Fliegende Helfer

Eine Flutkatastrophe ungeahnter Dimension überraschte im August mehrere europäische Staaten. Tatkräftige Unterstützung bei der Bewältigung der verheerenden Überschwemmungen kam dabei aus den Kosmos.

Ein Beitrag von meiklampmann, bearbeitet von Star-Light. Quelle: ESA.

Künstlerische Darstellung von Envisat
(Illustration: ESA)

Die ESA-Satelliten ERS-2 und Envisat erwiesen sich mit ihren Überblicksdaten als eine unentbehrliche Hilfe beim Krisenmanagement. Ein Internationales Abkommen zur Katastrophenhilfe bestand in den Hochwasser-Wochen die Nagelprobe.
Die Bilanz des Jahrhunderthochwassers der Elbe und anderer europäischer Flüsse im Sommer 2002 ist erschreckend: Mehr als 100 Menschen starben in den Fluten, Hunderttausende mussten ihre Häuser verlassen, Zehntausende Häuser und Betriebsanlagen sind zerstört. Die Kosten für die Aufräumarbeiten und den Wiederaufbau werden auf eine zweistellige Sume von Milliarden Euro geschätzt.

In Krisensituationen zeigt sich, ob die für den Ernstfall geschaffenen Szenarien wirklich greifen. Schnelle Hilfe leisteten Erdbeobachtungssatelliten. Erst die Sicht aus dem Kosmos gibt nämlich einen realistischen Überblick über die Hochwassersituation, von der weite Teile Mitteleuropas im August betroffen waren, in Deutschland waren es vor allem die Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die mit unterschiedlichen Aufnahmesystemen ausgestatteten Raumflugkörper nehmen die Erde schnell, großflächig und damit kostengünstig auf.

Im Katastrophenfall sollen derartige Satellitenbildprodukte zeitnah den Nutzern zur Verfügung gestellt werden. Dafür sorgt ein auf der UNISPACE III im Juli 1999 in Wien abgeschlossenes internationales Abkommen mit dem Namen:”International Charter on Space and Major Disasters”. Dahinter verbirgt sich eine neue zentrale Organisationsform, für die es im deutschen noch keinen zutreffenden Namen gibt. Die Mitglieder dieser Charta verpflichten sich, unter humanitären Aspekten uneigennützig zweckgebundene Hilfe zu leisten.

Die Nagelprobe bestand das System während dieser Hochwasserkatastrophe. Am 17.August wurde es erstmals von der Schweiz aktiviert, um die Auslieferung von Pumpen und Elektrogeneratoren in den überfluteten Gebieten der Tschechischen Republik durch Schweizer Hilfsteam zu unterstützen. Am 20.August forderte der österreichische Innenminister Satellitenbilder von der Charta an, da die Donau denselben Hochwasserstand wie die Elbe zu erreichen drohte. Zwei Tage später benötigte auch das deutsche Innenministerium Satellitendaten wegen der hohen Elbe-Pegelstände an.
Die ESA hat den drei Staaten sofort Archivaufnahmen sowie aktuell gewonnene Bilder ihrer ERS-Erderkundungssatelliten zur Verfügung gestellt.

Die Satellitenbilder halfen den Krisenstäben in den Überschwemmungsgebieten bei der strategischen Planung, Koordinierung und Bewältigung vielfältigster Maßnahmen des Katastrophenschutzes, von der Kontrolle und Stabilisierung der Dämme, über gezielte Flutungen von Rückhaltebecken bis zur Findung des richtigen Evakuierungszeitpunktes der von der Flut bedrohten Anwohner.
Das sind nur einige der wesentlichsten Vorteile der Satellitenfernerkundung.

Kosmosaufnahmen allein reichen aber nicht aus. Zusätzlich müssen Luftbilder gewonnen werden. Gerade bei der Flutkatastrophe ergänzen sich Luft- und Satellitenbilder.
Die Bilder dienen der Personensuche sowie der Prüfung der Deichanlage auf Schwachpunkte. Die Bilder dienen auch dem zukünftigen Krisenmanagement. Es gilt einerseits die Vorhersagemodelle zu verbessern. Es gilt aber auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten vielfältige bauliche Konsequenzen zu treffen, z.B. Baustopp der Donau, keine weitere Besiedlung der Überschwemmungsgebiete und so weiter, um die Schäden kommender Überschwemmungen wirkungsvoll zu begrenzen. Denn eines ist gewiss: Die nächste Flutwelle kommt bestimmt.

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