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Autor: Thomas Weyrauch / 07. Februar 2013, 23:26 Uhr

Erster Ariane-5-Start 2013: Zwei Comsats im All

Am 7. Februar 2013 um 22.36 Uhr MEZ startete vom Raumfahrtgelände Kourou in Französisch-Guayana eine Ariane-5-Trägerrakete mit zwei Satelliten an Bord. Die Erdtrabanten für den spanischen Kommunikationssatellitenbetreiber Hispasat und das Ministerium für Kommunikation und Information Aserbaidschans wurden nach rund einer halben Stunde Flug erfolgreich ausgesetzt.

Quelle: Arianespace, Azercosmos, Hispasat, OSC, Space Systems/Loral
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Arianespace Webcast

Bild vergrößernStart der Ariane 5 zur Mission VA-212
(Bild: Arianespace Webcast)
Verwendet wurde eine Ariane 5 ECA, die von der Startrampe ELA-3 zum ersten Flug einer Ariane 5 im Jahr 2013 abhob. Transportiert wurden bei der Mission VA-212 der Kommunikationssatellit Amazonas 3 (Masse beim Start circa 6.265 kg) sowie der Kommunikationssatellit Azerspace/Africasat 1a (Startmasse 3.237,8 kg). Beide Satelliten waren zusammen unter einer 17 Meter hohen Nutzlastverkleidung mit einem Durchmesser von 5,4 Metern untergebracht. Amazonas 3 wurde als erster der Satelliten knapp 28 Minuten nach dem Start ausgesetzt, er saß zuoberst auf der 6,4 Meter hohen Nutzlaststruktur SYLDA 5 A (SYLDA ist die Abkürzung von "Système de Lancement Double Ariane", Ariane-Doppelstartvorrichtung). Nach Abstoßen der SYLDA 5 A wurde Azerspace/Africasat 1a etwa 34 Minuten und 42 Sekunden nach dem Start freigegeben.

Space System/Loral (SS/L)

Bild vergrößernAmazonas 3 beim Hersteller
(Bild: Space Systems/Loral (SS/L))
Space Systems/Loral (SS/L)

Bild vergrößernAmazonas 3 im All - Illustration
(Bild: Space System/Loral (SS/L))
Die beiden Satelliten werden aus dem Geotransferorbit mit einem geplanten Perigäum von 247,7 km über der Erde (erreicht 247,2 km) und einem geplanten Apogäum von 35.891 km (erreicht 35.914 km) über der Erde mit eigenen Antrieben den Geostationären Orbit ansteuern. Die Antriebe müssen auch den Abbau der Rest-Inklination, der verbliebenen Neigung der Bahn gegen den Erdäquator, von knapp sechs Grad bewerkstelligen. Amazonas 3 beispielsweise soll laut Plan nach einer Anzahl Brennphasen seines mit Monomethylhydrazin (MMH) und Distickstofftetroxid (NTO) betriebenen, 455 Newton starken Apogäumsmotors einige Tage nach dem Start den Geostationären Orbit erreichen.

Bei Amazonas 3 handelt es sich um ein in den Vereinigten Staaten von Amerika auf Basis des Satellitenbus' 1300 von Space Systems/Loral entworfenes und gebautes Raumfahrzeug mit einer Leermasse von 2.778 kg, dessen Grundkörper Maße von rund 8,1 auf 2,9 auf 3,6 Metern aufweist. Der dreiachsstabilisierte Satellit ist dazu gedacht, Amerika, Europa und den Norden Afrikas von einer Position bei 61 Grad West im Geostationären Orbit über Brasilien mit einer Bandbreite von Kommunikationsdiensten zu versorgen. Dementsprechend ist die Kommunikationsnutzlast von Amazonas 3 mit 19 C-Band-, 33 Ku-Band- sowie neun Ka-Band-Transpondern ausgestattet.

Die Energieversorgung der Satellitensysteme von Amazonas 3 erfolgt durch zwei Solarzellenausleger, die dem Raumfahrzeug eine Spannweite von rund 26,06 Metern geben. Am Ende der projektierten Einsatzdauer von 15 Jahren sollen die Solarzellenausleger von Amazonas 3 noch rund 14 Kilowatt elektrische Leistung bereitstellen können. Für die Stromspeicherung besitzt der Satellit drei Lithium-Ionen-Akkumulatorensätze.

