Rückkehrvorbereitungen, Wartung und Forschung

Diese Woche startete mit einem amerikanischen Feiertag, dem „Tag der Arbeit“, welcher in den USA an jedem ersten Montag im September begangen wird. Die ISS-Besatzung konnte daher ein Dreitage-Wochenende mit verminderten Arbeitsaufgaben genießen. (Newsbild: Hurrikan Katia über dem Atlantik)

Ein Beitrag von Ralf Möllenbeck. Quelle: NASA, Raumfahrer.net.

NASA
Alexander Samokutjajew trainiert mit ARED
(Bild: NASA)

Die Mannschaft von Sojus-TMA 21 setzte in dieser Woche ihre Rückkehrvorbereitungen zur Erde für den 16. September fort. Andrej Borisjenko und Alexander Samokutjajew gingen dafür die Rückkehrprozeduren mit den Fachleuten der Bodenstation durch. Im Anschluss wurden diese in der Sojus-Kapsel trainiert, etwas Rückkehrfracht in der Landekapsel sowie nicht mehr benötigten Gegenstände im Orbitalmodul verstaut. Später nutzten sie die russische Tschibis-Anzughose, um die Wirkung der Schwerkraft zu simulieren. Dabei wirkt ein Unterdruck auf den unteren Teil des Körper, um die Muskeln in den Beinen und damit den Kreislauf für die Rückkehr in die Schwerkraft vorzubereiten. Zwei Wochen vor der Rückkehr begannen die Raumfahrer, zusätzlich Vitamine und spezielle Nahrungsmittelzusätze einzunehmen sowie ihr Trainingsprogramm zu intensivieren. Am Landungstag kommen noch extra Salzlösungen auf den Speiseplan, um eine Dehydrierung bei der Landung zu vermeiden.

Im Wochenverlauf führten die drei Besatzungsmitglieder von Sojus-TMA 21 eine Überprüfung ihrer russischen Sokol-Fluganzüge durch. Dafür legten sie die Anzüge an, nahmen in den Kazbek-UM-Schalensitzen der Rückkehrkapsel platz und führten Dichtigkeits- und Funktionstests durch. Nach dieser 45 Minuten dauernden Anprobe wurden die Fluganzüge ausgezogen und zusammen mit den Handschuhen zum Trocken gestaut. Michael Fossum hatte währenddessen die Aufgabe, Frachtanteile aus dem permanenten Mehrzweckmodul Leonardo (PMM) in den Forschungsmodulen zu verstauen. Weiter forderte das Universal-Trainingsgerät ARED ein Teil seiner Zeit. Ein Problem mit dem Anzeigedisplay machte hier den Austausch eines Datenkabels erforderlich. Die Besatzung hatte erneut die Gelegenheit zur Erdbeobachtung. Ziele waren diesmal der Hurrikan Katia und Flächenbrände im zentralen Texas.

NASA-TV
Dextre arbeitet am RRM (Animation)
(Bild: NASA-TV)

Während die Besatzung schlief, arbeitete die Bodenkontrolle erneut mit Canadarm2 (SSRMS) und seiner Erweiterung Dextre (SPDM) an der Außenseite der ISS. Die beiden Nutzlasten CTC-2 (Cargo Transport Container) und RRM (Robotic Refueling Mission) wurden nun von Dextres Arbeitsplattform gelöst und an ihrem endgültigen Stauplatz an der Außenplattform ELC-4 befestigt. Das Funktionieren der Strom- und Datenverbindungen wurde bereits bestätigt. Einige Tage später wurden mit Hilfe von Dextre die Startsicherungen an RRM entfernt. RRM ist eine Art Satelliten-Mockup, an dem man mit Dextre Betankungen von Raumfahrzeugen im All simulieren und testen möchte. Für die Zeit der Arbeiten mit dem Robotic-Arm waren die russischen Lagekontrolltriebwerke deaktiviert, um unnötige Schwingungen an der Station zu vermeiden. Als nächstes sind hier im Außenbereich Tests der Kameras von Dextre geplant.

