Der erfolgreiche Start markiert einen Meilenstein in der Raumfahrt Europas, auch wenn es bis zum zweiten Start der Spectrum wesentlich länger dauerte, als es ursprünglich anvisiert war. Mit diesem Start konnte nicht nur das Ziel höher und weiter bewältigt werden, als erstes der neu angetretenen privaten Raumfahrtunternehmen Europas hat Isar Aerospace mit ihrer eigenen Trägerrakete den Orbit erreicht. Das vielzitierte New Space hat damit auch Europa erreicht. Isar Aerospace befindet sich damit nicht mehr nur in der ersten Reihe, sondern hat die Spitzenpostition übernommen.
Ein Portalbeitrag vom Raumfahrer.net Redakteur James.
Quelle: Livestream, Raumfahrer.netForum
Aber beginnen wir am Anfang.
Die Trägerrakete
Isar Aerospace entwickelt ihre „Spectrum“ Rakete welche bis 1 Tonne Nutzlast in einen LEO befördern können soll. Sie ist bei 2 Meter Durchmesser insgesamt 28 Meter hoch, und verwendet zur Gewichtsreduktion kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe. Die Spectrum besteht aus zwei Stufen, wobei in der Ersten neun in-house entwickelte „Aquila“ Triebwerke mit je 75 kN Schub und in der Zweiten eines mit 95 kN Schub zum Einsatz kommen. Diese Triebwerke werden mit Propan und Flüssigsauerstoff im Gasgeneratorverfahren betrieben, wobei die komplexesten Teile der Triebwerke im 3D Druck hergestellt werden.

Bildnachweis: Isar Aerospace
Zwischen Erststart und Zweitstart
Am 30. März 2025 erfolgte der Erststart der Spectrum vom Launch Pads am Andøya Spaceport. Da gab es noch Luft nach oben. Mit einem freundlichen Lächeln könnte man sagen, damit ist sogar der überwiegende Teil der Höhe der Lufthülle gemeint. Aber man konnte die Probleme identifizieren und Verbesserungen für die nächste Erprobung konnten damit in Angriff genommen werden. Nur gut 7 Monate später, am 13. November 2025 vermeldete Isar Aerospace die Anlieferung der Haupt-und der Oberstufe für den 2. Teststart am Andøya Spaceport. Anfang Dezember konnte die aufgerichtete erste Stufe der Spectrum am Startturm gesichtet werden, und kurz darauf wurde eine NOTAM herausgegeben, welche auf einen Raketenstart vom Andøya Spaceport im Zeitraum vom 13. bis 24. Januar hinwies.
Beinahe wäre auch ein Start vor Weihnachten möglich gewesen. Auch für diesen Zeitraum existierte vorläufig eine Luftraumsperre. Aber ein Triebwerk machte anscheinend Probleme, womit man im verfügbaren Zeitraum die Vorbereitungen nicht mehr abschließen konnte.
Einige Tage vor Weihnachten vermeldetet Isar Aerospace, als Meilenstein vor dem geplanten Start, den positiven Abschluß der Static Fire von Haupt- und Oberstufe der Spectrum. Mitte Januar erfolgte dann die endgültige Bestätigung des Startzeitraums: Plantermin Mittwoch 21. Januar 2026 um 21Uhr MEZ.
Der Testflug der Spectrum wird übrigens vom Boost!-Programm der ESA unterstützt. Mit Boost! konnte Isar Aerospace bereits den ersten Microlauncher-Wettbewerb des DLR gewinnen. Der Name des Testfluges ist: „Onward and upward“, also höher und weiter, ein Wunsch den auch die Raumfahrtcommunity mitträgt.

Bildnachweis: Isar Aerospace
Nutzlasten
Im Gegensatz zum Erststart entschied man sich dieses mal für den Transport von Nutzlasten
- CyBEEsat der TU Berlin
- TriSat-S der Universität von Marburg
- Platform 6 von EnduroSat
- FramSat-1 von NTNU
- SpaceTeamSat1 vom TU Wien Space Team
- Let It Go von Dcubed (oberstufengebunden, wird nicht ausgesetzt)
„Das einzig Konstante in der Raumfahrt ist die Verschiebung“
Quelle: Referent des DLR bei einem Arbeitstreffen von Raumfahrer.net im Mai 2022 in Köln
Erster Startversuch am 21. Januar
Einige Tage vor dem Plantermin wurden nochmals Static Fire der Haupt- und der Oberstufe abgeschlossen. Aber der Startversuch am 21. Januar 2026, der für 21:00 MEZ angesetzt war, wurde schon um die Mittagszeit wegen einem Problem an einem Druckventil abgesagt.