Amazonas 3 soll als Nachfolger des seit dem 5. August 2004 um die Erde kreisenden Amazonas 1 fungieren, welcher eine Undichtigkeit im Antriebssystem aufweist. Der neue Satellit ist der 10. und bisher größte, den die Hispasat-Gruppe in den Weltraum transportieren ließ, und der 7. Satellit von Hispasat, der auf einem Träger von Arianespace flog. Im kommerziellen Einsatz hat Hispasat aktuell sieben Satelliten. Die Entwicklung von Amazonas 3 ließ sich Hispasat rund 261,5 Millionen US-Dollar kosten. Den Start des Satelliten hatten Arianspace und Hispasat 2011 verabredet und am 7. September 2011 eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.

OSC

Bild vergrößernAzerspace/Africasat 1a beim Hersteller
(Bild: Orbital Sciences Corporation (OSC))
OSC

Bild vergrößernAzerspace/Africasat 1a - Illustration
(Bild: Orbital Sciences Corporation (OSC))
Azerspace/Africasat 1a ist eine Konstruktion der Orbital Sciences Corporation (OSC) mit einer Leermasse von 2.660 kg und basiert auf der Satellitenplattform Star-2.4e. Die Abmessungen seines Grundkörpers betragen rund 5,6 auf 2,5 auf 3,2 Meter. Der in den Vereinigten Staaten von Amerika hergestellte, rund 120 Millionen US-Dollar teure Satellit mit einem 450 Newton starken Apogäumsmotor von IHI Aerospace aus Japan (Typ IHI BT-4) wird von seinem 2010 gegründeten Betreiber Azercosmos zur Bereitstellung zahlreicher Kommunikationsverbindungen für staatliche Institutionen und Wirtschaftsunternehmen eingesetzt werden.

Mit dem Kommunikationssatellitenbetreiber Measat aus Malaysia hat man sich geeinigt, dass Azercosmos im geostationären Orbit einen auf Measat registrierten Slot verwenden kann. Azerspace/Africasat 1a soll im geostationären Orbit eine Position bei 46 Grad Ost beziehen, um von dort Empfänger in Afrika, Aserbaidschan, Europa und Zentralasien zu versorgen. Dafür ist der erste Kommunikationssatellit Aserbaidschans mit 24 C- und 12 Ku-Band-Transpondern ausgerüstet. Überwachen und steuern möchte man den Satelliten nach Abwicklung der Inbetriebnahmephase von einem Kontrollzentrum in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans.

Mit elektrischer Energie versorgt wird die Kommunikationsnutzlast von Azerspace/Africasat 1a von zwei Solarzellenauslegern aus jeweils vier Segmenten mit Galliumarsenid-Zellen. Die vorgesehene Standzeit des dreiachsstabilisierten, mit zwei Lithium-Ionen-Akkumulatoren mit einer Kapazität von jeweils mehr als 4.840 Wattstunden ausgestatteten Satelliten im Orbit beträgt 14 Jahre. An deren Ende erwartet man von den beiden Solarzellenauslegern die Bereitstellung von immer noch 6,75 Kilowatt elektrischer Leistung.

VA-212 mit Amazonas 3 und Azerspace/Africasat 1a auf der Rakete L568 aus dem Produktionslos PB war beim 68. Start einer Ariane 5 die 54. erfolgreiche Ariane-5-Mission in Folge. Im Rahmen der Mission VA-212 wurde laut Arianespace bei einer Gesamtstartmasse von rund 780 Tonnen (laut Astrium rund 775 Tonnen beim Abheben) eine Gesamtnutzlast von 10.350 kg transportiert (laut Astrium 10.317 kg), von denen nach Angaben von Arianespace 9.540 kg auf die beiden Satelliten entfielen. Hinsichtlich der in einen üblichen 6-Grad-Geotransferorbit gebrachten Gesamtnutzlast wurde damit einer neuer Rekord für eine Ariane-5-Rakete aufgestellt. Gratulation zu einem wieder einmal erfolgreichen Schwertransport ins All!

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