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Autor: Thomas Weyrauch / 01. November 2010, 12:46 Uhr

W3B: Nicht einmal ein Zwischenspiel für Eutelsat

Nach dem Start des Kommunikationssatelliten Eutelsat W3B am 28. Oktober 2010 denkt man bereits daran, den Satelliten gezielt abstürzen zu lassen.

Quelle: Eutelsat, Raumcon, Space News
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Arianespace

Bild vergrößernDie Ariane V mit Eutelsat W3B und einem weiteren Satelliten an Bord hat abgehoben
(Bild: Arianespace)
Der Hersteller der Satelliten, Thales Alenia Space (TAS), arbeitet bereits an einer Strategie, in deren Rahmen Eutelsat W3B mit den noch an Bord befindlichen Treibstoffreserven zu einem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre bewegt werden soll, in dessen Folge der Satellit zerstört und seine Überreste in ein vorher festgelegtes Ozeangebiet fallen würden. Der Ende vergangener Woche auf einer Ariane-5-Rakete in den Weltraum transportierte Kommunikationssatellit wird seine Mission keinesfalls erfüllen können. Kurze Zeit nach dem Aussetzen des Satelliten kristallisierte sich ein schwerwiegendes Problem mit seinem Antriebssystem heraus, das eine sinnvolle Nutzung vereitelt. Ein offenbar bedeutendes Leck im Bereich des Antriebssystems hat zum Verlust eines erheblichen Teils einer der beiden Treibstoffkomponenten, die vom Apogäumsmotor und den Lageregelungstriebwerken des Satelliten benutzt werden sollten, geführt.

Eutelsat hat das Raumfahrzeug bereits als Totalverlust deklariert. Aufgrund des verlorenen Oxidators kann der Satellit von seinem Transferorbit aus, auf dem er zwischen 249 und 35.907 Kilometern Höhe die Erde umläuft, den Geostationären Orbit nicht erreichen. An einer Position von 16 Grad Ost in einer Kreisbahn in rund 35.786 Kilometern über der Erdoberfläche wollte der europäische Kommunikationssatellitenbetreiber Eutelsat das Raumfahrzeug benutzen, um Nutzer in Mitteleuropa und auf den Inseln im Indischen Ozean mit Fernsehprogrammen sowie Kunden afrikanischer Telekommunikationsunternehmen und Internet-Provider mit Sprach- und Datendiensten zu versorgen. Zur Zeit arbeiten drei weniger leistungsfähige Satelliten von Eutelsat bei 16 Grad Ost, welche, hätte man W3B in Betrieb nehmen können, anschließend an anderen Positionen weiterverwendet werden sollten. Teil dieses Satellitentrios ist auch Eutelsat W2M, der nach einem Ausfall eines Teils seiner Systeme zur Stromerzeugung rund einen Monat nach dem rechtzeitigen Start im Jahr 2009 seine ursprünglichen Aufgaben als Nachfolger des zwischenzeitlich stillgelegten Eutelsat W2 nicht alleine erfüllen kann. Auch Eutelsat W3B wird dies nun nicht leisten können. An sich war daran gedacht, mit ihm im Dezember 2010 in den Regelbetrieb zu gehen. Daher möchte Eutelsat unverzüglich einen weiteren Satelliten, W3D genannt, in Auftrag geben.

Thales Alenia Space (TAS)

Bild vergrößernEutelsat W3B im All - Illustration
(Bild: Thales Alenia Space (TAS))
Zur Ursache des unerwarteten Betriebsstoffverlusts in einem der Tanks von Eutelsat W3B haben bisher weder der Hersteller des Satelliten noch der beabsichtigte Betreiber konkrete Angaben vorgelegt. Hinsichtlich der Startvorbereitungen auf dem Startgelände in Kourou ist TAS überzeugt, dass ein Leck im vermuteten Ausmaß sicher aufgefallen wäre. Eine vorläufige Analyse der Telemetriedaten, die von der fliegenden Rakete empfangen wurden, gab laut Arianespace keinen Hinweis darauf, dass der Raketenflug nachteilige Auswirkungen auf den Satelliten hätte haben können. Die Frage, was zwischen dem Aufsetzen der Nutzlastverkleidung am Boden und dem Aussetzen des Satelliten im All geschehen ist, wird vermutlich durch eine Untersuchungskommission intensiv untersucht werden.

Ab dem 1. November 2010 könnte TAS Eutelsat W3B in Richtung dichtere Atmosphärenschichten lenken. Was vom Satelliten mit einer Startmasse von 5.370 Kilogramm beim Sturz durch die Atmosphäre übrig bleibt, wird, verlaufen die letzten Manöver des Satelliten planmäßig, in den Südpazifik fallen. TAS hat vom eigenen Kontrollzentrum im französischen Rambouillet keinen dauerhaften Kontakt zu dem Satelliten. Besteht Verbindung zum Satelliten, ist es deshalb erforderlich, möglichst umfangreich die zu einer adäquaten Beurteilung der Lage benötigten Daten aufzuzeichnen, und gleichzeitig notwendige, der Situation angepasste Kommandos zu senden. Bezüglich eines gezielten Wiedereintritts bald nach dem Start konnte TAS bereits Erfahrungen sammeln, als man Ende 2002 den Kommunikationssatelliten Astra 1K zurück in die Erdatmosphäre schickte, nachdem dieser nach einer Fehlfunktion der Raketenoberstufe des Typs DM 3 in einer deutlich zu niedrigen Bahn ausgesetzt worden war. Allerdings hatte Astra 1K nicht mit dem ungeplanten Verlust eigener Betriebsstoffe zu kämpfen.

Eutelsat W3B ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.206 bzw. als COSPAR-Objekt 2010-056A.

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