Nach Behebung des Problems wurde Ende Januar, aufgrund von Wetterprognosen und Rangeverfügbarkeit der nächste Startversuch auf den 19. März verschoben, und am 18. März wegen ungünstiger Wettervorhersagen für den folgenden Tag auf den 23. März.
Der Wind wollte aber auch am Montag, 23. März unbeirrt weiterpfeifen. Also, was sollte man machen, wurde unbeirrt eine weitere Verschiebungsrunde eingelegt. Diesmal wurde Mittwoch der 25. März anvisiert. Wer auf den Start wartete brauchte etwas Geduld. Aber das ist im Raumfahrtbereich ja normal.

Bildnachweis: Isar Aerospace
Zweiter Startversuch am 25. März
Bei guten Wettervorhersagen warteten die Interessierten auf 20 Uhr MEZ, den Beginn der offiziellen Startstreams für einen Start um 21:00 MEZ. Der Stream lief unterbrechungsfrei bis T-11min wo er dann auf T-26min zurückgesetzt wurde. Grund dürfte die kurz darauf vermeldete Rangeviolation gewesen sein, weil sich ein Fischerboot in der Sperrzone befunden hatte. Vom Internetportal der nordnorwegischen Fischereizeitung „Kyst og Fjord“ gibt es auch eine Stellungnahme von dem oder den verantwortlichen Fischern (in englisch), denen Sperrungen ein Dorn im Auge ist. Allerdings wurde dies von den norwegischen Behörden auch sehr unglücklich geregelt. Für die „Sperrzone“gab es nur eine „Gefahrenwarnung“ und somit war es kein Vergehen in Diese, in so einem Fall auch nicht von norwegischen Sicherheitskräften überwachten Zone, einzufahren.
Bei T-2:30 wurde Clearance für den Start gegeben, bei T-0:03 allerdings der Countdown mit Hold gestoppt. Ein Hold so kurz vor dem Start deutet auf alle Fälle auf ein massiveres Problem hin. Laut Isar Aerospace hat sich mit der Verzögerung durch die Rangeviolation der Treibstoff erwärmt, dem man in der verbleibenden Zeit vor Ende des Startfensters nicht mehr ausreichend entgegenwirken konnte, womit der Startversuch abgebrochen werden mußte.
Also war warten auf Veröffentlichung eines neuen Starttermines angesagt.
Dritter Startversuch am 9. April
Am 7. April gab es den ersten Hinweis auf den Start am 9. April. Das Nachrichtenportal des norwegischen Rundfunks NRK berichtete das der nächste Versuch des Raketenstarts von Andøya ist für den 9. April gelant wäre. Außerdem erwähnte der CEO von Andøya Space das sie einen guten Dialog mit den Fischern hätten 🙂 Den Fischern würde nun allerdings nach einem Bericht des NRK eine Geldstrafe drohen, wenn sie sich in der gesperrten Zone befänden, denn nun wird die Sperrzone ihrem Namen gerecht. Bei einem Starttermin von 22:00 gilt nun ein Schifffahrtsverbot von 18:00 bis 23:00. Wobei die Polizei angibt, das die Boote die Sperrzone bis spätestens 19:00 zu verlassen haben. Kurz vor Mittag am 8. April bestätigte auch Isar Aerospace den Starttermin für nächsten Tag um 22:00 Uhr MESZ und einen Beginn ihres Livestreams um 21:00 MESZ. Schon davor lief auch der Livestream eines bekannten deutschen Raumfahrtkanals an; das Warten auf einen Start dauerte allerdings nicht lange, den kurz vor Beginn des offiziellen Livestreams von Isar Aerospace wurde schon der Abbruch wegen einem Leck in einem COPV, welches natürlich untersucht werden musste, bekannt gegeben. COPVs sind Bauteile mit keinem geringen Gefahrenpotential. Man konnte also nicht von einem sofortigen Neuversuch ausgehen.
