Robonaut 2 erneut aktiv

Die Besatzung der ISS erfuhr in dieser Woche, dass nicht nur die russische Raumfahrtagentur Roskosmos, sondern auch die NASA die Rückkehr zum normalen Flugbetrieb am 14. November zur ISS plant. Man ist sich sicher, dass auf russischer Seite alle Maßnahmen erfolgreich waren, die ein Versagen der dritten Stufe der Sojus-Trägerrakete, wie das am 24. August bei einem Progress Start, verhindern. (Newsbild: Mike Fossum und Robonaut 2)

Ein Beitrag von Ralf Möllenbeck. Quelle: NASA, Raumfahrer.net, SFN. Vertont von Peter Rittinger.

NASA
Mike Fossum installiert das ARFTA
(Bild: NASA)

Am Anfang dieser Woche starteten Mike Fossum und Satoshi Furukawa die regelmäßige Wartung des Wasseraufbereitungssystems UPA WRS (Urine Processor Assembly/Water Recovery System). Dazu wurde ein zusätzliches Bauteil, das ARFTA (Advanced Recycle Filter Tank Assembly), an das WRS angeschlossen, um den Schmutzwassertank entleeren zu können. Weiterhin konnten so die Filter der Anlage trockengelegt werden, um diese anschließend auszubauen und zu reinigen. Im Columbus-Labormodul fand zu diesem Zeitpunkt ein Ventilationstest statt. Initiiert vom Columbus-Kontrollzentrum COL-CC, erfolgte eine Reihe von abgestuften Luftumwälzungen des CFA-1 (Cabin Fan Assembly 1), um deren Wirksamkeit zu prüfen. Ebenso wurden zwei Konfigurationen mit drei Lüftern in dem europäischen Labormodul geprüft, die bei einem unbemannten Flug der ISS nötig wären. Die Besatzung hatte während dieser rund achtstündigen Maßnahme Zutrittsverbot zum Modul, um die Testergebnisse nicht zu beeinflussen.

Im japanischen Forschungsmodul Kibo wurde erneut das Marangoni-Experiment gestartet. Es ist der 11. von insgesamt 24 Läufen in der Missionszeit der Langzeitbesatzung 29/30. Die hierbei erzeugte Flüssigkeitsbrücke ist trotz der Oberflächenspannung so empfindlich, dass dieses Experiment während der Schlafperiode der Raumfahrer laufen muss, um Schwingungen in den Modulen weitgehend zu vermeiden. Die Besatzung wurde vor dem Start der Experiment-Reihe entsprechend benachrichtigt und eingewiesen. Mike Fossum widmete etwas Zeit der Technologiedemonstration PACE (Preliminary Advanced Colloids Experiment). PACE bereitet das weiterführende Experiment ACE ( Advanced Colloid Experiment) im LMM (Light Microscopy Module) des Destiny-Moduls vor. Mit PACE wird bestimmt, inwieweit Vibrationen im Modul Einfluss auf die Vergrößerungsfähigkeit von hochauflösenden Fotos des LMM’s haben und damit die zu verwendende Partikelgröße beim ACE festzulegen ist.

NASA-TV
Mike Fossum überwacht R2
(Bild: NASA-TV)

In dieser Woche erfolgte die zweite Aktivierung von Robonaut 2, nachdem diese im September abgesagt werden musste. Mike Fossum und Satoshi Furukawa befreiten den menschenähnlichen Roboter, in Kurzform auch R2 genannt, aus seiner Stauposition im Destiny-Modul, befestigten ihn an seiner Halterung und stellten Strom und Datenverbindungen her. Jetzt konnte die Bodenmannschaft übernehmen. Sie starteten ein Programm zur Bewegung beider Arme und zur Aktivierung/Fokussierung der „Augen“, gemeint sind hier hochauflösende Kameras. Das Bewegen der Arme stand im Hauptinteresse der Programmierer, da hier eine Kalibrierung der Gelenksensoren in der Mikrogravitation erfolgen muss. Zum Einstellen dieser Gelenksensoren wurden mehrfach gleichbleibende Bewegungen durchgeführt, welche von Mike Fossum kontrolliert wurden. Zum Abschluss erfolgte der Befehl an die Arme die Stauposition einzunehmen. Die nachfolgende Demontage und Lagerung von R2 erfolgte durch zwei Besatzungsmitglieder.

