Der Nachthimmel wird seit jeher von unbeschreiblichen und mysteriösen Himmelsphänomenen durchzogen. Im dritten Teil dieser Halloween-Serie geht es um Nebel, die sich zu unheimlichen Formen gebildet haben.
Beitrag von Anna-Janina Stöhr, Quellen: Wikimedia, NASA, Galactic Hunter, Lowell Observatory, Swinburne, M.W. Feast, Sky & Telescope, David Darling, 24. Oktober 2026.
Während wir uns unaufhaltsam der unheimlichsten Nacht des Jahres nähern, wird der Blick in den Nachthimmel langsam dunkler, die Nächte werden wieder länger als die Tage. Hinter den Nebelschwaden, in den unendlichen Tiefen des so dunkel scheinenden Alls, finden sich unzählige Phänomene: Gase, die sich zu den verschiedensten Gestalten formen, tote und doch lebendige Sterne, Vampirismus und sogar blinkende Dämonen. In dieser Mini-Reihe schauen wir uns ein paar der merkwürdigen Ereignisse genauer an. Nach einem Besuch bei den Vampirsternen und dem Dämonenstern Algol geht es heute zu ein paar Nebeln mit gruseligen Geschichten.
Der Hexenkopfnebel – Von einer alten Magierin beobachtet?

IC 2118 ist ein Reflexionsnebel im Sternbild Eridanus, der den Beinamen „Hexenkopfnebel“ trägt. Wird das Himmelsobjekt entsprechend gedreht, lässt sich mit etwas Fantasie das Seitenprofil einer alten Frau erkennen, das an die übertriebenen klassischen Darstellungen von Hexen erinnert1. Der Nebel wurde 1891 mittels Astrofotografie von dem deutschen Astronomen Max Wolf entdeckt.2 Taufpate war jedoch der amerikanische Astronom Frank Ross, der 1927 den Spitznamen “Witch Head Nebula” hinzufügte.3
Bei einem Reflexionsnebel handelt es sich um eine Wolke aus Staub, die das Licht eines nahegelegenen Sterns streut bzw. reflektiert. Dabei wird vor allem blaues Licht stärker gestreut als rotes Licht. Deshalb erscheinen Reflexionsnebel meistens bläulich. Ein weiteres bekanntes Beispiel sind die Plejaden (Siebengestirn): Die bläuliche Nebelwolke um die Sterne ist ein Reflexionsnebel.4 Unsere Hexe wird von Rigel angestrahlt, einem blauen Überriese, was noch weiter zur bläulichen Färbung beiträgt.5
Spinnennebel: Die Tarantula und Schwarze Witwe spinnen ihr Netz durchs All

Für Halloween dürfen Spinnen nicht fehlen, und auch durch den Kosmos krabbeln ein paar gigantische Arachniden.
Ein Spinnennebel ist der Tarantelnebel (30 Doradus bzw. NGC 2070) in der Großen Magellanschen Wolke. Er gehört zu den größten und aktivsten Sternentstehungsgebieten in unserer kosmischen Nachbarschaft und erstreckt sich über rund 1.000 Lichtjahre6. Seinen Namen erhielt der Nebel, weil Astrofotografien seine weit verzweigten Gas- und Staubfilamente zeigen, die an die langen Beine einer Tarantel erinnern sollen7. Im Zentrum des Nebels befindet sich der Sternhaufen R136 mit einigen der massereichsten und heißesten bekannten Sterne. Deren intensive Strahlung und starke Sternwinde sind mitverantwortlich dafür, die charakteristischen Filamente zu formen.
Besser zu erkennen ist die klassische Spinnenform im Black-Widow-Nebula. Der Emissionsnebel liegt im Sternbild Zirkel und im sichtbaren Licht ist er kaum zu erkennen, weil Staub in der Milchstraße das Licht absorbiert. Im Zentrum entstehen massereiche junge Sterne. Sie stoßen Strahlung und Teilchen aus, wodurch zwei große Gasblasen in entgegengesetzte Richtungen aufgeblasen werden. Dabei wird das Material, aus dem die Sterne entstanden sind, nach und nach abgetragen und verdrängt.8
Skull and Crossbones-Nebel

