privaten Schleusenmoduls an der Raumstation unterzeichnet. Die Partnerschaft mit Boeing ging NanoRacks ein, um insbesondere den für die Kopplung an der Raumstation erforderlichen Adapter bauen und installieren zu lassen. Geplant ist die Verwendung eines passiven Adapters vom Typ Passive Common Berthing Mechanism (PCBM).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Hause NaoRacks soll sich eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Brock Howe dem Projektmanagement widmen und der Organisation und Überwachung der Entwurfsarbeiten für Mechanik und Avionik, von Training und Betrieb, von Sicherheitsaspekten und der Qualitätssicherung, sowie von Bau und Test von Mustern und Flugeinheit.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/ISSNanoRacksAirlockbnanoracks1500.jpg" data-rel="lightbox-image-7" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/06/ISSNanoRacksAirlockbnanoracks260.jpg" alt=""/></a><figcaption>NanoRacks-Schleuse an der ISS &#8211; Illustration<br>(Bild: NanoRacks)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Das neue Schleusenmodul könnte vor allem zum Aussetzen von Klein- und Kleinstsatelliten benutzt werden, die bisher insbesondere auf eine Schleuse am japanischen Modul <a href="https://www.raumfahrer.net/kibo/" data-wpel-link="internal">Kibo</a> angewiesen sind. Darüber hinaus könnten über die Schleuse auch größere, innerhalb der ISS montierte Konstruktionen ins All transferiert werden, als mit der Schleuse der Japaner handhabbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Auslegung des Schleusenmoduls erlaubt laut NanoRacks auch einen künftigen Einsatz an einer anderen Raumstation als der ISS. NanoRacks nennt in diesem Zusammenhang eine &#8222;zukünftige kommerzielle Plattform&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Mechanischen Werke Woronesch &#8230;<br></strong> &#8230; (russisch: <a href="https://vmzvrn.ru/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Воронежский механический завод</a>) aus Russland sind Hersteller von Triebwerken des Typs RD-0110 (Erzeugniscode 11D55), bei deren Untersuchung nach dem gescheiterten Start von Progress-MS 04 am 1. Dezember 2016 Qualitätsprobleme festgestellt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Informationen der russischen Raumfahrtbehörde <a href="https://web.archive.org/web/20220904184210/https://en.roscosmos.ru/20665/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Roskosmos</a> sind Fehler bei der Herstellung der Triebwerke oder unerwünschte Fremdstoffe für ein Versagen einer Oxidatorpumpe in der dritten Stufe der Trägerrakete verantwortlich. Die Zerstörung der Pumpe und das resultierende Feuer könnten zu einer Beschädigung des Oxidatortanks der Stufe geführt haben. Im Rahmen der Zerstörung des Tanks wäre es dann zur nicht bestimmungsgemäßen Abtrennung des Transportschiffs gekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im weiteren Verlauf kam es möglicherweise zu zwei Kollisionen zwischen der Raketenstufe und dem Transportschiff. Wegen der zum entsprechend Zeitpunkt suborbitalen Flugbahn stürzte Progress-M 04 schließlich zurück zur Erde. Überreste haben im Süden Sibiriens den Erdboden erreicht. Die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldete am 2. Dezember 2016, dass das Gebiet des Niedergangs in der Republik Tuwa westlich der Hauptstadt Kysyl identifiziert worden sei. Der Journalist Anatoly Zak berichtet von einem Tank mit rund 90 Zentimetern Durchmesser, der im Distrikt Ulug-Chemski gefunden wurde und dem Transportschiff zugeordnet werden könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Starts zur ISS auf Sojus-Raketen von Baikonur werden wegen den Problemen mit den Triebwerken jetzt verschoben, teilte der russische Flugleiter Wladimir Alexejewitsch Solowjow zwischenzeitlich mit. Der ursprünglich für den 27. März 2017 geplante Start von Sojus-MS 04 mit dem Russen Fjodor Nikolajewitsch Jurtschichin und dem US-Amerikaner Jack David Fischer an Bord ist nun auf den 20. April 2017 terminiert. In diesem Zusammenhang wurde die Landung von Sojus-MS 02 mit den Russen Andrei Iwanowitsch Borissenko und Sergei Nikolajewitsch Ryschikow und dem US-Amerikaner Robert Shane Kimbrough vom 25. Februar 2017 auf den 10. April 2017 nach hinten verschoben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Start des ISS-Versorgers Progress-MS 05 wurde um einen Tag vom 21. auf den 22. Februar 2017 nach hinten verlegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=14744.msg379922#msg379922" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">H-2B mit HTV Kounotori-6</a></li><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=14072.msg351828#msg351828" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Progress MS-03 (433) auf Sojus-U</a></li><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=14614.msg374264#msg374264" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Vorbereitung von Progress MS-04</a></li><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=14505.msg369415#msg369415" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Sojus MS-02 &#8211; (Nr.732) &#8211; Sojus-FG</a></li><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=3793.msg384364#msg384364" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">**ISS** Hauptthema (Beiträge zur Schleuse von NanoRacks)</a></li></ul>
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]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Progress-M 29M hob ISS-Bahn am 17. Februar 2016 an</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/progress-m-29m-hob-iss-bahn-am-17-februar-2016-an/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thomas Weyrauch]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Feb 2016 08:22:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Bordtriebwerk]]></category>
		<category><![CDATA[ISS]]></category>
		<category><![CDATA[Kopplungsport]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[NASA]]></category>
		<category><![CDATA[Poisk]]></category>
		<category><![CDATA[Sojus]]></category>
		<category><![CDATA[TASS]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Bahn der Internationalen Raumstation (ISS) wurde am 17. Februar 2016 um circa 1,8 Kilometer angehoben, berichtete das russischen Kontrollzentrum für bemannte Raumfahrt in Koroljow bei Moskau der russischen Nachrichtenagentur TASS am gleichen Tag. Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: mcc.rsa.ru, NASA, Roskosmos, TASS. Mit den Bordtriebwerken am Heck des russischen, seit dem 2. Oktober [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Die Bahn der Internationalen Raumstation (ISS) wurde am 17. Februar 2016 um circa 1,8 Kilometer angehoben, berichtete das russischen Kontrollzentrum für bemannte Raumfahrt in Koroljow bei Moskau der russischen Nachrichtenagentur TASS am gleichen Tag.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von <a href="https://www.raumfahrer.net/redakteure/" data-wpel-link="internal">Thomas Weyrauch</a>. Quelle: mcc.rsa.ru, NASA, Roskosmos, TASS.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/iss23dec2015nasa.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/iss23dec2015nasa260.jpg" alt=""/></a><figcaption>aktuelle ISS-Konfiguration &#8211; Illustration<br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Mit den Bordtriebwerken am Heck des russischen, seit dem 2. Oktober 2015 angedockten Versorgungsschiffs Progress-M 29M wurde das als Reboost bezeichnete Manöver zur Bahnanhebung der ISS durchgeführt. Reboosts sind regelmäßig erforderlich, da die ISS auf Grund der Bremswirkung der dünnen Restatmosphäre pro Tag zwischen 80 und 150 Meter Flughöhe verliert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 17. Februar 2016 um 13:44 Uhr Moskauer Zeit, das ist 11:44 Uhr MEZ, wurden die Triebwerke des von der US-amerikanischen Luft und Raumfahrtagentur (NASA) Progress 61 oder 61P genannten Versorgers gezündet. Die Triebwerke des am Heck des Servicemoduls Swesda (russisch für Stern) gekoppelten Versorgers brannten dann rund 652 Sekunden lang.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/1466465299m29mrosc800.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/1466465299m29mrosc260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Progress-M 29M bei Startvorbereitungen<br> in Baikonur 2015<br>(Bild: Roskosmos)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die Operation hob die Bahn der Station um circa 1,8 Kilometer an. Die durchschnittliche Flughöhe der ISS nach dem Manöver lag nach Angaben des russischen Kontrollzentrums und der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos bei ~ 404,4 Kilometern über der Erde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bahnanhebung erfolgte insbesondere in Vorbereitung des nächsten bemannten Flugs zur ISS. Die Station soll im März 2016 von Sojus-TMA 20M nach rund sechsstündigem Flug erreicht werden. Der Start von Sojus-TMA 20M mit den russischen Kosmonauten Alexej Owtschinin und Oleg Skripotschka und dem US-amerikanischen Astronauten Jeffrey Williams vom Kosmodrom Baikonur ist derzeit für den 19. März 2016 geplant.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor der Ankunft von Sojus-TMA 20M wird voraussichtlich am 1. März 2016 Sojus-TMA 18M mit den Russen Sergej Wolkow und Michail Kornienko sowie dem US-Amerikaner Scott Kelly an Bord die Station verlassen und dabei einen Kopplungsport am Forschungs- und Kopplungsmodul mit dem Eigennamen Poisk (russisch für Suche) freimachen. Für Kelly und Kornienko endet damit ihre sogenannte, real voraussichtlich 340 Tage lange Jahresmission.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=13685.msg353791#msg353791" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Progress M-29M (№429) – Sojus-U</a></li><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=3794.msg353995#msg353995" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">**ISS** Bahnmanöver &amp; Bahnerhalt</a></li></ul>
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		<title>Cosmonauts: Birth of the Space Age</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/cosmonauts-birth-of-the-space-age/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Weise]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Feb 2016 10:18:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gagarin]]></category>
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		<category><![CDATA[London]]></category>
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		<category><![CDATA[Wostok]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In London ist derzeit eine einmalige Ausstellung zur sowjetischen und russischen Weltraumgeschichte zu sehen. Für Raumfahrer.net war Andreas Weise vor Ort. Erstellt von Andreas Weise. Quelle: Museumsbesuch, Science Museum London. Juwelenschau Warum setzt man sich mitten in der Woche zu nachtschlafender Zeit in ein Flugzeug und fliegt nach London? Nun, zum ersten sind zur Wochenmitte [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/cosmonauts-birth-of-the-space-age/" data-wpel-link="internal">Cosmonauts: Birth of the Space Age</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">In London ist derzeit eine einmalige Ausstellung zur sowjetischen und russischen Weltraumgeschichte zu sehen. Für Raumfahrer.net war Andreas Weise vor Ort.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Erstellt von <a href="https://www.raumfahrer.net/redakteure/" data-wpel-link="internal">Andreas Weise</a>.   Quelle: Museumsbesuch, Science Museum London.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/UnterstuetzerAW1500.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/UnterstuetzerAW260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Unterstützer der Ausstellung<br>(Bild: Autor)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Juwelenschau<br></strong> Warum setzt man sich mitten in der Woche zu nachtschlafender Zeit in ein Flugzeug und fliegt nach London? Nun, zum ersten sind zur Wochenmitte die Flugpreise am niedrigsten. Und zum zweiten gibt es in London die Kronjuwelen zu bestaunen. Und die sind wirklich sehenswert! Allerdings meine ich nicht die wohl behüteten, im Tower auf den täglichen Touristenansturm wartenden Insignien der Britischen Krone.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In London sind zur Zeit die Kronjuwelen der sowjetischen Raumfahrt ausgestellt. Dem Science Museum London ist es gelungen, bedeutende, wichtige und auch schöne Ausstellungsstücke aus öffentlichen, nicht öffentlichen und privaten Museen Russlands zu vereinigen. Die Vorbereitung dieser Ausstellung hat nicht nur enormes diplomatisches Geschick erfordert, sie erstreckte sich darüber hinaus über mehrere Jahre. Die Liste der Leihgeber und Unterstützer der Ausstellung liest sich wie ein Who-is-who der russischen Raumfahrt. Museen und Ausstellungen, die ein „normalsterblicher Raumfahrtfan“ nicht ohne weiteres betreten kann, gaben Leihstellungen. Stellvertretend sei hier Zvesda, Energia, Lavochkin und das Moskauer Staatliche Luftfahrtinstitut genannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin geneigt hier ein Superlativ zu bemühen. Es wird vermutlich mindestens auf absehbare Zeit, wenn nicht, dann überhaupt nie wieder, solch eine Ausstellung in diesem Umfang außerhalb Russlands geben.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B10scmu1500.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B10scmu260.jpg" alt=""/></a><figcaption><br></figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sowjetisch-britische Zusammenarbeit<br></strong> Doch warum ausgerechnet London? Warum ausgerechnet bei den Briten? Großbritannien ist ja auf diplomatischer Ebene im Moment nicht gerade der besondere Freund Russlands. Die Liste der Meinungsverschiedenheiten ist lang. Sie könnte mit der Ukraine beginnen und würde mit Syrien nicht aufhören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um diesen Widerspruch zu verstehen muss man etwas tiefer in die Geschichte der sowjetischen Raumfahrt blicken. Wie wir aus den Memoiren von Boris Tschertok wissen, griff man in den Anfangsjahren der sowjetischen Raumfahrt gerne auf eine unabhängige Beobachtungsquelle zurück: Das <a href="https://www.jb.man.ac.uk/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Jodrell-Bank-Radioobservatorium</a> bei Manchester. Sendefrequenzen von sowjetischen Sonden wurden den dortigen Wissenschaftlern zugespielt. Und diese konnten dann den Flug, z.B. von interplanetaren Raumflugkörpern, neutral bestätigen. Dass die Sowjetunion dazu teilweise selber nicht in der Lage war, das wusste man damals noch nicht. So war das ein etwas sonderbarer, aber intensiver wissenschaftlicher Austausch. Dann kam der 12. April 1961 und mit ihm der erste bemannte Flug in den Kosmos. Auch in Großbritannien waren die Menschen begeistert. Kalter Krieg hin oder her. Die Leistung wurde als das verstanden, was sie war: Der Beginn eines neuen Zeitalters. Und dabei war es (fast) egal, welches Land die Leistung vollbrachte.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B14scmu1500.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B14scmu260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Sputnik-Satelliten, Mond- und Venus-Sonden<br>(Bilder: Science Museum London)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die Begeisterung war so groß, dass eine der größten Gewerkschaften, The Foundry Workers&#8216; Union in Manchester, Gagarin zu einem Besuch einlud. Und dieser kam tatsächlich. Die Sowjetunion sah darin die Chance, den historischen Flug entsprechend international zu würdigen. So fand dieser denkwürdige Besuch fast genau drei Monate nach Gagarins Raumflug statt. Inzwischen war aus der geplanten Visite der englischen Arbeiter, deren Situation schon Karl Marx für die Untermauerung der Kommunistischen Philosophie diente, ein großangelegter Staatsbesuch geworden. Der beinhaltete auch Empfänge bei Premierminister Harold Macmillan und der jungen Queen Elizabeth. Und das sympathische, einfache Auftreten Gagarins bei seinem Besuch wirkt noch heute nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Wissenschaftskreisen wird es noch heute als großes Zeichen der Verbundenheit angesehen, dass Gagarin gerade nach Großbritannien zuerst gereist ist. Davon zeugen auch die Wertschätzungen zu seinem 50sten Flugjubiläum 2011. Vor dem Gebäude des British Council direkt beim Admiralty Arch in der Nähe des Trafalgar Square wurde eine Gagarin-Plastik im Beisein von Gagarins Tochter aufgestellt. Die Plastik stand genau gegenüber der Statue von Kapitän James Cook. Symbolträchtiger konnte der Standort nicht gewählt werden. Die Skulptur war ein Geschenk der Raumfahrtbehörde Russlands Roskosmos und ist mittlerweile nach Greenwich umgezogen.<br>In diesem Umfeld gelang dem Londoner Science Museum ein Meisterstück.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B18scmu1500.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B18scmu260.jpg" alt=""/></a><figcaption><br><br></figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Museeum<br></strong> Das Science Museum in London ist ein sehr großes Gebäude. Viele hundert Menschen, oft inklusive mehrerer Schulklassen, sind an einem Werktag hier anwesend. Eigentlich ist das Gebäude immer voll. Der Eintritt ist frei. Dafür sind die Preise an der Garderobe, im Museumsshop und in der Cafeteria nicht gerade günstig. Für Sonderausstellungen werden gesonderte Eintrittspreise verlangt. Speziell für die Raumfahrtausstellung COSMONAUTS werden Eintrittskarten nur für bestimmte Uhrzeiten ausgegeben. So besteht durchaus die Gefahr, dass man am aktuellen Tag keinen Zutritt mehr bekommt. Daher ist ein Kartenkauf vorab über die Homepage des Museums dringendst angeraten. Alle erforderlichen Informationen zu Öffnungszeiten, Adressen und anderes findet man unter <a href="https://www.sciencemuseum.org.uk/" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Science Museum</a>.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B15scmu1500.jpg" data-rel="lightbox-image-4" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B15scmu260.jpg" alt=""/></a></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Ausstellung<br></strong> Erfreulich ist: In allen Räumen ist Museumspersonal anwesend, das auch bereitwillig Auskunft zu einzelnen Objekten gibt. Bemerkenswert ist, dass Spiegel an langen Stangen bereitgehalten werden, damit man an den Großobjekten auch mal „um die Ecke“ schauen kann. Eine nützliche und kreative Lösung!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ausstellung ist in mehrere Sektionen bzw. Themenbereiche gegliedert.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B17scmu1500.jpg" data-rel="lightbox-image-5" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B17scmu260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Woschod 1 (oberes Bild) und Wostok 6<br>(Bilder: Science Museum London)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sektion 1<br></strong> Zum Anfang, quasi zum aufwärmen, geht es um die Anfänge und Grundlagen der sowjetischen Raumfahrt. Künstlerische Darstellungen aus den 1920er Jahren und Ziolkowskis Vision eines Raumfahrzeuges gehören ebenso dazu, wie persönliche Dinge Koroljows aus seiner Zeit im stalinistischen Straflager. Der aufgezeigte Weg führt bis zum Triebwerk RD-108, das als Modell im Raum zentral präsentiert wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sektion 2<br></strong> Hier werden die Anfänge der Weltraumfahrt behandelt. Modelle von Sputnik 1, 2 und 3, sowie von Luna 3 und Venus 7 sind hier zu sehen. Angenehm ist, dass zu jedem Objekt auch Herkunft und Leihgeber genannt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sektion 3<br></strong> „Space Race“ – der Beginn der bemannten Weltraumfahrt. Neben persönlichen Dingen von Gagarin und der Filmkamera aus Titows Wostok-2-Flug, sind hier zwei ganz außergewöhnliche Exponate zu bestaunen: Die originalen Landekapseln von Wostok 6 (Tereschkowa, erste Frau im Weltraum) und Woschod 1 (erstes 3-Mann-Raumschiff). Ich gebe zu, ich habe in mitgebrachten Fotos geblättert, ob es wirklich die „richtigen“ Kapseln sind. Ich konnte beide Kapseln 2008 im Werksmuseum von Energia schon einmal bestaunen. Die Abbrandspuren am Hitzeschild, die bei jeder Kapsel individuell ausgefallen sind, bestätigten für mich die Identität der Kapseln. Dass Russland diese Exponate auf Reisen geschickt hat, ist für mich die eigentliche Sensation. Beide Exponate waren hinter Glas. Im Gegensatz zum Energia-Werksmuseum, wo man unmittelbar an die Kapseln heran kam. Das Energia-Museum ist allerdings auch nicht für die breite Öffentlichkeit gedacht.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B16scmu1500.jpg" data-rel="lightbox-image-6" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B16scmu260.jpg" alt=""/></a></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Durch den abgedunkelten Raum der Sektion 3 und die perfekte Ausleuchtung konnte man alle Einzelheiten sehr gut erkennen. Auch waren andernorts benutzte gewölbte Plexiglasabdeckungen über den Einstiegen entfernt worden. Somit war der Einblick ungetrübt. Da die beiden Kapseln direkt nebeneinander standen, war ein direkter Vergleich der Inneneinrichtung möglich. Fazit für mich: Hut ab vor den Männern von Woschod 1! Für diesen Flug war mehr als nur etwas Mut und technisches Selbstvertrauen nötig.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B11scmu1500.jpg" data-rel="lightbox-image-7" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B11scmu260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Лунный корабль 3 / Lunniy Korabl 3 (LK-3)<br>(Bilder: Science Museum London)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sektion 3 und Sektion 4<br></strong> Hier geht es um den Mond. Das Prunkstück hierbei ist der LK-3-Lander aus dem geheimen Lunar-Programm. Dessen Existenz wurde erst in den 1990er Jahren bekannt. Das ausgestellte Modell zeigt einen <a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=10546.0" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">LK</a>, wie er einen einzelnen Kosmonauten auf die Mondoberfläche bringen sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ausgestellte Objekt ist restaurativ in einem sehr guten Zustand. Als Eigentümer wird das Moskauer Staatliche Luftfahrtinstitut (MAI) genannt. Sucht man etwas im Internet, findet man Bilder dieses Exponates von Anfang der 1990er Jahre. 