Expedition 28 erwartet das letzte Space Shuttle

Auch diese Woche war arbeits- und ereignisreich. So kam es am Anfang der Woche zu einer Beinahe-Kollision mit einem Trümmerteil, der Orbitalkomplex erlebte zwei Bahnanhebungen durch Progress-M 11M, etliche Experimente und Wartungsaufgaben sollten betreut und durchgeführt werden. Für die Ankunft der Atlantis, welche am 10. Juli geplant ist, fanden etliche Vorbereitungen statt. (Newsbild: Die Besatzung im Swesda-Modul)

Ein Beitrag von Ralf Möllenbeck. Quelle: NASA, Raumfahrer.net, Roskosmos.

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Sergej Wolkow arbeitet am Plasmakristall-3-Plus-Experiment
(Bild: NASA)

Nach der Ankunft von Progress-M 11M am 23. Juni und einem ruhigen Wochenende mit verminderter Tätigkeit, begann am Montag die 15. Woche der Langzeitbesatzung 27/28. An diesem Tag betreute Sergej Wolkow das deutsch-russische Plasmakristall-3-Plus-Experiment im Poisk-Modul. Das Hauptziel dieser Forschungsanordnung ist es, elektrisch aufgeladene Plasma-Staubteilchen in einer Vakuumkammer in der Schwerelosigkeit zu erforschen. Er prüfte jeweils morgens und abends den Versuchsaufbau auf Druckschwankungen, welche 5 mm Quecksilbersäule nicht überschreiten dürfen. Satoshi Furukawa startete den 2. Teil des japanischen CsPINS-Experimentes, wo das Wachstum von Gurkenkeimlingen und deren Anpassung an die Mikrogravitation erforscht werden soll. Dafür wurden zwei Proben in der CsPINS-Kammer mit Messvorrichtungen versehen und in der CBEF (Cell Biology Experiment Facility) postiert. Es folgte ein 18-stündiger Keimungsprozess mit nachträglicher Kontrolle und Stauung von Proben im Gefrierschrank der ISS, MELFI 1.

Am gleichen Tag verbrachte Alexander Samokutjajew etwas Zeit mit dem Frachtransfer von Progress-M 11M zur ISS und gleichzeitiger Aktualisierung des stationseigenen Inventar-Management-Systems (IMS). Gemeinsam mit Sergej Wolkow begab er sich anschließend zu den beiden Sojus-Raumschiffen und sie prüften deren Kommunikationsausrüstung. Aktiviert wurden die festen Verbindungen zwischen den Raumschiffen und der ISS, der VHF-2-Kanal jedes einzelnen Gerätes zur russischen Bodenstation, ein VHF-2-Simplex-Mode zwischen den beiden Sojus und die Kontaktmöglichkeit zum Missionskontrollzentrum in Houston. Weiter wurde von Sergej Wolkow ein mit Progress-M 11M geliefertes Ersatzteil am Lukendeckel zwischen dem Poisk-Modul und Sojus-TMA 21 installiert. Ronald Garan arbeitete im Harmony-Knoten, dort montierte er eine CBCS (Centerline Berthing Camera System) genannte Vorrichtung am unteren Luk. Diese ist nötig, um das MPLM (Multi-Purpose Logistics Module) „Raffaello“ während der Atlantis-Mission ankoppeln zu können.

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Sergej Wolkow und Satoshi Furukawa mit US-Fracht (JAXA) aus dem Progress-Frachter
(Bild: NASA)

Am Dienstag morgen führte die sechsköpfige Besatzung planmäßig eine einstündige Übung durch, für den Fall, dass Feuer auf der Station ausbricht. Bei einem Übungsalarm werden durch Sensoren aufgespürte Rauchentwicklungen, Überhitzung von Geräten und deren Alarme per Software simuliert und entsprechende Com-Verbindungen und Gegenmaßnahmen ohne den wirklichen Einsatz der Feuerausrüstung geprobt. Zu einer Auswertung mit der Bodenstation kam es allerdings nicht, da ein echter Alarm die Arbeit unterbracht. Das Kontrollzentrum schickte die Raumfahrer in ihre Sojus-Raumschiffe, da es zu einer unerwarteten Kollisionswarnung kam (RN berichtete). Nach der Rückkehr in die Station wurden die Arbeiten fortgesetzt und Vorbereitungen für die Space-Shuttle-Mission STS 135 getroffen. Michael Fossum und Satoshi Furukawa übten mit verschiedenen Kameras die Kontrolle des Hitzeschildes der Atlantis während des Rendezvous-Pitch-Manövers (RPM), welches eine volle Drehung des Orbiters um seine Querachse darstellt. Ronald Garan und Michael Fossum bereiteten ihre Ausrüstung für den während der STS-135-Mission stattfindenden Außeneinsatz vor. Ebenso besprachen sie die Prozeduren für diese Außenaktivität mit den Fachleuten am Boden. Satoshi Furukawa begann an diesem Tage seine erste Sitzung der BIORHYTHMS genannten Studie, indem er Elektroden und ein Aufzeichnungsgerät für die nächsten 24 Stunden an seinem Körper befestigte.

