Beim Start von Sojus MS-28 auf Sojus-2-1А wurde die unzureichend gesicherte Arbeitsplattform durch den Feuersturm der abfliegenden Rakete von ihrem Abstellort losgerissen und zertrümmert. Da es Teile einer solchen Plattform als Ersatz in einem Lager gab, konnte die Reparatur der Plattform und der Startanlage angegangen und vor kurzem erledigt werden.
Ein Portalbeitrag vom Raumfahrer.net Autor HausD.
Quellen: Roskosmos, VK.com, ZENKI, NovKos, Pro Kosmos, livejournal.com/lozga, TOGBUK „Tambower Puschkin-Bibliothek“, 07. März 2026.
Am 27. November 2025 geschah etwas Sonderbares: Beim Start von Sojus MS-28 auf Sojus-2-1А wurde die Arbeitsplattform zur Vorbereitung der Trägerrakete, die beim Start sich gesichert in einem Hinterraum unter dem Starttisch befinden muss, vom Abgasstrahl der fünf Triebwerke herausgerissen und lag nach dem Start zertrümmert zwanzig Meter tiefer im Abgaskanal der Starteinrichtung PU 6 des Kosmodroms.
Sollte damit für Russland das Ende der Bemannten Raumfahrt auf dem Kosmodrom Baikonur gekommen sein?
Es wurde heftig diskutiert und spekuliert, so war auch die Wiederinbetriebnahme der Startanlage „Gagarin Start“ ein Thema. Anfängliche Zeitabschätzungen kursierten, die eine vollständige Neuproduktion der Arbeitsplattform als einzige Möglichkeit sahen. Das hätte tatsächlich gut zwei Jahre gedauert und damit zwei Jahre lang kein Sojus-Raumschiff und kein Progress Frachtraumschiff für den Betrieb und die Unterhaltung der ISS starten können.
Aber, Anfang Dezember kam eine gute Nachricht auf: Man hat noch einen vollständigen Satz an Bauteilen für eine solche Arbeitsplattform in einem Depot (Arsenal der Weltraumstreitkräfte in Snamenka, Gebiet Tambow) entdeckt.
Snamenka, Gebiet Tambow
Nach kurzer Vorbereittung wurde eine Wagenkolonne zum Depot in Snamenka geschickt, die Teile wurden verladen und nach Baikonur gebracht. Dabei muss man bedenken, dass diese Fahrt von Russland nach Kasachstan, also ins Ausland, und dann wieder in das Pachtgebiet Kosmodrom Baikonur führtt. Die Entfernung vom Depot in Snamenka bis nach Baikonur beträgt rund 2300 km, was beim LKW-Transport und den Pausen, wie z.B. Ruhezeiten sowie Grenz- und Zoll-Kontrollen sicher eine knappe Woche gedauert hat.
Die Teile auf dem Kosmodrom Baikonur angekommen
Nach etwa einer Woche waren die Teile auf dem Kosmodrom Baikonur und die Fachleute von ZENKI (Zentrum für den Betrieb bodengestützter Weltrauminfrastruktureinrichtungen) konnten die Teile in Empfang nehmen.
Die Einzelteile befanden sich nach einer langen Lagerzeit in unterschiedlich gutem Zustand und mussten daher aufgearbeitet werden. Über 150 Ingenieure und Mitarbeiter von ZENKI (Roskosmos) und vier weitere Auftragnehmerfirmen waren an den Arbeiten beteiligt.
In dieser folgenden Zeit, in der es kaum Berichte dazu gab, wurden rund 2.350 Quadratmeter von den Teilen der Metallkonstruktionen vorbereitet und lackiert, Befestigungselemente ausgetauscht, die elektrische Ausrüstung komplett erneuert und über 250 Laufmeter Schweißnähte ausgeführt.
Auf dem Bild erkennt man deutlich am anderen Farbton die einzelnen Teile der Plattform, deren Oberflächen gesäubert, bearbeitet und neu gestrichen wurden, aber auch den noch in Arbeit befindlichen Bodenteil der Plattform, an der noch geschweißt und geschraubt wird.
Der komplizierte Einau der umfangreichen und sperrigen Teile
Die komplexeste Aufgabe war laut Roskosmos der Einbau der Längs- und Querträger – große, gitterartige Tragkonstruktionen, die das Tragwerk der Kabine bilden. Jeder Träger ist 19 Meter lang und wiegt etwa 17 Tonnen.
Dazu gibt es ein Video (https://vk.com/wall-30315369_601361) von Roskosmos und aus dem stammen die folgenden Bilder (BS-Vid.), die den besonderen Aufwand der Verbringung der Teile an den Einbauort zeigen.
Diese Trägerteile mussten schräg durch die runde Öffnung der Startrampe mit nur 15 m Durchmesser unter ständiger Kontrolle eingefädelt werden, praktisch wie ein Faden in ein Nadelöhr. Denn in diesem vertikalen Kanal befindet sich bei der Startvorbereitung der mindestens 7 m hineinragenden Teil der Sojus-Rakete, durch den auch die Triebwerksflammen und -gase unmittelbar nach dem Start hindurchgeführt werden.
Nachdem die Träger so Stück für Stück auf die untere Ebene über 11m unter der Starttischoberfläche gelangt waren, konnten sie in waagerechter Lage gebracht und anschließend an ihren vorgesehenen Positionen innerhalb der Startrampennische abgelegt werden.
Nach der Montage der Antriebsteile, bestehend aus dem Motor, dem Getriebe und dem Rad, dass auf der Schiene auf jeder Seite aufliegt, kann das komplette Trägerteil wieder aus der Startrampennische gehoben werden. Nun wird es so gedreht, dass es auf die Schienen gesetzt und dort für die weiteren Arbeiten fixiert.
Die nächsten Arbeiten waren nun, das montierte Fahrgestell, das Tragwerk der Längs- und Querträger, mit einem tragfähigen Fußboden zu versehen, wodurch sich auch ein Großteil der über 250 Laufmeter Schweißnähte erklären lassen.
Es wurde aber nicht nur die Arbeitsplattform erneuert, es mussten auch Teile der Startanlage, die offenbar in Mitleidenschaft geraten waren, grundlegend überholt werden. Das betraf die unteren vier Haltearme für die Aussenblocks der 1. Stufe und den unteren Versorgungsarm für die Zentralstufe (2. Stufe) der Sojus-Rakete. Diese waren bereits kurz nach der Havarie ausgebaut worden.
Auch die Elektro-Leitungen und Anschlüsse, die zur Rakete führen, sind dem Bild nach zu urteilen, sicherheitshalber erneuert, zumindestens aber genau auf ihre Funktion untersucht worden.
Damit ist das ehrgeizige Ziel, bis zum nächsten Start die Reparatur, zu der auch noch die Prüfungen der aller Bauteile gehörten, erreicht worden. Nun wird noch eine Prüfung der gesamten Startanlage folgen.
Der Start des Raumschiffs Progress M-33 ist nun für den 22.03.2026 geplant.
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