Zombiesterne: Wenn tote Sterne weiterleben

Der Nachthimmel wird seit jeher von unbeschreiblichen und mysteriösen Himmelsphänomenen durchzogen. Der vierte Teil dieser Halloween-Serie untersucht Sterne, die gleichzeitig tot und doch noch am Leben sind.

Beitrag von Anna-Janina Stöhr, Quellen: Saechsische, Britannica, ESA, Universetoday, Scientificamerica, Sci News, Eyewitness News, Informationsdienst Wissenschaft, Arxiv, Raumfahrer.net, 31. Oktober 2026.

Während wir uns unaufhaltsam der unheimlichsten Nacht des Jahres nähern, wird der Blick in den Nachthimmel langsam dunkler, die Nächte werden wieder länger als die Tage. Hinter den Nebelschwaden, in den unendlichen Tiefen des so dunkel scheinenden Alls, finden sich unzählige Phänomene: Gase, die sich zu den verschiedensten Gestalten formen, tote und doch lebendige Sterne, Vampirismus und sogar blinkende Dämonen. In dieser Mini-Reihe schauen wir uns ein paar der merkwürdigen Ereignisse genauer an. Teil 4 dreht sich um Sterne, die eigentlich tot sind – und trotzdem noch Lebenszeichen von sich geben.

Die lebhafte Welt der Zombies

Ein Zombie beschreibt einen scheinbar Toten, der „wiederbelebt“ als Untoter weiterexistiert. Die Etymologie des Wortes ist nicht vollständig geklärt, doch vermutlich leitet es sich vom zentralafrikanischen Wort „nzùmbe“ ab (eine Art Totengeist).1 Auch lassen sich Ursprünge in der afro-haitianischen Religion Voodoo finden; dort bezeichnet „Zombi“ einen Toten, der angeblich wieder zum Leben erweckt und von einer anderen Person kontrolliert wird; oder einen seiner Selbstbestimmung beraubten und kontrollierten Menschen. Er soll dann beispielsweise Verbrechen begehen oder schwere Arbeit verrichten. Die Wissenschaft vermutet, dass es sich bei solchen Fällen um lebende Menschen handelte, die durch starke Drogen beeinflusst wurden, zum Beispiel durch Giftstoffe aus Kröten und Kugelfischen.2

Diagramm der Lebenszklen Sterne verschiedener Masse. Weiße Zwerge: Sterne mit etwa 0,4 bis 8 Sonnenmassen verbrauchen zunächst den Wasserstoff in ihrem Kern. Nachdem auch das Helium verbrannt ist, bleibt ein dichter Kern aus Kohlenstoff und Sauerstoff zurück. Die äußeren Schichten werden abgestoßen und bilden einen sogenannten planetarischen Nebel. Der verbleibende Kern wird zu einem Weißen Zwerg, der durch den Druck entarteter Elektronen stabilisiert wird. Bild: Danielle Futselaar/IAU OAE.
Diagramm der Lebenszyklen Sterne verschiedener Masse. Zum Vergrößern bitte anklichen. Weiße Zwerge: Sterne mit etwa 0,4 bis 8 Sonnenmassen verbrauchen zunächst den Wasserstoff in ihrem Kern. Nachdem auch das Helium verbrannt ist, bleibt ein dichter Kern aus Kohlenstoff und Sauerstoff zurück. Die äußeren Schichten werden abgestoßen und bilden einen sogenannten planetarischen Nebel. Der verbleibende Kern wird zu einem Weißen Zwerg. Bild: Danielle Futselaar/IAU OAE.

Doch zurück zur Astrophysik. Hier wiederum wird der Begriff „Zombiestern“ gelegentlich in der populärwissenschaftlichen Literatur als Spitzname genutzt, um einen Stern zu beschreiben, der auch nach seinem „Tod“ noch vereinzelt aktiv wird. Eine einheitliche Definition oder Klassifizierung gibt es hier jedoch nicht. Doch wie kommt es zu dem Phänomen?

Lebenszeichen nach dem Tod

Hauptsächlich stehen hier Weiße Zwerge im Fokus, also die heißen, dichten Kerne von Sternen, die an ihrem Lebensende ihre äußeren Schichten abgestoßen haben. Ein Weißer Stern ist an sich bereits relativ tot, denn er erzeugt keine Energie mehr durch Kernfusion, sondern kühlt langsam ab.3 Trotzdem können sie noch interessante Ereignisse einleiten.

Kosmische Bugwellen: Diese Aufnahme des NASA-Spitzer-Weltraumteleskops zeigt sogenannte Bow Shocks, die entstehen, wenn massereiche Sterne mit hoher Geschwindigkeit durch das All rasen. Dabei schieben sie Materie vor sich her und erzeugen heiße, im Infrarotlicht leuchtende Staub- und Gasstrukturen. Rot zeigt das Infrarotlicht, Grün den Staub und Blau die Sterne. Die verantwortlichen Sterne haben etwa 8 bis 30 Sonnenmassen. Bild: Stuart Rankin
Beispiel einer Bugwelle bei einem anderen Stern (G050.35). Aufnahme des NASA-Spitzer-Weltraumteleskops. Rot zeigt das Infrarotlicht, Grün den Staub und Blau die Sterne. Bild: Stuart Rankin.

