Wie rund ist die Sonne?

Welche Abweichungen die Oberfläche der Sonne von der ideal runden Form hat, wurde in den zurückliegenden Monaten mit Hilfe von Daten des Sonnenüberwachungssatelliten HESSI untersucht.

Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: NASA.

NASA/Goddard Space Flight Center
Die Oberfläche der Sonne zeigt netzartige Erhebungen (Cantaloupes).
(Bild: NASA/Goddard Space Flight Center)

Dabei wurden Strukturen sichtbar gemacht, die sich netzartig über die Oberfläche unseres Zentralgestirns erstrecken. Diese bewirken Änderungen des mittleren Sonnenradius´ am Äquator von etwa 0,0107 Bogensekunden. Eine Bogensekunde ist ein Dreitausendsechshundertstel eines Grades. Dieser Wert erscheint uns recht gering, er könnte in der Nähe der Sonne aber messbare Auswirkungen haben.

Die beteiligten NASA-Wissenschaftler geben mögliche Einflüsse auf den Gravitationssog auf den sonnenächsten Planeten Merkur an. Außerdem könnten Messungen, die zur Überprüfung der Einsteinschen Relativitätstheorie in Sonnennähe vorgenommen werden, verfälschte Ergebnisse liefern. Spekuliert wird auch über die Ursache für die Erhebungen auf der Sonnenoberfläche. Möglich wäre, dass im Inneren der Sonne ein rotierender Kern existiert, dessen Rotationsachse aber von der äußerer Sonnenschichten abweicht.

NASA/Goddard Space Flight Center
Die Messplattform von HESSI umfasst 9 Halbleiter-Detektoren.
(Bild: NASA/Goddard Space Flight Center)

HESSI (jetzt RHESSI) steht für High Energy Solar Spectroscopic Imager. Der NASA-Satellit wurde am 5. Februar 2002 gestartet und ist mit 9 Germanium-Detektoren zur Messung energiereicher elektromagnetischer Strahlung unterschiedlicher Energien ausgestattet. Er rotiert mit 15 Umdrehungen pro Minute. Die Germanium-Detektoren werden auf -198 °C gekühlt und arbeiten mit einer Betriebsspannung von bis zu 4.000 Volt. Dadurch können einzelne Gamma- bzw. Röntgenquanten gemessen und ihre Energie sehr genau bestimmt werden. Gebaut wurde HESSI zur Messung der Energieverteilung von Gammastrahlung bei solaren Ausbrüchen. Erst die Auswertung einer Unmenge von Daten der vergangenen Jahre führte zu derart genauen Aussagen über Abweichungen der Sonne von der ellipsoiden Idealform, wie sie jetzt veröffentlicht wurden. Bei einem Radius von etwa 700.000 Kilometern variiert der Wert um nur ca. 6 Kilometer. Aufgrund der Rotation ist die Sonne ohnehin etwas abgeplattet, d. h. der Radius ist – wie bei den Planeten auch – an den Polen geringer als am Äquator.

Website der NASA

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