2007 stand das Objekt wieder im MAI. Davor war der LK in Eurodisney bei Paris ausgestellt. Auch dazu findet man Bilder im Internet. Zur Präsentation in Eurodisney wurden offenbar einige Bemalungen angebracht, die nicht dem Standard für die Kennzeichnung sowjetischer Raumfahrzeuge entsprechen. Diese sind noch vorhanden. Ich meine hier „Rote Sterne“ ohne die typische weiße Umrandung, Schriftzüge „CCCP“ und Hammer und Sichel“-Logos. Diese sehen eher aus, als ob hier der Mondlander aus dem Roman „Ascent“ von Jed Mercurio nachempfunden wurde. Eine sehr traurige, emotionale, aber genau auf den Mondlander passende Geschichte eines Phantom-Kosmonauten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben dem Mondlander wurde ein 1:1-Modell von Lunochod 1 von Lavotschkin ausgestellt. Im Gegensatz zum Lander für einen bemannten Besuch des Mondes gelang es der Sowjetunion, zwei Exemplare des <a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=12187.0" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">unbemannten Mondmobils</a> über Monate hinweg auf der Mondoberfläche einzusetzen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B1scmu1500.jpg" data-rel="lightbox-image-8" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B1scmu260.jpg" alt=""/></a><figcaption><br></figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sektion 5 und Sektion 6<br></strong> Hier findet man die Landekapsel von Sojus-TM 14, verschiedene Garderobenteile für Raumfahrer, Sokol- und Orlan-Raumanzüge. Aber auch der MARS-500-Raumanzug war zu besichtigen. Dabei handelt es sich um eine Orlan-Version, die speziell für den Einsatz auf dem Mars entwickelt wurde. Zum Einsatz kam der Anzug beim MARS-500-Experiment, einer 500-Tage-Marsflugsimulation. Fehlen durfte auch nicht die Weltraumtoilette aus der Raumstation MIR. Ganze zwei Kippschalter sind für die Bedienung notwendig. Wer erinnert sich da nicht gerne an das Weltraum-Klo in Standley Kubricks „2001“? Allein die <a href="http://www.visual-memory.co.uk/amk/doc/zg.html" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Bedienungsanleitung</a> ließ jegliches Bedürfnis ersticken.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B3scmu1500.jpg" data-rel="lightbox-image-9" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B3scmu260.jpg" alt=""/></a><figcaption><br></figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Final Room<br></strong> Am Ende der Ausstellung gibt es zum Abschluss ein absolutes Highlight zu bestaunen. Hier liegt in magisches Licht gehüllt eine lebensgroße menschliche Puppe. Ein „Ivan Ivanowitsch“. Dieser Dummy ist 1969 mit Zond 7 (Sonde 7) als Vorbereitung für die sowjetische bemannte Mondumrundung um den Mond geflogen. Da die Amerikaner mit Apollo 8 im Dezember 1968 den Mond sogar mehrfach umkreisten, wurde das sowjetische Vorhaben gestrichen – eine neuerliche Erstleistung war nicht mehr zu erzielen. Im Körper des Dummys befinden sich Sensoren für die Messung der Strahlungsbelastung. Das Gesicht des „Mondfliegers“ ist weltbekannt: Es ähnelt … Juri Gagarin.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B12scmu1500.jpg" data-rel="lightbox-image-10" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/07/B12scmu260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Raumanzüge, Landekapsel Sojus-TM 14<br>(Bilder: Science Museum London)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Empfehlung<br></strong> Wer die Möglichkeit hat, die Ausstellung zu besuchen, der sollte das unbedingt tun. Die Ausstellung ist voraussichtlich noch bis zum 13. März 2016 zu besichtigen. Nicht mehr viel Zeit also. Der Museumskatalog ist sehr ausführlich und direkt über das Science Museum zu beziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Danksagung<br></strong> Besonderer Dank gilt Ms. Julia Murray vom Science Museum London für die Bereitstellung von Pressefotos, Informationen und für die wertvollen Hinweise bei der Vorbereitung des Besuchs.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://forum.raumfahrer.net/index.php?topic=380.msg353826#msg353826" target="_blank" rel="noopener" data-wpel-link="internal">Raumfahrt-Museen und Ausstellungen</a></li></ul>
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			</item>
		<item>
		<title>R-7</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/r-7/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Sep 2011 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raketen]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[Nutzlast]]></category>
		<category><![CDATA[Trägerrakete]]></category>
		<category><![CDATA[Treibstoff]]></category>
		<category><![CDATA[Triebwerke]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die R-7 war nicht nur die weltweit erste Interkontinentalrakete, sie legte auch den Grundstein für die sowjetische Raumfahrt und ist heute noch in ihren Weiterentwicklungen eine der Hauptstützen der russischen Raumfahrt. Autor: Daniel Maurat. Geschichte Die Geschichte der R-7 begann Anfang der 1950er, als man in der Sowjetunion eine Möglichkeit suchte, ihre Atom- und Wasserstoffbomben [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Die <em>R-7</em> war nicht nur die weltweit erste Interkontinentalrakete, sie legte auch den Grundstein für die sowjetische Raumfahrt und ist heute noch in ihren Weiterentwicklungen eine der Hauptstützen der russischen Raumfahrt.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Autor: Daniel Maurat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Geschichte</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/r-7.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/r-7.jpg" alt="" width="214" height="363"/></a><figcaption>Eine <em>R-7</em> auf der Startrampe vor einem Testflug.<br>(Bild: Roskosmos)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte der <em>R-7</em> begann Anfang der 1950er, als man in der Sowjetunion eine Möglichkeit suchte, ihre Atom- und Wasserstoffbomben nach Amerika zu transportieren. Da man im Gegensatz zu den USA keine große Bomberflotte verfügte, suchte man händeringend nach einer anderen Lösung. Man kam schnell darauf, eine Rakete, deren Technologie man kurz zuvor von den Nazis erbeutet hat, zu entwickeln, mit der die Bombe nach Amerika gebracht werden kann. Darauf beauftragte man am 13. Februar 1953 den besten Raketenkonstrukteur der UdSSR, der legendäre Leiter des Konstruktionsbüros <em>OKB-1</em>, Sergej Koroljow, diese neue Rakete zu entwickeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch schnell änderte sich die Voraussetzungen für die Rakete: im Oktober 1953 testeten die Sowjets eine Wasserstoffbombe mit einem Gewicht von 5 Tonnen, ein sehr hohes Gewicht. Diese Bombe sollte nun die neue Rakete über tausende Kilometer nach Amerika bringen, ein Gedanke, den noch niemand gewagt hat zu denken. Bis dahin lag die maximale Reichweite von Raketen bei einigen hundert Kilometer, bei einer Nutzlastkapazität von etwa einer Tonne. Koroljow musste nun eine revolutionäre Rakete entwickeln, die alles, was es bisher gab, überbot. Doch Koroljow nahm die Herausforderung an und entwickelte eine revolutionäre Rakete: Eine Zentralstufe, umgeben von vier Boostern. Diese werden nach dem Ausbrennen abgeworfen, während die Zentralstufe weiterbrennt und so die Nutzlast weiter beschleunigt. Diese Rakete bekam als GRAU-Nummer die 8K71 und wurde im Militär <em>R-7</em> (russ. Р-7 Ракета 7 für Rakete 7) genannt, während sie von ihren Konstrukteuren den Namen <em>Semjorka</em> (russ. Семёрка) bekam, was &#8222;gute alte Sieben&#8220; bedeutet. Gleichzeitig begann man eine neue Startrampe zu bauen, weitab vom bisherigen Startplatz Kapistur Jar in Südrussland. Man suchte für diesen neuen Startplatz ein Gebiet beim zentralkasachischen Dorf Tjuratam, da es zwar weit abgelegen lag, aber doch in Form eines Flusses und mit Anschluss an der Eisenbahnlinie Moskau-Taschkent einen guten Verkehrsanschluss besaß. Später wurde dieser Startplatz als Kosmodrom Baikonur (eine Tarnbezeichnung, um die Amerikaner zu verwirren) neben Cape Canaveral zum Synonym für Raumfahrt. Später wurde für den operationellen Betrieb als Interkontinentalrakete auch im nordrussischen Plessetsk vier Startplattformen aufgebaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihren ersten Testflug hatte sie schon am 15. Mai 1957, nur vier Jahre nach dem Beginn der Entwicklungen, statt, doch die ersten Starts waren nicht so erfolgreich, was aufgrund der vielen neuen Technologien, die man entwickeln musste, nur verständlich ist. Doch anstatt Nuklearsprengköpfe transportierte sie zunächst nur Attrappen und am 4. Oktober auch den ersten Satelliten, <em>Sputnik 1</em>, was sie schnell weltberühmt machte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <em>R-7</em> war zwar für ihre Zeit eine sehr starke Rakete, doch wurde sie verbessert. Daraus entstand die <em>R-7A</em>, die vor allem einen höheren Schub hatte und so eine höhere Nutzlast transportieren oder die Maximalnutzlast der <em>R-7</em> weiter transportieren konnte. Sie war auch die einzige Variante der <em>R-7</em>, die auch mit Atombomben bestückt wurde: während der Kuba-Krise im Oktober 1962 wurden in Plessetsk die vier Startrampen für kurze Zeit mit vier <em>R-7A</em> mit Atomsprengköpfen bestückt, die innerhalb von 8 &#8211; 12 Stunden die vier US-Städte New York, Washington, Chicago und Los Angeles angreifen konnten. Doch schnell wurde sie durch andere Interkontinentalraketen wie der <em>R-36</em> ersetzt, da die <em>R-7</em> und die <em>R-7A</em> mit den Treibstoffen Kerosin und flüssiger Sauerstoff betrieben. Da der flüssige Sauerstoff erst bei -170 °C flüssig ist, musste die Rakete ständig nachgetankt werden, was sie zu Erstschlagwaffen machte, da man keine Bunkersysteme zum Schutz der Rakete aufgrund der Gefahren einer sauerstoffreichen Atmosphäre (womit die Amerikaner mit ihren ersten Interkontinentalraketen vom Typ <em>Atlas</em> traurige Erfahrung machen mussten) bauen konnte. Doch die <em>R-7</em> hatte schon mit ihrem zweiten Leben als Satellitenträger bekommen und wurde schnell zu einer Hauptstütze des sowjetischen Raumfahrtprogramms.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Versionen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <em>R-7</em> ist der Urahn folgender Raketen:</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:100%">
<figure class="wp-block-table"><table><tbody><tr><td><img decoding="async" src="https://images.raumfahrer.net/news/sputnik_1_ni.jpg" alt="Sputnik" style="width: 300px;"><br><img decoding="async" width="4" height="4" src="https://images.raumfahrer.net/nav/spacer.gif"><br></td><td><strong><a href="https://www.raumfahrer.net/sputnik/" data-wpel-link="internal">Sputnik</a></strong><br><br>Die sowjetische <em>R7</em> sollte zunächst Atombomben nach Amerika bringen, doch startete sie als <em>Sputnik</em> den ersten Satelliten der Welt.<br><br></td></tr><tr><td><img decoding="async" src="https://images.raumfahrer.net/news/wostok_ni.jpg" alt="Wostok" style="width: 300px;"><br><img decoding="async" width="4" height="4" src="https://images.raumfahrer.net/nav/spacer.gif"><br></td><td><strong><a href="https://www.raumfahrer.net/luna-wostok/" data-wpel-link="internal">Luna / Wostok</a></strong><br><br>Sie brachte nicht nur die ersten Sonden zum Mond, sie startete auch den ersten Menschen ins Weltall: Die <em>Luna</em>&#8211; und <em>Wostok</em>-Raketen waren Jahre lang eines der Arbeitspferde des sowjetischen Weltraumprogramms.<br><br></td></tr><tr><td><img decoding="async" src="https://images.raumfahrer.net/news/molnija_ni.JPG" alt="Molnija" style="width: 300px;"><br><img decoding="async" width="4" height="4" src="https://images.raumfahrer.net/nav/spacer.gif"><br></td><td><strong><a href="https://www.raumfahrer.net/molnija/" data-wpel-link="internal">Molnija</a></strong><br><br>Die <em>Molnija</em> bildete Jahre lang das Rückgrat der russischen Raumfahrt und startete nicht nur die ersten russischen Kommunikationssatelliten, sondern auch die ersten Sonden zu Venus und Mars.<br><br></td></tr><tr><td><img decoding="async" src="https://images.raumfahrer.net/news/wosschod_ni.jpg" alt="Wosschod" style="width: 300px;"><br><img decoding="async" width="4" height="4" src="https://images.raumfahrer.net/nav/spacer.gif"><br></td><td><strong><a href="https://www.raumfahrer.net/wosschod/" data-wpel-link="internal">Wosschod</a></strong><br><br>Sie war eine der Hauptstützen des sowjetischen Weltraumprogramms und bildete die Basis für die später so erfolgreiche <em>Sojus</em>: die <em>Wosschod</em> (ausgesprochen Woss-chod) startete nicht nur militärische Satelliten, sondern auch die gleichnamigen Raumkapseln.<br><br></td></tr><tr><td><img decoding="async" src="https://images.raumfahrer.net/news/sojus-start03_ni.jpg" alt="Sojus" style="width: 300px;"><br><img decoding="async" width="4" height="4" src="https://images.raumfahrer.net/nav/spacer.gif"><br></td><td><strong><a href="https://www.raumfahrer.net/sojus/" data-wpel-link="internal">Sojus</a></strong><br><br>Sie war lange Zeit das Arbeitspferd der sowjetischen und später russischen Raumfahrt: Die <em>Sojus</em> ist eine der erfolgreichsten und am meisten gestarteten Raketen der Welt.<br><br></td></tr><tr><td><img decoding="async" src="https://images.raumfahrer.net/news/roskosmos-sojus2-globalstar2-start01_ni.jpg" alt="Sojus 2" style="width: 300px;"><br><img decoding="async" width="4" height="4" src="https://images.raumfahrer.net/nav/spacer.gif"><br></td><td><strong><a href="https://www.raumfahrer.net/sojus-2/" data-wpel-link="internal">Sojus FG / 2</a></strong><br><br>In den 1990ern wollte Russland die <em>Sojus</em> weiterentwickeln. Doch erst nach 2000 ermöglichte eine Kooperation mit den Westeuropäern die Entwicklung der <em>Sojus 2</em>.<br><br></td></tr><tr><td><img decoding="async" src="https://images.raumfahrer.net/news/roskosmos-sojus2-globalstar2-start01_ni.jpg" alt="Sojus-Zukunft" style="width: 300px;"><br><img decoding="async" width="4" height="4" src="https://images.raumfahrer.net/nav/spacer.gif"><br></td><td><strong><a href="https://www.raumfahrer.net/die-zukunft-der-sojus/" data-wpel-link="internal">Zukunft der Sojus</a></strong><br><br>Obwohl die <em>Sojus</em>-Rakete seit den 60ern im Einsatz ist, ist ihre Entwicklung noch nicht am Ende. So gibt es in Russland zahlreiche Ideen, wie man die <em>Sojus</em> weiterentwickeln könnte.</td></tr></tbody></table></figure>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verwandte Artikel:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="/raketen-index-russland/" data-wpel-link="internal">Index: Russland</a></li></ul>
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			</item>
		<item>
		<title>Molnija</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/molnija/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 17:55:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raketen]]></category>
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		<category><![CDATA[Plesetsk]]></category>
		<category><![CDATA[R-7]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Molnija bildete Jahre lang das Rückgrat der russischen Raumfahrt und startete nicht nur die ersten russischen Kommunikationssatelliten, sondern auch die ersten Sonden zu Venus und Mars. Ein Beitrag von Daniel Maurat. Geschichte Nach den Erfolgen der Sputnik-Satelliten und der ersten Luna-Sonden wollte man in der Sowjetunion weitere Erfolge verbuchen. Nachdem das Wostok-Programm schon angelaufen [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Die <em>Molnija</em> bildete Jahre lang das Rückgrat der russischen Raumfahrt und startete nicht nur die ersten russischen Kommunikationssatelliten, sondern auch die ersten Sonden zu Venus und Mars.</h4>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Daniel Maurat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Geschichte</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/molnija.jpg" alt=""/><figcaption>Eine Molnija beim Start der <br>Vonussonde Venera 1 am<br> 12. Februar 1961<br>(Bild: Roskosmos)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Erfolgen der <em>Sputnik</em>-Satelliten und der ersten <em>Luna</em>-Sonden wollte man in der Sowjetunion weitere Erfolge verbuchen. Nachdem das <em>Wostok</em>-Programm schon angelaufen ist, dachte man daran, einfache Raumsonden zu den nächsten Planeten, also Venus und Mars, sowie schwerere Raumsonden und sogar Lander zum Mond zu schicken. Doch bisher fehlte eine Rakete (die <em>Luna</em> konnte gerade einmal 400 kg zum Mond bringen). So beauftragte man den Hersteller der <em>R-7</em>, das Konstruktionsbüro <em>OKB 1</em> unter dem legendären Chefkonstrukteur Sergeji Koroljow damit, eine neue Rakete auf Basis der <em>R-7</em> zu entwickeln, die in der Lage sein sollte, die von ihr geforderten Aufgaben zu erfüllen. Doch es stellte sich nun ein neues Problem: Um die Sonden zu ihrem Ziel zu bringen, muss die Oberstufe eine Freiflugphase machen. Dies steigert die Nutzlast zum Ziel, da sonst die Zielstellung, eine Sonde zu Mars oder Venus zu schicken, nicht erreichbar wäre. Solch eines Flugprofils bedurfte also eine Wiederzündung einer mit Flüssigtreibstoff betriebenen Oberstufe im Orbit, ein Verfahren, dass noch nie zuvor durchgeführt wurde. Doch schließlich konnte man dieses Problem lösen: Man nutze einen weiteren, kleineren mit Festtreibstoff betriebenen Triebwerksblock, der zuerst gezündet wurde. Durch den Schub des Triebwerksblocks sammelte sich der Treibstoff am Boden der Tanks und gewährleistete so den regelmäßigen Treibstofffluss zum Triebwerk, ein elementarer Bestandteil des Betriebs eines Treibwerkes. Nach der Zündung des Haupttriebwerks wird der zusätzliche Triebwerksblock abgetrennt. Danach ist die Stufe nicht mehr fähig, nochmal zu zünden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die zweite Stufe war eine Neuentwicklung. Sie war um einiges größer als die bisher eingesetzte <em>Block E</em> in der <em>Wostok</em> und hatte auch schubstärkere Triebwerke. Genauso wie in der zuvor eingesetzten <em>Block E</em> nutze man die heiße Stufentrennung zum Zünden und Trennen der zweiten von der ersten Stufe. Sie wurde zum integralen Bestandteil späterer Varianten der <em>R-7</em> und wird, natürlich modernisiert, noch in den Trägern vom Typ <em>Sojus</em> genutzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihren &#8222;offiziellen&#8220; Namen erhielt die 8K78, als sie die ersten Satelliten der <em>Molnija</em>-Serie (russ. Молния für Blitz) startete. Gemäß der damals üblichen Praxis benannte man gleich die ganze Rakete nach dem Satelliten, wodurch die 8K78 zur <em>Molnija</em> wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Versionen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt gab es zwei Versionen der <em>Molnija</em> mit mehreren Unterversionen:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>8K78 Molnija</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 8K78 <em>Molnija</em> war die erste sowjetische Rakete, die in der Lage war, interplanetare Sonden zu starten. Dazu entwickelte man im Konstruktionsbüro <em>OKB 1</em> zwei neue Stufen, die neue Zweitstufe <em>Block I</em> sowie die <em>Block L</em>, das Herzstück der <em>Molnija</em>. Sie diente vor allem zum Start von Raumsonden vom Typ <em>Venera</em> (russ. Венера für Venus) sowie vom Typ <em>Mars</em> (russ. Марс für Mars), später auch Sonden vom Typ <em>Zond</em> (russ. Зонд für Sonde) und auch die ersten Kommunikationssatelliten vom Typ <em>Molnija</em> (später bekam die von ihnen Umlaufbahn den Namen <em>Molnija-Orbit</em>), denen die Rakete ihren Namen verdankt. Ihren Erststart erlebte sie am 20. Januar 1960, noch nur mit einem Modell der <em>Block L</em>, um so die neue Zweistufe <em>Block I</em> zu testen. Von ihren 26 Starts waren ganze 13 Fehlschläge, wobei meistens das Problem die <em>Block L</em>-Oberstufe war. Sie zündete nämlich entweder nur kurz oder überhaupt nicht. Deswegen flog sie nur bis 1965 und wurde dann durch die verbesserte <em>Molnija M</em> ersetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>8K78M Molnija M</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/molnija_m.jpg" alt=""/><figcaption>Eine der letzten Vetreter der <br>Molnija-M am 23. Oktober 2007 <br>auf der Rampe. An Bord der <br>Frühwarnsatellit Oko 84.</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die <em>Molnija M</em> war eine stark verbesserte Version der <em>Molnija</em>, wobei vor allem die Eliminierung des Konstruktionsfehlers in der <em>Block L</em>. Sie wurde schnell zum Arbeitspferd der sowjetischen Raumfahrt, neben der anderen Varianten der <em>R-7</em>, der <em>Tsyklon</em> und der <em>Proton</em>, und war im Gegensatz zu ihrem Vorgänger eine der erfolgreichsten Varianten der <em>R-7</em>. Eine weitere Neuerung waren die verschiedenen Varianten der <em>Block L</em>, die zur Verfügung standen. Damit wurde die Rakete etwas flexibler. Doch der Nachteil der einmaligen Wiederzündung der <em>Block L</em> blieb für die Rakete ein Manko bis zum Ende. Sie startete zum ersten Mal dabei am 19. Februar 1964 und startete bis zu ihrem letzten Flug am 30. September 2010 nicht weniger als 297 Mal, einen auch für eine Version der <em>R-7</em> nicht schlechter Wert. Dabei gab es ganze 20 Fehlschläge, wobei hier die meisten auch auf die <em>Block L</em> zurückzuführen waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Technik</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die verschiedenen Versionen der <em>Molnija</em> besaßen alle drei Stufen mit vier Boostern:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Die vier eingesetzten <strong>Booster</strong>, auch als <em>Block B, W, G, D</em> (russ. Блок Б, В, Г, Д) bekannt, waren verbesserte Versionen der Booster der <em>R-7</em>. Genauso wie ihre Vorgänger waren sie 19 m lang, hatten einen Basisdurchmesser von 2,68 m und wogen voll betankt 43,4 t. Als Treibwerke nutzte man zunächst pro Booster ein <em>NPO Energomash RD-107-8D74PS</em>, die noch von der <em>Sputnik</em> stammten. Sie lieferten je einen Schub von 995,3 kN (im Vakuum) und brannten 119 Sekunden lang. Später benutze man ein verbessertes <em>NPO Energomash RD-107-8D727</em> mit einem Schub von 995,3 kN (im Vakuum) bei einer Brenndauer von 120 Sekunden. Als Treibstoff nutze man wie schon zuvor in den vorherigen Versionen der <em>R-7</em> die Treibstoffkombination aus <em>RP-1</em> (Kerosin) als Treibstoff und <em>LOX</em> (flüssiger Sauerstoff) als Oxydator.</li><li>Die <strong>erste Stufe</strong>, auch <em>Block A</em> (russ. Блок А), entsprach im Großen und Ganzen der Erststufe der <em>Wostok</em>-Rakete. Sie war 28 m lang, hatte einen Maximaldurchmesser von 2.99 m und wog voll betankt 100,6 t. Das zunächst eingesetzte einzelne Vierkammertriebwerk vom Typ <em>NPO Energomash RD-108-8D75K</em> mit einem Schub von 912 kN (im Vakuum) bei einer Brenndauer von 305 Sekunden. In der <em>Molnija M</em> nutzte man schon das <em>NPO Energomash RD-107-8D727</em>-Triebwerk mit einem Schub von 976,7 kN (im Vakuum) bei 291 Sekunden Brenndauer. Wie in den Boostern nutze man als Treibstoff <em>RP-1</em> und als Oxydator <em>LOX</em>.