Ein besonders ungewöhnliches Beispiel für „Lebendigkeit nach dem Tod“ liefert RXJ0528+2838: Der stark magnetisierte Weiße Zwerg ist Teil eines engen Doppelsternsystems und trotz seines „Tods“ von einer sogenannten Bugstoßwelle umgeben (eine bogenförmige Struktur aus aufgeheiztem und komprimiertem Gas). Sie entsteht dort, wo ein Ausfluss geladener Teilchen auf das interstellare Medium trifft. Das Bemerkenswerte hierbei ist, dass RXJ0528+2838 keine Akkretionsscheibe besitzt, die diesen Ausfluss auf herkömmliche Weise erklären könnte. Die Beobachtungen sprechen daher für eine bislang nicht verstandene Energiequelle, möglicherweise im starken Magnetfeld des Weißen Zwergs. Die Forschenden kamen außerdem zu dem Schluss, dass der Ausfluss bereits mindestens etwa 1.000 Jahre bestehen könnte.4

Aktive Überreste nach einer Supernova

Weiße Zwerge können noch auf eine weitere Art für zombiehaftes Verhalten sorgen – nach einer bestimmten Art von Supernova. Befindet sich ein Zwerg in einem Doppelsternsystem, kann er Materie von seinem Begleitstern ansammeln. Wird er dadurch zu schwer, können im Inneren Bedingungen entstehen, unter denen eine unkontrollierte Kernfusion zündet und normalerweise den gesamten Stern zerreißt, sodass nichts mehr übrig bleibt. Das nennt sich dann eine Typ-Ia-Supernova. Bei einer besonderen Art, der sogenannten Typ-Iax-Supernova, kann das jedoch anders ablaufen. Im Innern des Zwergs beginnt die thermonukleare Reaktion, allerdings nicht überall gleichzeitig. Die Verbrennungsfront breitet sich relativ langsam und unterhalb der Schallgeschwindigkeit durch den Stern aus. Daher kommt es nicht zu einer vollständigen Detonation.5

Die Explosion schleudert zwar einen großen Teil des Materials der Sternhülle ins All, aber ein Teil des ursprünglichen Sterns bleibt als Überrest gravitativ gebunden. Der Zweg hat also eine Art „stellaren Tod“ durch eine Supernova hinter sich, existiert aber trotzdem weiter und gibt vereinzelt noch Lebenszeichen von sich.67 (Hierbei handelt es sich um eine relativ vereinfachte Darstellung. Die genaue Explosionsphysik von Typ-Iax-Supernovae ist komplex und nicht für alle Ereignisse abschließend geklärt).

Aufnahme des 2,4-Meter-Teleskops am Kitt Peak des Supernova-Überrests Pa 30, der mit SN 1181 in Verbindung steht. Bild: Walter Scott Houston
Der Überrest von SN 1181 mit dem Zombiestern IRAS 00500+6713, Aufnahme des 2,4-Meter-Teleskops am Kitt Peak. Bild: Walter Scott Houston.

So auch der Überrest von SN 1181. Die Supernova wurde im Jahr 1181 von chinesischen und japanischen Astronomen beobachtet und hinterließ den Nebel Pa 30. Im Zentrum befindet sich ein Weißer Zwerg, der die Explosion – vermutlich eine seltene Typ-Iax-Supernova – teilweise überstanden hat. Beobachtungen zeigen, dass von seiner Oberfläche ein extrem schneller Sternwind ausgeht. Besonders rätselhaft ist dabei, dass dieser Wind offenbar nicht direkt nach der Explosion einsetzte, sondern erst Jahrhunderte später. Aktuelle Modelle legen nahe, dass bei der unvollständigen Explosion zurückgebliebenes Material unter Umständen wieder auf den Weißen Zwerg gefallen sein und dort eine verzögerte erneute Zündung ausgelöst haben könnte. Das ist jedoch noch eine Hypothese und nicht endgültig geklärt.89

Zombiesterne sind daher noch ein nicht vollständig erforschtes Phänomen und werfen noch einige spannende Fragen für die Wissenschaft auf!

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  1. https://www.saechsische.de/anzeigen/mythen-und-sagen-der-zombie-mythos-S3NF2QISJGO7BCXG6UAKDX57JY.html ↩︎
  2. https://www.britannica.com/topic/zombi ↩︎
  3. https://esahubble.org/wordbank/white-dwarf/ ↩︎
  4. https://www.universetoday.com/articles/a-zombie-star-blows-a-magnetic-wind ↩︎
  5. https://www.scientificamerican.com/article/zombie-stars-shine-on-after-mystery-detonations/ ↩︎
  6. https://arxiv.org/abs/2006.15049 ↩︎
  7. https://www.sci.news/astronomy/article00963.html ↩︎
  8. https://abc7ny.com/post/astronomers-have-found-leftover-zombie-star/15182704/ ↩︎
  9. https://idw-online.de/de/news841764 ↩︎
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