Sentinel: Private Sonde bald auf Asteroidensuche?

Eine US-amerikanische Stiftung plant, bis 2017 ein privat finanziertes Teleskop ins All zu schießen. Es soll Asteroiden suchen, die der Erde gefährlich werden könnten.

Ein Beitrag von Karl Urban. Quelle: B612 Foundation.

Das Weltraumteleskop Sentinel (Grenzwächter) soll einen blinden Fleck bei der Suche nach Asteroiden abdecken. Nach ihnen spähen nämlich bislang fast nur erdgestützte Teleskope. Doch ihnen entgeht alles, was sich aktuell hinter der Sonne bewegt.

Ball Aerospace & Technologies / B612 Foundation
Die geplante Umlaufbahn von Sentinel um die Sonne – das von ihm anvisierte Beobachtungsfeld ist von der Erde aus nicht zu beobachten.
(Bild: Ball Aerospace & Technologies / B612 Foundation)

Das 1,5 Tonnen schwere Teleskop soll deshalb ins innere Sonnensystem starten und nach einem Swingby-Manöver an der Venus rund 270 Millionen Kilometer von der der Erde entfernt postiert werden. Hier soll es einen ungetrübten Blick auf alle Asteroiden haben, die von der Erde nur schwer zu entdecken sind. Rund 90 Prozent aller Körper größer als 140 Meter soll Sentinel aus seinem Sonnenorbit aufspüren können. Der vermutete Einschlagskörper im sibirischen Tunguska aus dem Jahr 1908 dürfte nur unwesentlich kleiner gewesen sein. Vergleichbare Einschläge könnten bei rechtzeitiger Entdeckung heute abgewehrt werden.

Die Pläne für das private Teleskop sind bereits ausgearbeitet. – Sentinel soll mit kryogen gekühlten Infrarotsensoren ausgestattet sein, die besonders kalte und lichtschwache Objekte abbilden. Über einen 50 Zentimeter großen Spiegel soll es alle 26 Tage den Himmel komplett durchmustern, bevor es wieder von vorn beginnt. Am Ende sollen Forscher aus den Daten herausrechnen, wie sich die schwachen Lichtpunkte bewegen, um schließlich ihre Bahnen zu berechnen.

Ball Aerospace & Technologies
Aufbau der Sentinel-Mission: Der Entwurf orientiert sich am Spitzer Infrarotteleskop sowie dem Kepler-Teleskop der NASA.
(Bild: Ball Aerospace & Technologies)

Zumindest technisch dürfte das Team der B612-Stiftung den Plan umsetzen können – trotz ihres Namen: B612 heißt der Heimatplanet des kleinen Prinzen im gleichnamigen Roman von Antoine de Saint-Exupéry. Für die Stiftung arbeiten allerdings ehemalige NASA-Astronauten, Astronomen und frühere Manager von Raumfahrtinstituten. Sie alle hätten erkannt, dass die öffentlichen Gelder für die US-Raumfahrt heute rar sind. „Sie sind, wie sie sind“, sagt etwa der Shuttle-Veteran und Stiftungsvorsitzende Ed Lu. Besonders bei planetaren Missionen hatte die NASA nach Budgetüberschreitungen in den letzten Jahren mehrfach gekürzt.

Für Sentinel muss die B612-Stiftung nun allerdings zahlungskräftige Geldgeber finden. Wissenschaftliche Forschung mithilfe von Spendern zu finanzieren, ist kein völlig neuer Ansatz. Doch in dieser Größenordnung ist es ein Novum: Einige hundert Millionen US-Dollar soll ihre Mission kosten. Der genaue Preis werde gerade mit dem Raumfahrtkonzern Ball Aerospace & Technologies verhandelt. Das Unternehmen spendierte vorab immerhin die aktuellen Pläne für Sentinel, da es selbst einige Erfahrung mit vergleichbaren Aufträgen von der NASA besitzt. Ball entwickelte zuvor das Infrarotteleskop Spitzer oder das milliardenteure James Webb-Teleskop.

Trotz dieser immensen Missionskosten preist die B612-Stiftung die großen Kostenvorteile ihres privaten Teleskops an. Immerhin sei der Betrag allein durch die Wahl der günstigen Rakete Falcon 9 des privaten Anbieters Space X stark verringert worden. Auch Fortschritte bei Bau und Betrieb von Bordcomputern und Infrarotsensoren mache Sentinel heute vergleichsweise günstig.

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