Der japanische Raumfahrer Satoshi Furukawa hatte in dieser Woche verschiedenste Aufgaben zu bewältigen. So brachte er vorbereitend auf eine Live-Sendung am 18. September eine hochauflösende HDTV-Kamera plus den dazugehörigen Konverter vom Kibo-Modul in das Beobachtungsmodul Cupola bzw. in das Destiny-Labormodul. Später vervollständigte er die Ausrüstung mit einem 17-mm-Objektiv, einer 32-GB-Speicherkarte und führte einige Testaufnahmen durch. Er aktivierte eine weitere HD-Kamera, als er im Kibo-Modul an einer simulierten medizinischen Fernuntersuchung für Besatzungsmitglieder teilnahm. Seine weiteren Aufgaben beinhalteten die Bedienung der Verschlussfenster des Erdbeobachtungsracks WORF (Window Observational Research Facility), die wöchentliche Inspektion plus Wartung der CGBA-4 und CGBA-5 (Commercial Generic Bioprocessing Apparatus) in ihren Racks, die Einrichtung der Videoausrüstung zur Beobachtung des FSL (Fluid Science Laboratory) im Columbus-Modul und das Bereinigen des Stauraumes für das SLAMMD (Space Linear Acceleration Mass Measurement Device), einem Gerät zur Massenermittlung von Menschen im All, ebenfalls im Columbus-Forschungsmodul.

NASA
Das VETEROK-Messgerät in Rasswjet im Einsatz
(Bild: NASA)

In der zweiten Wochenhälfte fuhren die drei Rückkehrer, Andrej Borisjenko, Ronald Garan und Alexander Samokutjajew, mit ihren Vorbereitungen zum Ablegen mit Sojus-TMA 21 fort. Sie absolvierten eine Anprobe ihrer „Kentavr anti-G“-Kleidung. Diese spezielle Kleidung, bestehend aus Shorts, Gamaschen, Unterhose, Trikot und Socken, wird unter den Sokol-Fluganzügen getragen. Sie soll den Langzeitraumfahrern die Wiederanpassung an die Schwerkraft der Erde erleichtern und gleichzeitig Kreislaufstörungen nach der Landung verhindern. Im russische Kopplungs- und Ausstiegsmodul Poisk wurde die ordnungsgemäße Funktion des Kopplungsadapters geprüft. Später führte hier Sergej Wolkow eine Prüfung und Wartung der zum russischen SPOPT (Feuermelde- und Löschsystem) gehörenden Sensoren IDZ-2 durch.

Im Columbus-Modul absolvierte Michael Fossum seine FD90-SPRINT-Untersuchung (FD90 = Flugtag 90). Zum Einsatz kam hier SPRINT, was für Integrated Resistance and Aerobic Training Study steht – entsprechende Hardware des HRF-Rack-1 (Human Research Facility) unter Zuhilfenahme des Ultraschall-Scanners USND-2 (Ultrasound 2) und eines VPC (Video Power Converter). Die Vermessung der Beinmuskeln per Ultraschall soll hier eine bessere Beurteilung von intensivem Training und langsam ausgeführten Übungen bezüglich des Muskel- und Knochenabbaus, sowie der kardiovaskulären Funktionen der Raumfahrer erlauben. Alexander Samokutjajew nahm im russischen Stationsteil das Forschungsgerät TEKh-38 VETEROK (“Breeze”) in Betrieb. Ziel dieser Messung der Luftionenkonzentration in der Nähe der Transferluken ist die Bewertung und Verbesserung der Luftzirkulation zwischen den Modulen. Weiter soll so die ordnungsgemäße Funktion der elektrostatischen Luftfilter kontrolliert werden. Die Messperioden in den Modulen Swesda, Poisk und Rasswjet dauerten jeweils 1,5 Stunden. Die Übergabe des Kommandos der Station von Andrej Borisjenko an Michael Fossum ist für den 14. September gegen 23:45 Uhr MESZ geplant.

Mittlere Bahnhöhe der ISS am 07.09.2011: 385,1 km bei einem Höhenverlust von rund 74 Metern in den letzten 24 Stunden

Zukünftige Ereignisse:

  • 14. September, Kommandoübergabe Borisjenko/Fossum
  • 16. September, Sojus-TMA 21 verlässt die ISS (geplant)
  • 06. Oktober, Bahnanhebung durch Swesda-Triebwerke (geplant)
  • 13. Oktober, Progress-M 10M verlässt die ISS (geplant)
  • 16. Oktober, Progress-M 13M erreicht die ISS (geplant)

Raumcon:

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