</li><li>Die <strong>zweite Stufe</strong> mit dem Namen <em>Block I</em> (russ. Блок И) war eine Neuentwicklung für die <em>Molnija</em>. Die Stufe an sich war 6,80 m lang, hatte einen Durchmesser von 2,58 m und wog voll betankt 24,8 t. Das einzelne in der <em>Molnija</em> genutzte <em>OKB Kosberg RD-0108</em>-Triebwerk lieferte einen Schub von 298 kN bei einer Brenndauer von 250 Sekunden. Später nutze man ein verbessertes Triebwerk vom Typ <em>KBKhimAvtomatiki RD-0110</em>-Triebwerk mit einem Schub von 298,1 kN bei einer Brenndauer von 241 Sekunden. Als Treibstoff nutzte man dabei wie in den unteren Stufen <em>RP-1</em> und <em>LOX</em> als Oxydator.</li><li>Die <strong>dritte Stufe</strong>, die <em>Block L</em> (russ. Блок Л), war das Herz der <em>Molnija</em> und der Urvater der wohl berühmtesten russischen Oberstufe, der <em>Block D</em>. Die Stufe an sich war 3,32 m lang, hatte einen Durchmesser von 2,58 m und wog voll betankt 5,72 t. Die Treibstoffzuladung konnte so verändert werden, dass die Stufe beim Start zwischen 5,72 und 4,99 t wog. Das einzelne <em>OKB Koroljow S1-5400</em>-Triebwerk lieferte für 250 Sekunden Brenndauer einen Schub von 63,8 kN. Für die Wiederzündung nutze man einen speziellen abwerfbaren Triebwerksblock, den sogenannten <em>BOZ</em> (russ. БОЗ), die den Treibstoff am Boden der Tanks sammelte und so einen zuverlässigen Treibstofffluss gewährleistete. Als Treibstoff nutze man den auch in der restlichen Rakete genutzten Treibstoffmix aus <em>RP-1</em> und <em>LOX</em>.<br><br>Nachdem die erste Version der <em>Block L</em> eine miserable Statistik hatte, entwickelte man sie weiter. Daraus wurden in den Jahren folgende Versionen:<br><br><ul><li>Eine verbesserte Version der <em>Block L</em> (russ. Блок Л) mit einem verbesserten <em>OKB Isajew S1-5400A</em>-Triebwerk.</li><li>Die <em>Block ML</em> (russ. Блок МЛ) war eine verbesserte Variante mit einem neuen <em>11D33</em>-Triebwerk mit einem Schub von 66,3 kN Schub bei einer reduzierten Brenndauer von 200 Sekunden</li><li>Die <em>Block MWL</em> (russ. Блок МВЛ) war eine Spezialversion der <em>Block ML</em> mit einer etwas höheren maximalen Nutzlast.</li><li>Die <em>Block 2BL</em> (russ. Блок 2БЛ) entsprach der <em>Block 2BL</em>, hatte aber eine reduzierte Brenndauer von 163 Sekunden.</li><li>Die <em>Block 2BLM</em> (russ. Блок 2БЛМ) war eine verbesserte Variante der <em>Block 2BL</em>. Die Hauptveränderung war vor allem das neue <em>11D33M</em>-Triebwerk.</li><li>Die <em>Block SOL</em> (russ. Блок СОЛ) hatte ein geringeres Leergewicht, was der Nutzlast zugutekam.</li></ul></li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Starts</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <em>Molnija</em>-Raketen starten zwischen 1960 und 2010, also in einem Zeitraum von über 50 Jahren, insgesamt ganze 318 Mal, eine sehr gute Startrate für jede Rakete. Dabei gab es 29 Fehlschläge, wobei die meisten in den frühen Jahren der Rakete geschahen. Dies lag an dem schon genannten Konstruktionsfehler in der <em>Block L</em>. Als Startplätze kamen dabei der Kosmodrom Baikonur in Kasachstan mit den <em>R-7</em>-Rampen 1 (auch <em>Gagarins Start</em> genannt) sowie die Startrampe 31 und der Kosmodrom Plessetsk in Nordrussland mit den Startrampen SK-1 / 41/1, SK-2 / 16/2, SK-3 / 43/3 und SK-4 / 43/4 zum Einsatz. Als Nutzlasten startete die Rakete nicht nur die ersten sowjetischen interplanetaren Raumsonden vom Typ <em>Venera</em>, <em>Mars</em> und <em>Zond</em> oder fortgeschrittene Mondsonden vom Typ <em>Luna</em>, sondern auch eine Reihe von Kommunikationssatelliten vom Typ <em>Molnija</em>, sondern auch Frühwarnsatelliten vom Typ <em>US-K</em> und Forschungssatelliten der <em>Prognoz</em>-Reihe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ende</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl die <em>Molnija</em>, nachdem sie ihre Kinderkrankheiten überwunden hatte, hatte sie doch einige Nachteile gegenüber anderen Trägern wie der <em>Sojus-Fregat</em>: Durch die <em>BOZ</em>-Triebwerkseinheit konnte die Stufe nur ein einziges Mal wiedergezündet werden, was ihr Einsatzspektrum einschränkte. Die <em>Fregat</em> dagegen kann mehrere Male wiedergezündet werden und so sind viel mehr Bahnen erreichbar als für die <em>Molnija</em>. So ging die Startrate nach dem Ende der UdSSR immer mehr runter und die Produktion wurde eingestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verwandte Webseiten:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://www.russianspaceweb.com/vostok_lv.html" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">RussianSpaceWeb.com</a></li><li><a href="https://space.skyrocket.de/doc_lau/vostok.htm" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Daten bei <em>Gunther&#8217;s Space Page</em></a></li><li><a href="https://historicspacecraft.com/Rockets_Russian.html#Molniya" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">HistoricSpaceCraft.com</a></li><li><a href="https://web.archive.org/web/20240727190731/http://www.b14643.de/Spacerockets_1/East_Europe_1/Semyorka/Description/Molniya/Frame.htm" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Daten zur <em>Molnija</em> bei Norbert Brügge</a></li></ul>
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			</item>
		<item>
		<title>Luna / Wostok</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/luna-wostok/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Sep 2011 21:24:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Juri Gagarin]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[Luna]]></category>
		<category><![CDATA[Mond]]></category>
		<category><![CDATA[Wostok]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sie brachte nicht nur die ersten Sonden zum Mond, sie startete auch den ersten Menschen ins Weltall: Die Luna&#8211; und Wostok-Raketen waren Jahre lang eines der Arbeitspferde des sowjetischen Weltraumprogramms. Ein Beitrag von Daniel Maurat. Geschichte Nach den Propaganda-Erfolgen der ersten Sputnik-Satelliten wollte man in der Sowjetunion weiter Erfolge verbuchen, um so auf dem damaligen [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Sie brachte nicht nur die ersten Sonden zum Mond, sie startete auch den ersten Menschen ins Weltall: Die <em>Luna</em>&#8211; und <em>Wostok</em>-Raketen waren Jahre lang eines der Arbeitspferde des sowjetischen Weltraumprogramms.</h4>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Daniel Maurat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Geschichte</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Propaganda-Erfolgen der ersten <em>Sputnik</em>-Satelliten wollte man in der Sowjetunion weiter Erfolge verbuchen, um so auf dem damaligen technologischen Schlachtfeld des Kalten Krieges weiter den USA ein Schnippchen zu schlagen. Als nächstes logisches Ziel stellten dabei eine Reihe von kleinen, unbemannten Sonden zum Mond sowie ein bemannter Flug ins Weltall dar. Doch die <em>R-7</em>, im Westen als <em>Sputnik</em> bekannt, war nicht darauf ausgelegt, weder eine Sonde zum Mond noch ein bemanntes Raumschiff zu starten. Deswegen begann man im Konstruktionsbüro <em>OKB-1</em> unter der Leitung des legendären Chefkonstrukteurs beziehungsweise später auch &#8222;Vater der sowjetischen Raumfahrt&#8220; genannten Sergeji Koroljow die Entwicklung einer Drittstufe für die <em>R-7</em>, mit der die Rakete nun in der Lage sein sollte, die gesteckten Ziele zu erfüllen. Aber eines der damals größten Probleme war die fehlende Erfahrung von Zündungen einer Rakete im Weltraum (was man sowohl in den USA als auch in der UdSSR mit einer parallelen Bündelung der Raketenstufen, wie in der <em>Atlas</em> oder der <em>R-7</em>, zu umgehen versuchte). Nichtsdestotrotz beauftragte man am 20. März 1958 Koroljows <em>OKB-1</em> mit der Entwicklung der Drittstufe. Und gerade einmal ein halbes Jahr später, am 23. September, startete die erste dieser neuen Raketen. Die Lösung des Problems der Zündung im Weltraum war so einfach wie genial: während die untere Stufe noch arbeitete, startete man bereits die Oberstufe, da noch durch den Schub der unteren Stufe ei Schub erzeugt wurde, der den Treibstoff am Boden der Oberstufe hält und so ein zuverlässiger Fluss des Treibstoff zum Triebwerk gewährleistet ist. Beide Stufen sind durch ein Gitter miteinander verbunden, das abgetrennt wird, sobald die untere Stufe ausgebrannt und die Oberstufe ihren Nominalschub erreicht hat. Darauf drücken die Abgase der Oberstufe die untere Stufe weg, welche zum Schutz einen konusförmigen Schild trägt. Diese Art von Stufentrennung wird mit der reffenden Bezeichnung &#8222;heiße Stufentrennung&#8220; bezeichnet (die auch heute in den Nachfolgern, wie etwa der <em>Sojus</em>, eingesetzt wird).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Versionen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>8K72 Luna</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/luna.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/luna_klein.jpg" alt=""/></a><figcaption>Eine Luna-Rakete beim Start der<br> Raumsonde Luna.<br>(Bild: Roskosmos)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die <em>Luna</em> (russ. Луна für Mond), in der Literatur auch als <em>Wostok-L</em> (russ. Восток Л) bezeichnet, sollte die ersten Raumsonden vom Typ <em>Luna</em> (daher der Name der Rakete) zum Mond bringen. Sie nutze dabei als erste Rakete die neue Oberstufe, um mit ihr die Nutzlast zum Mond zu bringen. Doch viele ihrer Starts schlugen fehl, da die neue Oberstufe noch eine Menge Kinderkrankheiten hatte, die ausgemerzt werden mussten. So kam es nur zu zwei Erfolgen und einem Teilerfolg, bei denen man die Sonden <em>Luna</em> / <em>Lunik 1-3</em> startete. <em>Luna 1</em> wurde zwar auf eine Transferbahn zum Mond geschickt, doch schlug sie nicht wegen eines Fehlers im Steuerungssystem wie geplant auf dem Mond ein, sondern flog in einem Abstand von etwa 6.000 km am Mond vorbei und wurde zur ersten Sonde die die Sonne umkreiste. Die zweite Sonde, <em>Luna 2</em>, eine Kopie von <em>Luna 1</em>, schlug dagegen erfolgreich auf dem Mond auf und verteilte verschiedene Embleme der Sowjetunion auf dem Mond. Und <em>Luna 3</em> schließlich flog am Mond vorbei und schoss die ersten, wenn auch unscharfen Fotos von der Rückseite des Erdtrabanten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>8K72 Wostok</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_klein.jpg" alt=""/></a><figcaption>Der Start einer Wostok-Rakete am<br> 12. April 1961. An Bord das erste<br> bemannte Raumschiff, Wostok 1,<br> mit Juri Gagarin an Bord.<br>(Bild: Roskosmos)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die <em>Wostok</em> (russ. Восток für Osten) war eine etwas überarbeitete Version der <em>Luna</em>, die für den Transport der gleichnamigen <em>Wostok</em>-Kapsel modifiziert wurde. Dabei wurde vor allem die Oberstufe verstärkt und man benutzte nun eine längere Nutzlastverkleidung. Sie war eigentlich nur eine Interimsversion zwischen der <em>Luna</em> und der <em>Wostok K</em>, die dann für den Start der bemannten Kapseln genutzt wurde. Sie wurde ausschließlich dazu genutzt, vier Testmodelle der neuen <em>Wostok</em>-Kapsel zu starten und zu testen und wurden als <em>Korabl-Sputnik</em> (russ. Корабл-Спутник für Schiffs-Satellit) bezeichnet. Im Westen wurden sie dagegen als <em>Sputnik</em> bezeichnet, um so den Westen nicht die Absichten der Starts zu verraten. Dabei gab es einen verheerenden Fehlschlag: der zweite Start am 28. Juli 1960 endete in einer Explosion, die von einem der Booster ausging. Dabei starben die zwei Hunde Lisischka und Chaika. Der wohl bekannteste Flug aber fand ab 19. August desselben Jahres, nur drei Wochen nach dem Fehlstart und dem Tod der Hunde, statt. An Bord waren die beiden Hunde Belka und Strelka und ihr Flug verlief zum Glück problemlos. Eine Randbemerkung dabei ist, dass Belka einige Zeit nach dem Flug Welpen zur Welt brachte und der damalige Generalsekretär der KPdSU und damit der mächtigste Mann der Sowjetunion, Nikita Chruschtschow, einen der Welpen, Puschinka, der Tochter von US-Präsident John F. Kennedy schenke (es heißt, dass sie auch heute noch Nachfahren dieses Welpen besitzt).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>8K72K Wostok K</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <em>Wostok K</em> (russ. Восток К) ist eine verbesserte und standardisierte Version der <em>Wostok</em>. Vor allem steigerte man den Schub des Oberstufen-Triebwerks, was auf Kosten der Brenndauer ging. Auch verwendete man als Basis die verbesserte Version der <em>Sputnik</em>, mit der der Satellit <em>Sputnik 3</em> gestartet wurde. Zunächst wurden wieder Testversionen der <em>Wostok</em>-Kapsel vom Typ <em>Korabl-Sputnik</em> gestartet, mit der die Kapsel für den Flug verifiziert wurde. Ihre wohl berühmtester Einsätze waren die sechs bemannten Starts mit der <em>Wostok</em>-Kapsel, allem voran der Start am 12. April 1961, bei dem die Rakete die Kapsel <em>Wostok 1</em> mit dem Kosmonauten Juri Gagarin als Besatzung zu seinem 108-minütigen historischen Flug startete. Später flogen mit der Rakete auch die Kosmonauten German Titov, Andrijan Nikolajew, Pawel Popowitsch, Waleri Bykowski und die erste Kosmonautin, Valentina Tereschkowa und wurden so zusammen mit Gagarin zu den ersten russischen Helden des Wettlaufes ins Weltall. Nach den Starts für das bemannte <em>Wostok</em>-Programm nutze man die Rakete vor allem zum Start der ersten Generation von sowjetischen Spionagesatelliten vom Typ <em>Zenit 2</em>, Grunde genommen eine <em>Wostok</em>-Kapsel mit Kamerasystemen in der Rückkehrkapsel, sowie Satelliten vom Typ <em>Elektron</em> zur Untersuchung des Van-Allen-Gürtels.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>8A92 Wostok-2</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <em>Wostok-2</em> (russ. Восток-2) ist gegenüber der Vorgängerversionen modernisiert worden. Vor allem wurden die Triebwerke der Booster und der Erststufe verbessert sowie das Oberstufentriebwerk im Schub und der Brenndauer gesteigert. Sie diente ausschließlich für den Start von <em>Zenit-2</em>-Spionagesatelliten, die auf den <em>Wostok</em>-Kapseln basieren. Sie war die sowjetische Antwort auf die amerikanischen Spionagesatelliten vom Typ <em>Keyhole 1-4 Corona</em>, die mit Raketen vom Typ <em>Thor Agena</em> gestartet wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>8A92M Wostok-2M</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_2m.jpg" alt=""/><figcaption>Der Start einer Wostok 2M-Rakete<br> von Plessetsk.<br>(Bild: Roskosmos)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die <em>Wostok-2M</em> (russ. Восток-2М) ist die letzte Version der <em>Wostok</em>-Familie. Sie war nochmals eine standardisierte und verbesserte Version der <em>Wostok 2</em>. Sie startete vor allem zivile Satelliten, so etwa Wettersatelliten vom Typ <em>Meteor</em>, Erderkundungssatelliten der <em>Resurs</em>-Reihe, Satelliten der <em>Interkosmos</em>-Serie sowie das Gammastrahlen-Observatorium <em>Astrofizika</em>. Aber auch <em>SIGINT</em>-Satelliten (engl. Signals Intelligence für Signalabhörung), also Satelliten, die zum Abhören feindlicher Nachrichten dienten, vom Typ <em>Tselina-D /-O</em> starteten mit der <em>Wostok-2M</em>. Zu ihren letzen Nutzlasten zählten auch die beiden indischen Erderkundungssatelliten <em>IRS 1A / B</em> im Jahr 1991, also kurz vor dem Zusammenbruch der UdSSR.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Technik</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Raketen der <em>Wostok / Luna</em>-Familie bestanden aus zwei Stufen:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Die vier eingesetzten <strong>Booster</strong> glichen eigentlich den Booster der <em>R-7</em>-Rakete sowie der <em>Sputnik</em> und benutzen auch die Nummerierung der früheren Versionen mit <em>Blok B, W, G, D</em> (russ. Блок Б, В, Г, Д). Sie waren je 19 m lang, hatten einen maximalen Durchmesser von 2,68 m und wogen voll betankt 43,3 t. Je nach eingesetzte Version benutzte man als Triebwerk verschiedene Abwandlungen des <em>NPO Energomash RD-107</em>-Triebwerks. Bei den frühen Trägern nutze man das <em>RD-107-8D74</em> mit einem Schub von 995,3 kN (im Vakuum) und einer Brenndauer von 120 Sekunden. Ab der <em>Wostok-2</em> nutze man das verbesserte <em>RD-107-8D74K</em>-Triebwerk mit den gleichen Spezifikationen, also einem Schub von 995,3 kN (Vakuum) bei einer Brenndauer von 120 Sekunden, wobei das Triebwerk vereinfacht wurde und so die Zuverlässigkeit verbessert wurde. Bei allen Versionen nutze man als Treibstoff <em>RP-1</em> (Kerosin) und als Oxydator <em>LOX</em> (flüssiger Sauerstoff).</li><li>Die <strong>erste Stufe</strong> (auch <em>Blok A</em>, russ. Блок А) war zum großen Teil mit der <em>R-7</em> identisch, hatte aber einen Abgasschild an der Spitze, um die eine Explosion des sich noch in der Stufe befindlichen Treibstoffes aufgrund der heißen Stufentrennung zu verhindern. Sie war dabei 28 m lang und hatte einen Durchmesser von 2,99 m. Genauso wie in den Boostern gab es zwei Varianten des benutzen <em>NPO Energomash RD-108</em>-Triebwerks. Zunächst nutze man das <em>RD-108-8D75</em>-Triebwerks mit einem Schub von 936,5 kN (Vakuum) bei einer Brenndauer von 320 Sekunden. Ab der <em>Wostok-2</em> nutze man das <em>RD-108-8D75K</em> mit einem Schub von 940,4 kN und einer Brenndauer von 305 Sekunden. Als Treibstoff nutze man, wie in den Boostern, <em>RP-1</em> und als Oxydator <em>LOX</em>.</li><li>Die <strong>zweite Stufe</strong> mit dem Namen <em>Blok E</em> (russ. Блок Е) war die erste Oberstufe der <em>R-7</em>. Sie war für ihre Zeit eine revolutionäre Konstruktion, vor allem die Zündung im Vakuum und die elegante Lösung mit der &#8222;heißen Stufentrennung&#8220;. An sich war die <em>Blok E</em> 2,84 m lang und hatte dabei einen Durchmesser von 2,56 m, was ihr ein gedrungenes Aussehen gab. Das einzelne <em>OKB Kosberg (später KBKhimAvtomatiki) RD-0105</em>-Triebwerk mit einem Schub von 49 kN bei einer Brenndauer von 440 Sekunden. Ab der <em>Wostok-K</em> nutze man als Triebwerk das verbesserte <em>KBKhimAvtomatiki RD-0109</em>-Triebwerk mit einem gesteigerten Schub von 54,9 kN bei einer reduzierten Brenndauer von 365 Sekunden. Als Treibstoffkombination nutze man das auch in den Unterstufen bewähre Kombination aus <em>RP-1</em> als Treibstoff und <em>LOX</em> als Oxydator. Eine der großen Nachteile der Stufe war aber, dass sie nicht auf Wiederzündbarkeit ausgelegt war, was die Nutzlastkapazität für höhere Umlaufbahnen schnell dramatisch sinken ließ und darüber hinaus ein Satellit nur direkt ohne Freiflugphase in den Orbit gebracht werden konnte.</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Starts</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_kapsel-scaled.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_kapsel_klein.jpg" alt=""/></a><figcaption>Ein originalgetreues Modell der<br> Wostok-Kapsel im<br> Technik Museum Speyer.<br>(Bild: raumfahrer.net)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die Raketen der <em>Wostok- / Luna</em>-Familie starten insgesamt zwischen 1958 und 1991 insgesamt 167 Mal, wobei es 18 Fehlschläge und zwei Teilfehlschläge gab. Als Startrampe nutze man die schon von der <em>R-7</em> genutzten legendären Startplattform 1, nach Gagarins Flug auch <em>Gagarins Start</em> genannt, sowie später auch von der Startrampe 31 in Tjuratam, besser bekannt als Baikonur. Darüber hinaus nutze man für Starts in einen polaren Orbit den Kosmodrom <em>Plessetzk</em> in der Nähe von Archangelsk in Nordrussland. Der ersten Start fand dabei am 10. Juni 1958 statt, mit der eine Attrappe der <em>Blok E</em>-Zweitstufe mitflog, um die Booster und die Zentralstufe zu testen. Den ersten richtigen Start gab es am 23. September 1958 mit einer Sonde vom Typ <em>Luna 1</em>, wobei der Träger versagte. Der letze Start fand dabei erst am 29. August 1991 statt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei sieht die Statistik für die verschiedenen Träger der <em>Wostok</em>-Familie folgender Maßen aus:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Luna: 10 Starts, 7 Fehlstarts, Erstflug: 10. Juli 1958 , Letzter Flug: 16. April 1960</li><li>Wostok: 4 Starts, 1 Fehlstarts, Erstflug: 15. Mai 1960 , Letzter Flug: 1. Dezember 1960</li><li>Wostok-K: 13 Starts (6 bemannt), 2 Fehlstarts, Erstflug: 22. Dezember 1960, Letzter Flug: 10. Juli 1964</li><li>Wostok-2: 45 Starts, 5 (+2) Fehlstarts, Erstflug: 1. Juni 1962 , Letzter Flug: 12. Mai 1967</li><li>Wostok-2M: 95 Starts, 3 Fehlstarts, Erstflug: 28. August 1964 , Letzter Flug: 29. August 1991</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auswirkungen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <em>Wostok</em> ebnete für eine Reihe von russischen Raketen den Weg, so etwa der <em>Molnija</em>, der <em>Wosschod</em> oder der <em>Sojus</em>. Das bei ihr zum ersten Mal eingesetzte Prinzip der heißen Stufentrennung wird auch heute noch in der <em>Sojus</em> oder der <em>Proton</em> verwendet, um einige russische Beispiele zu nennen. Aber auch anderswo, so etwa in den amerikanischen <em>Titan</em>-Raketen oder den chinesischen Raketen vom Typ <em>Langer Marsch</em>. Auch ebnete sie mit den Starts der <em>Wostok</em>-Kapseln Russlands Weg in den Weltraum und mündete in den Programmen <em>Wosschod</em> oder <em>Sojus</em>. Auch die Starts der anderen Nutzlasten waren nicht nur elementar für das Militär, sondern auch für zivile Anwendungen wie der Wettervorhersage oder auch von wissenschaftlichen Anwendungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verwandte Webseiten:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://www.russianspaceweb.com/vostok_lv.html" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">RussianSpaceWeb.com</a></li><li><a href="https://space.skyrocket.de/doc_lau/vostok.htm" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">Daten bei <em>Gunther&#8217;s Space Page</em></a></li><li><a href="https://historicspacecraft.com/Rockets_Russian.html#Luna" target="_blank" rel="noopener follow" data-wpel-link="external">HistoricSpaceCraft.com</a></li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<item>
		<title>Sputnik</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/sputnik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Aug 2011 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raketen]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Satelliten]]></category>
		<category><![CDATA[8A91]]></category>
		<category><![CDATA[8K71PS]]></category>
		<category><![CDATA[Erdumlaufbahn]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[Laika]]></category>
		<category><![CDATA[Nutzlast]]></category>
		<category><![CDATA[R-7]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Semjorka]]></category>
