Orbit des Ural-Meteoriten berechnet

Wissenschaftler haben ausgehend von Beobachtungen des über dem Ural niedergehenden Meteoriten die Parameter seiner ursprünglichen Bahn um die Sonne berechnet, meldet die britische Rundfunk- und Fernsehanstalt BBC am 26. Februar 2013.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: BBC.

Wikipedia / Antonsusi
Bahnen unterschiedlicher Asteroiden-Klassen
(Bild: Wikipedia / Antonsusi)

Die zahlreichen, von unterschiedlichsten Kameras an Fahrzeugen und Gebäuden sowie in mobilen Kommunikationsgeräten am 15. Februar 2013 aufzeichneten Filme machten es angeblich möglich, den exakten Weg des Meteoriten durch die Atmosphäre der Erde zu bestimmen und die ursprüngliche Bahn des Himmelskörpers um die Sonne zu rekonstruieren. Bilder von Verkehrsüberwachungssystemen lieferten durch exakte Zeitstempel offensichtlich willkommene Unterstützung.

Der niedergehende Meteorit hatte durch die von ihm verursachten Druckwellen für umfassende Gebäudeschäden beispielsweise in der Stadt Tscheljabinsk gesorgt. Zahlreiche Menschen waren verletzt worden, unter anderem sorgten umher fliegende Teile und Trümmer von Gebäuden für eine große Anzahl an Personenschäden.

Frühe Schätzungen gingen von einer ursprünglichen Masse des Meteoriten von rund 10 Tonnen aus. Die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtagentur nahm später eine Masse im Bereich zwischen 7.000 und 10.000 Tonnen an, sowie einen Durchmesser des Objekts von rund 17 Metern, berichtet die BBC.

Ausgehend von den Videoaufnahmen und der bekannten Einschlagstelle im See Tschebarkul konnten Jorge Zuluaga und Ignacio Ferrin von der staatlichen Universität von Antioquia (Universidad de Antioquia, U. de A.) in Medellín in Kolumbien unter Anwendung einfacher trigonometrischer Verfahren die Flughöhe, die Geschwindigkeit und die Position des Meteoriten beim Eintritt in die Erdatmosphäre berechnen, heißt es bei der Anstalt weiter.

Um auf die Bahndaten des ursprünglichen Sonnenorbit des Meteoriten zu schließen, betrachteten die Wissenschaftler laut BBC sechs verschiedene Aspekte des abschließenden Sturzes des Körpers durch die Erdatmosphäre. Dabei soll der Moment, in dem das Objekt in den verschiedenen Videoaufzeichnungen jeweils gerade hell genug für die Erzeugung eines sichtbaren Schattens wurde, eine maßgebliche Rolle gespielt haben.

Mit den aus ihren Überlegungen gewonnen Zahlen fütterten Zuluaga und Ferrin eine vom US Naval Observatory entwickelte Software, führt die BBC weiter aus. Die Software habe dann Werte ausgegeben, die zeigen, dass der Meteorit zu der bekannten Klasse der Apollo-Asteroiden gehörte. Alle Mitglieder dieser Klasse sind sogenannte Erdbahnkreuzer.

Bis dato kennt man laut BBC rund 9.700 Asteroiden, die der Erde nahe kommen können. Rund 5.200 von ihnen gehören zu der Klasse der Apollo-Asteroiden. Andere ordnet man, abhängig von den Eigenschaften ihrer Orbits, in Klassen wie Amor oder Aten ein. Asteroiden der letztgenannten Klasse kreuzen die Erdbahn ebenfalls, solche der Amor-Klasse tun es nicht.

Dr. Stephen Lowry von der Universität Kent (University of Kent) in Großbritannien glaubt nach Angaben der BBC auch, dass der jüngst über dem Ural niedergegangene Meteorit aus der Klasse Apollo stammt und vermutet eine Herkunft aus dem Asteroidengürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter. Der elliptische Orbit mit geringer Neigung spreche laut Lowry für eine Quelle innerhalb unseres Sonnensystems, mit zusätzlichen Daten könne man vielleicht sogar herausfinden, von wo im Asteroidengürtel das Objekt stammt.

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