Raumschiff Shenzhou-20 – Mission „Notfallreaktion“

Vor dem Rückflug der Besatzung des Raumschiff Shenzhou-20 wurde beim Check der Rückkehrkapsel ein Schaden an einem Bullauge festgestellt und an die CNSA gemeldet. Daraufhin wurde an der Lösung des Problems gearbeitet und letzlich auch gefunden.
Ein Portalbeitrag des Raumfahrer.net Autors HausD.

Quelle: CNSA, CMSA, CMSE, FCS, NSF, CSF, CCTV 13; 30. Januar 2026

Aufbau des Bullauges

Grafik CMSA: Dreischeibiges Bullauge
Anordnung: oben: Aussenseite der Shenzhou
____________ unten: Innenseite der Shenzhou
Beschriftung: oben links: hitzebeständiges Glas
_____________ oben mitte: mittleres druckbeständiges Glas
_____________ oben rechts: innere Schicht aus drucktragendem Glas

_____________ rechts: Versiegelung

Auf der äußeren, anorganischen siliziumbasierten hitzebeständigen Scheibe (oben) ist der Schaden entstanden und diese Scheibe ist noch nicht druckentlastend. Sie ist aber bereits umschlossen von der Hitzeisolierung, die das ganze Rückkehrteil umschließt. Die inneren, metallsilikatbasierten Scheiben sind in eine versiegelnde Schicht eingebettet, ähnlich wie die Dichtungsgummis am Koppelstutzen. Die beiden inneren Glasschichten weisen Temperaturen nahe dem mittleren und normalen Temperaturbereich auf, was die Abdichtung erleichtert.

Der Rückflug der Besatzung der CSS mit dem Raumschiff Shenzhou-20 war geplant. Vor dem Ablegetermin wurden am 04.11.2025 die Funktionen und der Zustand der Rückkehrkapsel von Shenzhou-20 routinemäßig überprüft. Bei der Inspektion des Zustandes der Sichtfenster fielen dem Piloten von Shenzhou-20 Verletzungen am Sichtfenster auf der Seite des 1. Flug-Ingenieurs auf, wovon er von innen einige Fotos machte und diese an die Chinesische Raumfahrtbehörde schickte. Darauf war, etwas undeutlich, eine Scharte und eine dreieckige Absplitterung der äußeren Scheibe am Rand dieses Sichtfensters zu erkennen.

Mission „Notfallreaktion“

Daraufhin war ein Rückflug der Besatzung von Shenzhou-20 fraglich geworden und es wurde sofort eine Expertenkommision zusammengeholt. Diese organisierte umgehend Simulationsanalysen und experimentelle Überprüfungen, passte den Missionsplan an, aktivierte Notfallmaßnahmen, und entschied auch, dass sofort damit begonnen wird hochauflösende Fotos der Schadensstelle anzufertigen.
Da eine Rückkehrkapsel beim Wiedereintritt in die Atmosphäre, auch an der Schadstelle, Reibungstemperaturen von über 1.000 °C ausgesetzt sein dürfte, wurde die Shenzhou-20 im Ergebnis als ungeeignet für eine bemannte Rückkehr eingestuft und die Rückkehr der Taikonauten verschoben.
Am 14.11.2025, ist die Besatzung Shenzhou-20 mit dem Raumschiff Shenzhou-21 in der Inneren Mongolei gelandet. Damit war ein Anlegeplatz für ein nächstes Shenzhou Raumschiff freigeworden und Shenzhou-22 wurde dann am 25.11.2025 als „Notfallreaktion“ ohne eine Besatzung, aber mit 600 kg Material und Versorgungsgütern für die beiden Besatzungen auf der CSS gestartet. Bei der Presse Konferenz der Shenzhou-20 Besatzung betonten die Rückkehrer auch, dass die ihnen gegebenen Aufgaben sie, in der „Wartezeit“ auf den dann endgültigen Plan, psychisch und physisch stabil gehalten haben.

Untersuchung des Bullauges

Bild CMSA/BACC: Zhang Lu (rote Streifen) untersucht das Bullauge von SZ-20
Er steht dabei auf dem Hand-Ende des Roboterarms und schaut auf die Rückkehrkapsel in der Höhe des beschädigten Fensters.

Die Taikonauten von Shenzhou-20 fotografierten die Anomalie dann gemäß den Anweisungen aus verschiedenen Winkeln, Vergrößerungen und unter verschiedenen Lichtverhältnissen von innen. Das Team von Shenzhou-21 führte am 09.12.2025 einem Aussenbord-Einsatz mit der Unterstützung durch den Roboter-Arm durch und fertigte dabei mit einer hochauflösenden Kamera auch noch Nahaufnahmen des beschädigten Fensters der Rückkehrkapsel an.

