Ulysses: Sonnenwind so schwach wie nie

Nach fast achtzehn Jahren oder dem Vierfachen der ursprünglichen Lebenserwartung und der dritten Umrundung der Sonne über deren Pole liefert die Sonde Ulysses, ein europäisch-amerikanisches Gemeinschaftsprojekt, noch immer interessante wissenschaftliche Daten.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: ESA.

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Die Sonde im Test bei ESTEC
(Bild: ESA)

Jüngste Daten von der am 6. Oktober 1990 nach dem Aussetzen aus der Ladebucht des Shuttles Discovery (Flug STS-41) gestarteten Sonde zeigen, dass der Ausstoß von Sonnenwind durch die Sonne auf den geringsten Wert seit der Aufnahme akkurater Messungen zu Beginn des Raumfahrzeitalters überhaupt gesunken ist, teilte die Europäische Weltraumorganisation ESA am 23. September 2008 mit.

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Missionslogo STS-41
(Bild: ESA/NASA)

Der Sonnenwind dehnt sich über unser Sonnensystem aus, reicht bis über die Bahnen der äußeren Planeten hinaus und hat in Summe etwa blasenförmige Gestalt. Er besteht aus einem Strom geladener Teilchen, die von den oberen Schichten der Sonnenatmosphäre in den Raum geschleudert werden.

Auf alle Planeten unseres Sonnensystems hat der Sonnenwind Auswirkungen, so ist er beispielsweise für das Auftreten von Polarlichtern, Defekte von Raumfahrzeugen und Ausfälle von Energieversorgungs- und Kommunikationsnetzen auf der Erde verantwortlich.

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So verließ Ulysses die Bahnebene der Planeten.
(Bild: ESA)

Sein Ausbreitungsbereich wird auch gleichgesetzt mit dem Raumbereich unseres Sonnensystems. Dort, wo der Sonnenwind endet bzw. abgebremst wird, ist die Grenze unseres Sonnensystems im All.

Diese Grenze, die als Heliopause bezeichnet wird, umgibt unser Sonnensystem, die Heliospäre da, wo der Sonnenwind gerade nicht mehr stärker ist als die Strahlung, der Wind von den anderen Sternen. Ein signifikanter Anteil der kosmischen Strahlung aus unserer Galaxie kann nicht bis in unser Sonnensystem eindringen. Ein besonders schwacher Sonnenwind bedeutet, dass ein größerer Teil der Strahlung von außerhalb bis in unser Sonnensystem vordringen kann.

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Die dritten Umkreisung der Sonne über die Pole
(Bild: ESA)

Die Sonde Ulysses wurde entworfen, die Heliosphäre und insbesondere die Sonne und deren Wirken auf das umgebende System zu untersuchen. Dafür wurde sie nach dem Start und mittels eines Flybys am Planeten Jupiter aus der Bahnebene der Planeten heraus und in eine Umlaufbahn um die Sonne über deren Pole gesteuert.

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Sonnenwind gemessen bei drei Umrundungen
(Bild: ESA)

2007 startete Ulysses ihre dritte Messkampagne mit der Aufzeichnung von Daten über Sonnenwind und Magenetfeld der Sonne, beginnend über dem Südpol bis über den Nordpol der Sonne hinaus. Eine wesentliche Veränderung der Geschwindigkeit des Sonnenwinds wurde nicht gemessen, aber Dichte und Stahlungsdruck waren deutlich geringer. Im Vergleich zu früheren Messungen wurden eine um zwanzig Prozent niedriger Kraft des Sonnenwinds und um sechsunddreißig Prozent niedrigere Feldstärken in der Nähe der Sonde festgestellt.

Gewöhnlich wechseln sich bei der Sonne Perioden mit geringer und mit stärkerer Aktivität regelmäßig ab. Im Augenblick befindet sich die Sonne in einer Periode geringerer Aktivität, die bereits deutlich länger andauert, als irgendwer erwartet hat.

Aus der Untersuchung der nun eindringenden kosmischen Strahlung verspricht man sich Erkenntnisse, die beim Bau von unbemannten interplanetaren Raumfahrzeugen und bei der Findung neuer Dosisbeschränkungen für Raumfahrer, die sich in niedrigen Erdumlaufbahnen aufhalten, berücksichtigt werden können.

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