Satoshi Furukawa führte im japanischen Forschungsmodul Kibo eine Inspektion des Experiment-Racks KOBAIRO durch. Hier sollte er den Ingenieuren am Boden helfen, die Ursache eines Kurzschlusses vom April in dem Heizelement des Brennofens zu bestimmen. Dafür öffnete er die Frontabdeckung des Experimentalschrankes und fertigte Videoaufnahmen des Innenraums an. Weiterhin schoss er Fotos der Verbindungen am Heizelement. Es besteht die Vermutung, dass zwischen einem Heizungsflansch und einem Sicherungsdraht ein unbeabsichtigter Kontakt besteht. Zur Forschung enthält KOBAIRO einen Vakuumbrennofen mit drei Heizungsblöcken, deren Positionen und Temperaturen unabhängig voneinander gesteuert werden können. Verschiedene Temperaturprofile sollen zur Herstellung und Erforschung von qualitativ hochwertigen Kristallen genutzt werden. Zur Sicherstellung der geplanten Bahnanhebungen am 19. und 26. Oktober wurde zusätzlicher Treibstoff von Sarja-Modul (FGB=Functional Cargo Block) zum Swesda-Modul (SM=Service Module) transferiert.

NASA
Sergej Wolkow bei der Wartung des Laufbandes TVIS
(Bild: NASA)

Im russischen Stationsteil hatte Sergej Wolkow, zeitweise unterstützt von Satoshi Furukawa, alle Hände voll zu tun. Alleine musste er hier die Systeme und Experimente betreuen. Er aktivierte den Sauerstoffgenerator Elektron-VM, zuerst die Speichervolumen-Kompression durchführend und anschließend die Außentemperatur der Reinigungseinheit für 10 Minuten überwachend. Weiter führte er etliche Wartungsarbeiten im russischen Segment, wie zum Beispiel die des SOZh-Systems (Lebenserhaltung und Umweltkontrolle), durch. Kurz vor der Nachtruhe, verbrachte Sergej Wolkow etwas Zeit mit dem russischen SONOCARD-Experiment, dass physiologische Funktionen eines Besatzungsmitgliedes während des Schlafes ohne direkten Kontakt auf der Haut registriert. Für seine 5. Experiment-Sitzung legte er ein Sporthemd mit entsprechenden Sensoren und eine Gerätetasche zur Erfassung der Daten an. Diese werden auf der Erde ausgewertet und könnten als Basis dienen, die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Körpers bei Langzeitflügen zu bewerten und vorauszusagen.

Zum Ende dieser Woche verwendete ISS-Kommandant Mike Fossum einen Teil seiner Zeit zur Behebung eines Problems mit dem Satellitenkommunikationssystem. Dafür installierte er für die japanischen Kontrolleure im Missionszentrum am Tsukuba Space Center in Japan ein Überbrückungskabel im Kibo-Labormodul. Damit wurde wieder die vollständige Verbindung zu den System-, Wissenschafts- und Videodaten im Modul hergestellt. Erneut ersetzte und konfigurierte er Ausrüstung im Experimentalschrank für Verbrennungsexperimente (CIR = Combustion Integrated Rack), einer Vorrichtung zur Erforschung von Verbrennungsvorgängen in der Schwerelosigkeit. Es ist damit möglich, flüssige, tröpfchen- oder gasförmige Kraftstoffe zu verbrennen und die Abgase wissenschaftlich auszuwerten. Zusätzlich kann in der Verbrennungskammer ein fast vollständiges Vakuum oder ein Überdruck für den Versuchsablauf erzeugt werden. Der Nutzen dieses Experimentes soll der Feuersicherheit in Raumfahrzeugen und der Optimierung von Kraftstoffen auf der Erde zu Gute kommen.

Mittlere Bahnhöhe der ISS am 12.10.2011:385,9 km bei einem Höhenverlust von rund 127 Metern in den letzten 24 Stunden

Zukünftige Ereignisse:

  • 19. Oktober, Bahnanhebung durch die Triebwerke von Swesda
  • 26. Oktober, Bahnanhebung durch die Triebwerke von Swesda
  • 29. Oktober, Progress-M 10M verlässt die ISS
  • 02. November, Progress-M 13M erreicht die ISS
  • 16. November, Sojus-TMA 22 erreicht die ISS

Raumcon:

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