Auf allen Vieren im Flügel der Discovery

Die Space Shuttles in den Weltraum zurück zu bringen ist so wichtig für Lisa Campbell, dass sie bereit ist, 10 Stunden am Tag auf Händen und Füßen zu kriechen.

Ein Beitrag von Axel Orth. Quelle: NASA.

Campbell arbeitet als Luft- und Raumfahrttechnikerin im Kennedy Space Center der NASA in Florida. Zur Zeit verbringt sie die meiste Zeit in engen Kriechräumen tief im linken Flügel des Space Shuttles Discovery und installiert Temperatursensoren an der Vorderkante des Flügels.

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Lisa Campbell arbeitet im linken Flügel der Discovery , eingeengt zwischen einem gelben Ventilationsschlauch und Teilen der Flügelstruktur.
(Bild: NASA/KSC)

Die Sensoren sind Teil des Flügelvorderkanten-Einschlagmelde-Systems, einem neuen Sicherheitssystem, das bei allen künftigen Shuttle-Missionen eingesetzt wird. Es beeinhaltet auch Beschleunigungs-Messer, die die Flügel auf Einschläge von Trümmern während des Starts und im Orbit überwachen. Die Sensordaten fließen vom Flügel zum Besatzungsmodul, von wo sie zur Erde übermittelt werden. Campbell leitet das Team, das die Sensoren in Discoverys linkem Flügel installiert.

Es handelt sich um 22 Temperatursensoren und 66 Beschleunigungsmesser pro Flügel. Anstatt die Sensoren in einem Schritt zu installieren und zu verdrahten, wird die Arbeit in drei Phasen unterteilt. Techniker haben den ersten Schritt bereits vollendet, der darin bestand, Befestigungsmuttern im Flügel an bestimmten Punkten anzukleben. Nun arbeitet die Crew am zweiten Schritt, Kabel von Relaisboxen an der Seitenwand des Hauptfahrwerks und am Flügelansatz zu den Messstellen zu verlegen. Im dritten Schritt werden sie die Verkabelung an die Sensoren anschließen und diese in die zuvor angebrachten Muttern einschrauben.

Campbells Job verlangt es von ihr, durch drei offene Sektionen zu kriechen, um die Flügelkante zu erreichen. Sie muss sich durch schmale Öffnungen – etwa so groß wie die Tür eines Wäschetrockners – zwischen den Hohlräumen quetschen.

“Als erstes kommt ein großer Hohlraum, und dann müssen Sie durch ein schmales Loch und da ist noch ein Hohlraum, und wieder ein Loch und wieder ein Hohlraum”, erklärt Campbell. “Es wird enger und enger, je weiter Sie vorwärts kommen. Und dann kommt da diese Stelle ganz am Ende, wo Sie nur mit den Händen hin kommen, weil dort zwei Streben und eine Wand im Weg sind.”

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Campbell hält einen Beschleunigungsmesser (l.) und eine Befestigungsmutter (r.) in ihrer Hand.
(Bild: NASA/KSC)

Klingt dies hart? Dazu kommt noch, dass sie den Vorrats-Behälter mit den Sensoren und Muttern und alle notwendigen Werkzeuge mit sich führen muss, während sie sich um die Strukturteile des Flügelrahmens herum manövriert.

“Die erste Woche – speziell die ersten zwei, drei Tage, als ich hier die Verkabelung gemacht habe – konnte ich nicht laufen”, gibt Lisa Campbell zu. “Meine Beine haben so weh getan, dass ich kaum aufstehen konnte. Am Ende des Tages, wenn ich die Treppen rauf musste, haben sie sich angefühlt wie Pudding. Aber ich habe jetzt ein paar Werkzeuge, die es etwas leichter machen, wie etwa einen winzig kleinen Hocker, den ich an bestimmten Stellen benutzen kann.”

Trotz der gelegentlichen Unbequemlichkeiten macht Campbell ihre Arbeit Spaß.

“Letztens waren wir in dem Flügel und gerade aus dem Winkel sah es aus, als ob man im Bauch des Vogels wäre, und das war gerade so nett”, erinnert sie sich, kurz bevor sie wieder in der Dunkelheit des Flügels verschwindet. “Es war wirklich nett, da zu stehen und es mal aus einer anderen Perspektive zu sehen.”

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