		<category><![CDATA[Sputnik]]></category>
		<category><![CDATA[Sputnik 1]]></category>
		<category><![CDATA[Sputnik 2]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Grundlage der Trägerrakete für die sowjetischen Sputnik-Satelliten war die ballistische Interkontinentalrakete (ICBM) R-7, intern auch „Semjorka“ (die Siebente) genannt, welche ab 1954 im Versuchskonstruktionsbüro OKB-1 entwickelt wurde. Ein Beitrag von Uwe Rätsch und Daniel Maurat. Geschichte Zum Transport der ab Mitte der 1950er Jahren verfügbaren thermonuklearen Sprengköpfe über interkontinentale Entfernungen wurde im OKB-1 im Jahre [&#8230;]</p>
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<h4 class="wp-block-heading">Grundlage der Trägerrakete für die sowjetischen <em>Sputnik</em>-Satelliten war die ballistische Interkontinentalrakete (ICBM) <em>R-7</em>, intern auch „Semjorka“ (die Siebente) genannt, welche ab 1954 im Versuchskonstruktionsbüro OKB-1 entwickelt wurde.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Uwe Rätsch und Daniel Maurat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Geschichte</strong></p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/sputnik_1.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/sputnik_1.jpg" alt=""/></a><figcaption>Der historische Start einer <em>R-7 Sputnik</em>-Rakete am 4. Oktober 1957 mit dem ersten Erdsatelliten <em>Sputnik 1</em> an Bord<br>(Bild: Roskosmos)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Transport der ab Mitte der 1950er Jahren verfügbaren thermonuklearen Sprengköpfe über interkontinentale Entfernungen wurde im OKB-1 im Jahre 1954 mit der Entwicklung einer leistungsstarken Interkontinentalrakete begonnen. Die Typenbezeichnung der Rakete lautete R-7 (Erzeugnis 8K71), die Flugerprobung begann im Mai 1957.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund der für damalige Verhältnisse gewaltigen Größe der Rakete eignete sie sich auch für den Transport von Raumflugkörpern in eine Erdumlaufbahn. Insbesondere Chefkonstrukteur Sergej Koroljow hegte insgeheim schon seit längerer Zeit den Traum, mit seinen Raketen Satelliten ins All zu befördern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der R-7 war dafür nun endlich das erforderliche Transportmittel verfügbar. Nun musste nur noch die sowjetische Führung für das Vorhaben begeistert werden, insbesondere der Generalsekretär der KPdSU, Nikita Chruschtschow. Bei einem Besuch des OKB-1 am 27. Februar 1956 sprach Koroljow Chruschtschow auf die Möglichkeit an, mit der R-7 einem künstlichen Erdsatelliten in den Weltraum zu befördern, mit dem Hinweis, dass man damit einen würdigen sowjetischen Beitrag für das Internationale Geophysikalische Jahr leisten könne. „Wenn es der Hauptaufgabe nicht schadet, so tun sie es“ war Chruschtschows Antwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu diesem Zeitpunkt arbeitete das OKB-1 schon geraume Zeit an der Entwicklung eines Erdsatelliten, der zunächst nur als Objekt D bezeichnet wurde. Mit dem erfolgten staatlichen Segen war es nun möglich, sich mit ganzer Kraft dieser Aufgabe zu widmen. Dabei stieß man allerdings auf enorme Schwierigkeiten und bald war klar, dass Objekt D im geplanten Startjahr 1957 nicht fertig werden würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Koroljow aufgrund der Verzögerungen mit Objekt D befürchtete, dass die Amerikaner ihm beim Start des ersten Erdsatelliten zuvorkommen könnten, ordnete er den Bau zweier Exemplare eines einfachen Erdsatelliten an. Er wurde PS-1 (PS = Prostjeschij Sputnik = einfachster Erdsatellit) genannt und war als Kugel von 58 Zentimetern Durchmesser konzipiert. Mit vier langen Stabantennen, die das Äußere des Satelliten komplettierten, hatte man ein äußerst symbolträchtiges Erscheinungsbild geschaffen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/sputnik_sat.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/sputnik_sat.jpg" alt="" width="310" height="233"/></a><figcaption>Die bekannteste Nutzlast der Rakete: der erste Erdsatellit <em>Sputnik 1</em><br>(Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei R-7-Raketen wurden dem Erprobungsprogramm für Interkontinentalraketen (ICBMs) entnommen und an die Erfordernisse zum Start eines Erdsatelliten angepasst. Mit der ersten Rakete (Erzeugnis 8K71PS Nr. M1-1) wurde am 4. Oktober 1957 der weltweit erste Erdsatellit Sputnik 1 auf einer erdnahen Umlaufbahn abgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Koroljows Raumfahrtpläne stießen bei der Sowjetführung zunächst kaum auf Interesse. Die internationale Reaktion auf den Sputnik-Start kam für die Führungsriege deshalb völlig überraschend. Nun erst erkannte man, welch enormes politisches Kapital man mit den Raumfahrterfolgen erzielen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chruschtschow fragte bei Koroljow an, ob man zu den Jubiläumsfeierlichkeiten des 40. Jahrestages der Oktoberrevolution nicht eine weitere kosmische Erstleistung hinbekommen könnte. Er dachte dabei an den Flug eines Lebewesens, dabei vor allem an einen Hund. Allerdings war das Oktoberjubiläum bereits vier Wochen nach dem ersten Sputnik-Start. Die Zeit für die Vorbereitung und Durchführung der Mission war also denkbar knapp, doch Koroljow sagte zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für das Vorhaben verwendete man im OKB-1 das Reserveexemplar der Trägerrakete des ersten Sputniks. Ebenfalls existierte ein Reserveexemplar von Sputnik 1, das man nun mit einer Hundekabine aus dem Höhenraketenprogramm kombinierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sputnik 2 genannte Erdsatellit mit der Hündin Laika gelangte am 3. November 1957 mit der zweiten Rakete des Typs 8K71PS (Nr. M1-2) erfolgreich auf seine Umlaufbahn. Der Satellit blieb auch im Orbit mit dem Mittelblock der Trägerrakete verbunden. Eine Rückkehr des Satelliten war nicht vorgesehen. Aufgrund der kurzen Zeitspanne, die vom Beschluss bis zum Start des ersten Biosatelliten zur Verfügung stand, war es unmöglich, für die Hundekabine ein wirksames Temperaturregelungssystem zu konstruieren. Die Temperatur in der Kabine erreichte deshalb recht schnell kritische Werte und Laika starb bereits nach kurzer Zeit an Überhitzung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der ursprünglichen Planung sollte der als Objekt D bezeichnete größere Forschungssatellit als erster starten, doch nun war er erst als dritter im Reigen der Erdsatelliten an der Reihe. Für seinen Start hatte man eine Spezialversion der Semjorka mit der Codebezeichnung 8A91 entwickelt. Sowohl von der Trägerrakete als auch vom Satellit wurden zwei Exemplare hergestellt. Der erste Start der Rakete 8A91 (Nr. B1-2) mit Objekt D am 27. April 1958 war jedoch ein Fehlschlag, da die Rakete 88 Sekunden nach dem Abheben unverhofft explodierte. Daraufhin kamen am 15. Mai 1958 die Reserveexemplare von Satellit und Rakete (Nr. B1-1) zum Einsatz. Diesmal klappe alles wie am Schnürchen. Objekt D erreichte die geplante Umlaufbahn und wurde der Öffentlichkeit als Sputnik 3 präsentiert. Mir diesem Start endeten die Raumfahrteinsätze der R-7 in zweistufiger Konfiguration.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Technik</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die R-7 wurde im OKB-1 als Zweistufenrakete konzipiert, wobei um einen zentralen Mittelblock (der ersten Stufe) vier konische Seitenblöcke als zweite Stufe angeordnet waren. Sowohl der zentrale Block A als auch die vier Seitenblöcke B, W, G ,D wurden auf der Startrampe gleichzeitig gezündet und sorgten für den nötigen Startschub.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Leerbrennen der Seitenblöcke wurden diese abgetrennt. Anschließend lief nur noch Block A weiter und besorgte den weiteren Aufstieg von Rakete und Nutzlast. Dieses Prinzip nennt man Parallelstufung. Es wird bis in die Gegenwart bei allen Trägerraketen der R-7-Reihe angewendet. Sowohl die 8K71PS als auch die 8A91 besaßen noch keine Oberstufe. Sie bestanden nur aus den fünf Raketenblöcken, über die bereits die R-7 ICBM verfügte. Erst bei den folgenden R-7-Trägerraketenmodellen wurden zusätzliche Oberstufen eingeführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erste Stufe</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste Stufe (Block A) war keulenförmig, hatte maximal 2,95 m Durchmesser und mit Nutzlastspitze eine Gesamtlänge von 29,17 m (8K71PS) bzw. 30,21 m (8A91). Als Triebwerk wurde ein RD-108 verwendet, dass über vier Brennkammern und vier Steuerdüsen verfügte. Der Startschub belief sich auf 718 kN (Version 8D75PS eingesetzt in der 8K71PS) bzw. 627 kN (Version 8D77 eingesetzt in der 8A91). Als Treibstoff wurde die Kombination Kerosin/Flüssigsauerstoff (LOX) verwendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweite Stufe</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die vier Seitenblöcke B, W, G, D der zweiten Stufe waren je 19,8 m lang und hatten einen Basisdurchmesser von 2,68 m. In jedem Seitenblock war ein Triebwerk des Typs RD-107 (Version 8D74PS bzw. 8D76) verbaut, das jeweils über vier Brennkammer und zwei Steuerdüsen verfügte. Jedes RD-107 erzeugte 794 kN Startschub, der im Vakuum schließlich auf 971 kN anwuchs. Wie schon bei der Erststufe kam ebenfalls die Treibstoffkombination Kerosin/Flüssigsauerstoff zum Einsatz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Technische Daten des Gesamtpakets</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/techdatgesamtpaket500.jpg" alt=""/></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auswirkungen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <em>R-7</em> stieß das Tor in den Weltraum auf und markierte den Startschuss für ein zwölfjähriges Rennen in den Weltraum und später zum Mond. Sie wurde schnell zum Arbeitspferd der Sowjets und ihre Abkömmlinge fliegen auch heute noch in den Weltraum. Ihre Nutzlasten hatten auch einen großen Einfluss, denn sie ebneten den Weg für die heutige Satelliten, die heutzutage nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken sind, so etwa Kommunikationssatelliten, Satelliten für das GPS oder Wettersatelliten, die die Vorhersage des Wetters unterstützen. All diese Satelliten basieren auf die Art von Satelliten, die die <em>Sputniks</em> widerspiegelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellenverzeichnis (Auswahl)</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8211; R-7 „Semjorka“ &#8211; Russlands kosmisches Arbeitspferd, Stefan Wotzlaw, RID 2000<br>&#8211; Das Raketentypenbuch, Eugen Reichl, Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2007<br>&#8211; Norbert Brügge (Website zu R-7 Modellen)<br>&#8211; Gunther´s Space Page (Website zu R-7 Sputnik)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verwandte Artikel:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://www.raumfahrer.net/sputnik-technische-daten/" data-wpel-link="internal">Technische Daten</a></li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/sputnik-startliste/" data-wpel-link="internal">Startliste</a></li><li><a href="/raketen-index-russland/" data-wpel-link="internal">R-7</a></li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/luna-wostok/" data-wpel-link="internal">Wostok</a></li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/sojus/" data-wpel-link="internal">Sojus</a></li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/sojus-2/" data-wpel-link="internal">Sojus 2</a></li></ul>
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		<item>
		<title>Projekt Wostok</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/projekt-wostok/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Apr 2004 13:32:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[R-7]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[Wostok]]></category>
		<category><![CDATA[Wostok 1]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://test-portal.raumfahrer.net/?p=17608</guid>

					<description><![CDATA[<p>Das sowjetische Wostok-Programm (zu deutsch &#8222;Osten&#8220;), zunächst ein militärisch-propagandistisches Projekt, welches später als direkte Antwot auf das NASA-Programm &#8222;Man In Space Soonest&#8220; gewertet wurde, trieb den Wettlauf im All zu Beginn der 1960-er Jahre auf einen vorläufigen Höhepunkt. Mit der Entwicklung einer einfachen Kapsel auf Basis vorhandener unbemannter militärischer Konzepte, gelang es, mehrere Monate vor [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Das sowjetische Wostok-Programm (zu deutsch &#8222;Osten&#8220;), zunächst ein militärisch-propagandistisches Projekt, welches später als direkte Antwot auf das NASA-Programm &#8222;Man In Space Soonest&#8220; gewertet wurde, trieb den Wettlauf im All zu Beginn der 1960-er Jahre auf einen vorläufigen Höhepunkt. Mit der Entwicklung einer einfachen Kapsel auf Basis vorhandener unbemannter militärischer Konzepte, gelang es, mehrere Monate vor den Amerikanern einen Menschen ins All zu bringen.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Alexander Höhn. Update 2017 durch Uwe Rätsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Technische Daten</strong><br>Das Wostok-Raumschiff bestand aus zwei wesentlichen Elementen: der kugelförmigen Kapsel (Durchmesser: 2,3 m, Volumen: 1,6 m³, Masse: 2,46 t) für den jeweiligen Raumfahrer inklusive der benötigten Steuerkontrollen sowie einem angrenzenden doppelkegeligen Geräteteil (Durchmesser: 2,43 m, Länge: 2,25 m, Masse: 2,27 t), welcher im wesentlichen das Bremstriebwerk samt Treibstoff beinhaltete.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_02_260.jpg" alt=""/><figcaption>Ein frühes Wostok-Modell<br>(Foto: RKK Energija/Videokosmos)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die Erde zurückgeführt werden konnte nur die kugelförmige Kapsel, die zum Schutz vor der Reibungshitze beim Wiedereintritt mit einer 3 bis 11 Zentimeter dicken Asbest-Kunstharz-Verbundschicht umhüllt war. Der Gesamtkomplex hatte eine Masse von 4,73 t, im Verbund mit Block-E sogar 6,17 t. Wostok war 4,41 m lang, bzw. mit Block-E 7,35 m.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Kapselwand existierten drei mit 1,2 m Durchmesser recht große Luken, durch die der Kosmonaut einstieg, der Fallschirm herausgeschossen bzw. Gerätschaften installiert wurden. Drei kleinere Luken mit einem Durchmesser von jeweils 25 cm dienten der Erdbeobachtung und als Navigationshilfe bzw. als optisches Visier und ließen sich während des Wiedereintritts durch kleine Jalousien verschließen. Die technische und wissenschaftliche Ausrüstung der Kapsel mit einer Masse von knapp 800 kg bestand hauptsächlich aus Telemetrie- und Kommunikationssystemen, aber auch Landesensoren und dem Landefallschirm. Der Kosmonaut saß auf einer Art Schleudersitz, welcher vor der Landung herauskatapultiert wurde. Grund für diese Prozedur war der Umstand, dass man mit der kugelförmigen Kapsel nur ballistische Landungen durchführen konnte, was für den Raumfahrer Belastungen bis 10 g bedeutete und es außerdem erschwerte, die Kapsel vor dem Aufschlag genügend abzubremsen. Somit hielt man die Sicherheit des Kosmonauten für vorrangig und ließ ihn separat an einem Fallschirm landen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schleudersitz diente im Falle einer Havarie der Trägerrakete auf der Startrampe oder in den ersten Flugsekunden ebenfalls als Sicherheitssystem, welches den Kosmonauten aus dem direkten Gefahrenbereich hätte retten können. In der Kapsel herrschte irdische Normalatmosphäre. Von dem ursprünglichen Plan, wie die Amerikaner reinen Sauerstoff zu verwenden, sah man aufgrund der damit verbundenen Gefahren ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Geräteteil blieb während des Fluges zwei über Kreuz angeordnete metallene Spannbänder mit der Kapsel verbunden, welche nach Brennschluss des Triebwerks bzw. unmittelbar vor dem Wiedereintritt abgesprengt wurden. Als Triebwerk fand das Issajews TDU-1 auf Basis von Salpetersäure und einem Amintreibstoff mit einem 45 Sekunden langen Schub von 15,83 kN Verwendung. Das Manövrieren im Raum wurde von mit 2 x 16 Stickstoffdüsen verbundenen Infrarotsensoren gesichert. Zur Versorgung des Raumschiffs sowie aller Systeme inkl. Kapsel wurden außen 14 Druckgasbehälter mit Sauerstoff, Stickstoff und reiner Luft angebracht. Als primäre (und einzige) Energiequelle dienten chemische Batterien mit einer Betriebsdauer von 10 Tagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Entwicklung</strong><br>Zu Beginn der sowjetischen Raumfahrt lagen die Wurzeln jedes Programms natürlich im militärisch-industriellen Komplex. Dies wussten auch die Konstrukteure, allen voran Sergei Koroljow, die mit zivilen Projekten keinerlei Chance auf eine Finanzierung oder nennenswerte staatliche Unterstützung gehabt hätten. Die Rüstungsindustrie spielte generell eine entscheidende Rolle bei der Präsenz der UdSSR im Weltall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das OKB-1, also Koroljows Konstruktionsbüro, erhielt 1956 den Auftrag einen Foto-Aufklärungssatelliten unter der Bezeichnung &#8222;Zenit&#8220; zu entwickeln. Zenit sollte mangels leistungsstarker Übertragungstechnik die geschossenen Bilder in einer kleinen Kapsel zur Erde zurückführen, um sie erst dort zu entwickeln und auszuwerten. Mit diesem Programm war bereits vor dem Start von Sputnik die Instrumentalisierung der Raumfahrt als direkte (Spionage) aber auch als indirekte (Propaganda) Waffe des Kalten Krieges beschlossene Sache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Umstand bewog den damaligen Parteichef Chruschtschow, dem gesamten Raumfahrtprogramm höchste Priorität einzuräumen und dieses militärisch und technisch nutzbar zu machen, um unter allen Umständen schnellstmöglich Erfolge vorzeigen zu können. Damit rückte auch die lange vorher erwogene Möglichkeit, einen Menschen ins All zu schießen, in der Mittelpunkt aller Planungen. Koroljow erhielt schließlich im Sommer 1956 den offiziellen Auftrag zur Entwicklung eines bemannten Raumschiffes unter der Bezeichnung &#8222;Wostok&#8220; und begann dann Anfang 1958 mit intensiveren Planungen. Etwa zur gleichen Zeit verkündeten die Amerikaner stolz, dass man es schaffen werde, als erste Nation binnen weniger Monate einen Menschen ins All und wohlbehalten zurückzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Weg zu diesem Ziel war für die Sowjets weit weniger steinig als für die Amerikaner. Letztere hatten bereits im voraus massive Rückschläge in ihrem unbemannten Programm hinnehmen müssen und verfügten über keine ausreichend leistungsfähige Rakete, die eine vergleichsweise schwere bemannte Kapsel ins All hätte hieven können. Anders die Sowjets: ihnen stand die universell einsetzbare und sehr leistungsfähige Interkontinentalrakete R-7 (&#8222;Semjorka&#8220;) zur Verfügung, deren Konstruktion in wesentlichen Bereichen auf der deutschen A-4 (auch bekannt als V-2) beruhte, welche man nach Kriegsende in die Sowjetunion brachte und dort weiterentwickelte. Letztlich konnte Koroljow für das bemannte Raumschiff auch einfach auf die Zenit-Kapsel zurückgreifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Kapsel mit einem Durchmesser von 2,3 Metern ließ sich mühelos ein Kosmonaut samt Lebenserhaltungssystem unterbringen. Zu Beginn des Wostok-Programms war allerdings das letztendliche Missionsszenario mehr als unklar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So erwog man anfangs, ähnlich wie es die Amerikaner dann auch verwirklichten, einen ballistischen Flug mit Hilfe einer Höhenrakete durchzuführen und somit die Erde nicht zu umkreisen. Einer der energischsten Gegner dieses Plans war letztendlich Koroljow selbst, der zwar um die relative technische Leichtigkeit eines solchen Unterfangens wusste, aber auch erkannte, dass dies kein wirklicher Raumflug war. Die Amerikaner ließen sich nur durch die Formel &#8222;schneller &#8211; höher &#8211; weiter&#8220; (zumindest in den Augen der Öffentlichkeit) schlagen, und da war eine Erdumkreisung, also ein orbitaler Flug, weitaus besser geeignet als ein kleiner ballistischer Hopser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel zu jenen Planungen wurde die Oberstufe Block-E für die bereits angesprochene R-7-Rakete konzipiert. Bereits 1957 qualifizierte sich die R-7 durch den erfolgreichen Sputnikstart für ihren Einsatz in der Raumfahrt. Durch die erhöhte Nutzlast war allerdings eine modifizierte Oberstufe nötig, welche die mehrere Tonnen schwere Wostok-Kapsel auf eine ausreichend hohe Bahn bringen konnte. Koroljow dachte bei Block-E noch weiter: so ließen sich mit dieser Oberstufe in Kombination mit der nun dreistufigen R-7, welche in abgewandelter Form noch heute das Rückgrat der russischen Raumfahrt bildet, alle Arten schwerer Erdsatelliten, aber auch Mond- und Planetensonden ins All bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch konnte man die Zeit nicht aus den Augen verlieren. Mit Abschluss der Vorarbeiten im April 1958 wurde klar, dass man sich viel Zeit und Energie sparen könnte, indem man auf ein ausgefeiltes Landesystem verzichtete und stattdessen den Kosmonauten nach dem Wiedereintritt in einer bestimmten Höhe aus der Kapsel hinauskatapultieren und unabhängig von der eigentlichen Kapsel landen ließe. Im gleichen Zug mit Abschluss der Planungsphase wurde eiligst eine Kommission für bemannte Weltraumflüge unter Vorsitz von Konstantin Rudnew, seines Zeichens bereits Vorsitzender des Komitees für Verteidigungstechnologie (GKOT), gebildet, um die Anstrengungen des Wostok-Programms besser zu koordinieren und zu zentralisieren. Zu Rudnews Stellvertreter wurde Sergei Koroljow selbst berufen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_04_320.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_04_260.jpg" alt=""/></a><figcaption>R-7 in der Version Luna beim Start.