Das „Neil Gehrels Swift Observatory“ der NASA hat seine wissenschaftliche Mission beendet, da sich die Raumsonde nun auf einer Umlaufbahn in weniger als 275 Kilometern (171 Meilen) Höhe über der Erdoberfläche befindet. Der in dieser Höhe stärkere atmosphärische Widerstand verhindert, dass die Teleskope des Satelliten ihre astronomischen Ziele stabil im Blick behalten können. Am 20. Oktober führte Swift seine letzte Beobachtung durch. Es wird erwartet, dass die Sonde in den kommenden Wochen in die Atmosphäre eintritt. Eine Pressemitteilung der National Aeronautics and Space Administration NASA.
Quelle: NASA / Francis Reddy , 23. Oktober 2026

Bildnachweis: Conceptual Image Lab des Goddard Space Flight Center der NASA
„Swift hat für die Nation einen unglaublichen, dauerhaften Ertrag geliefert. Das System war für eine zweijährige Primärmission ausgelegt, blieb aber mehr als zehnmal so lange produktiv“, sagte Shawn Domagal-Goldman, Direktor der Abteilung für Astrophysik am NASA-Hauptquartier in Washington. „In dieser Zeit hat Swift maßgeblich dazu beigetragen, unser Verständnis des sich wandelnden Universums zu erweitern. Das Teleskop war Teil einer astrophysikalischen Revolution, die verdeutlichte, wie entscheidend Beobachtungen mit kurzer Reaktionszeit für die gesamte wissenschaftliche Gemeinschaft sind. Um auch nach der Ära von Swift schnell auf kosmische Ereignisse reagieren zu können, prüfen wir derzeit, wie wir die bestehende Flotte von NASA-Weltraumteleskopen nutzen und erweitern können – von kommerziellen Angeboten für einen schnellen Start ins All bis hin zu effizienten, innovativen neuen Missionen. Zudem hinterlässt uns Swift ein außergewöhnliches Archiv an Beobachtungen in verschiedenen Wellenlängenbereichen, das noch über Jahrzehnte hinweg neue Entdeckungen ermöglichen wird.“
Im Laufe seiner bemerkenswerten Laufbahn hat „Swift“ mehr als 2.000 Gammastrahlenausbrüche, die gewaltigsten Explosionen im Kosmos, beobachtet. Das Teleskop untersuchte über 1.400 Supernova-Explosionen und dokumentierte, wie Sterne von Schwarzen Löchern zerrissen wurden. Es überwachte aktive Galaxien, erstellte eine Röntgen-Himmelsdurchmusterung, erforschte Asteroiden und Kometen und vieles mehr. Die Daten von „Swift“ sind in etwa 7.000 wissenschaftliche Publikationen eingeflossen.
„Swift wurde als Satellit konzipiert, der speziell der Erforschung von Gammastrahlenausbrüchen gewidmet ist. Ereignisse, die so schnell auftraten und wieder verschwanden, dass es unmöglich war, sie mit großen Teleskopen gezielt zu beobachten und mehr über sie zu erfahren“, erklärt S. Bradley Cenko, der wissenschaftliche Leiter der Mission am Goddard Space Flight Center der NASA in Greenbelt, Maryland. „Swift musste Gammastrahlenausbrüche erkennen und lokalisieren, deren Position an andere Observatorien übermitteln und anschließend seine eigenen Teleskope auf die Fundorte ausrichten, um Aufnahmen zu machen, bevor das Nachleuchten verblasste. Für diesen Vorgang benötigte Swift in der Regel etwa eine Minute.“
Unter der Leitung ihres ersten wissenschaftlichen Leiters, Neil Gehrels, wurde Swift als Observatorium für verschiedene Wellenlängenbereiche konzipiert. Es verfügte über aufeinander abgestimmte Teleskope für den optischen und ultravioletten Bereich sowie für den Röntgenbereich. Diese ermöglichten es, die Position eines Ausbruchs schnell zu erfassen und präzise zu bestimmen. Die Mission startete am 20. November 2004 in den Weltraum und nahm im darauffolgenden Monat ihre Arbeit auf. Im Jahr 2018 benannte die NASA die Mission zu Ehren von Gehrels nach dessen Tod um.

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Geschwindigkeit war besonders wichtig für eine schwer zu fassende Klasse von Ereignissen, die sogenannten kurzen Gammastrahlenausbrüche (Short Gamma-Ray Bursts), deren Helligkeit in weniger als zwei Sekunden ihren Höhepunkt erreicht. Vor Swift war es unmöglich, diese Ausbrüche schnell und präzise genug zu lokalisieren, um ihr Nachleuchten zu beobachten. Im Mai 2005 erreichte Swift diesen Meilenstein mit dem Ereignis GRB 050509B, das nur 0,03 Sekunden dauerte. Swift richtete sich schnell genug auf den Ausbruch aus, um 11 Röntgenphotonen zu registrieren. Damit war dies der erste kurze Gammastrahlenausbruch, bei dem ein Nachleuchten nachgewiesen werden konnte. Diese Beobachtungen bestätigten langjährige theoretische Modelle, wonach kurze Gammastrahlenausbrüche wahrscheinlich durch die Verschmelzung zweier Neutronensterne entstehen – Objekte mit der Masse der Sonne, die auf die Größe einer Stadt komprimiert wurden.
Ein weiterer Faktor trug zum Erfolg von Swift als eine Art astronomisches „Multitool“ bei. Das flexible Planungssystem ermöglichte es Astronomen, kurzfristige Beobachtungsaufträge („Target-of-Opportunity“-Beobachtungen) anzufordern, die innerhalb weniger Minuten vom Boden aus initiiert werden konnten. Zudem ließen sich Überwachungsprogramme für bestimmte Himmelsobjekte einrichten, die von wenigen Minuten bis hin zu Monaten dauern konnten. Das System war in der Lage, täglich bis zu 75 unabhängige Beobachtungsziele einzuplanen.
„Die einzigartige Reaktionsgeschwindigkeit der Swift-Hardware, der außerordentliche Erfolg der schnellen Missionsabläufe und die enge Zusammenarbeit zwischen den Flug- und Wissenschaftsteams machten Swift zu einem zentralen Instrument in aufstrebenden Forschungsfeldern“, erklärte John Nousek, der Missionsleiter (Operations Director) und Professor für Astronomie und Astrophysik am Eberly College of Science der Penn State University in University Park, Pennsylvania.
Das Swift-Archiv enthält Helligkeitsmessungen verschiedenster kosmischer Ausbrüche aus einem Zeitraum von fast 22 Jahren, Spektren in verschiedenen Wellenlängenbereichen, mehr als 1,5 Millionen Aufnahmen des Ultraviolett-/Optik-Teleskops (UVOT) und vieles mehr. Der gesamte Datensatz, der im Rahmen von NASAs Engagement für offene Wissenschaft nach höchstem Standard öffentlich zugänglich ist, umfasst etwa 12 Terabyte. Das entspricht der Datenmenge von rund 600 Filmen in HD-Qualität.
Im Einklang mit den bereits zuvor getroffenen Planungen für das Ende der Swift-Mission wird die NASA weiterhin nach neuen Möglichkeiten suchen, um schnell auf kosmische Ereignisse reagieren zu können. In der Zwischenzeit sollen laufende Missionen dazu beitragen, die entstehende Lücke zu schließen.
Weitere Informationen zur Swift-Mission finden Sie unter: https://nasa.gov/swift
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