Mit diesem zweiten Start und der auch wieder erfolgreichen Landung des Boosters „Never Tell Me the Odds“ konnte Blue Origin die Wiederverwendbarkeit ihrer New Glenn Rakete belegen. Damit existiert nun ein zweiter Startanbieter der Wiederverwendung mit ihren Trägern einsetzen kann. Das Monopol des weltweit größten Startanbieters auf diese Technologie ist damit beendet. Es gab jedoch Probleme mit der Oberstufe.
Ein Portalbeitrag des Raumfahrer.net Redakteurs James.
Quelle: Blue Origin Livestream, Raumfahrer.net Forum

Credit: Blue Origin
Am Sonntag, den 19. April stand die New Glenn „Never Tell Me the Odds“ für den Start NG-3 auf der Startplattform des Lauch Complex 36 in Cape Canaveral. Für diesen Booster war das keine Premiere, er wurde bereits beim Flug NG-2 verwendet, bei der er erfolreich auf der Landeplattform Jacklyn gelandet werden konnte.
Die Triebwerke wurden jedoch, wie der CEO von Blue Origin Dave Limp bekanntgab, vollständig ersetzt um einige Verbesserungen zu testen. Die Triebwerke von NG-2 sollen aber bei einem späteren Flug wieder zum Einsatz kommen. Natürlich kann von einer wirtschaftlichen Wiederverwendung eher erst geprochen werden wenn diese die Wiederverwendung der Triebwerke einschließt, da diese im Allgemeinen zu den teuersten Komponenten eines Trägers zählen. Aber Angesichts der noch sehr niedrigen Anzahl von geflogenen Triebwerken ist es sehr verständlich wenn man diese nun sehr genau prüfen möchte und auch das man bereits Neuerungen vorliegen hat, die man erproben möchte. Vielleicht muß man auch daran denken wie viele Iterationen des Triebwerkdesigns und auch des Trägers der größte Mitbewerber bei seinem Träger, der die Wiederverwendung geschafft hat, durchgeführt hat.

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Die Struktur des Boosters „Never Tell Me the Odds“ wurde wiederaufbereitet, aber auch der nächste für den Einsatz bestimmte Booster „No, It’s Necessary“ ist, nach einer Veröffentlichung von Dave Limp, schon fast fertiggestellt. Auch wenn es dazu von Blue Origin noch keine Bestätigung gibt, dürfte dieser Booster wohl für den Start des Blue Moon MK1 Pathfinder vorgesehen sein.
Wer wissen will woher die Namen der Booster kommen, der kann dies in der deutschen Wikipedia im Artikel über die New Glenn unter „Verwendete Booster“ nachlesen.
Static Fire fand am 16. April statt
Am 12. April wurde die New Glenn mitsamt seiner Nutzlast, dem Bluebird Block 2 FM 2, oder Bluebird 7 Satelliten von AST SpaceMobile zum LC-36 transportiert. Am Donnerstag den 16. April konnte Blue Origin einen Static Fire der New Glenn durchführen. Ca. 5 Sekunden vor Beginn des Tests wurde das Sound Supression System in Betrieb genommen. Um 13:45 MESZ wurden daraufhin alle 7 BE-4 Triebwerke für ca. 20 Sekunden auf Volllast betrieben.
Die Nutzlast
Transportiert wurde ein BlueBird Block 2 Satellit. Dieser wird Teil der Satellitenkonstellation von AST SpaceMobile, welche zukünftig aus bis zu 60 Satelliten bestehen soll. Die Block 2 Satelliten stellen eine höhere Bandbreitenkapazität als die aktuellen BlueBird Block 1 Satelliten bereit. Das Ziel ist eine durchgehende 24/7-Mobilfunk-Breitbandabdeckung anzubieten.
Es wird eine nahezu gesamtstaatliche Abdeckung der USA mit über 5.600 Zellen aus dem Weltraum angestrebt. Die Satelliten sind darauf ausgelegt, Datenübertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 120 Mbit/s zu erreichen, wodurch Sprach-, Daten- und Videokommunikationsmöglichkeiten für Endbenutzer ermöglicht werden soll.

