Starkes Europa in der Raumfahrt der Zukunft geplant

Eine viermonatige Konsultation über die Zukunft Europas in der Raumfahrt endete heute mit einer Schlußkonferenz in Paris, auf der die Versammelten eine erhebliche Verstärkung der europäischen Anstrengungen in der Weltraumforschung und einen erweiterten institutionellen Rahmen forderten.

Ein Beitrag von dominikpuckert. Quelle: ESA.

Die 4-monatigen Konsultationen wurden am 24. Juni beendet (Foto: ESA)

Claudie Haigneré, die französische Ministerin für Forschung und Neue Technologien, und Letizia Moratti, die italienische Ministerin für Bildung, Hochschulwesen und Wissenschaftliche Forschung, die ebenfalls an der Konferenz teilnahmen, schlugen konkrete Maßnahmen zur Verwirklichung der Ziele Europas in der Raumfahrt vor. Als vorrangig wurden auf der Konferenz auch eine bessere Koordinierung zwischen allen Sektoren auf EU- und internationaler Ebene, die Sicherung eines eigenständigen Zugangs Europas zum Weltraum und ein flexibles System zur Finanzierung der Programme bezeichnet. Die Teilnehmer unterstrichen die Notwendigkeit der Entwicklung von Weltraumtechnologien wie satellitengestützte Internetverbindungen und Sicherheitsanwendungen. Die Konferenz erarbeitete Beiträge für das angekündigte EU-Weißbuch über Weltraumpolitik, das die Europäische Kommission im Oktober 2003 veröffentlichen will.
Eine breite Konsultation
Andere prominente Teilnehmer der Konferenz waren der designierte Generaldirektor der ESA, Jean-Jacques Dordain, der sein Amt am 1. Juli 2003 antreten wird, der ehemalige schwedische Premierminister Carl Bildt und Ministerialdirigent Herbert Diehl vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung. Einige europäische Astronauten waren ebenfalls anwesend.

Zu der Konferenz waren über 400 Vertreter aus der Politik, Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft zusammengekommen. Sie bot Gelegenheit, aus den mehreren Tausend Beiträgen, die im Rahmen der Konsultation eingegangen waren, entscheidende Erkenntnisse zur Bestimmung der Handlungsprioritäten und zur Planung konkreter Maßnahmen zu gewinnen, die notwendig sind, um Europas Rolle in der Raumfahrt zu verstärken und die Nutzung des Weltraums im Dienste der europäischen Bürger soweit wie möglich zu fördern. Ein entsprechender Aktionsplan soll in einem Weißbuch der EU Ende 2003 veröffentlicht werden.
Wirtschaftliche Bedeutung
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Raumfahrt dürfen nicht übersehen werden. Das amerikanische Verteidigungsministerium rechnet damit, daß bis zum Jahr 2010 die Zahl der die Erde umkreisenden Satelliten von heute 600 auf über 2000 anwachsen wird. Im selben Zeitraum dürften sich die amerikanischen Investitionen auf rund 500 Milliarden Dollar belaufen. In Europa wird geschätzt, daß im Jahr 2010 die Raumfahrtindustrie und die damit verbundenen Aktivitäten etwa 10 % des Bruttoinlandsprodukts ausmachen werden. Andererseits ist das Fördervolumen für raumfahrtrelevante Forschung und Entwicklung in Europa sechsmal niedriger als in den USA, wo die NASA und das Verteidigungsministerium den Großteil der Finanzmittel bereitstellen.

Was befürworten die Raumfahrtakteure?Auf die Konsultation ging eine Vielfalt von Beiträgen aus ganz Europa ein. Im Rahmen einer offenen, transparenten und demokratischen Debatte zeichnete sich ein breiter Konsens über eine Reihe von Schlüsselaktionen ab; hierzu gehören:

· Erweiterung des institutionellen Rahmens der Weltraumpolitik, gegebenenfalls durch Schaffung eines Rates der Raumfahrtminister;

· Einsatz derselben Satellitensysteme sowohl für Zivil- als auch für Verteidigungs- und Sicherheitszwecke (Mehrzwecksysteme); · Schaffung eines institutionellen Marktes, der die Bedeutung der Raumfahrt zur Verwirklichung zivilpolitischer Ziele wie Kommunikation und Navigation anerkennt;

· eigenständiger, verläßlicher und erschwinglicher Zugang zum Weltraum durch das Programm für den Garantierten Zugang Europas zum Weltraum (EGAS); · Notwendigkeit einer Europäischen Sicherheits- und Verteidigungsagentur;

· verbesserte Laufbahnaussichten und Fort- und Weiterbildung für in Weltraumforschung und -technik Beschäftigte; · Verdoppelung der Fördermittel für die europäische Forschung;

· Abstimmung der Datenerfassung und -verarbeitung auf europäischer Ebene und Hilfestellung der Kommission für ein leistungsfähiges Datenverarbeitungssystem für Klimavorhersagen und die Überwachung globaler Veränderungen; · Ausgestaltung der Internationalen Raumstation als Stützpunkt für Schwerelosigkeitsforschung;

· weitere Unterstützung für das Aurora-Programm der ESA, das in den nächsten 30 Jahren unter anderem eine bemannte Mission zum Mars anvisiert; · Entwicklung weltraumtechnischer Anwendungen zur Förderung des technologischen und wissenschaftlichen Fortschritts und der Sicherheit der Bürger;

· Einführung eines Programms für nahtlose Breitbandkommunikation für jedermann in Europa und · Unterstützung des Erweiterungsprozesses und der europäischen Integration durch Satellitentechnologien und gemeinsame politische Ziele.

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