</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Der Rat der Chefkonstrukteure der UdSSR fasste im November 1958 den Beschluss, einen bemannten Raumflug intensiv vorzubereiten und diesem als ziviles Projekt allerhöchste Priorität selbst vor vergleichbaren militärischen Plänen einzuräumen. Auch wurde hier der Beschluss gefasst, die Mission auf alle Fälle als orbitalen Flug durchzuführen. Bereits Anfang 1959 konnte man mit dem Bau der Wostok-Kapsel beginnen und war damit im Vergleich zu den Amerikanern erneut im zeitlichen und organisatorischen Vorteil. Ungünstig auf die Qualität des gesamten Projekts wirkte sich der Brauch aus, Konstruktion und Bau gleichzeitig ablaufen zu lassen. Damit wurde es kaum möglich, die Kapsel auf der Erde zu erproben und man nahm auch weitere Risiken in Kauf, um das Wettrennen ins All für sich zu entscheiden. Jedenfalls konnte man im Herbst dieses Jahres im Werk Kuibyschew (heute Samara) ein erstes &#8222;elektrisches Analog&#8220;, eine komplette Kapsel ohne Hitzeschild, fertig stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit diesem Schritt wurde die maßgebliche technische Ausgestaltung des Programms abgeschlossen, und die neue Oberstufe machte die R-7 zu einer der erfolgreichsten, sichersten und zuverlässigsten Trägerraketen der Welt und einem langlebigen Arbeitspferd der sowjetischen Raumfahrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa parallel mit der Fertigstellung des elektrischen Analogs begann man eine intensivere Testphase, die mit Abwurftests mit der Wostok-Kapsel begann. Im Gegensatz zu den USA konnte man viele wertvolle Monate Zeit sparen, da man aufgrund der Kugelgestalt nicht erst, wie bei den Mercury-Kapseln der NASA mit ihrer Kegelform der Fall, das Flugverhalten der Kapsel untersuchen musste. Ebenfalls wurde eine Reihe von Katapulttests durchgeführt, um die Landesequenz, neben dem Start der risikoreichste Teil der gesamten Mission, zu simulieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Feuertaufe bestand das Wostok-Raumschiff am 15. Mai 1960, als man eine vereinfachte unbemannte Kapsel (Wostok 1KP, &#8222;prostjeschij&#8220; = &#8222;einfach&#8220;) unter der Bezeichnung &#8222;Korabl 1&#8220; (Raumschiff 1, im Westen irreführend auch als Sputnik 4 bezeichnet) in eine annähernd kreisförmige Erdumlaufbahn brachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zur späteren Variante, glich Korabl 1 eher dem Zenit-Satelliten und besaß zwei Solarpaneele, dafür aber keinerlei Lebenserhaltungs- oder Landesysteme. Auch über eine Hitzeschutzschicht für den Wiedereintritt verfügte die Kapsel noch nicht. Zur Unzufriedenheit aller Beteiligten gab es enorme Probleme mit der Sprechfunkverbindung, die man probeweise zum Raumschiff aufbaute. Am 19. Mai kam es zum Test des Bremstriebwerks TDU, womit man einen wesentlichen und sehr riskanten Teil der Mission nachstellte. Durch einen Fehler in einem Infrarotsensor orientierte sich Korabl 1 allerdings falsch, und das Triebwerk leitete nicht den Abstieg ein, sondern brachte das Raumschiff auf eine noch höhere Umlaufbahn. Später verglühten Kapsel und Geräteteil wie geplant in der Atmosphäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen derben Rückschlag erhielt das Programm am 28. Juli desselben Jahres, als eine vollständig ausgerüstete und mit der später eingesetzten Version annähernd identische Kapsel (Bezeichnung Wostok 1K No. 1) mit den beiden Hunden Tschaika und Lisitschka an Bord etwa 19 Sekunden nach dem Start infolge eines Triebwerksschadens in einem der Außenblöcke explodierte und rund 2.000 Meter vom Startplatz entfernt aufschlug und zerschellte. Die Hunde hatten dabei nicht die Spur einer Chance, was die Notwendigkeit eines Havarierettungssystems drastisch vor Augen führte.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_03_320.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_03_260.jpg" alt=""/></a><figcaption><img decoding="async" src="https://images.raumfahrer.net/nav/spacer.gif" alt="" width="4" height="4">Weltraumhündin Strelka nach der Landung.</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fehlstart wurde selbstverständlich nicht bekannt gegeben, stattdessen wiederholte man den Start bereits am 19. August, woraufhin die Kapsel mit der Bezeichnung Korabl 2 (Sputnik 5) mit den beiden Hunden Belka und Strelka sowie zwei Ratten und vierzig Mäuse an Bord die vorgesehene Erdumlaufbahn erreichte. Bereits am 20. August, nach rund 17 Erdorbits, landete die Kapsel sicher nahe der Ortschaft Orsk. Die an Bord befindlichen Tiere wurden wie geplant aus der Kapsel katapultiert und dabei einer Beschleunigung von bis zu 10 g ausgesetzt, überlebten aber die Strapazen und bewiesen die Einsatzfähigkeit des Verbundes R-7/Block E/Wostok. Unterdessen beobachteten auch die Amerikaner die Vortastversuche der Sowjets mit Besorgnis, schließlich ließen Ergebnisse ihres Mercury-Programms weiterhin auf sich warten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 1960 wurden weitere Details zu den folgenden, unbemannten Missionen klar. Es wurden verschiedene Designveränderungen, Vereinfachungen und Masseeinsparungen, aber auch Einzelheiten zum Rettungssystem und zum Raumanzug SK-1 besprochen und beschlossen. Am 19. September unterbreiteten dann verschiedene Persönlichkeiten, unter ihnen Koroljow, der Chef der Raketentruppen Nedelin, der stellvertretende Ministerpräsident Ustinow sowie der Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften der UdSSR Keldysch, dem ZK der KPdSU die Empfehlung, den Termin für den ersten bemannten Raumflug in den Dezember zu verlegen. Die Zustimmung von ZK und Ministerrat kam am 11. Oktober und machte den Weg für den Raumflug frei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch damit war es nicht geschehen. Einzelne Systeme, darunter der lebenswichtige Schleudersitz, erwiesen sich als nicht funktionsfähig, bzw. wiesen Fehlfunktionen auf, welche bei einem Test des Schleudersitzes sogar das Leben eines Probanden forderten. Damit wurde ungewiss, ob sich der Termin im Dezember einhalten lassen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Ausschlag für die Streichung des Fluges im Dezember gab letztendlich die &#8222;personelle Lücke&#8220;, welche eine Explosion der neu konstruierten Interkontinentalrakete R-16 aus dem OKB Jangel am 24. Oktober 1960 auf einem Startpodest des Kosmodroms Baikonur hinterließ. Rund 100 führende Raumfahrtspezialisten kamen bei dem Inferno ums Leben, unter ihnen der Chef der Raketentruppen, Marschall Nedelin, gleichzeitig einer der maßgeblichen Förderer der Raumfahrtprogramms.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man entschied sich aus Sicherheitsgründen für zwei weitere unbemannte Flüge im Dezember. Den Auftakt bildete am 1. Dezember Korabl 3 (1K No. 5), bei dem unter anderem die beiden Hunde Ptscholka und Muschka an Bord waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Einleiten der Rückkehr befand sich die Kapsel wegen eines Defekts im Stabilisierungssystems in einer taumelnden Bewegung. Der Schubvektor des Bremstriebwerks war deshalb nicht genau entgegen der Flugrichtung gerichtet. Obwohl das Triebwerk die vorgesehene Zeit brannte, war infolge dessen die Bremswirkung zu gering. Das an Bord des Raumschiffs befindliche Selbstzerstörungssystem war so programmiert, dass es aktiviert wurde, wenn nicht innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nach der Zündung des Bremstriebwerks die Bremsverzögerung des Wiedereintritts einsetzte. Man wollte damit verhindern, dass das Raumschiff im Ausland landet und in fremde Hände fällt. Genau das war nun der Fall, weshalb das Selbstzerstörungssystem in Aktion trat und das Raumschiff in Stücke riss.<br><em>(Quelle: Boris Tschertok, Raketen und Menschen, Band der Sieg Koroljows, Seite 387.)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Termin für den bemannten Start rutschte daher weiter ins Jahr 1961.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch das folgende Korabl-Raumschiff (1K No. 6) stand unter keinem glücklichen Stern. Beim Start am 22. Dezember 1960 kam in der Oberstufe der Wostok-Rakete (Block E) erstmals das neue Triebwerk RO-7 zum Einsatz. Bei allen vorherigen Starts wurde noch das ältere RO-5 verwendet. Prompt kam es mit dem neuen Triebwerk zu Problemen: Es versagte, sodass nur ein ballistische Flug über eine Entfernung von 3.500 km möglich war. Die Notlandung erfolgte bei ca. minus 40 Grad Celsius in Jakutien. Wegen eines durchgebrannten Kabels war allerdings die Kabine mit den Hunden Kometa und Tschutka nicht aus der Kapsel katapultiert worden. Das erwies sich nun als Glücksfall, denn trotz des strengen Frostes blieben die Hunde dadurch am Leben und konnten nach zwei Tagen stark unterkühlt aber ansonsten unversehrt geborgen werden.<br><em>(Quellen: Boris Tschertok, Raketen und Menschen, Band: Der Sieg Koroljows, Seiten 387/388. Stefan Wotzlaw, Das Wostok-Programm, Schriftenreihe der Deutschen Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz e.V.)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch dieser Vorfall gab zu denken, der erste bemannte Raumflug musste unter allen Umständen erfolgreich verlaufen. Der Tod eines Raumfahrers könnte dem gesamten sowjetischen Programm den Todesstoß versetzen. Um die Gefahren zu minimieren, modifizierte man die Kapsel unter der Bezeichnung 3KA erneut. So erhöhte man z.B. die Stärke des aus Asbest bestehenden Hitzeschutzschildes von 3 auf 13 cm. Ebenfalls erging der Beschluss, dass der erste Raumflug die Erde nur einmal (= 90 Minuten) anstelle der geplanten 17-mal (was einem eintägigen Flug entspräche) umrunden sollte. Unterdessen kündigten die Amerikaner ihren ersten suborbitalen Flug für den 28. April 196a an. Die Parteiführung drängte nun, den Flug unter allen Umständen vor diesem Termin durchzuführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um einige abschließende Tests durchzuführen, fertigte man sogenannte &#8222;Space Dummies&#8220;, also menschengroße und -schwere Puppen, welche dem Wostok-System das &#8222;Space Proof&#8220;-Siegel verleihen sollten. Die Dummies trugen auch bereits die für die späteren bemannten Flüge vorgesehenen Raumanzüge des Typs SK-1. Bei dem anderthalbstündigen Flug von Korabl 4 (3KA No. 1) am 9. März 1961 lief dann auch alles wie geplant, und sowohl der an Bord befindliche Hund Tschernuschka, als auch der Dummie „Iwan Iwanowitsch“ waren nach der Landung rund 260 km nordöstlich der Stadt Kuibyschew (heute Samara) wohlauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei dem Start von Korabl 5 (3KA No. 2) am 25. März waren in Baikonur erstmals sechs Kosmonautenkandidaten anwesend. Auch dieser Flug mit dem Hund Swjosdotschka und dem Dummie &#8222;Iwan Iwanowitsch Nr. 2&#8220; an Bord verlief planmäßig, nur bei der Landung wurde das eigentliche Zielgebiet um rund 660 km verfehlt und die Kapsel ging rund 80 km von der Gebietshauptstadt Udmurtiens, Ishewsk, entfernt nieder.<br><em>(Quelle: Stefan Wotzlaw, Das Wostok-Programm, Schriftenreihe der Deutschen Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz e.V.)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit diesem abschließenden Tests gaben die Konstrukteure ihr &#8222;Go&#8220; und schon der nächste Flug würde Anfang April bemannt durchgeführt werden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Kosmonautengruppe Nr. 1</strong><br>Der menschliche Faktor für einen Raumflug wurde von Koroljow zu keinem Zeitpunkt unterschätzt, und so begann man Anfang 1959 mit der akribischen Suche nach geeigneten Kandidaten und mit einer strengen Auswahlprozedur. Für die zukünftigen &#8222;Lieferanten&#8220; von Kosmonauten qualifizierten sich automatisch mehrere Extremberufe, wie z.B. Leistungssportler, U-Boot-Fahrer, Bergsteiger usw. Koroljow bevorzugte für den Job als Raumfahrer allerdings eher Jagdflieger. Für eine Rekrutierung gab es einen ganzen Kriterienkatalog, der folgende Parameter vorsah: maximal 36 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 Meter groß und 70 bis 72 kg schwer.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_05_400.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_05_260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Kosmonautengruppe Nr. 1<br>(Foto: RKK Energija/Videokosmos)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Unterstützt wurde die Auswahl durch die Abteilung für Weltraummedizin, welche vom Chef der sowjetischen Luftstreitkräfte, Konstantin Wershinin, einem großen Befürworter und Unterstützer der Raumfahrt, unter Leitung von Prof. Wladimir Jasdowski eingerichtet wurde. Mehr als 3.000 Piloten wurden von der &#8222;Kommission für das Thema Nr. 6&#8220;, die Tarnbezeichnungen waren aufgrund der strikten Geheimhaltung des gesamten Weltraumprogramms nötig, überprüft und bis auf 400 Mann aus der Liste gestrichen. Den Ausschlag für die Rekrutierung gab ein kritischer Blick in die Akten der Piloten. So musste man ein &#8222;reines&#8220; Verhältnis zur Partei haben, sowie eine &#8222;saubere&#8220; Biographie vorweisen können. Nur Leute mit einwandfreier Vergangenheit würden sich letztendlich so für Propagandazwecke nutzen lassen, wie man es sich seinerzeit vorstellte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 400 Auserwählten wurden in Gruppen zu je 20 Mann aufgeteilt und im Herbst 1959 in Moskau eingehender untersucht. Die meisten von ihnen disqualifizierten sich durch Mangel an Ausdauer, sodass schließlich nur noch 30 Anwärter übrig blieben, deren Zahl im Januar 1960 nochmals auf 20 verringert wurde und schließlich als erste Kosmonautengruppe vorgestellt wurde. Bis zu jenem Zeitpunkt war allen Rekrutierten der eigentliche Zweck ihrer Auswahl verschwiegen worden, da man keinerlei Risiko eingehen wollte und man durch das Bekanntwerden der Bemühungen um baldest mögliche Erfolge die nationale Sicherheit und das internationale Prestige bedroht sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 20 Kandidaten begannen am 14. März 1960 eine Art Grundtraining auf dem Moskauer Zentralflughafen &#8222;M. W. Frunse&#8220;. Der Unterrichtsplan bestand hauptsächlich aus Lektionen in Physik, Himmelsmechanik, Raketentechnik und Biologie, speziell Medizin. Die Ausbildung wurde geleitet von Raumfahrttheoretikern, Raketenwissenschaftlern und Konstrukteuren vom OKB-1. Kurioserweise befanden sich unter den Ausbildern auch einige, welche später selbst in All flogen: so z.B. Makarow, Jelissejew und Feoktistow. Die praktische Ausbildung bestand aus Fallschirmspringen, Flügen mit der MiG-15 UTI (mit der 1968 Gagarin tödlich verunglückte), Parabelflügen mit einer TU-104, aber auch aus nervenzehrenden Aufenthalten in isolierten Barokammern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Raumfahrer wurden auf Schritt und Tritt beobachtet und jeder Mangel wurde von den Ausbildern protokolliert, die psychische und physische Verfassung während des Trainigs genau verfolgt. Die Ausbildung selbst entspricht nicht mehr den heutigen Methoden, da man damals mangels Wissen über die Einflüsse der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Organismus die Trainingseinheiten nicht &#8222;weltraumgerecht&#8220; gestalten konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da eine Ausweitung des gesamten bemannten Weltraumprogramms abzusehen war, veranlasste man auf Beschluss des ZK der KPdSU am 11. Januar 1960 die Gründung eines zentralen Kosmonauten-Ausbildungszentrums. Bereits im Sommer dieses Jahres war die grundlegende Infrastruktur geschaffen worden und man konnte das Training dort, weit besser vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen, aufnehmen. Das ZPK (&#8222;Zentr Podgotowki Kosmonawtow&#8220;), heute wohl eher als &#8222;Sternenstädtchen&#8220; bekannt, war von nun an das Zentrum der Bemühungen um einen bemannten Raumflug und die Trainingseinheiten wurden intensiviert, um den Kreis der möglichen Kosmonauten weiter einzugrenzen. Der erste Chef des ZPK wurde Oberst Jewgeni Karpow, die Kosmonautenausbildung leitete fortan Nikolai Kamanin, aufgrund seiner Verdienste als Pilot zu jener Zeit bereits Held der Sowjetunion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Arbeiten liefen planmäßig, die Ausbildung schritt voran und das Fluggerät war bereits fertig, so dass man bereits im Dezember 1960 das Zeitalter der Präsenz des Menschen im Weltall einläuten wollte. Am 31. Mai wurden sechs der 20 Kandidaten ausgewählt, am Wostok-Programm teilzunehmen. Dabei handelte es sich um Gagarin, Titow, Nikolajew, Popowitsch, Kartaschow und Warlamow. Die restlichen 14 Rekruten schieden zwar damit nicht aus dem Trainingsprogramm aus, wurden allerdings nicht speziell im Wostok-Simulator ausgebildet, was ab Juli geschah. Am 18. Juni wurden die Anwärter ins Herstellerwerk Kuibyschew gebracht, wo sie zum ersten Mal das Wostok-Raumschiff in voller Pracht sahen und von niemand Geringerem als Sergei Koroljow gezeigt bekamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl bis dahin alles planmäßig verlief, traten zu jenem Zeitpunkt mehrere unvorhersehbare Ereignisse ein, welche die Kosmonautengruppe verkleinerten, veränderten und somit die gesamte Planung durcheinander brachten. Zunächst disqualifizierte sich Anatoli Kartaschow und wurde, nachdem nach einem Zentrifugentest am 16. Juli ein Gefäßriss an der Wirbelsäule festgestellt wurde, durch den Kampfpiloten Neljubow ersetzt und erst einmal zurückgestellt. Gänzlich aus dem Raumfahrtprogramm entfernt wurde er erst am 7. April 1962, nachdem er sich für Überbelastungen als untauglich erwies.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 24. Juli 1960 verletzte sich Walentin Warlamov bei einem Badeausflug infolge eines Kopfsprungs an der Halswirbelsäule und wurde durch Waleri Bykowski ersetzt. Warlamow war fortan Ausbilder des ZPK im Fach Astronavigation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein schwerer und auch äußerst tragischer, tödlich endender Unfall trug sich am 23. März 1961, also nur kurze Zeit vor dem Start von Gagarin, in einer Isolationskammer des ZPK zu. Kandidat Bondarenko warf einen für medizinische Untersuchungen im Rahmen eines 10-tägigen Aufenthaltes in der Isokammer mit Alkohol getränkten Wattebausch auf eine elektrische Heizplatte, welche sich sofort entzündete und aufgrund der reinen Sauerstoffatmosphäre in der hermetisch abgeriegelten Kammer sofort alles in Brand steckte. Bondarenko versuchte zunächst selbst vergeblich das Feuer zu löschen, bevor er Alarm schlug. Als der Druckausgleich mit der Kammer hergestellt werden konnte, war Bondarenko zwar am Leben, hatte aber derart starke Verbrennungen erlitten, dass er acht Stunden später starb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vorfall wurde wegen dem befürchteten &#8222;schädlichen&#8220; Abfärben auf das bis dahin geltende Image von den erfolgreichen sowjetischen Errungenschaften in der Raumfahrt bis 1986 totgeschwiegen. Bereits wenige Jahre später ereignete sich mit Apollo 1 eine ähnliche Katastrophe, welche ebenfalls auf die Verwendung von reinem Sauerstoff unter Niedrigdruck als Atmosphäre und auf das Fehlen einer schnell zu öffnenden Luke zurückzuführen war.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_06_400.jpg" data-rel="lightbox-image-3" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_06_260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Start von Wostok 1 mit Juri Alexejewitsch Gagarin.<br>(Foto: RKK Energija)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl dieser Zwischenfall den Initiatoren des sowjetischen Raumfahrtprogramms zu denken gab, sah man keinen Grund, dieses zu stoppen. Symbolisch bekamen die sechs Anwärter nach ihren Prüfungen am 17. und 18. Januar den Titel &#8222;(Flieger-) Kosmonaut&#8220; verliehen, durften sich aber öffentlich nicht so nennen, da man auch die Mitglieder der Kosmonautengruppe zur Verschwiegenheit nach außen verpflichtete. Letztendlich galt es, unter den sechs Verbliebenen, denjenigen herauszusuchen, der einerseits die besten Testresultate an den Tag legte, andererseits aber auch mit Charme und Charakter für die Propagandamaschinerie verwertbar war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">General Kamanin gab Juri Gagarin bereits Ende März zu verstehen, dass er sich Hoffnung machen dürfe, als erster ins All zu fliegen. Gagarin zeichnete sich in allen Disziplinen dadurch aus, immer zur Leistungsspitze zu gehören und nirgendwo zu schwächeln. Gleichzeitig besaß er zwar einen starken, aber keinesfalls einen arroganten Charakter, wie es wohl z. B. bei Grigori Neljubow, dem zweiten Ersatzmann von Wostok 1, der Fall war. Dieser konnte es mental kaum verkraften, nicht der Erste gewesen zu sein und bekam auf Anordnung Kamanins keine weitere Flugnominierung. Ein nächtlicher Alkoholexzess am 4. Mai 1962 führte schließlich zu seiner Entlassung aus dem Kosmonautenkorps, einer Strafversetzung in den Fernen Osten. Das löste bei ihm Depressionen aus und führte am 18. Februar 1966 zum Selbstmord, als er sich an der Bahnstation Ippalitowka in Sibirien von einem Zug erfassen ließ und sofort starb. Auch sein Name wurde aus den Annalen der sowjetischen Raumfahrt entfernt, sein Schicksal blieb lange Zeit unbekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Flugverlauf</strong><br>Im Rahmen des Wostok-Programms wurden 6 Missionen durchgeführt.</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Wostok 1: 12. April 1961. Juri Gagarin.<br>Start um 7.07 Uhr MEZ<br>Einmalige Erdumkreisung, Rückkehr nach 108-minütigem Flug (= 41.000 Kilometer Flugstrecke). Landung Gagarins am Fallschirm separat von der Kapsel, nahe Smelowka, 26 Kilometer südwestlich von Engels.</li><li>Wostok 2: 06. August 1961. German Titow.<br>Durchführung von 17 Erdumkreisungen (= 1d 1h 17min; 703.000 Kilometer). Erstmals Filmaufnahmen und Experimente unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit. Titow litt an akuter Weltraumkankheit, klagte über Übelkeit und Orientierungslosigkeit. Zeitweise Ausfall der bordeigenen Temperaturregulierung, sinken der Bordtemperatur auf 6 °C. Erfolgreiche Landung im Gebiet Krasnij Kut bei Saratow.</li><li>Wostok 3: 11. August 1962. Andrijan Nikolajew.<br>Ernsthafte Probleme gab es beim Start, als sich ein Kabelmast nicht wie geplant von der Rakete löste, sondern erst wenige Sekunden vor dem Start zur Seite schwenkte. Das hätte unter Umständen katastrophale Folgen haben können, doch zum Glück ging alles gut. 24 Stunden später startete von der gleichen Startrampe Wostok 4. Wie schon bei vorangegangenen Flügen gab es erneut Probleme mit der Klimaanlage der Kapsel. Dennoch endete der Flug mit einem neuen Dauerflugrekord. Nach 3d 22h 22min und 64 Erdorbits landete Nikolajew nahe der kasachischen Stadt Karakalinsk.</li><li>Wostok 4: 12. August 1962. Pawel Popowitsch.<br>Start nur einen Tag nach Wostok 4 von der selben Startrampe. Durchführung des ersten Gruppenfluges der Geschichte. Näherung bis auf 6,5 Kilometer, was zwar direkten Funkkontakt aber keinen Sichtkontakt ermöglichte. Nikolajew und Popowitsch schwebten erstmals frei in ihren Kabinen, keiner von beiden litt wie Titow unter der damals vollkommen unerforschten Weltraumkrankheit. Auch bei Wostok 4 bereitete die Klimaanlage Probleme. Die Landung erfolgte aufgrund eines Missverständnisses einen Tag früher als geplant, nur 7 Minuten nach Wostok 3 nahe der Ortschaft Atas, südlich von Karaganda. Popowitsch hatte bei seinem Flug 48 mal die Erde umrundet.</li><li>Wostok 5: 14. Juni 1963. Waleri Bykowski.