Credit: Blue Origin

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Starttag 19. April 2026, Startfenster von 12:45 bis 14:45 MESZ
Die Betankung verlief reibungslos, um 11:45 MESZ stand sie startbereit auf dem Pad. Um 12:30 MESZ erfolgte der Go/NoGo Poll. Und Alles war auf Go. Countdown verlief auch ungestört bis T-3:57. Zu diesem Zeitpunkt wurde ein Hold ausgelöst. Grund wurde keiner bekannt gegeben. Kurz nach 13:00 MESZ wurde der Countdown auf L-22:00 gestellt, was aber in diesem Fall auch T-22:00 war.
Dieses mal gab es keine Unterbrechung mehr. Bei T-00:10 wurde das Sound Supression System aktiviert und Wassermassen überfluteten geradezu das Pad. Und bei T-00:00 wurden die Triebwerke gezündet. Der untere Teil der New Glenn verschwand in Gischt und Nebel. Nach dem Passieren des Startturms hatte man aber wieder unbeeinflußten Blick auf den Booster.
Der Start war absolviert.

Credit: Blue Origin
Bei T+01:40 wurde MaxQ erreicht. Nach 3 Minuten im Flug standen mehrere Ereignisse an. Bei T+3:05 erfolgte das Abschalten der Erststufentriebwerke, bei T+3:09 die Stufentrennung und bei T+3:17 die Zündung der Zweitstufentriebwerke.
Bei T+03:44 hatte das Fairing seinen Dienst getan und wurde abgeworfen. Die Höhe der Erststufe stieg zu der Zeit noch, erreichte ihren Maximalwert und begann ihren Fall Richtung Erde. Bei T+07:07 wurde der Reentry Burn gestartet um die Geschwindigkeit des Boosters vor dem Auftreffen auf die Atmosphäre zu verringern. Die weitere Verlangsamung des Boosters wurde dann durch die Atmosphäre verursacht. Auch bei der New Glen konnte das schon bekannte Glühen der Triebwerkssektion in dieser Flugphase beobachtet werden.
Die Landefähre Jacklyn stand am Landeort bereit. Bei T+8:52 wurden drei Triebwerke für den Landingburn gestartet. Ob sie die Landefähre näher als letztes Mal anflog, konnte etwas schwer beobachtet werden. Nach einer kurzen Schwebephase, die von Rauch und Nebel verhüllt war, konnte „Never Tell Me the Odds“ aber bei T+09:42 aufgesetzt auf der Landefähre gesehen werden.
Damit hat „Never Tell Me the Odds“ erfolgreich ihren zweiten Start und ihre zweite Landung gemeistert.
Jubel von den Mitarbeitern konnte vernommen werden.

Credit: Blue Origin

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Die Oberstufe erleidet eine Fehlfunktion
Derweilen ging es etwas unter das die Oberstufe noch am Weg war. Bei T+13:09 wurden die Oberstufentriebwerke, bei einer Geschwindigkeit von 27127 Kilometer pro Stunde auf einer Höhe von 164 Kilometer deaktiviert.
Nach ungefähr einer Stunde und 10 Minuten im Flug sollten die Triebwerke der Oberstufe nochmals kurzzeitig aktiviert werden um die Nutzlast im geplanten Orbit auszusetzen. Bei dieser zweiten Zündung der Oberstufe muß es zu einem Problem gekommen sein.
Es wurde angegeben das die Nutzlast nicht im vorhergesehenen Orbit ausgesetzt wurde.
Blue Origin wird das Verhalten der Oberstufe prüfen und zu gegebener Zeit Ergebnisse bekanntgeben.
Es wird darauf ankommen, in welchem Orbit Bluebird 7 schließlich ausgesetzt wurde. Wenn dieser nicht sehr stark abweicht besteht die Möglichkeit mit Triebwerken des Satelliten einen funktionsfähigen Orbit, bei dann verringerter Lebensdauer, zu erreichen.
Hier ist man auf endgültige Angaben von Blue Origin angewiesen.
Leider trübt die Fehlfunktion der Oberstufe den ansonsten sehr erfreulichen Flug des New Glenn Boosters „Never Tell Me the Odds“.
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