Neuer solarer Flare sprengt alle Skalen

Gestern abend ist erneut ein gigantischer solarer Flare beobachtet worden, der an Stärke wahrscheinlich alle bisher beobachteten Flares übertroffen und die bisher zur Kategorisierung dieser Ereignisse verwendete Skala gesprengt hat.

Ein Beitrag von Michael Stein. Quelle: NASA.

SOHO -Aufnahmen des neuen solaren Flares.
(Foto: ESA/NASA)

Bei einem so genannten solaren Flare (engl. Flare = Fackel, aufflackern) werden in kurzer Zeit enorme Energiemengen vorwiegend als elektromagnetische Strahlung explosionsartig von der Sonne ausgestoßen. Ursache für diese Ereignisse sind Entladungen magnetischer Energien, die sich zuvor in der Atmosphäre der Sonne aufgebaut haben. Gestern abend um 20:50 Uhr (MEZ) ist in derselben Sonnenfleckenregion, von der auch die extrem starken Flares der letzten Woche ausgegangen sind, ein neuer solarer Flare ungeheurer Stärke beobachtet worden.

Solare Flares werden ihrer Stärke nach als C-, M- oder X-Klasse-Flares bezeichnet, wobei Flares der Klasse X die stärksten unter diesen solaren Phänomenen darstellen. Die drei Skalen sind ihrerseits noch einmal von 1 bis 20 unterteilt. Die beiden Flares der letzten Woche gehörten mit Stärken von X-10 und X-17,2 bereits zu den extrem starken Vertretern ihrer Gattung, doch der gestern beobachtete Flare scheint ersten Auswertungen zufolge derartig intensiv gewesen zu sein, dass er selbst in dieser Skala nicht mehr unterzubringen ist: X-“Was-auch-immer”, wie die Wissenschaftler des Sonnenobservatoriums SOHO in einer ersten Reaktion auf diesen gigantischen Ausbruch titelten.

Die enorme Gewalt dieses Flares zeigte sich beispielsweise dadurch, dass die Röntgenstrahlen-Detektoren der amerikanischen GOES-Erdbeobachtungssatelliten gestern für elf Minuten vollständig gesättigt waren, d.h. die obere Grenze ihres Messbereichs erreicht worden war.
Obwohl dieser Flare am Rand der von der Erde aus sichtbaren Hälfte der Sonne stattfand und somit (glücklicherweise) nicht auf unseren Planeten gerichtet war kam es dennoch zu Störungen des Funkverkehrs, die sich beispielsweise als teilweise massive Empfangsprobleme nordamerikanischer Radiohörer bemerkbar machten. In den kommenden Nächten werden aufgrund der Ionisierung der oberen Schichten der Erdatmosphäre wahrscheinlich auch wieder intensive Polarlichter auftreten. Auch die Satellitenbetreiber werden zum wiederholten Male bange Stunden hinter sich bringen bis klar ist, ob und welche Schäden an der Satellitenelektronik dieser neue Flare angerichtet hat.

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