Vierter Startversuch am 15. Juni
Es hat dann doch unerwartet lange gedauert. Erst am 8. Juni sickerte über das Handelsblatt der Starttermin für diesen Tages durch. Aber schon kurz nach 21 Uhr verkündete Isar Aerospace das wegen nicht nominellem Verhalten im Flüssigkeitssystemen der Rakete der Start nicht durchgeführt wird, und der Sachverhalt untersucht wird. Also doch immer wieder Probleme mit der Spectrum, eine detailiertere Auskunft wurde nicht gegeben, aber die folgende längere Pause zeigt das es doch keine Kleinigkeit gewesen sein dürfte. Dieses Startfenster wäre noch bis 21. Juni offen gewesen. Der nächste Startversuch der daraufhin in einschlägigen Portalen zuerst für den 18. Juni, darauf für den 20. angekündigt wurde, konnte diese Deadline nicht halten.
Das neue Startfenster wurde mit einem Bereich von 6. August bis zum 25. November angegeben.

Bildnachweis: Isar Aerospace
Start im neuen Startfenster
Wieder war in einem Raumfahrtportal ein neuer Starttermin genannt. Der 4. September. Da fand er nicht statt und Isar Aerospace schwieg. Die Windstärke an diesem Tag war jedoch etwas hoch, und das Nichtstattfinden eines Startes eher erwartet.
Um die Mittagszeit des 5. September kündigte Isaraerospace sehr kurzfristig den Start für den Abend des selben Tages an. Ein Wet Dress Rehearsal hatte, ohne Ankündigung und damit auch ohne Beachtung bereits stattgefunden. Das Ziel war von Isar Aerospace wie üblich tief angesetzt: So viel wie möglich zu lernen und so weit wie möglich zu kommen.
Die Betankung war bereits im Gange als der Livestream startete. Kurz unter 10 Minuten vor dem Start wurde die Startzeit nochmals angepasst, und noch mal ca. 6 Minuten auf den Countdown drauf gepackt. Vermeldet wurde jedoch das alles nominell verläuft. Während des Countdowns werden eine Vielzahl von Checks an der Rakete durchgeführt. 2 Minuten vor dem Start übernahm die Rakete die weitere Startsequenz.
Die Triebwerke zündeten und pünktlich zu T-00:00 hob die Spektrum von ihrem Pad ab. Bis auf das Feuern der Triebwerke war es still im Livestream, und so viel man trotz der Dunkelheit beim Start sagen konnte sah der Aufstieg sehr gut aus. Bei ca. T+01:30 wurde MaxQ, der Zeitpunkt der höchsten aerodynamischen Belastung ohne Probleme überschritten. Bilder mit Blick zurück auf die erste Stufe und auf die sich aufweitenden Triebwerksstrahlen waren erkennbar. Eine weitere Kamera lieferte Bilder des Oberstufentriebwerks, mit der auch die Oberstufentrennung bei T+02:36 und daraufhin die Zündung des Oberstufentriebwerks zu sehen war. Die Glocke des Aquila-Oberstufentriebwerks glühte auf, Kabel baumelten um Diese herum, und nach ca. 3 Minuten 38 Sekunden konnte die Karman Linie überschritten werden, und kurz darauf erfolgte der Abwurf der Nutzlastverkleidung.
Gut 7 Minuten nach dem Start wurde das Oberstufentriebwerk deaktiviert – der Orbit wurde erreicht!
Der erreichte Orbit von ca. 500 km x 180 km mußte jedoch noch mit einer zweiten Zündung des Triebwerks zirkularisiert werden. Dies sollte ca. gegen 23 Uhr MESZ erfolgen. Dies lag jedoch, genauso wie die Freisetzung der Nutzlasten, bereits außerhalb der Dauer des Livestreams. Darüber wird wohl Isar Aerospace im Laufe des morgigen Tages informieren.
Warum in diesem Artikel keine aktuellen Bilder dieses Startes auftauchen, möchten wir auch sehr gerne darlegen.
Trotz mehrmaliger Anfrage bei Isar Aerospace zur Bewilligung der Übernahme von Bildern haben wir leider weder eine positive noch eine negative, sondern leider gar keine Antwort erhalten. Damit blieb uns nichts anderes übrig als die nicht aktuellen Bilder aus dem für die Presse freigegebenen PressKit zu verwenden.
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