Landeplatz von Huygens nach Hubert Curien benannt

Am 14. März 2007 wurden eine historische Weltraummission und der Name eines der Gründungsväter der europäischen Raumfahrt für immer miteinander verknüpft.

Quelle: ESA.

ESA
Prof. Dr. Hubert Curien (1924-2005)
(Bild: ESA)

Die Europäische Weltraumorganisation (ESA), der internationale Ausschuss für Weltraumforschung (COSPAR) und die NASA haben beschlossen, Professor Hubert Curiens Beitrag zur europäischen Raumfahrt zu würdigen, indem sie den Landeplatz von Huygens auf dem größten Saturnmond, Titan, nach ihm benennen.

Die Feierlichkeiten zur Namensgebung der künftigen „Hubert-Curien-Gedenkstätte“ fanden am 14. März im Beisein von Professor Curiens Witwe, Perrine Curien, einem ihrer Söhne und den Delegierten des ESA-Rates in der ESA-Hauptverwaltung in Paris statt.

Die Landung von Huygens auf dem größten der Saturnmonde im Januar 2005 stellte einen der bedeutendsten Erfolge der Menschheit in der Geschichte der Weltraumexploration dar. Die Rolle, die die ESA dabei in Zusammenarbeit mit der NASA und der italienischen Raumfahrtagentur (ASI) spielte, war nur durch das Engagement eines Mannes möglich, der sich jahrzehntelang unermüdlich dafür eingesetzt hatte, die Bedeutung der wissenschaftlichen Forschung in seinem Heimatland, Frankreich, und in Europa zu fördern und zu stärken. Hubert Curien wurde in zahlreiche wichtige Ämter, darunter das des französischen Ministers für Wissenschaft und Raumfahrt unter vier verschiedenen Premierministern berufen.

Als Vorsitzender des ESA-Rates von 1981 bis 1984 leistete Curien einen entscheidenden Beitrag zur Aufstellung des damaligen langfristigen Wissenschaftsprogramms „Horizont 2000“, zu dessen Projekten auch die Mission Huygens zählte.

Der heutige Präsident der COSPAR und frühere Wissenschaftsdirektor der ESA (1983-2001), Professor Roger Bonnet, erklärte: „Curiens diplomatisches Geschick hat der europäischen Weltraumwissenschaft den Weg bereitet. Seine Unterstützung war 1985, als die europäischen Minister zu entscheiden hatten, wie ein solides weltraumwissenschaftliches Programm zu gestalten und seine finanzielle Machbarkeit langfristig sicherzustellen sei, ein gewichtiger Faktor.“

„Das jetzige Wissenschaftsprogramm der ESA, ‚Kosmische Vision’, baut auf dem Erbe Hubert Curiens auf“, bekräftigte Professor David Southwood, der derzeitige Wissenschaftsdirektor der ESA. „Er ermunterte zur Zusammenarbeit zwischen den Nationen auf, da er der festen Überzeugung war, dass die Weltraumwissenschaft eine wesentliche Grundlage für den Fortschritt und das Wohlergehen einer wissensbasierten Gesellschaft wie unserer bildet. Er förderte außerdem das Konzept der langfristigen Planung. Heute wäre es nahezu undenkbar, ein Raumfahrtvorhaben einzuleiten, ohne sich auf solche Eckpfeiler zu stützen.“

„Hubert Curien spielte bei der Schaffung einer europäischen Raumfahrdimension mit all ihren zahlreichen Facetten eine Schlüsselrolle“, erinnert sich Jean-Jacques Dordain, Generaldirektor der ESA. „Curien war einer der Väter des Ariane-Programms, das Europa einen eigenständigen Zugang zum Weltraum verschaffte, und einer derjenigen, die gegen Ende der 70er Jahre andere Länder durch die Einführung des Konzepts des „gerechten Rückflusses“ in der Form von Industrieverträgen davon überzeugen konnten, sich der ESA anzuschließen. Dieser außergewöhnliche Visionär wurde von allen für seine wissenschaftliche Kompetenz und seine herausragenden menschlichen, politischen und diplomatischen Fähigkeiten geschätzt. Für uns ist es daher eine große Ehre, zu seinem Gedenken beizutragen, indem wir seinen Namen für immer mit diesem bedeutsamen Ort auf der Oberfläche einer fremden Welt verbinden, dessen Entdeckung wir unter anderem ihm zu verdanken haben.“

Hubert Curien wurde am 30. Oktober 1924 in den Vogesen in Ostfrankreich geboren. Als Student schloss er sich dem französischen Widerstand an und wurde für seine Tapferkeit vor dem Feind ausgezeichnet. Er wurde in die Pariser Eliteschule École Normale Supérieure aufgenommen und setzte seine Karriere als Forscher in der Kristallografie im Labor für Mineralogie der Sorbonne fort. Dabei war es ihm stets ein Anliegen, die Zusammenarbeit zwischen Mineralogen und Physikern zu fördern. Im Jahr 1949 erhielt er einen Lehrauftrag an der Pariser Universität, promovierte 1951 und bekleidete ab 1956 eine Professur. Ab 1968 lehrte er trotz seiner mannigfaltigen politischen Aufgaben bis 1994 an der Universität „Pierre et Marie Curie/Paris VI“.

