Express-AM 1 mit Steuerungsproblemen

Nach Angaben seiner Betreiberin, der russischen Gesellschaft für Satellitenkommunikation, kann der russische Kommunikationssatellit Express-AM 1 keine Manöver zur Inklinationskorrektur mehr ausführen.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: RSCC, broadcasting.ru, comnews.ru, front.marker.ru, livesat.ru, myshop.in.ua, vesti.kz, wotsat.techradar.com.

Tsenki
Satellit des Typs Express-AM – Illustration
(Bild: Tsenki)

Am 17. Mai 2010 veröffentlichte die Russian Satellite Communications Company, abgeküzt RSCC, eine kurze Verlautbarung, in der es heißt, dass wegen eines Fehlers im Satelliten Express-AM 1 seit dem 24. April 2010 keine GEOKorrekturen mehr zum Verhindern einer ansteigenden Bahnneigung möglich sind. Konkrete Angaben, welche Komponenten an Bord des bei 40 Grad Ost im geostationären Orbit positionierten Kommunikationssatelliten versagt haben, machte RSCC nicht.

An anderer Stelle finden sich ergänzende Angaben hinsichtlich des Verlusts der Manövrierbarkeit des Satelliten. wotsat.techradar.com spricht davon, das Lageregelungssystem des Satelliten habe sich abgeschaltet. comnews.ru berichtet, bereits im März 2010 habe es Probleme mit den Gyroskopen in Verbindung mit dem Orientierungssystem des Satelliten gegeben.

Express-AM 1 gelangte an der Spitze einer Proton-K-Rakete mit Block-DM-2M-Oberstufe am 30. Oktober 2004 ins All. Das Raumfahrzeug mit einer Startmasse von 2.600 kg setzt sich aus einem in Russland konstruierten und von Reschetnjow Informational Satellite Systems gebauten Satellitenbus des Typs Express-M alias 727M und einer in Japan von NEC/TOSHIBA Space Systems hergestellten Kommunikationsnutzlast mit einem Masseanteil von 570 kg zusammen.

Die 9 C-Band, 18 Ku-Band- und der L-Band-Transponder des Trabanten werden zur Ausstrahlung unterschiedlichster Dienste verwendet. Express-AM 1 sendet digitale Fernsehprogramme, leitet Datenpakete und Telefongespräche weiter, ermöglicht Internetzugriff und Videokonferenzen und unterstützt mobile Endgeräte. Kunden im europäischen Teil Russlands, in den anderen Ländern der Gemeinschaft unabhängiger Staaten, in Europa, Nordafrika, dem Mittleren Osten und Indien werden versorgt.
Es wird erwartet, dass Express-AM 1 zu driften beginnt. Über die Gefahr möglicher Interferenzen mit den Ausstrahlungen des bei 39 Grad Ost im geostationären Orbit stehenden Hellassat 2 spekuliert myshop.in.ua und zitiert den Generaldirektor Oleg Watulin des Netzbetreibers Rusat, der mitgeteilt haben soll, im Falle von Interferenzen werde man die Angelegenheit wie international allgemein üblich regeln. Der Generaldirektor der russischen Rundfunk- und Fernsehanstalt RTR Alexei Malinin halte die Situation für alarmierend, aber unter Kontrolle, heißt es an gleicher Stelle weiter. Wenn erst, wie geplant, Ende 2011 die Konstellation von Kommunikationssatelliten, zu der auch Express-AM 1 gehört, fertiggestellt wird, könnten sich insbesondere für Empfangsstationen mit kleineren Antennenanlagen in der zweiten Jahreshälfte 2011 Probleme ergeben. Nach aktuellem Planungsstand ist vorgesehen, Express-AM 4 Ende 2011 ins All zu transportieren.

Express-AM 1 sollte 12 Jahre stabil betrieben werden können. Dass der Satellit jetzt seine Auslegungsbetriebsdauer noch erreichen kann, dürfte unwahrscheinlich sein. Reservekapazitäten soll Express-MD 1 bereitstellen, heißt es auf vesti.kz. In manchen Regionen wird es aber schwierig sein, die Empfangsanlagen auf diesen Satelliten einzustellen, wird auf broadcasting.ru berichtet.

Am 2. März 2009 hatte Express-AM 1 bereits einmal die Orientierung im All verloren, im Verlauf des Tages konnte die Störung jedoch beseitigt werden, meldete livesat.ru im März 2009. Die gleiche Quelle berichtet auch, dass im Jahr 2008 der Express-AM 1 ähnelnde, bei 140 Grad Ost stationierte Express-AM 3 von einer Störung des Lageregelungssystems betroffen war. Damals sei das aufgetretene Problem nach sechs Stunden behoben worden. Darüber, dass ein Satellit des Vorgängertyps, der seit 2002 im All befindliche Express-A 4, Anfang 2004 eine ebensolche Störung erlitt, informiert front.marker.ru. Außerdem sollen die Lageregelungstriebwerke dieses Satelliten versagt haben.

Der bei 96,5 Grad Ost positionierte Express-AM 11 fiel am 29. März 2006 aus, und wurde anschließend in einen Friedhofsorbit gelenkt, heißt es an gleicher Stelle, wo auch vom Versagen von Express-AM 2 gesprochen wird. Dieser bei 80 Grad Ost im geostationären Orbit betriebene Satellit erfuhr eine Störung der Bordenergieversorgung. Im März 2009 wurde bekannt, dass sein Einsatz beendet werden soll (raumfahrer.net berichtete). Laut front.marker.ru fand sich für den als Teilverlust betrachteten und nur noch mit reduzierter Kapazität betreibbaren Satelliten noch eine Nutzungsmöglichkeit.

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