<br>Ursprünglich war ein Dreierflug mit Komarow, Bykowski und einem weiblichen Raumfahrer geplant, was allerdings am 1. April wieder verworfen wurde. Wostok 5 war gleichzeitig eine Vorbereitung auf kommende Mondmissionen und sollte acht Tage dauern. Durch gefährliche Sonnenaktivität wurde der Start vom 11. Juni an mehrmals verschoben. Doch auch am 14. Juni fiel während des Countdowns überraschend ein Steuerkreisel aus und eine Schnur verhedderte sich unter Bykowskis Sitzschale. Beide Probleme wurden entgegen den Vorschriften und auf Bykoskis ausdrücklichen Wunsch bei laufendem Countdown behoben. Das erreichte Apogäum war letztendlich zu niedrig, um tatsächlich acht Tage im Orbit zu verweilen. Die Landung erfolgte deshalb schon am 19. Juni nach fünf Flugtagen und 81 Erdorbits, rund 540 km nordwestlich der kasachischen Stadt Karaganda.</li><li>Wostok 6: 16. Juni 1963. Walentina Tereschkowa.<br>Zwei Tage nach Bykowski brach die 26-jährige Textilarbeiterin Walentina Tereschkowa ins All auf. Während des Fluges wurde der Gruppenflug von Wostok 3 und 4 weitestgehend wiederholt, die beiden Raumschiffe näherten sich bis auf 5 Kilometer. Die offizielle Version, dass Tereschkowa die Schwerelosigkeit erstaunlich gut vertrug, ist aufgrund widersprüchlicher Berichte anzuzweifeln. Mitunter musste sie ermahnt werden, Befehle der Bodenkontrolle korrekt auszuführen. Zudem aß und trank sie nur wenig. Tereschkowa landete nach 48 Erdumrundungen knapp drei Stunden vor ihrem Kollegen Bykowski, 620 km nordöstlich von Karaganda, und damit sehr weit vom eigentlichen Zielgebiet entfernt. Der Abstand der Landeorte der beiden Kapseln lag bei rund 800 km. Am Landeort verschenkte Walentina Tereschkowa ihre nicht verbrauchten Lebensmittel an die örtliche Bevölkerung, sodass es unmöglich war, ihren realen Lebensmittelverbrauch zu bestimmen.</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Programmende</strong><br>Offensichtlich plante Koroljow ursprünglich noch mindestens einen weiteren Wostok-Flug für 1964. Gleichzeitig war aber allen Beteiligten klar, dass die technischen Möglichkeiten und damit auch die propagandistische Verwertbarkeit an ihre Grenzen gestoßen waren. Das geplante Nachfolgeraumschiff Sojus ließ weiter auf sich warten, so dass man verschiedene Ersatz-Missionen mit abgewandelten Wostok-Raumschiffen plante.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/wostok_07_260.jpg" alt=""/><figcaption>Wostok-Kapsel nach der Landung.</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Koroljow schlug 1962 vor, aus dem Raumschiff Wostok 3KA ein manövrierfähiges &#8222;Wostok 3KA-Tsch&#8220; abzuleiten, welches mit unbemannten Zusatzmodulen gekoppelt werden konnte. Dadurch hätte man nicht nur wichtige Erfahrungen im Bereich der Kopplungstechnik gewonnen, sondern hätte gleichzeitig die erste bemannte Raumstation mit einer Masse von 15 bis 25 Tonnen aufgebaut. Denkbar wäre auch eine direkte Weiterentwicklung zu einem Mondraumschiff gewesen. Wostok 3KA-Tsch stieß leider auf wenig Gegenliebe, so dass sämtliche dahingehenden Studien und Entwürfe zwar Einzug in unbemannte Programme (Zenit) fanden, die letztendliche Verwirklichung aber zu viel Zeit und Geld in Anspruch genommen hätte.<br><br>Schließlich kündigten die Amerikaner 1964 den Flug ihrer &#8222;Gemini&#8220;-Raumschiffe an und Koroljow konterte mit einer schlichten Modifikation des existenten Wostok-Systems, wozu er den Schleudersitz zu Gunsten von bis zu drei Sitzschalen entfernte. Das machte unter anderem Modifikationen am System für die weiche Landung erforderlich.<br><br>Das neu geschaffene Raumschiff wurde auf den Namen &#8222;Woßchod&#8220; getauft, um dem Westen vorzugaukeln, man hätte ein völlig neues, revolutionäres System geschaffen. Damit endete die glorreich Wostok-Ära.<br><br><strong>Quellen:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="http://www.astronautix.com/v/vostok.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="external">http://www.astronautix.com/v/vostok.html</a></li><li><a href="http://www.astronautix.com/v/vostok.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="external">http://www.astronautix.com/v/vostok.html</a></li><li>Von Gagarin zur Raumstation Mir; S. 6ff.; Alfred Gugerell</li><li>Raumfahrt Concret 1/01 (16); S. 12f; Stefan Wotzlaw</li><li>Das Wostok-Programm; Stefan Wotzlaw</li></ul>
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			</item>
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		<title>Projekt Wostok (Update 2017 durch Uwe Rätsch)</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/projekt-wostok-update-2017-durch-uwe-raetsch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Apr 2004 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Fallschirm]]></category>
		<category><![CDATA[Juri Gagarin]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[Kosmonaut]]></category>
		<category><![CDATA[Raumschiff]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das sowjetische Wostok-Programm (zu deutsch &#8222;Osten&#8220;), zunächst ein militärisch-propagandistisches Projekt, welches später als direkte Antwot auf das NASA-Programm &#8222;Man In Space Soonest&#8220; gewertet wurde, trieb den Wettlauf im All zu Beginn der 1960-er Jahre auf einen vorläufigen Höhepunkt. Mit der Entwicklung einer einfachen Kapsel auf Basis vorhandener unbemannter militärischer Konzepte, gelang es, mehrere Monate vor [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Das sowjetische Wostok-Programm (zu deutsch &#8222;Osten&#8220;), zunächst ein militärisch-propagandistisches Projekt, welches später als direkte Antwot auf das NASA-Programm &#8222;Man In Space Soonest&#8220; gewertet wurde, trieb den Wettlauf im All zu Beginn der 1960-er Jahre auf einen vorläufigen Höhepunkt. Mit der Entwicklung einer einfachen Kapsel auf Basis vorhandener unbemannter militärischer Konzepte, gelang es, mehrere Monate vor den Amerikanern einen Menschen ins All zu bringen.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Autor: <a href="https://www.raumfahrer.net/verein-raumfahrer-net-e-v/ehemalige/" data-wpel-link="internal">Alexander Höhn</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Technische Daten</strong><br>Das Wostok-Raumschiff bestand aus zwei wesentlichen Elementen: der kugelförmigen Kapsel (Durchmesser: 2,3 m, Volumen: 1,6 m³, Masse: 2,46 t) für den jeweiligen Raumfahrer inklusive der benötigten Steuerkontrollen sowie einem angrenzenden doppelkegeligen Geräteteil (Durchmesser: 2,43 m, Länge: 2,25 m, Masse: 2,27 t), welcher im wesentlichen das Bremstriebwerk samt Treibstoff beinhaltete.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/wostok_01.jpg" alt="" width="436" height="327"/><figcaption>Grafik des Wostok-Raumschiffs im Erdorbit<br>(Bild: Simon Zajc)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die Erde zurückgeführt werden konnte nur die kugelförmige Kapsel, die zum Schutz vor der Reibungshitze beim Wiedereintritt mit einer 3 bis 11 Zentimeter dicken Asbest-Kunstharz-Verbundschicht umhüllt war. Der Gesamtkomplex hatte eine Masse von 4,73 t, im Verbund mit Block-E sogar 6,17 t. Wostok war 4,41 m lang, bzw. mit Block-E 7,35 m.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Kapselwand existierten drei mit 1,2 m Durchmesser recht große Luken, durch die der Kosmonaut einstieg, der Fallschirm herausgeschossen bzw. Gerätschaften installiert wurden. Drei kleinere Luken mit einem Durchmesser von jeweils 25 cm dienten der Erdbeobachtung und als Navigationshilfe bzw. als optisches Visier und ließen sich während des Wiedereintritts durch kleine Jalousien verschließen. Die technische und wissenschaftliche Ausrüstung der Kapsel mit einer Masse von knapp 800 kg bestand hauptsächlich aus Telemetrie- und Kommunikationssystemen, aber auch Landesensoren und dem Landefallschirm. Der Kosmonaut saß auf einer Art Schleudersitz, welcher vor der Landung herauskatapultiert wurde. Grund für diese Prozedur war der Umstand, dass man mit der kugelförmigen Kapsel nur ballistische Landungen durchführen konnte, was für den Raumfahrer Belastungen bis 10 g bedeutete und es außerdem erschwerte, die Kapsel vor dem Aufschlag genügend abzubremsen. Somit hielt man die Sicherheit des Kosmonauten für vorrangig und ließ ihn separat an einem Fallschirm landen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schleudersitz diente im Falle einer Havarie der Trägerrakete auf der Startrampe oder in den ersten Flugsekunden ebenfalls als Sicherheitssystem, welches den Kosmonauten aus dem direkten Gefahrenbereich hätte retten können. In der Kapsel herrschte irdische Normalatmosphäre. Von dem ursprünglichen Plan, wie die Amerikaner reinen Sauerstoff zu verwenden, sah man aufgrund der damit verbundenen Gefahren ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Geräteteil blieb während des Fluges zwei über Kreuz angeordnete metallene Spannbänder mit der Kapsel verbunden, welche nach Brennschluss des Triebwerks bzw. unmittelbar vor dem Wiedereintritt abgesprengt wurden. Als Triebwerk fand das Issajews TDU-1 auf Basis von Salpetersäure und einem Amintreibstoff mit einem 45 Sekunden langen Schub von 15,83 kN Verwendung. Das Manövrieren im Raum wurde von mit 2 x 16 Stickstoffdüsen verbundenen Infrarotsensoren gesichert. Zur Versorgung des Raumschiffs sowie aller Systeme inkl. Kapsel wurden außen 14 Druckgasbehälter mit Sauerstoff, Stickstoff und reiner Luft angebracht. Als primäre (und einzige) Energiequelle dienten chemische Batterien mit einer Betriebsdauer von 10 Tagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Entwicklung</strong><br>Zu Beginn der sowjetischen Raumfahrt lagen die Wurzeln jedes Programms natürlich im militärisch-industriellen Komplex. Dies wussten auch die Konstrukteure, allen voran Sergei Koroljow, die mit zivilen Projekten keinerlei Chance auf eine Finanzierung oder nennenswerte staatliche Unterstützung gehabt hätten. Die Rüstungsindustrie spielte generell eine entscheidende Rolle bei der Präsenz der UdSSR im Weltall.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/wostok_02.jpg" alt="" width="273" height="388"/><figcaption>Ein frühes Wostok-Modell<br>(Foto: RKK Energija/Videokosmos)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Das OKB-1, also Koroljows Konstruktionsbüro, erhielt 1956 den Auftrag einen Foto-Aufklärungssatelliten unter der Bezeichnung &#8222;Zenit&#8220; zu entwickeln. Zenit sollte mangels leistungsstarker Übertragungstechnik die geschossenen Bilder in einer kleinen Kapsel zur Erde zurückführen, um sie erst dort zu entwickeln und auszuwerten. Mit diesem Programm war bereits vor dem Start von Sputnik die Instrumentalisierung der Raumfahrt als direkte (Spionage) aber auch als indirekte (Propaganda) Waffe des Kalten Krieges beschlossene Sache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Umstand bewog den damaligen Parteichef Chruschtschow, dem gesamten Raumfahrtprogramm höchste Priorität einzuräumen und dieses militärisch und technisch nutzbar zu machen, um unter allen Umständen schnellstmöglich Erfolge vorzeigen zu können. Damit rückte auch die lange vorher erwogene Möglichkeit, einen Menschen ins All zu schießen, in der Mittelpunkt aller Planungen. Koroljow erhielt schließlich im Sommer 1956 den offiziellen Auftrag zur Entwicklung eines bemannten Raumschiffes unter der Bezeichnung &#8222;Wostok&#8220; und begann dann Anfang 1958 mit intensiveren Planungen. Etwa zur gleichen Zeit verkündeten die Amerikaner stolz, dass man es schaffen werde, als erste Nation binnen weniger Monate einen Menschen ins All und wohlbehalten zurückzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Weg zu diesem Ziel war für die Sowjets weit weniger steinig als für die Amerikaner. Letztere hatten bereits im voraus massive Rückschläge in ihrem unbemannten Programm hinnehmen müssen und verfügten über keine ausreichend leistungsfähige Rakete, die eine vergleichsweise schwere bemannte Kapsel ins All hätte hieven können. Anders die Sowjets: ihnen stand die universell einsetzbare und sehr leistungsfähige Interkontinentalrakete R-7 (&#8222;Semjorka&#8220;) zur Verfügung, deren Konstruktion in wesentlichen Bereichen auf der deutschen A-4 (auch bekannt als V-2) beruhte, welche man nach Kriegsende in die Sowjetunion brachte und dort weiterentwickelte. Letztlich konnte Koroljow für das bemannte Raumschiff auch einfach auf die Zenit-Kapsel zurückgreifen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Kapsel mit einem Durchmesser von 2,3 Metern ließ sich mühelos ein Kosmonaut samt Lebenserhaltungssystem unterbringen. Zu Beginn des Wostok-Programms war allerdings das letztendliche Missionsszenario mehr als unklar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So erwog man anfangs, ähnlich wie es die Amerikaner dann auch verwirklichten, einen ballistischen Flug mit Hilfe einer Höhenrakete durchzuführen und somit die Erde nicht zu umkreisen. Einer der energischsten Gegner dieses Plans war letztendlich Koroljow selbst, der zwar um die relative technische Leichtigkeit eines solchen Unterfangens wusste, aber auch erkannte, dass dies kein wirklicher Raumflug war. Die Amerikaner ließen sich nur durch die Formel &#8222;schneller &#8211; höher &#8211; weiter&#8220; (zumindest in den Augen der Öffentlichkeit) schlagen, und da war eine Erdumkreisung, also ein orbitaler Flug, weitaus besser geeignet als ein kleiner ballistischer Hopser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Parallel zu jenen Planungen wurde die Oberstufe Block-E für die bereits angesprochene R-7-Rakete konzipiert. Bereits 1957 qualifizierte sich die R-7 durch den erfolgreichen Sputnikstart für ihren Einsatz in der Raumfahrt. Durch die erhöhte Nutzlast war allerdings eine modifizierte Oberstufe nötig, welche die mehrere Tonnen schwere Wostok-Kapsel auf eine ausreichend hohe Bahn bringen konnte. Koroljow dachte bei Block-E noch weiter: so ließen sich mit dieser Oberstufe in Kombination mit der nun dreistufigen R-7, welche in abgewandelter Form noch heute das Rückgrat der russischen Raumfahrt bildet, alle Arten schwerer Erdsatelliten, aber auch Mond- und Planetensonden ins All bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch konnte man die Zeit nicht aus den Augen verlieren. Mit Abschluss der Vorarbeiten im April 1958 wurde klar, dass man sich viel Zeit und Energie sparen könnte, indem man auf ein ausgefeiltes Landesystem verzichtete und stattdessen den Kosmonauten nach dem Wiedereintritt in einer bestimmten Höhe aus der Kapsel hinauskatapultieren und unabhängig von der eigentlichen Kapsel landen ließe. Im gleichen Zug mit Abschluss der Planungsphase wurde eiligst eine Kommission für bemannte Weltraumflüge unter Vorsitz von Konstantin Rudnew, seines Zeichens bereits Vorsitzender des Komitees für Verteidigungstechnologie (GKOT), gebildet, um die Anstrengungen des Wostok-Programms besser zu koordinieren und zu zentralisieren. Zu Rudnews Stellvertreter wurde Sergei Koroljow selbst berufen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/wostok_04.jpg" alt="" width="366" height="271"/><figcaption>R-7 in der Version Luna beim Start</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Der Rat der Chefkonstrukteure der UdSSR fasste im November 1958 den Beschluss, einen bemannten Raumflug intensiv vorzubereiten und diesem als ziviles Projekt allerhöchste Priorität selbst vor vergleichbaren militärischen Plänen einzuräumen. Auch wurde hier der Beschluss gefasst, die Mission auf alle Fälle als orbitalen Flug durchzuführen. Bereits Anfang 1959 konnte man mit dem Bau der Wostok-Kapsel beginnen und war damit im Vergleich zu den Amerikanern erneut im zeitlichen und organisatorischen Vorteil. Ungünstig auf die Qualität des gesamten Projekts wirkte sich der Brauch aus, Konstruktion und Bau gleichzeitig ablaufen zu lassen. Damit wurde es kaum möglich, die Kapsel auf der Erde zu erproben und man nahm auch weitere Risiken in Kauf, um das Wettrennen ins All für sich zu entscheiden. Jedenfalls konnte man im Herbst dieses Jahres im Werk Kuibyschew (heute Samara) ein erstes &#8222;elektrisches Analog&#8220;, eine komplette Kapsel ohne Hitzeschild, fertig stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit diesem Schritt wurde die maßgebliche technische Ausgestaltung des Programms abgeschlossen, und die neue Oberstufe machte die R-7 zu einer der erfolgreichsten, sichersten und zuverlässigsten Trägerraketen der Welt und einem langlebigen Arbeitspferd der sowjetischen Raumfahrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa parallel mit der Fertigstellung des elektrischen Analogs begann man eine intensivere Testphase, die mit Abwurftests mit der Wostok-Kapsel begann. Im Gegensatz zu den USA konnte man viele wertvolle Monate Zeit sparen, da man aufgrund der Kugelgestalt nicht erst, wie bei den Mercury-Kapseln der NASA mit ihrer Kegelform der Fall, das Flugverhalten der Kapsel untersuchen musste. Ebenfalls wurde eine Reihe von Katapulttests durchgeführt, um die Landesequenz, neben dem Start der risikoreichste Teil der gesamten Mission, zu simulieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Feuertaufe bestand das Wostok-Raumschiff am 15. Mai 1960, als man eine vereinfachte unbemannte Kapsel (Wostok 1KP, &#8222;prostjeschij&#8220; = &#8222;einfach&#8220;) unter der Bezeichnung &#8222;Korabl 1&#8220; (Raumschiff 1, im Westen irreführend auch als Sputnik 4 bezeichnet) in eine annähernd kreisförmige Erdumlaufbahn brachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegensatz zur späteren Variante, glich Korabl 1 eher dem Zenit-Satelliten und besaß zwei Solarpaneele, dafür aber keinerlei Lebenserhaltungs- oder Landesysteme. Auch über eine Hitzeschutzschicht für den Wiedereintritt verfügte die Kapsel noch nicht. Zur Unzufriedenheit aller Beteiligten gab es enorme Probleme mit der Sprechfunkverbindung, die man probeweise zum Raumschiff aufbaute. Am 19. Mai kam es zum Test des Bremstriebwerks TDU, womit man einen wesentlichen und sehr riskanten Teil der Mission nachstellte. Durch einen Fehler in einem Infrarotsensor orientierte sich Korabl 1 allerdings falsch, und das Triebwerk leitete nicht den Abstieg ein, sondern brachte das Raumschiff auf eine noch höhere Umlaufbahn. Später verglühten Kapsel und Geräteteil wie geplant in der Atmosphäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen derben Rückschlag erhielt das Programm am 28. Juli desselben Jahres, als eine vollständig ausgerüstete und mit der später eingesetzten Version annähernd identische Kapsel (Bezeichnung Wostok 1K No. 1) mit den beiden Hunden Tschaika und Lisitschka an Bord etwa 19 Sekunden nach dem Start infolge eines Triebwerksschadens in einem der Außenblöcke explodierte und rund 2.000 Meter vom Startplatz entfernt aufschlug und zerschellte. Die Hunde hatten dabei nicht die Spur einer Chance, was die Notwendigkeit eines Havarierettungssystems drastisch vor Augen führte.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/wostok_03.jpg" alt="" width="345" height="344"/><figcaption>Weltraumhündin Strelka nach der Landung</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fehlstart wurde selbstverständlich nicht bekannt gegeben, stattdessen wiederholte man den Start bereits am 19. August, woraufhin die Kapsel mit der Bezeichnung Korabl 2 (Sputnik 5) mit den beiden Hunden Belka und Strelka sowie zwei Ratten und vierzig Mäuse an Bord die vorgesehene Erdumlaufbahn erreichte. Bereits am 20. August, nach rund 17 Erdorbits, landete die Kapsel sicher nahe der Ortschaft Orsk. Die an Bord befindlichen Tiere wurden wie geplant aus der Kapsel katapultiert und dabei einer Beschleunigung von bis zu 10 g ausgesetzt, überlebten aber die Strapazen und bewiesen die Einsatzfähigkeit des Verbundes R-7/Block E/Wostok. Unterdessen beobachteten auch die Amerikaner die Vortastversuche der Sowjets mit Besorgnis, schließlich ließen Ergebnisse ihres Mercury-Programms weiterhin auf sich warten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 1960 wurden weitere Details zu den folgenden, unbemannten Missionen klar. Es wurden verschiedene Designveränderungen, Vereinfachungen und Masseeinsparungen, aber auch Einzelheiten zum Rettungssystem und zum Raumanzug SK-1 besprochen und beschlossen. Am 19. September unterbreiteten dann verschiedene Persönlichkeiten, unter ihnen Koroljow, der Chef der Raketentruppen Nedelin, der stellvertretende Ministerpräsident Ustinow sowie der Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften der UdSSR Keldysch, dem ZK der KPdSU die Empfehlung, den Termin für den ersten bemannten Raumflug in den Dezember zu verlegen. Die Zustimmung von ZK und Ministerrat kam am 11. Oktober und machte den Weg für den Raumflug frei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch damit war es nicht geschehen. Einzelne Systeme, darunter der lebenswichtige Schleudersitz, erwiesen sich als nicht funktionsfähig, bzw. wiesen Fehlfunktionen auf, welche bei einem Test des Schleudersitzes sogar das Leben eines Probanden forderten. Damit wurde ungewiss, ob sich der Termin im Dezember einhalten lassen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Ausschlag für die Streichung des Fluges im Dezember gab letztendlich die &#8222;personelle Lücke&#8220;, welche eine Explosion der neu konstruierten Interkontinentalrakete R-16 aus dem OKB Jangel am 24. Oktober 1960 auf einem Startpodest des Kosmodroms Baikonur hinterließ. Rund 100 führende Raumfahrtspezialisten kamen bei dem Inferno ums Leben, unter ihnen der Chef der Raketentruppen, Marschall Nedelin, gleichzeitig einer der maßgeblichen Förderer der Raumfahrtprogramms.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man entschied sich aus Sicherheitsgründen für zwei weitere unbemannte Flüge im Dezember. Den Auftakt bildete am 1. Dezember Korabl 3 (1K No. 5), bei dem unter anderem die beiden Hunde Ptscholka und Muschka an Bord waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Einleiten der Rückkehr befand sich die Kapsel wegen eines Defekts im Stabilisierungssystems in einer taumelnden Bewegung. Der Schubvektor des Bremstriebwerks war deshalb nicht genau entgegen der Flugrichtung gerichtet. Obwohl das Triebwerk die vorgesehene Zeit brannte, war infolge dessen die Bremswirkung zu gering. Das an Bord des Raumschiffs befindliche Selbstzerstörungssystem war so programmiert, dass es aktiviert wurde, wenn nicht innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nach der Zündung des Bremstriebwerks die Bremsverzögerung des Wiedereintritts einsetzte. Man wollte damit verhindern, dass das Raumschiff im Ausland landet und in fremde Hände fällt. Genau das war nun der Fall, weshalb das Selbstzerstörungssystem in Aktion trat und das Raumschiff in Stücke riss.<br><em>(Quelle: Boris Tschertok, Raketen und Menschen, Band der Sieg Koroljows, Seite 387.)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Termin für den bemannten Start rutschte daher weiter ins Jahr 1961.