Am darauffolgenden Mittwoch wurde auf russischer Seite der Frachter Progress-M 11M weiter entladen und dieser Frachttransfer elektronisch dokumentiert. Insgesamt befinden sich 397 Teile US-Fracht und 588 Teile russischer Herkunft in dem Raumschiff. Um die Mittagszeit erfolgte eine Bahnanhebung der ISS durch den Progress-Frachter am Heck des Swesda-Moduls. Die halbstündige Zündung der Triebwerke hob die Station um rund 3,6 Kilometer an. Die US-Astronauten Ronald Garan und Michael Fossum arbeiteten gemeinsam mit ihrem japanischen Kollegen Satoshi Furukawa an der Umsetzung von Canadarm2. Vorbereitend auf die Ankunft der Atlantis, wurde dieser vom mobilen Transporter an der ISS-Gitterstruktur zu einer Halterung am Harmony-Knoten bewegt und befestigt. Am gleichen Tag fand eine Augenuntersuchung bei Satoshi Furukawa und Michael Fossum statt. Gegenseitig maßen sie den Augeninnendruck, um nach zehn Messungen mit einem Tonmeter eine Beurteilung der Gesundheit des Auges in der Schwerelosigkeit durch Spezialisten am Boden zu ermöglichen.

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Satoshi Furukawa und Ronald Garan in der Luftschleuse Quest
(Bild: NASA)

Satoshi Furukawa verbrachte einen Teil des Donnerstags mit dem SHERE genannten Experiment in der Microgravity-Science-Glovebox im Forschungsmodul Destiny. SHERE (Shear History Extensional Rheology Experiment) beobachtet die Eigenschaften und das Verhalten von komplexen Flüssigkeiten. Die Ergebnisse unterstützen zukünftige autonome Raumerforschungsmissionen und verbesserte Fertigungsverfahren auf der Erde. Zunächst wurden hier einige Testläufe durchgeführt. Die drei schon länger auf der ISS lebenden Raumfahrer führten ihren monatlichen O-OHA-Test (On-Orbit Hearing Assessment) durch. Dieser 30-Minuten-Test wird mit einer speziellen Software auf dem medizinischen Ausrüstungscomputer (MEC-Laptop) vorgenommen. Jedes Ohr der Besatzungsmitglieder wird in minimalen Hörbarkeitsstufen zwischen einer Frequenz von 0,25-10 kHz und einem definiertem Schalldruckpegel getestet. Dazu werden die individuell-spezifischen Prophonics-Ohrhörer, neue Bose-ANC-Kopfhörer, und ein SLM (sound level meter) verwendet. Alexander Samokutjajew hatte die Aufgabe, den Wassertransfer von Progress-M 11M in die BV2-Rodnik Tanks des russischen Segments durchzuführen. Dafür spülte er die Tanks mit fünf Litern US-Wasserkondensat und leitete die Übertragung von 210 Litern zur ISS ein.

Am letzten Tag der Arbeitswoche begaben sich Ronald Garan und Michael Fossum zur Luftschleuse Quest um ihre Ausrüstung für den kommenden Außeneinsatz während STS 135 vorzubereiten. Satoshi Furukawa war dabei unterstützend tätig, da er den Weltraumausstieg vom Inneren der Station per Funk begleiten soll. Danach begab sich Michael Fossum in das Kibo-Forschungsmodul, um eine defekte Elektronik-Komponente des Gefrierschrankes MELFI 3 zu tauschen und das beschädigte Bauteil für den Rücktransport mit der Atlantis zu Erde vorzubereiten. Kommandant Andrej Borisjenko arbeitete zwischenzeitlich an dem Gewächshaus-Experiment PLANTS 2. Die Erkenntnisse aus diesem botanischen Experiment sollen zukünftigen bemannten Raumfahrtmissionen bei der Selbstversorgung zugute kommen. Die zweite Bahnanhebung der ISS in dieser Woche durch den Progess-Transporter am Heck der Station erfolgte planmäßig. Die mittlere Höhe der Umlaufbahn betrug nach dem Manöver 388,3 Kilometer. Im Laufe des Wochenendes werden die Besatzungsmitglieder ihre täglichen Trainingseinheiten fortsetzen, einige dienstfreie Zeit genießen, regelmäßige Wartungstätigkeiten fortsetzen und die Gelegenheit haben, mit Familienmitgliedern zu sprechen.

Zukünftige Ereignisse:

  • 10. Juli, geplante Ankunft des Space-Shuttle Atlantis
  • 12. Juli, geplanter Weltraumausstieg Garan/Fossum

Raumcon:

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