Enceladus – Quellen der Eisgeysire gefunden

Von den eisigen Geysiren auf dem Saturnmond Enceladus hat Raumfahrer.net schon früher berichtet. Bei ihrem letzten Vorbeiflug an diesem Mond am 11. August 2008 hat die Raumsonde Cassini erste genaue Bilder gemacht von den Stellen, wo diese Geysire aus der Oberfläche des Mondes hervor brechen.

Ein Beitrag von Kirsten Müller. Quelle: NASA/JPL.

NASA/JPL/Space Science Institute
Die “Tigerstreifen” an Enceladus´ Südpol
(Bild: NASA/JPL/Space Science Institute)

Es handelt sich dabei um Detailaufnahmen von den ausgeprägten „Tigerstreifen“- Frakturen an Enceladus´ Südpol, aus denen die Geysire herausspritzen. Die Bilder zeigen, dass die Bruchstellen (Sulci) etwa 300 Meter tief sind und V-förmige Innenwände haben. An den äußeren Flanken von manchen Frakturen sieht man große Ablagerungen von feinem Material. In der Umgebung dieser Frakturen hat das Gebiet feinere Bruchstellen und liegt voll mit Eisblöcken von zehn und mehr Metern Größe.

“’Dies ist unsere Hauptader”, sagt Carolyn Porco, Leiter des Cassini Imaging Team beim Space Science Institute in Boulder, Colorado. “Diese Stelle könnte schließlich genau verdeutlichen, was für eine Art von Umwelt – bewohnbar oder nicht – wir auf diesem kleinen Mond haben.“

Ein lange erwartetes Ergebnis dieses Vorbeifluges war das Finden jener genauen Stellen innerhalb der Brüche, von denen die Geysire die Eispartikel, Wasserdampf und Spuren organischer Verbindungen in den Weltraum spritzen. Als nächstes erforschen die Wissenschaftler die Art und die Intensität dieses Prozesses und seinen Effekt auf die Umgebung. Diese Information, in Kombination mit den Beobachtungen von Cassinis anderen Instrumenten, könnte vielleicht die Frage beantworten, ob sich tatsächlich unter Enceladus´ Oberfläche Vorräte von flüssigem Wasser befinden.

Tigerstreifen „Bagdad“ und „Kairo“ auf Enceladus. Die Merkmale der Landschaft auf Enceladus sind nach Personen und Orten aus „Tausendundeiner Nacht“ genannt. Die vier größten Tigerstreifen heißen Alexandria, Kairo, Damaskus und Bagdad.
(Bild: NASA/JPL/Space Science Institute)
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Detailaufnahme der Damaskus-“Stelle III”.
(Bild: NASA/JPL)

Die hochauflösenden Bilder sind am 11. August 2008, während Cassini auf einem Abstand von 64.000 Kilometer an dem eisigen Mond entlangflog, aufgenommen worden. Hierzu haben die Wissenschaftler eine spezielle Aufnahmetechnik entwickelt, um mit der im Verhältnis zu Cassini hohen Geschwindigkeit des Mondes umzugehen und sehr scharfe Bilder zu bekommen. „Es war sehr wichtig, genau zu wissen, wann man die Kameras wohin richten muss“, sagte Paul Helfenstein, Mitglied des Cassini-Imaging-Team an der Cornell University, Ithaca, NY., USA, der die Aufnahmetechnik entwickelt und benutzt hat, um die Bilderfolge aufzunehmen. „Das ist genauso schwierig wie aus einem schnell fahrenden Auto mit einer Telelinse ein scharfes, unverwackeltes Foto von einem weit entfernten Plakat zu machen.“

Wie Helfenstein erklärte, flog von Cassini´s Position aus Enceladus so schnell, dass man sich keine Hoffnung machte, irgendwelche genauen Aufnahmen von Enceladus´ Oberfläche machen zu können. „Die beste Möglichkeit war, noch während Cassini ganz weit vor Enceladus flog, die Sonde und die Kameras so schnell wie möglich in die Richtung von Enceladus´ voraussichtlichem Weg zu richten und dann die Bilder zu machen, während Enceladus Cassini überholt.“

Um zu verstehen, was die gelogischen Aktivitäten von Enceladus antreibt, ist es für die Wissenschaftler ausschlaggebend, sowohl hochaufgelöste Aufnahmen als auch die Bilder, die die gesamte Region zeigen, zu haben.

NASA/JPL
Rohbild von “Kairo” aus 1.500 Kilometern Höhe: 300 Meter tiefe Spalte, umsäumt von großen Eisbrocken.
(Bild: NASA/JPL)

“Es scheinen in der Nähe der Brüche ziemlich viele Eisbrocken auf dem Boden zu liegen, dies sogar in Gebieten zwischen zwei Geysirquellen, obwohl unmittelbare Effekte von gegenwärtig aktiven Geysiren geringfügig zu sein scheinen“, sagt Porco.

Tigerstreifen „Damaskus“.
(Bild: NASA/JPL/Space Science Institute)

Es wird vermutet, dass warmer Wasserdampf vom Inneren des Mondes durch dünne Kanäle steigt und, sobald er die kalte Oberfläche erreicht, zu Eispartikeln kondensiert und somit die Ausgänge verschließt. Neue Geysire könnten dann entlang der gleichen Bruchstelle an anderen Stellen auftauchen.

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