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch das folgende Korabl-Raumschiff (1K No. 6) stand unter keinem glücklichen Stern. Beim Start am 22. Dezember 1960 kam in der Oberstufe der Wostok-Rakete (Block E) erstmals das neue Triebwerk RO-7 zum Einsatz. Bei allen vorherigen Starts wurde noch das ältere RO-5 verwendet. Prompt kam es mit dem neuen Triebwerk zu Problemen: Es versagte, sodass nur ein ballistische Flug über eine Entfernung von 3.500 km möglich war. Die Notlandung erfolgte bei ca. minus 40 Grad Celsius in Jakutien. Wegen eines durchgebrannten Kabels war allerdings die Kabine mit den Hunden Kometa und Tschutka nicht aus der Kapsel katapultiert worden. Das erwies sich nun als Glücksfall, denn trotz des strengen Frostes blieben die Hunde dadurch am Leben und konnten nach zwei Tagen stark unterkühlt aber ansonsten unversehrt geborgen werden.<br><em>(Quellen: Boris Tschertok, Raketen und Menschen, Band: Der Sieg Koroljows, Seiten 387/388. Stefan Wotzlaw, Das Wostok-Programm, Schriftenreihe der Deutschen Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz e.V.)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch dieser Vorfall gab zu denken, der erste bemannte Raumflug musste unter allen Umständen erfolgreich verlaufen. Der Tod eines Raumfahrers könnte dem gesamten sowjetischen Programm den Todesstoß versetzen. Um die Gefahren zu minimieren, modifizierte man die Kapsel unter der Bezeichnung 3KA erneut. So erhöhte man z.B. die Stärke des aus Asbest bestehenden Hitzeschutzschildes von 3 auf 13 cm. Ebenfalls erging der Beschluss, dass der erste Raumflug die Erde nur einmal (= 90 Minuten) anstelle der geplanten 17-mal (was einem eintägigen Flug entspräche) umrunden sollte. Unterdessen kündigten die Amerikaner ihren ersten suborbitalen Flug für den 28. April 196a an. Die Parteiführung drängte nun, den Flug unter allen Umständen vor diesem Termin durchzuführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um einige abschließende Tests durchzuführen, fertigte man sogenannte &#8222;Space Dummies&#8220;, also menschengroße und -schwere Puppen, welche dem Wostok-System das &#8222;Space Proof&#8220;-Siegel verleihen sollten. Die Dummies trugen auch bereits die für die späteren bemannten Flüge vorgesehenen Raumanzüge des Typs SK-1. Bei dem anderthalbstündigen Flug von Korabl 4 (3KA No. 1) am 9. März 1961 lief dann auch alles wie geplant, und sowohl der an Bord befindliche Hund Tschernuschka, als auch der Dummie „Iwan Iwanowitsch“ waren nach der Landung rund 260 km nordöstlich der Stadt Kuibyschew (heute Samara) wohlauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei dem Start von Korabl 5 (3KA No. 2) am 25. März waren in Baikonur erstmals sechs Kosmonautenkandidaten anwesend. Auch dieser Flug mit dem Hund Swjosdotschka und dem Dummie &#8222;Iwan Iwanowitsch Nr. 2&#8220; an Bord verlief planmäßig, nur bei der Landung wurde das eigentliche Zielgebiet um rund 660 km verfehlt und die Kapsel ging rund 80 km von der Gebietshauptstadt Udmurtiens, Ishewsk, entfernt nieder.<br><em>(Quelle: Stefan Wotzlaw, Das Wostok-Programm, Schriftenreihe der Deutschen Raumfahrtausstellung Morgenröthe-Rautenkranz e.V.)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit diesem abschließenden Tests gaben die Konstrukteure ihr &#8222;Go&#8220; und schon der nächste Flug würde Anfang April bemannt durchgeführt werden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Kosmonautengruppe Nr. 1</strong><br>Der menschliche Faktor für einen Raumflug wurde von Koroljow zu keinem Zeitpunkt unterschätzt, und so begann man Anfang 1959 mit der akribischen Suche nach geeigneten Kandidaten und mit einer strengen Auswahlprozedur. Für die zukünftigen &#8222;Lieferanten&#8220; von Kosmonauten qualifizierten sich automatisch mehrere Extremberufe, wie z.B. Leistungssportler, U-Boot-Fahrer, Bergsteiger usw. Koroljow bevorzugte für den Job als Raumfahrer allerdings eher Jagdflieger. Für eine Rekrutierung gab es einen ganzen Kriterienkatalog, der folgende Parameter vorsah: maximal 36 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 Meter groß und 70 bis 72 kg schwer.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/wostok_05a.jpg" alt="" width="438" height="276"/><figcaption>Kosmonautengruppe Nr. 1<br>(Foto: RKK Energija/Videokosmos)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Unterstützt wurde die Auswahl durch die Abteilung für Weltraummedizin, welche vom Chef der sowjetischen Luftstreitkräfte, Konstantin Wershinin, einem großen Befürworter und Unterstützer der Raumfahrt, unter Leitung von Prof. Wladimir Jasdowski eingerichtet wurde. Mehr als 3.000 Piloten wurden von der &#8222;Kommission für das Thema Nr. 6&#8220;, die Tarnbezeichnungen waren aufgrund der strikten Geheimhaltung des gesamten Weltraumprogramms nötig, überprüft und bis auf 400 Mann aus der Liste gestrichen. Den Ausschlag für die Rekrutierung gab ein kritischer Blick in die Akten der Piloten. So musste man ein &#8222;reines&#8220; Verhältnis zur Partei haben, sowie eine &#8222;saubere&#8220; Biographie vorweisen können. Nur Leute mit einwandfreier Vergangenheit würden sich letztendlich so für Propagandazwecke nutzen lassen, wie man es sich seinerzeit vorstellte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 400 Auserwählten wurden in Gruppen zu je 20 Mann aufgeteilt und im Herbst 1959 in Moskau eingehender untersucht. Die meisten von ihnen disqualifizierten sich durch Mangel an Ausdauer, sodass schließlich nur noch 30 Anwärter übrig blieben, deren Zahl im Januar 1960 nochmals auf 20 verringert wurde und schließlich als erste Kosmonautengruppe vorgestellt wurde. Bis zu jenem Zeitpunkt war allen Rekrutierten der eigentliche Zweck ihrer Auswahl verschwiegen worden, da man keinerlei Risiko eingehen wollte und man durch das Bekanntwerden der Bemühungen um baldest mögliche Erfolge die nationale Sicherheit und das internationale Prestige bedroht sah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 20 Kandidaten begannen am 14. März 1960 eine Art Grundtraining auf dem Moskauer Zentralflughafen &#8222;M. W. Frunse&#8220;. Der Unterrichtsplan bestand hauptsächlich aus Lektionen in Physik, Himmelsmechanik, Raketentechnik und Biologie, speziell Medizin. Die Ausbildung wurde geleitet von Raumfahrttheoretikern, Raketenwissenschaftlern und Konstrukteuren vom OKB-1. Kurioserweise befanden sich unter den Ausbildern auch einige, welche später selbst in All flogen: so z.B. Makarow, Jelissejew und Feoktistow. Die praktische Ausbildung bestand aus Fallschirmspringen, Flügen mit der MiG-15 UTI (mit der 1968 Gagarin tödlich verunglückte), Parabelflügen mit einer TU-104, aber auch aus nervenzehrenden Aufenthalten in isolierten Barokammern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Raumfahrer wurden auf Schritt und Tritt beobachtet und jeder Mangel wurde von den Ausbildern protokolliert, die psychische und physische Verfassung während des Trainigs genau verfolgt. Die Ausbildung selbst entspricht nicht mehr den heutigen Methoden, da man damals mangels Wissen über die Einflüsse der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Organismus die Trainingseinheiten nicht &#8222;weltraumgerecht&#8220; gestalten konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da eine Ausweitung des gesamten bemannten Weltraumprogramms abzusehen war, veranlasste man auf Beschluss des ZK der KPdSU am 11. Januar 1960 die Gründung eines zentralen Kosmonauten-Ausbildungszentrums. Bereits im Sommer dieses Jahres war die grundlegende Infrastruktur geschaffen worden und man konnte das Training dort, weit besser vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen, aufnehmen. Das ZPK (&#8222;Zentr Podgotowki Kosmonawtow&#8220;), heute wohl eher als &#8222;Sternenstädtchen&#8220; bekannt, war von nun an das Zentrum der Bemühungen um einen bemannten Raumflug und die Trainingseinheiten wurden intensiviert, um den Kreis der möglichen Kosmonauten weiter einzugrenzen. Der erste Chef des ZPK wurde Oberst Jewgeni Karpow, die Kosmonautenausbildung leitete fortan Nikolai Kamanin, aufgrund seiner Verdienste als Pilot zu jener Zeit bereits Held der Sowjetunion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle Arbeiten liefen planmäßig, die Ausbildung schritt voran und das Fluggerät war bereits fertig, so dass man bereits im Dezember 1960 das Zeitalter der Präsenz des Menschen im Weltall einläuten wollte. Am 31. Mai wurden sechs der 20 Kandidaten ausgewählt, am Wostok-Programm teilzunehmen. Dabei handelte es sich um Gagarin, Titow, Nikolajew, Popowitsch, Kartaschow und Warlamow. Die restlichen 14 Rekruten schieden zwar damit nicht aus dem Trainingsprogramm aus, wurden allerdings nicht speziell im Wostok-Simulator ausgebildet, was ab Juli geschah. Am 18. Juni wurden die Anwärter ins Herstellerwerk Kuibyschew gebracht, wo sie zum ersten Mal das Wostok-Raumschiff in voller Pracht sahen und von niemand Geringerem als Sergei Koroljow gezeigt bekamen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl bis dahin alles planmäßig verlief, traten zu jenem Zeitpunkt mehrere unvorhersehbare Ereignisse ein, welche die Kosmonautengruppe verkleinerten, veränderten und somit die gesamte Planung durcheinander brachten. Zunächst disqualifizierte sich Anatoli Kartaschow und wurde, nachdem nach einem Zentrifugentest am 16. Juli ein Gefäßriss an der Wirbelsäule festgestellt wurde, durch den Kampfpiloten Neljubow ersetzt und erst einmal zurückgestellt. Gänzlich aus dem Raumfahrtprogramm entfernt wurde er erst am 7. April 1962, nachdem er sich für Überbelastungen als untauglich erwies.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 24. Juli 1960 verletzte sich Walentin Warlamov bei einem Badeausflug infolge eines Kopfsprungs an der Halswirbelsäule und wurde durch Waleri Bykowski ersetzt. Warlamow war fortan Ausbilder des ZPK im Fach Astronavigation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein schwerer und auch äußerst tragischer, tödlich endender Unfall trug sich am 23. März 1961, also nur kurze Zeit vor dem Start von Gagarin, in einer Isolationskammer des ZPK zu. Kandidat Bondarenko warf einen für medizinische Untersuchungen im Rahmen eines 10-tägigen Aufenthaltes in der Isokammer mit Alkohol getränkten Wattebausch auf eine elektrische Heizplatte, welche sich sofort entzündete und aufgrund der reinen Sauerstoffatmosphäre in der hermetisch abgeriegelten Kammer sofort alles in Brand steckte. Bondarenko versuchte zunächst selbst vergeblich das Feuer zu löschen, bevor er Alarm schlug. Als der Druckausgleich mit der Kammer hergestellt werden konnte, war Bondarenko zwar am Leben, hatte aber derart starke Verbrennungen erlitten, dass er acht Stunden später starb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vorfall wurde wegen dem befürchteten &#8222;schädlichen&#8220; Abfärben auf das bis dahin geltende Image von den erfolgreichen sowjetischen Errungenschaften in der Raumfahrt bis 1986 totgeschwiegen. Bereits wenige Jahre später ereignete sich mit Apollo 1 eine ähnliche Katastrophe, welche ebenfalls auf die Verwendung von reinem Sauerstoff unter Niedrigdruck als Atmosphäre und auf das Fehlen einer schnell zu öffnenden Luke zurückzuführen war.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/wostok_06a.jpg" alt="" width="362" height="265"/><figcaption>Start von Wostok 1 mit Juri Alexejewitsch Gagarin.<br>(Foto: RKK Energija)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl dieser Zwischenfall den Initiatoren des sowjetischen Raumfahrtprogramms zu denken gab, sah man keinen Grund, dieses zu stoppen. Symbolisch bekamen die sechs Anwärter nach ihren Prüfungen am 17. und 18. Januar den Titel &#8222;(Flieger-) Kosmonaut&#8220; verliehen, durften sich aber öffentlich nicht so nennen, da man auch die Mitglieder der Kosmonautengruppe zur Verschwiegenheit nach außen verpflichtete. Letztendlich galt es, unter den sechs Verbliebenen, denjenigen herauszusuchen, der einerseits die besten Testresultate an den Tag legte, andererseits aber auch mit Charme und Charakter für die Propagandamaschinerie verwertbar war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">General Kamanin gab Juri Gagarin bereits Ende März zu verstehen, dass er sich Hoffnung machen dürfe, als erster ins All zu fliegen. Gagarin zeichnete sich in allen Disziplinen dadurch aus, immer zur Leistungsspitze zu gehören und nirgendwo zu schwächeln. Gleichzeitig besaß er zwar einen starken, aber keinesfalls einen arroganten Charakter, wie es wohl z. B. bei Grigori Neljubow, dem zweiten Ersatzmann von Wostok 1, der Fall war. Dieser konnte es mental kaum verkraften, nicht der Erste gewesen zu sein und bekam auf Anordnung Kamanins keine weitere Flugnominierung. Ein nächtlicher Alkoholexzess am 4. Mai 1962 führte schließlich zu seiner Entlassung aus dem Kosmonautenkorps, einer Strafversetzung in den Fernen Osten. Das löste bei ihm Depressionen aus und führte am 18. Februar 1966 zum Selbstmord, als er sich an der Bahnstation Ippalitowka in Sibirien von einem Zug erfassen ließ und sofort starb. Auch sein Name wurde aus den Annalen der sowjetischen Raumfahrt entfernt, sein Schicksal blieb lange Zeit unbekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Flugverlauf</strong><br>Im Rahmen des Wostok-Programms wurden 6 Missionen durchgeführt.</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Wostok 1: 12. April 1961. Juri Gagarin.<br>Start um 7.07 Uhr MEZ<br>Einmalige Erdumkreisung, Rückkehr nach 108-minütigem Flug (= 41.000 Kilometer Flugstrecke). Landung Gagarins am Fallschirm separat von der Kapsel, nahe Smelowka, 26 Kilometer südwestlich von Engels.</li><li>Wostok 2: 06. August 1961. German Titow.<br>Durchführung von 17 Erdumkreisungen (= 1d 1h 17min; 703.000 Kilometer). Erstmals Filmaufnahmen und Experimente unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit. Titow litt an akuter Weltraumkankheit, klagte über Übelkeit und Orientierungslosigkeit. Zeitweise Ausfall der bordeigenen Temperaturregulierung, sinken der Bordtemperatur auf 6 °C. Erfolgreiche Landung im Gebiet Krasnij Kut bei Saratow.</li><li>Wostok 3: 11. August 1962. Andrijan Nikolajew.<br>Ernsthafte Probleme gab es beim Start, als sich ein Kabelmast nicht wie geplant von der Rakete löste, sondern erst wenige Sekunden vor dem Start zur Seite schwenkte. Das hätte unter Umständen katastrophale Folgen haben können, doch zum Glück ging alles gut. 24 Stunden später startete von der gleichen Startrampe Wostok 4. Wie schon bei vorangegangenen Flügen gab es erneut Probleme mit der Klimaanlage der Kapsel. Dennoch endete der Flug mit einem neuen Dauerflugrekord. Nach 3d 22h 22min und 64 Erdorbits landete Nikolajew nahe der kasachischen Stadt Karakalinsk.</li><li>Wostok 4: 12. August 1962. Pawel Popowitsch.<br>Start nur einen Tag nach Wostok 4 von der selben Startrampe. Durchführung des ersten Gruppenfluges der Geschichte. Näherung bis auf 6,5 Kilometer, was zwar direkten Funkkontakt aber keinen Sichtkontakt ermöglichte. Nikolajew und Popowitsch schwebten erstmals frei in ihren Kabinen, keiner von beiden litt wie Titow unter der damals vollkommen unerforschten Weltraumkrankheit. Auch bei Wostok 4 bereitete die Klimaanlage Probleme. Die Landung erfolgte aufgrund eines Missverständnisses einen Tag früher als geplant, nur 7 Minuten nach Wostok 3 nahe der Ortschaft Atas, südlich von Karaganda. Popowitsch hatte bei seinem Flug 48 mal die Erde umrundet.</li><li>Wostok 5: 14. Juni 1963. Waleri Bykowski.<br>Ursprünglich war ein Dreierflug mit Komarow, Bykowski und einem weiblichen Raumfahrer geplant, was allerdings am 1. April wieder verworfen wurde. Wostok 5 war gleichzeitig eine Vorbereitung auf kommende Mondmissionen und sollte acht Tage dauern. Durch gefährliche Sonnenaktivität wurde der Start vom 11. Juni an mehrmals verschoben. Doch auch am 14. Juni fiel während des Countdowns überraschend ein Steuerkreisel aus und eine Schnur verhedderte sich unter Bykowskis Sitzschale. Beide Probleme wurden entgegen den Vorschriften und auf Bykoskis ausdrücklichen Wunsch bei laufendem Countdown behoben. Das erreichte Apogäum war letztendlich zu niedrig, um tatsächlich acht Tage im Orbit zu verweilen. Die Landung erfolgte deshalb schon am 19. Juni nach fünf Flugtagen und 81 Erdorbits, rund 540 km nordwestlich der kasachischen Stadt Karaganda.</li><li>Wostok 6: 16. Juni 1963. Walentina Tereschkowa.<br>Zwei Tage nach Bykowski brach die 26-jährige Textilarbeiterin Walentina Tereschkowa ins All auf. Während des Fluges wurde der Gruppenflug von Wostok 3 und 4 weitestgehend wiederholt, die beiden Raumschiffe näherten sich bis auf 5 Kilometer. Die offizielle Version, dass Tereschkowa die Schwerelosigkeit erstaunlich gut vertrug, ist aufgrund widersprüchlicher Berichte anzuzweifeln. Mitunter musste sie ermahnt werden, Befehle der Bodenkontrolle korrekt auszuführen. Zudem aß und trank sie nur wenig. Tereschkowa landete nach 48 Erdumrundungen knapp drei Stunden vor ihrem Kollegen Bykowski, 620 km nordöstlich von Karaganda, und damit sehr weit vom eigentlichen Zielgebiet entfernt. Der Abstand der Landeorte der beiden Kapseln lag bei rund 800 km. Am Landeort verschenkte Walentina Tereschkowa ihre nicht verbrauchten Lebensmittel an die örtliche Bevölkerung, sodass es unmöglich war, ihren realen Lebensmittelverbrauch zu bestimmen.</li></ul>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2021/01/wostok_07.jpg" alt="" width="364" height="305"/><figcaption>Wostok 1-Kapsel nach der Landung</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Programmende</strong><br>Offensichtlich plante Koroljow ursprünglich noch mindestens einen weiteren Wostok-Flug für 1964. Gleichzeitig war aber allen Beteiligten klar, dass die technischen Möglichkeiten und damit auch die propagandistische Verwertbarkeit an ihre Grenzen gestoßen waren. Das geplante Nachfolgeraumschiff Sojus ließ weiter auf sich warten, so dass man verschiedene Ersatz-Missionen mit abgewandelten Wostok-Raumschiffen plante.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Koroljow schlug 1962 vor, aus dem Raumschiff Wostok 3KA ein manövrierfähiges &#8222;Wostok 3KA-Tsch&#8220; abzuleiten, welches mit unbemannten Zusatzmodulen gekoppelt werden konnte. Dadurch hätte man nicht nur wichtige Erfahrungen im Bereich der Kopplungstechnik gewonnen, sondern hätte gleichzeitig die erste bemannte Raumstation mit einer Masse von 15 bis 25 Tonnen aufgebaut. Denkbar wäre auch eine direkte Weiterentwicklung zu einem Mondraumschiff gewesen. Wostok 3KA-Tsch stieß leider auf wenig Gegenliebe, so dass sämtliche dahingehenden Studien und Entwürfe zwar Einzug in unbemannte Programme (Zenit) fanden, die letztendliche Verwirklichung aber zu viel Zeit und Geld in Anspruch genommen hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich kündigten die Amerikaner 1964 den Flug ihrer &#8222;Gemini&#8220;-Raumschiffe an und Koroljow konterte mit einer schlichten Modifikation des existenten Wostok-Systems, wozu er den Schleudersitz zu Gunsten von bis zu drei Sitzschalen entfernte. Das machte unter anderem Modifikationen am System für die weiche Landung erforderlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das neu geschaffene Raumschiff wurde auf den Namen &#8222;Woßchod&#8220; getauft, um dem Westen vorzugaukeln, man hätte ein völlig neues, revolutionäres System geschaffen. Damit endete die glorreich Wostok-Ära.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellen:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a rel="noreferrer noopener follow" href="http://www.astronautix.com/v/vostok.html" target="_blank" data-wpel-link="external">http://www.astronautix.com/v/vostok.html</a></li><li><a rel="noreferrer noopener follow" href="http://www.astronautix.com/v/vostok.html" target="_blank" data-wpel-link="external">http://www.astronautix.com/v/vostok.html</a></li><li>Von Gagarin zur Raumstation Mir; S. 6ff.; Alfred Gugerell</li><li>Raumfahrt Concret 1/01 (16); S. 12f; Stefan Wotzlaw</li><li>Das Wostok-Programm; Stefan Wotzlaw</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verwandte Artikel:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="https://www.raumfahrer.net/wosschod-3kd-3kv-das-comeback-der-sowjets/" data-wpel-link="internal">Woßchod-Programm</a></li><li><a href="https://www.raumfahrer.net/das-gemini-programm/" data-wpel-link="internal">Gemini-Programm</a></li></ul>
<p>Der Beitrag <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net/projekt-wostok-update-2017-durch-uwe-raetsch/" data-wpel-link="internal">Projekt Wostok (Update 2017 durch Uwe Rätsch)</a> erschien zuerst auf <a rel="nofollow" href="https://www.raumfahrer.net" data-wpel-link="internal">Raumfahrer.net</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Woßchod 3KD/3KV &#8211; Das Comeback der Sowjets</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/wosschod-3kd-3kv-das-comeback-der-sowjets/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Feb 2004 15:00:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[astronautische Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[R-7]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Sowjetunion]]></category>