Vorbereitung der Fracht zur Rückkehr

Li Liang, Ing. des BACC, erläuterte den Teil des Notfallplans der sich mit der Rüchführung der Landekapsel befasst und erklärte, dass die Beladung der Kapsel sehr genau erfolgen muss.
Eine unbemannte Konfiguration, kombiniert mit den mehreren großen Nutzlasten, die das Raumschiff transportiert, führt zu einer deutlich anderen Massenverteilung als bei einer Standardmission mit Besatzung. Daher mussten die Taikonauten vor der Rückkehr des Raumschiffs die Nutzlast sorgfältig ausbalancieren und den Schwerpunkt des Raumschiffs beibehalten, um die Stabilität während der Rückkehr zu gewährleisten.

Der Feitian-Anzug B gehörte zur Fracht

Bild CMSA/BACC: Feitian-Anzug B (blau) verpackt

Der Text, Kamera der Rückkehrkapsel aus Shenzhou, auf dem Bild der beladenen Rückkehrkapsel, das vom Flugleitzentrum in Peking empfangen wurde, zeigt auch, dass die Geräte auf der Landekapsel stabil (über die „Himmels-Brücke“, dem Sat.-System Chinas) mit dem Peking Raumfahrt Kontroll-Zentrum (BACC) verbunden sind.

Bild CCTV 13: EVA-B Anzug blau

Der Feitian-EVA-Anzug liegt verpackt auf dem mittleren Sitz der SZ-20 Kapsel und ragt etwas über die beiden Nachbarsitze. An den Befestigungspunkten , die für die Kniehalterungen der Taikonauten gedacht sind, ist das Paket mit dem Anzug gegen Umherfliegen bei der Landung gesichert. Links oben ist das intakte Bullauge zu sehen, rechts unten sieht man die Kopfschale des Sitzes von Flug-Ing. 2, dort befindet sich das betroffene Bullauge. Dieser Feitian-EVA-Anzug B wurde von 11 Taikonauten bei 8 bemannten Raumflügen verwendet. Es sind weitere Pakete und Teile am Fußende und Kopfende des mittleren Sitzes und auf der Innenseite des dahinterliegenden Hauptfallschirm-Containers auszumachen, die gut verzurrt mit auf die Rückreise gehen sollen.

Landung

Bild CMSA/FCS: Anbringung der grauen Matte als Abdeckung

Die Landung erfolgte ohne Zwischenfälle, jedoch stand die Kamera etwas zu niedrig, sodass man nur die Staubwolke nach dem Abbremsen der Kapsel, aber nicht die Kapsel selbst sehen konnte. Auch die Bilder vom Hubschrauber aus zeigen nur den relativ ruhigen Zusammenfall des Fallschirms. Die ersten Bilder zeigten dann schon die stehende Kapsel mit dem am Boden liegenden Fallschirm und die Bergemannschaft, die deutlich kleiner war, als wenn eine Besatzung gelandet wäre. Die erste Arbeit der Experten vorort war das Anbringen einer Abdeckung der Schadstelle. Diese dient offenbar dem Schutz der Schadstelle vor Veränderung und Schmutzteilchen.

Bild CMSA/CNSA: Die Abdeckung der Schadstelle nach der Landung

Deutlich erkennt man, dass diese Schutzmatte nicht mit im All war, sondern noch neu ist. Auf dem Bild liegt die zusammengelklappte, an die Kapselkontur angepasste Leiter, mit deren Hilfe das untere Seil mit dem Schloss des Fallschirms zurück in den Container des Hauptfallschirms (große runde Öffnung) gelegt wurden. Das über der Schutzmatte befindliche Funk- und Lichtbakensystem wurde damit ebenfalls deaktiviert. Nachdem alle Sicherungsmaßnahmen an der Kapsel erfolgt waren, wurden die beiden Sichtfenster mit Abdeckscheiben , die von einem blauen Spanngurt gehalten wurden, für den Abtransport mit dem Bergetransporter vorbereitet. Zum Entladen wurde dann die Arbeitsbühne aufgestellt und die zurückgebrachten Güter über die Rutsche zu Boden gelassen.

Bild CMSA/weipu/NSF: Erste Güter werden entnommen
Bild CMS/CNSA: Anzug-Paket wird aus der SZ-20 Kapsel gehoben

Nachdem mehrere Pakete und Teile aus der Rückkehrkapsel SZ-20 gehoben wurden, wird nun auch vom Kran des Bergetransporters das Paket mit dem Feitian-EVA-Anzug herausgezogen.
Er ist der erste Raumanzug für Außenbordeinsätze, der das Ziel „4 Jahre, 20 Nutzungen“ für die CSS Tiangong erreicht hat.
Damit hat die Landung der beschädigten Rückkehrkapsel von SZ-20 noch ein gutes Ende genommen, es hätte auch schlimmer kommen können.
Die letzte Meldung sagt, dass sie sich in den Händen der Pekinger Fachleute befinden soll…

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