Weltraumtourismus – Möglichkeiten und Visionen

Die Tiroler Tageszeitung meldete am 18. Juli 2012, der Weltraumtourismus habe begonnen. Die ersten zahlenden Kunden flogen jedoch bereits vor Jahren ins All. Heute bietet sich Interessierten allerdings eine größere Bandbreite buchbarer Events.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: Raumfahrer.net, Tiroler Tageszeitung.

DLR
Parabelflug mit Stefan Aust (Mitte) vom Magazin Spiegel
(Bild: DLR)

Schon für rund 5.000 Euro ist es möglich, während einiger Sekunden Schwerelosigkeit zu erleben, berichtete die Tiroler Tageszeitung. Die dazu erforderlichen Parabelflüge erfolgen mit entsprechend umgerüsteten Passagier- oder Frachtflugzeugen. Zahlendes Publikum kann seit einer Reihe von Jahren solche Flüge absolvieren, die ursprünglich als Trainingsmöglichkeit für Astronauten konzipiert wurden.

Seit einer Reihe von Jahren bewirbt Virgin Galactic suborbitale Flüge mit dem SpaceShipTwo. Das Fluggerät, das mit rund 100 Kilometern Flughöhe zwar die Grenze zum Weltraum erreicht, für eine stabile Erdumlaufbahn jedoch deutlich zu langsam unterwegs ist und deshalb auch nicht, wie es die Tiroler Tageszeitung tat, missverständlich als Weltall-Taxi bezeichnet werden sollte, könnte nach aktuellen Ankündigungen vielleicht 2013 zum ersten Mal abheben. Mit der Entwicklung des SpaceShipTwo, das auf der Konstruktion des SpaceShipOne und den Erfahrungen mit einigen wenigen nicht ungefährlichen Testflügen mit dem letztgenannten Vehikel aufbaut, liegt Virgin Galactic Jahre im Rückstand. Umgerechnet rund 163.000 Euro sollten Interessierte in der Tasche haben, wollen sie sich einen Hüpfer ins All mit dem SpaceShipTwo leisten, ergab eine Anfrage der Zeitung bei Virgin Galactic.

NASA
Transhab-Modul über der Erde – Illustration
(Bild: NASA)

Über wesentlich opulenter gefüllte Geldtaschen müssen Gäste eines von Bigelow Aerospace projektierten Weltraumhotels verfügen. Für einen ungenannten Zeitraum im Hotel wären nach Angaben der Tiroler Tageszeitung inklusive Anreise 20 Millionen Euro fällig. Bei der Konstruktion der Wohneinheiten greift Bigelow Aerospace auf ein Transhab genanntes Konzept der US-amerikanischen Raumfahrtagentur (NASA) für entfaltbare Wohnmodule im Weltraum zurück. Entsprechende Patente hat Bigelow Aerospace erworben und hofft, dass ab 2015 ein Habitat mit entfaltbaren Wohneinheiten um die Erde kreist.

NASA
Die ISS mit Zubringern und Versorgern im All
(Bild: NASA)

Bereits um die Erde kreisen kann man während eines Aufenthalts an Bord der Internationalen Raumstation (ISS, International Space Station). Das Unternehmen Space Adventures organisiert für jeweils 40 Millionen Euro Flüge zur ISS, fand die Tiroler Tageszeitung heraus. Die nächsten Flugmöglichkeiten für Privatpersonen gibt es nach Informationen der Zeitung zwischen 2014 und 2017. Egal wie zahlungsfähig Interessierte an einem Besuch der ISS sind: Ob und in welchem Umfang Touristen die komplexe Hochtechnologie-Forschungseinrichtung – um eine solche handelt es im Falle der ISS – betreten können, steht regelmäßig in den Sternen. Die an der Station beteiligten internationalen Partner haben sich durchaus ändernde, immer wieder neu zu diskutierende Standpunkte, was den Aufenthalt von Privatpersonen an Bord angeht.

Erster Privatmann an Bord der ISS war schon im Jahr 2001 der Raumfahrtingenieur und spätere Finanzmakler Dennis Tito. Ihm folgte 2002 der Unternehmer Mark Richard Shuttleworth. Der Physiker und Unternehmer Gregory Hammond Olsen bezahlte rund 16,6 Millionen Euro, um als dritter Privatier die ISS betreten zu dürfen. Er tat das im Jahr 2005. Die Unternehmerin Anousheh Ansari besuchte die ISS 2006. Der Programmierer und Softwareentwickler Charles Simonyi flog zum ersten Mal 2007 zur ISS und wurde 2009 zum ersten Weltraumtouristen, der einen zweiten Besuch der ISS durchführen durfte. Richard Allen Garriott, Softwareentwickler und Sohn des Skylab– und Space-Shuttle-Astronauten Owen Garriott, wurde 2008 zur sechsten Privatperson, der ein Aufenthalt auf der ISS vergönnt war. Guy Laliberté, Eigentümer des Cirque du Soleil, war es rund 23,7 Millionen Euro wert, 2009 einige Tage auf der ISS zu verbringen.

NASA
Russische Station MIR im All
(Bild: NASA)

In der Vergangenheit boten sich für Menschen ohne ausgiebige Astronautenausbildung bereits andere Möglichkeiten, einige Tage im Weltraum zu zubringen. Der Journalist Toyohiro Akiyama verbrachte 1990 im Auftrag seines Arbeitgebers, der japanischen Fernsehgesellschaft Tokyo Broadcasting System (TBS), einige Tage auf der russischen Raumstation MIR. Die NASA ermöglichte Kongressmitgliedern, Lehrern und Mitarbeitern von Luft- und Raumfahrtkonzernen die Teilnahme an Missionen der mittlerweile außer Dienst gestellten Space Shuttles.

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