		<category><![CDATA[Woschod]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bereits vor Abschluss des Flugprogramms von Wostok war klar, dass sich die Sowjetraumfahrt in Kürze vor einem Dilemma stehen würde. Die Wostok-Ära war an ihr Ende gekommen, jedoch ließ das als Nachfolger konzipierte Sojus-Raumschiff weiterhin auf sich warten. Aus dieser Not heraus wurde schließlich eine Tugend gemacht und es entstand das Raumschiff &#8222;Woßchod&#8220; (zu dt.: [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Bereits vor Abschluss des Flugprogramms von <em>Wostok</em> war klar, dass sich die Sowjetraumfahrt in Kürze vor einem Dilemma stehen würde. Die <em>Wostok</em>-Ära war an ihr Ende gekommen, jedoch ließ das als Nachfolger konzipierte Sojus-Raumschiff weiterhin auf sich warten. Aus dieser Not heraus wurde schließlich eine Tugend gemacht und es entstand das Raumschiff &#8222;<em>Woßchod</em>&#8220; (zu dt.: Aufstieg, Transkription auch als &#8222;Wosschod&#8220; oder Wos-chod&#8220;).</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Felix Korsch.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/voskhod_start_260.jpg" alt=""/><figcaption>Woßchod 1 (?) unmittelbar vor dem Start. (Bild: RKK Energija)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Technische Daten</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Konstruktionsarbeiten forderten zahlreiche Kompromisse. So konnte man bei mehrköpfigen Besatzungen die Raumfahrer nicht mehr hinauskatapultieren und so eine &#8222;weiche&#8220; Landung garantieren. Vielmehr änderte man das Landeszenario und montierte nun kleine Feststofftriebwerke an den Fallschirmtrossen, um die Geschwindigkeit unmittelbar vor dem Aufsetzen zu verringern. Um Platz für zwei bis drei Raumfahrer in der eh schon engen Kapsel zu schaffen, montierte man die Konturensessel jeweils um 90° versetzt und man installierte zusätzlich eine Art Stoßdämpfer, um die Landeenergie abzufangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die technischen Daten von <em>Woßchod</em> entsprachen weitestgehend denen von <em>Wostok</em>, denn weder an den Flugsystemen noch an den Instrumenten wurden erwähnenswerte Veränderungen vorgenommen. Somit ist <em>Woßchod</em> auch eher eine Modifikation von <em>Wostok</em> als eine echte Weiterentwicklung. Ursprünglich plante Koroljow für das Jahr 1964 einen weiteren, finalen <em>Wostok</em>-Flug. Doch die Regierung hatte andere Pläne, zumal das <em>Wostok</em>-System ausgereizt war und jede weitere Mission nur eine Wiederholung einer vorigen wäre. Dies hätte einerseits den Nutzen im Vergleich zum enormen Kostenaufwand gegen Null gesenkt, andererseits auch keine propagandistische Verwertung erlaubt. Letztendlich war der Geldfluss aus Moskau zu jedem Zeitpunkt vor allem von letzterem abhängig, und Koroljow blieb nichts anderes übrig, als nach einer Alternative zu suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der designierte Nachfolger für <em>Wostok</em>, Sojus, welcher gleichzeitig den Wettlauf zum Mond vorantreiben sollte, ließ trotz intensiver Anstrengungen weiter auf sich warten. Ein Programmstopp würde, so wusste auch Koroljow, unweigerlich den Ausstieg der Sowjetunion aus der bemannten Raumfahrt bedeuten. Gleichzeitig würde man damit den Amerikanern einen uneinholbaren Vorsprung einräumen und ihnen quasi &#8222;kampflos&#8220; das ferne Ziel, den Mond, überlassen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/voskhod2_260.jpg" alt=""/><figcaption>Leonow und Beljajew vor dem Start in ihrer Kapsel. (Bild: RKK Energija)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die logischen nächsten Schritte der Sowjetunion im Orbit wären der Start von mehrköpfigen Besatzungen, umfangreiche Steuermanöver, Kopplungstests und Raumausstiege gewesen &#8211; unentbehrlich für den geplanten Mondflug. Zusätzlich unter Druck geriet man Anfang 1964, als die Amerikaner den Start ihres zweisitzigen Gemini-Raumschiffes ankündigten. Am 4. Februar folgte postwendend die Anweisung an Koroljows OKB-1, ein dreisitziges Raumschiff binnen weniger Monate zu konzipieren, zu testen und schließlich fliegen zu lassen, um somit der Welt neue Sensationen und Erstleistungen präsentieren zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Koroljow stand freilich nicht ganz ohne Konzepte da, konnte er doch auf den Entwurf des &#8222;<em>Wostok</em> Tsch&#8220;, einer mehrsitzigen Weiterentwicklung von <em>Wostok</em> 3, zurückgreifen. Hochtrabende Pläne und technische Neuerungen konnten in jener kurzen Zeitspanne natürlich nicht implementiert werden. Immerhin: &#8222;<em>Woßchod</em>&#8222;, wie das Projekt nun genannt wurde, bedurfte keiner langen Entwicklungszeit, da im wesentlichen nur das Innere der <em>Wostok</em>-Kapsel verändert wurde. Koroljow gab seinen Ingenieuren den Auftrag, gleich zwei verschiedene Versionen zu entwickeln &#8211; Typ 3KW für eine Dreimannbesatzung und Typ 3KD für einen Raumausstieg inklusive Luftschleuse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Idee zu einem Ausstieg eines Raumfahrers wurde maßgeblich von der Ankündigung der NASA beeinflusst, mit <em>Gemini 4</em> im Frühjahr 1965 erstmals die Luken in den freien Raum zu öffnen. Bereits 1964 plante Koroljow den Weltraumspaziergang eines Hundes, doch der Regierungsbeschluss vom 13. April 1964, welcher gleichzeitig die Rahmenbedingungen für das <em>Woßchod</em>-Programm setzte, forderte einen Menschen als ersten &#8222;Aussteiger&#8220;.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/voskhod_integration_260.jpg" alt=""/><figcaption>Woßchod 1 in der Montagehalle. (Bild: RKK Energija)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Erstaunlicherweise benötigte man vor jedem der beiden Flüge nur jeweils einen unbemannten Testflug (Kosmos 47 und 57) um die Funktionsfähigkeit des Gesamtsystems unter Beweis zu stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Flugverlauf</strong><br>Im Rahmen des <em>Woßchod</em>-Programms wurden 2 Missionen durchgeführt.</p>



<ul class="wp-block-list"><li><em>Woßchod</em> 1: 12. Oktober 1964. Wladimir Komarow, Konstantin Feoktistow, Boris Jegorow.<br>Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt waren Missionen nicht mehr nur auf einen Piloten beschränkt. Vielmehr gab man hier zwei Zivilisten, Jegorow (Arzt) und Feoktistow (leitender Konstrukteur), die Möglichkeit, als Wissenschaftler an einem Flug teilzunehmen. Letzterer hatte nur am <em>Woßchod</em>-Raumschiff mitgearbeitet, da ihm Koroljow einen Platz im Raumschiff zusicherte. Beide litten an der Raumkrankheit. Die Kapsel landete nach erfolgreicher Mission (16 Orbits, 1d 17min) wie vorgesehen.</li><li><em>Woßchod</em> 2: 18. März 1965. Alexej Leonow, Pawel Beljajew.<br>Diese Mission stand unter keinem guten Stern, explodierte der einen Monat zuvor als Generalprobe gestartete Kosmos 57 doch im All durch ein aus Versehen ausgelöstes Selbstzerstörungssignal in 168 Einzelteile. Letztendlich führte man den unter zahlreichen lebensbedrohlichen Pannen leidenen Flug doch durch und Leonow konnte vor den Amerikanern als erster Mensch in den freien Raum aussteigen. Die Landung erfolgte nach 18 Orbits (1d 2h 2min) über 3200 Kilometer vom geplanten Landeort entfernt, die Kosmonauten waren jedoch wohlauf.</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Programmende</strong><br>Das <em>Woßchod</em>-Programm endete abrupt, da interne Kontroversen immer lauter geführt wurden und sich das Militär als missachtet ansah. <em>Woßchod</em> 3 mit Boris Wolynow und Georgi Katys wurde nur wenige Wochen vor dem geplanten Starttermin (November 1965, das Training war fast beendet) abgesagt. <em>Woßchod</em> 4 (Flug einer weiblichen Besatzung, mit Raumausstieg), <em>Woßchod</em> 5 (chirurgische Versuche an Tieren), <em>Woßchod</em> 6 (Ausstieg mit einer mobilen Manövriereinheit) und <em>Woßchod</em> 7 (Herstellung künstlicher Gravitation durch Verbindung mit der Drittstufe der Rakete und Rotation des Gesamtkomplexes) fanden ebenfalls nie statt.<br><br>Im Januar 1966 starb schließlich Sergej Koroljow, der jahrelange Chef aller Planungen auf dem Gebiet der bemannten Raumfahrt. Alle Raumfahrt-Programme wurden daraufhin abgebrochen und neu organisiert/strukturiert.<br><br><strong>Quellen:</strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li><a href="http://www.astronautix.com/v/voskhod.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="external">http://www.astronautix.com/project/voskhod.htm</a></li><li><a rel="noreferrer noopener follow" href="http://www.astronautix.com/v/voskhod-3kv.html" target="_blank" data-wpel-link="external">http://www.astronautix.comcraft/vosod3kv.htm</a></li><li>Von Gagarin zur Raumstation Mir; S. 17ff.; Alfred Gugerell</li><li>Raumfahrt Concret 1/01 (16); S. 13; Stefan Wotzlaw</li><li>Das <em>Wostok</em>-Programm; Stefan Wotzlaw</li></ul>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sputnik 1 &#8211; mit 80 Kilo um die Welt</title>
		<link>https://www.raumfahrer.net/sputnik-1-mit-80-kilo-um-die-welt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Raumfahrer.net Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Jun 2002 18:23:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Raumfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Baikonur]]></category>
		<category><![CDATA[Koroljow]]></category>
		<category><![CDATA[R-7]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Sputnik 1]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sputnik, der Begleiter. Seinen Namen hatte er von Konstantin Ziolkowski schon 1895 bekommen. Gut sechzig Jahre später fliegt er wirklich: groß wie ein Hundekorb, keine 100&#160;Kilo schwer und nach 1.400&#160;Erdumläufen ist er schon wieder vom Himmel gefallen. Trotzdem: Er wird für alle Zeiten das Symbol für den Schritt des Menschen in den Orbit bleiben. Hier [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading"><em>Sputnik</em>, der Begleiter. Seinen Namen hatte er von Konstantin Ziolkowski schon 1895 bekommen. Gut sechzig Jahre später fliegt er wirklich: groß wie ein Hundekorb, keine 100&nbsp;Kilo schwer und nach 1.400&nbsp;Erdumläufen ist er schon wieder vom Himmel gefallen. Trotzdem: Er wird für alle Zeiten das Symbol für den Schritt des Menschen in den Orbit bleiben. Hier ist seine Geschichte.</h4>



<p class="has-text-align-right has-small-font-size wp-block-paragraph">Ein Beitrag von Lutz Growalt.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/Sputnikasmnasa.jpg" data-rel="lightbox-image-0" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/Sputnikasmnasa260.jpg" alt="Sputnik 1 Mockup. (Bild: NASA)"/></a><figcaption>Sputnik 1 Mockup. (Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich war <em>Sputnik 1</em> nur die Notlösung – ursprünglich hatten die Russen vorgehabt, als sowjetischen Beitrag zum &#8222;Internationalen Geophysikalischen Jahr&#8220; 1957/58 einen großen Satelliten von anderthalb Tonnen – ausgerüstet mit einem kompletten wissenschaftlichen Instrumentenpark – in den Orbit zu bringen. Die Rakete dafür hatten sie: eine umgebaute Interkontinentalrakete <em>R-7</em>, ausgelegt für eine Nutzlast von fünf Tonnen und den Transport der ersten sowjetischen Wasserstoffbombe. Das geplante Satellitenprojekt hatte sich dann aber als dermaßen kompliziert herausgestellt, dass der Satellit wahrscheinlich erst nach Ablauf des Geophysikalischen Jahres fertig geworden wäre.<br><br>Man sattelt also um: klein, technisch simpel und schnell zu entwickeln soll er sein, der russische Beitrag zum Geophysikerjahr. Dafür besteht die Aussicht, den &#8211; im Grunde technisch überlegenen -Amerikanern, hoffnungslos in Prioritätsstreitereien, einander zuwiderlaufende Interessen und Budgetauseinandersetzungen verstrickt, ein Schnippchen zu schlagen.<br><br>Also gibt es wenig Aufregendes in Sputniks Innerem: ein Temperaturmesser für die Innen-, einer für die Außentemperatur, eine Radioanlage für zwei Frequenzen, zwei Batterien &#8211; das war&#8217;s. Die innere Kugel ist mit Stickstoff unter Überdruck gefüllt. Die Hülle des Ganzen, 58&nbsp;cm im Durchmesser, ist nicht viel mehr als zwei ausgestanzte und gepreßte Aluminiumbleche von zwei Millimeter Stärke, zwei Halbkugeln die Sputnik sein typisch kugeliges Aussehen geben.<br><br>Diese Kugelform, so geht die Sage, verdankt <em>Sputnik 1</em> – trotz anderslautender offizieller Begründungen – im Grunde dem ästhetischen Empfinden seines Ziehvaters, des großen Sergeij Koroljow. Die ersten Sputnik-Entwürfe zeigten überwiegend Kegelformen. Koroljow jedoch war von vorneherein der Ansicht, daß die Kugel das Symbol der Vollkommenheit sei – gerade gut genug für &#8222;seinen&#8220; Sputnik.<br><br>Immerhin verbindet man mit dem simplen Innenleben ein einfaches wissenschaftliches Experiment: Hagelt es Steine über der Erdatmosphäre? Das Verfahren ist denkbar einfach. Die Daten über die Innentemperatur Sputniks werden mit dem Telemetriesignal zur Erde übertragen. Träfe ein Mikrometeorit den Sputnik, käme es zu einem Druckabfall im Inneren der gasgefüllten Kugel. Der Druckverlust ließe die Temperatur des Stickstoffs schlagartig abfallen, was wiederum an den Temperaturwerten direkt ablesbar wäre. Also ist Sputnik eine wissenschaftliche Satellitenmission, die ein richtiges Experiment trägt: einen &#8222;Mikrometeoritendetektor&#8220;.<br><br>Natürlich ist die wissenschaftliche Seite im Grunde völlig nebensächlich &#8211; trotz Geophysikerjahr. Koroljow, kreativer Kopf der sowjetischen Raketenentwicklung, und sein Team sehen die Chance, als Erste in den Orbit zu kommen – und natürlich nutzen sie sie.<br><br>Sie leisten Verblüffendes: Die Zeit drängt und die Entwicklung des ganzen <em>Sputnik</em> dauert nur vier Wochen. Koroljow verhält sich während der Entwicklung seines <em>Sputnik</em> wie ein werdender Vater: Augenzeugen erinnern sich, daß er den &#8222;Kleinen&#8220; umhegt, das Glattpolieren persönlich überwacht und es dem heranreifenden Satelliten insgesamt an nichts mangeln läßt. Gleichzeitig &#8211; auch hier ganz werdender Vater &#8211; bringt er den Sorgen und Nöten seines &#8222;großen Babys&#8220;, der mächtigen <em>R-7</em>, die ebenfalls mit erheblichen Schwierigkeiten kämpft, in dieser Zeit nur wenig Interesse entgegen.<br><br>Dabei sind es gerade diese Schwierigkeiten mit der <em>R-7</em>, die das ganze Projekt gefährden. Koroljow hatte mit seinen Oberen – eher an Interkontinentalraketen als an Satelliten interessiert –&nbsp;einen <em>Deal</em> gemacht: Wenn er zwei erfolgreiche Flüge seiner <em>R-7</em> als Interkontinentalrakete vorweisen kann, darf er seinen Satelliten schießen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignright size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/sputnik1mockupnasa2k.jpg" data-rel="lightbox-image-1" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/sputnik1mockupnasa260.jpg" alt="Sputnik 1 Mockup. (Bild: NASA)"/></a><figcaption>Sputnik 1 Mockup. (Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entwicklungsarbeiten für den &#8222;Kleinen&#8220; gehen bereits ihrem Ende entgegen, als endlich –&nbsp;nach drei schmerzlichen Fehlschlägen –&nbsp;der erste erfolgreiche Start mit der <em>R-7</em> im späten August&nbsp;1957 gelingt. Auch er zweite Flug, zwei Wochen später, ist erfolgreich. Damit ist der Weg frei für <em>Sputnik&nbsp;1</em>, dessen Entwicklung mittlerweile abgeschlossen ist.<br><br>Um den Starttermin hatte es in den letzten Tagen des September&nbsp;1957 noch Aufregung gegeben: Koroljow hatte als Starttermin ursprünglich auf den 6.&nbsp;Oktober 1957 festgelegt. Nun hatte sich aber herausgestellt, daß amerikanische Wissenschaftler für diesen Tag die Veröffentlichung eines Papiers unter dem vielsagenden Titel &#8222;Satellit über dem Planeten&#8220; angekündigt hatten. Koroljow argwöhnte nun, dass die Amerikaner an diesem Tag den Versuch eines Satellitenstarts wagen könnten, dessen Vorbereitungen im Geheimen abgelaufen waren –&nbsp;in letzter Minute entschließt er sich, den geplanten Sputnik-Start um zwei Tage vorzuziehen, um nicht Gefahr zu laufen, dass die Amerikaner ihm in letzter Minute die Butter vom Brot nehmen.<br><br>Nachdem Sputnik schließlich zum letzten Mal überprüft und unter seiner Haube an der Spitze der <em>R-7</em> sicher verstaut ist, dämmert der 3.&nbsp;Oktober 1957 herauf: Rollout. Kurz zuvor hatte es noch Hektik gegeben: eine der Bordbatterien Sputniks war defekt und mußte ausgetauscht werden. Rakete und Sputnik verlassen auf einem Eisenbahnwaggon langsam die Montagehalle auf dem Weg zum Startplatz. Das Entwicklungsteam, allen voran Sergeij Koroljow, geht bedächtig schweigend die anderthalb Kilometer vom Hangar bis zur Rampe. Am frühen Morgen des 4.&nbsp;Oktober beginnt die Betankung der Rakete. Koroljow ist an allen Stellen zugleich, kontrolliert, vergewissert sich, dass alles glattläuft.<br><br>Am Abend dieses 4.&nbsp;Oktober ist die Startanlage am Kosmodrom Baikonur in grelles Schweinwerferlicht getaucht. Im Blockhaus –&nbsp;dem Startbunker direkt an der Startrampe –&nbsp;finden die letzten Systemüberprüfungen statt. Alle sind nervös –&nbsp;auch Koroljew –&nbsp;während die lange eingeübten Prozeduren ausgeführt werden.<br><br>Um exakt 22:28,34&nbsp;Uhr Moskauer Zeit am 4.&nbsp;Oktober 1957 zünden die 24&nbsp;Triebwerke der <em>R-7</em> und die mächtige Rakete steigt auf einer Säule aus Feuer und Rauch in den wolkenbedeckten Nachthimmel über der Steppe von Kasachstan.<br><br>Die <em>R-7</em> hatte zwar glatt abgehoben –&nbsp;doch während des Flugs stellen sich Probleme ein. Nach 16&nbsp;Sekunden Flugzeit fällt der Kontrollmechanismus, der für die gleichmäßige Leerung der Kraftstofftanks sorgen soll, aus. Dadurch liegt der Treibstoffverbrauch zu hoch. Gegen Ende der Brennphase fällt zudem eine der Kraftstoffpumpen aus, wodurch die Triebwerke eine Sekunde zu früh abschalten –&nbsp;Sputniks Orbit liegt, wie sich später herausstellt, 80&nbsp;Kilometer niedriger als geplant.<br><br>Dennoch: exakt 324,5&nbsp;Sekunden nach dem Start werden Rakete und Satellit voneinander getrennt – <em>Sputnik 1</em> ist im Orbit angekommen.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large"><a href="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/nsput1explodednasa.jpg" data-rel="lightbox-image-2" data-magnific_type="image" data-rl_title="" data-rl_caption="" title="" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://www.raumfahrer.net/wp-content/uploads/2020/08/nsput1explodednasa260.jpg" alt=""/></a><figcaption>Innenaufbau von Sputnik 1 &#8211; Modell (Bild: NASA)</figcaption></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Die Männer im Blockhaus wissen davon zunächst nichts: Die Rakete verschwindet aus dem Funkbereich der Startkontrolle. Weltweit verteilte Radiostationen für permanenten Funkkontakt gibt es noch nicht –&nbsp;die lokale Empfangsstation ist in einem Lieferwagen untergebracht, der 800&nbsp;Meter von der Startrampe entfernt parkt, dazu sind einige Beobachtungsposten in verschiedenen Teilen des Landes eingerichtet worden.<br><br>Das Gespann verschwindet hinter dem Horizont. Funkstille. Der kleine Raum im Blockhaus ist überfüllt. Jede Unterhaltung erstirbt. Eine Handvoll Menschen in einem winzigen Raum, allesamt Pioniere, atemlose Spannung, während alle auf die erlösende Nachricht warten. Dann, endlich, nach sechs endlosen Minuten kommt die Nachricht, daß die Beobachtungsstation in Kamtschatka das Signal aufgenommen hat. Jubel bricht los –&nbsp;doch Koroljow hält die Feiernden zurück: &#8222;Wartet mit der Feier. Die Leute in der Station könnten sich irren. Warten wir ab bis die Signale von unserer eigenen Station empfangen werden, nachdem der Satellit um die Erde geflogen ist.&#8220;<br><br>Nach langen Minuten gespannter Still ertönt auch in der Empfangsstation vor Ort das Pieppieppiep von <em>Sputnik 1</em>. Es wird in den folgenden Stunden auf zahllosen Amateurfunkempfängern in aller Welt fiepsen: Sputnik ist da! Viele &#8211; Raketeningenieure, nüchterne Männer, die gewohnt sind mit Zahlenkolonnen und Reißbrett zu hantieren &#8211; haben Tränen in den Augen, als sie endlich das Piepsen ihres &#8222;Kleinen&#8220; in der Umlaufbahn hören.<br><br>Völlig anders die Reaktion bei den Mächtigen in Moskau: Wer annimmt, Chruschtschow habe nach Erhalt der Nachricht vom erfolgreichen Sputnik auf dem Tisch getanzt, der irrt. Nikita Chruschtschow, Schreckgespenst der &#8222;freien Welt&#8220; und immer darauf bedacht, den Amerikanern ein Progpaganda-Bein zu stellen, hat die Erfolgsmeldung &#8222;beinahe apathisch&#8220; aufgenommen: &#8222;&#8230;schon wieder so ein Raketenstart von Koroljow&#8220;. Chruschtschow selbst erinnert sich später, seine Raketenexperten telefonisch beglückwünscht zu haben und danach in aller Ruhe zu Bett gegangen zu sein.<br><br>Erst am 6.&nbsp;Oktober, als die Nachricht von Sputnik sich wie ein Steppenbrand durch die Gazetten der Welt gefressen hatte, erkennt Chruschtschow das propagandistische Potential des Coups, den Koroljow und seine Mannschaft gelandet haben. Die PRAWDA, Speerspitze der russischen Propaganda –&nbsp;die zuvor nur verhalten-technokratisch über <em>Sputnik 1</em> berichtet hatte – jubelt auf der ersten Seite: &#8222;Der Welt erster künstlicher Satellit in der Sowjetunion gebaut&#8220; und veröffentlicht zahlreiche Glückwunschadressen aus aller &#8211; vornehmlich der westlichen &#8211; Welt.<br><br>Natürlich greift auch Chruschtschow zu: Sputnik gibt ihm reichlich Gelegenheit, seine Gegenspieler auf der anderen Seite der Welt in überschwenglichen Reden zu ärgern. Die PRAWDA titelt am 8.&nbsp;Oktober mit: &#8222;Russen haben den Wettlauf gewonnen!&#8220;<br><br>Die amerikanischen Offiziellen reagierten &#8211; ganz im Gegensatz zur öffentlichen Meinung &#8211; verhalten auf den Start Sputniks: Keine Spur von Panik oder einem &#8222;Pearl Harbour&#8220; der Amerikaner. Eisenhower, der die Nachricht von Sputnik beim Golfspielen entgegennahm, sagt später, dass der Start des Sputnik ihn &#8222;kein Jota&#8220; berührt habe. Mitglieder des Stabs im Weißen Haus bezeichneten Sputnik als &#8222;dummes Flitterzeugs&#8220; und als &#8222;hübschen wissenschaftlichen Trick&#8220; –&nbsp;ein amerikanischer Admiral sprach in einem Interview gar von einem &#8222;dummen Klumpen Metall, den jeder starten könnte&#8220;.<br><br>Ganz anders die öffentliche Meinung der westlichen Welt, vorneweg die amerikanischen Zeitungen. Hier zündet Sputnik. Die Wogen gehen hoch. Das zumal die Amerikaner &#8211; von den Verzögerungen des <em>Vanguard</em>-Programms gebeutelt &#8211; außerstande scheinen, Sputnik etwas entgegenzusetzen.<br><br>Und hier liegt wohl die bleibende Bedeutung von Sputnik: Die Amerikaner, mit riesigen technologischen Ressourcen und fähigen Leuten, sehen sich, unter dem Druck ihrer eigenen öffentlichen Meinung, gezwungen das zu tun, was sie vom rein technisch-wissenschaftlichen Standpunkt schon in den frühen 50er Jahren hätten tun können: eine Strategie formulieren, Prioritäten setzen, klare Strukturen schaffen, in die Hände spucken und anfangen.<br><br>Vom heutigen Standpunkt aus sehen wir die Dinge nüchterner: Mit Sputnik begann die Weltraumfahrt. Das steht in jedem Schülerlexikon. Mit Sputnik begann aber auch die Reihe jener seltsam anmutenden Raumfahrt-Insellösungen die ihre Existenz realpolitischem Profitstreben verdanken: <em>Sputnik</em>, das <em>Apollo</em>-Programm und wahrscheinlich demnächst die Internationale Raumstation <em>ISS</em>. Jedes für sich eine technologische Glanztat &#8211; und ein zivilisatorischer Fortschritt.<br><br>Doch wenn als sie dann fertig sind, unsere &#8222;modernen Weltwunder&#8220;, stehen wir eine Weile staunend drumherum – und wenden uns dann anderen Dingen zu, statt auf einer konsequenten Weiterverfolgung des eingeschlagenen Wegs zu bestehen.<br><br>Was bleibt, sind Renommee-Projekte, eine Fassade ohne Haus dahinter – in diesem Sinne war Sputnik erst gestern, und wir haben wir uns seither nicht entscheidend von der Stelle bewegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellen:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8211; &#8222;Korolev, Sputnik, and The International Geophysical Year&#8220; Asif A. Siddiqi<br>&#8211; &#8222;Vanguard &#8211; A History&#8220;, Mc Laughlin Green, C., und Lomask, M., NASA-SP 4202, Washington D.C., 1970<br>&#8211; &#8222;Korolev&#8217;s Triple Play: Sputniks 1, 2, and 3,&#8220; aus: James J. Harford, Korolev: &#8222;How One Man Masterminded the Soviet Drive to Beat America to the Moon&#8220; (John Wiley: New York, 1997).<br>&#8211; &#8222;Sputnik and the Origins of the Space Age&#8220;, Roger D. Launius<br>&#8211; New York Times, Artikel vom 5. &#8211; 10.Oktober 1958<br>&#8211; &#8222;Encyclopedia Aeronautica&#8220;, Mark Wade, astronautix.com<br>&#8211; Spacecraft Information &#8222;Sputnik 1&#8220;, JSC/NSSDC</p>
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