In den bunten Lichtern von NGC 2467 erkennen einige Beobachter einen unheimlichen Schädel mit leuchtenden, bösartigen Augen. Entsprechend entstand der Zusatzname „Skull and Crossbones“, also auf Deutsch „Totenkopf mit gekreuzten Knochen“. Andere Beobachter sehen jedoch durch die Farben und Form das Gesicht eines Mandrills, eines Pavians mit grellem rot-blauen Gesicht. Geht man jedoch zur hier passenderen Deutung des gruseligen Schädels, so sieht man im linken Auge einen hellleuchtenden Stern und im größeren rechten Auge eine Wasserstoffgas-Wolke, die von dem Sternhaufen Haffner 19 aufgeladen wird.9
Unser Totenkopf ist eine aktive Sternentstehungsregion mit mehreren jungen Sternhaufen. Diese senden eine Menge energiereicher Strahlung an ihre Umgebung ab, was wiederum den Wasserstoff um sie herum zum Leuchten anregt. Dabei werden Elektronen aus den Wasserstoffatomen herausgelöst – dieser Vorgang heißt Ionisation. Wenn die Elektronen später wieder zu den Atomen zurückkehren, geben sie Energie in Form von Licht ab. Dadurch beginnt das Gas des Nebels zu leuchten. Emissionsnebel „leuchten“ daher von sich selbst aus bzw. erzeugen einen großen Teil ihres sichtbaren Lichts selbst, während Reflexionssnebel wie der Hexenkopf nur Licht reflektieren.10
Geisterparade: Der kleine und große Geist sowie der Geisterkopf!


Auch ein paar Gespenster wandern durch die unendlichen Weiten des Kosmos. Der Little Ghost Nebula (NGC 6369) im Sternbild Schlangenträger ist ein planetarischer Nebel – die leuchtende Gashülle eines sonnenähnlichen Sterns, der am Ende seines Lebens seine äußeren Schichten abgestoßen hat. Seinen Beinamen „Little Ghost“ (Kleiner Geist) erhielt der Nebel, weil er im Teleskop wie eine kleine, blasse und geisterhafte Wolke wirkt, die den schwachen Zentralstern umhüllt. Ultraviolette Strahlung dieses heißen Sternrests bringt das ausgestoßene Gas zum Leuchten.11
Der Geisternebel, offiziell IC 63, ist eine leuchtende Gas- und Staubwolke im Sternbild Kassiopeia. Seine ungewöhnliche, geisterhafte Form entsteht durch die extreme Energie nahegelegener Sterne. Besonders helle Sterne in solchen Nebeln senden große Mengen an Strahlung aus. Diese Strahlung trifft auf riesige Wolken aus Wasserstoffgas und Staub. Die Strahlung trägt dabei nach und nach Material aus diesen Wolken ab. Dadurch werden die Gas- und Staubwolken geformt und regelrecht „skulptiert“. Es entstehen lange, geschwungene Strukturen, die wie Schleier oder Figuren aussehen.12
Noch deutlich bildlicher ist der Geisterkopfnebel NGC 2080, eine Region, in der gerade neue Sterne entstehen. Sie liegt in der Großen Magellanschen Wolke. Die intensive Strahlung und der Sternwind dieser Sterne haben das umgebende Gas regelrecht ausgehöhlt, sodass eine schalen- bzw. schüsselförmige Struktur entstanden ist. Die „Augen“ des Geistes sind besonders gut sichtbar:
Im linken Auge befindet sich ein einzelner massereicher Stern mit intensiver Strahlung und Sternwind, was eine Blase geformt hat. Das rechte Auge ist komplizierter aufgebaut, weil dort mehr Staub vorhanden ist. Es enthält mehrere verborgene massereiche Sterne.13
Der nächste und letzte Teil der Halloween-Serie untersucht das Phänomen sogenannter Zombiesterne genauer – tot und doch zugleich lebendig!
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- https://www.nasa.gov/image-article/witch-head-nebula/ ↩︎
- https://www.galactic-hunter.com/post/ic2218 ↩︎
- https://lowell.edu/witch-head-nebula/ ↩︎
- https://astronomy.swin.edu.au/cosmos/r/Reflection+Nebula ↩︎
- https://lowell.edu/witch-head-nebula/ ↩︎
- https://science.nasa.gov/mission/hubble/science/explore-the-night-sky/hubble-caldwell-catalog/caldwell-103/ ↩︎
- Feast, M. W. (1961): A Study of the 30 Doradus Region of the Large Magellanic Cloud. Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, 122, 1–16. ↩︎
- https://www.daviddarling.info/encyclopedia/B/Black_Widow_Nebula.html ↩︎
- https://skyandtelescope.org/online-gallery/ngc-2467-the-skull-and-crossbones-nebula/ ↩︎
- https://science.nasa.gov/mission/hubble/science/universe-uncovered/hubble-nebulae/ ↩︎
- https://apod.nasa.gov/apod/ap120114.html? ↩︎
- https://www.nasa.gov/image-article/ghost-nebula/ ↩︎
- https://science.nasa.gov/asset/hubble/the-ghost-head-nebula-ngc-2080/ ↩︎