Neben seiner wissenschaftlichen Laufbahn ist Hubert Curien insbesondere für seine leitenden und politischen Ämter bekannt, die er nicht nur in Frankreich, sondern auch auf europäischer Ebene mit Engagement, Effizienz und Enthusiasmus ausübte. Er prägte eine beeindruckende Anzahl wissenschaftlicher Institutionen. Von 1966 bis 1969 war er Wissenschaftsdirektor für Physik des französischen Forschungszentrums CNRS, dem er ab 1969 als Generaldirektor vorstand. Im Jahr 1973 wurde er damit beauftragt, die Forschung in Frankreich neu zu gestalten. Von 1976 bis 1984 bekleidete er das Amt des Präsidenten der französischen Raumfahrtagentur CNES und wurde in den Jahren zwischen 1984 bis 1993 unter vier verschiedenen Regierungen zum französischen Minister für Wissenschaft und Raumfahrt berufen.

In der ESA war er von 1981 bis 1984 Ratsvorsitzender und gilt noch heute als einer der Väter des Ariane-Programms und als Förderer eines durch die Wissenschaft vereinten Europas. Von 1994 bis 1996 leitete er das europäische Teilchenforschungszentrum CERN und 1993 wurde er in die französische Wissenschaftsakademie gewählt.

Für seine Arbeit erhielt Hubert Curien die höchsten Auszeichnungen und Anerkennungen. Er wurde für seine große Intelligenz, seine Führungskapazitäten und seine politischen Fähigkeiten, aber auch für seine Schlichtheit und Bescheidenheit, seinen Humor und sein offenes Ohr für andere geschätzt. Als er am 6. Februar 2005 starb, hinterließ er eine Frau, Perrine, und drei Söhne, Nicolas, Christophe und Pierre-Louis.

Die in Europa gebaute Sonde Huygens war Teil der Mission Cassini-Huygens zu Saturn – ein Gemeinschaftsvorhaben der ESA, der NASA und der italienischen Raumfahrtagentur ASI und das ehrgeizigste Unternehmen in der Planetenexploration, das je in die Wege geleitet wurde. Der am 15. Oktober 1997 gestartete Orbiter Cassini (ein ausgeklügelter Roboter, der den Ringplaneten umrunden und das Saturnsystem in allen Einzelheiten erkunden sollte) erreichte Saturn mit der an seiner Seite befestigten Sonde Huygens am 1. Juli 2004. Cassini setzte Huygens am 14. Januar 2005 auf dem größten Saturnmond, Titan, aus. Dies war die erste Landung auf einem Himmelskörper im äußeren Teil des Sonnensystems, die zudem die bis dahin spektakulärste Ansicht von Titan lieferte.

Während ihres zweieinhalbstündigen Abstiegs in diese außergewöhnliche Welt führte Huygens mit einer Reihe von sechs hochentwickelten Instrumenten eine Vielzahl von Messungen durch. Sie sammelte Daten über die Titanatmosphäre und die dort herrschenden Winde und nahm bemerkenswerte Bilder der nahenden Oberfläche bis zur Landung im Titanschlamm auf, wo sie zum Erstaunen Aller noch mehr als drei Stunden Daten übermittelte.

Dank der Huygens-Messungen und der zusätzlichen von Cassini aufgezeichneten Daten wissen wir heute, dass die Landschaft auf Titan mit ihren Bergen, Seen, Küstenstreifen und Flüssigkeitsströmen, bei denen Methan eine ähnliche Rolle wie bei uns das Wasser spielt, tatsächlich der Erde ähnelt. Der von Huygens erbrachte Nachweis des chemischen Elements Argon 40 wies ferner darauf hin, dass das Innere des Saturnmonds noch immer aktiv ist, was später durch Cassini bestätigt wurde, der aus „Kryo-Vulkanen“ abfließende gefrorene Lavaströme beobachten konnte.

Die Ergebnisse der Mission Cassini-Huygens lassen darauf schließen, dass Titan, von dem einst geglaubt wurde, er ähnle der gefrorenen Erde im Frühstadium, in Wirklichkeit so komplex wie jeder der terrestrischen Planeten mit einer Atmosphäre zu sein scheint. Huygens hat die Erwartungen weit übertroffen und zeigt uns Titan heute im Licht einer „fremden Erde“, die mit unserem Planeten wohl mehr gemein hat als Mars oder Venus. Huygens gibt Planetenforschern die Gelegenheit, eine neue, faszinierende Welt zu erkunden.

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