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Autor: Gertrud Felber & Günther Glatzel / 17. Dezember 2013, 18:21 Uhr

Landeplatz von Chang`e 3 identifiziert

Mit Hilfe der Aufnahmen, die vom Lander während des Abstiegs zur Erde übermittelt wurden und hochauflösender Mondkarten, deren Daten vor allem vom Lunar Reconnaissance Orbiter stammen, haben Mitarbeiter der NASA und andere Raumfahrt-Interessierte den Landeplatz der Sonde recht genau identifiziert.

Quelle: Air&Space Smithsonian, Lunar and Planetary Institute, Journal of Geophysical Research, CCTV
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NASA/ASU, RN

Bild vergrößernLandeplatz von Chang`e 3 im Mare Imbrium
(Bild: NASA/ASU, RN)
Er befindet sich im Mare Imbrium bei etwa 19,5 Grad westlicher Länge und 44,1 Grad nördlicher Breite, ziemlich genau 50 km südlich des Kraters Laplace F und etwa 15 km nordnordöstlich des Kraterpaares Helicon/Le Verrier. Der Krater Laplace A, über den zuvor als Zielort spekuliert wurde, liegt etwa 300 Kilometer weiter westlich. Der Lander steht in unmittelbarer Nähe eines etwa 300 Meter breiten Kraters. Möglicherweise hat das Hinderniserkennungssystem ein Ausweichmanöver initiiert.

Nachdem das Fahrzeug Yutu die Rampe herunter gefahren war, hatte es ich umgedreht und den Lander abgelichtet. Ebenso wurde ein Bild von Yutu gezeigt. Mittlerweile hat Yutu den Lander umfahren und Bilder von mehreren Seiten gemacht.

Im Verlaufe der Mission will man den Bodenradar einsetzen, um neue Erkenntnisse über die Bodenschichtung gewinnen. Mare sind große Tiefebenen, in denen Lavaströme wesentlich die Oberflächenbeschaffenheit mitgestaltet haben. Mondlava gilt als viskoser, man weiß aber noch nicht, wann der Vulkanismus auf dem Mond beendet war, man schätzt vor etwa 1 bis 2,5 Milliarden Jahren. Interessant sollte auch sein, wo es in der Tiefe Kontakte zwischen Lavaströmen und Grundgestein gibt.

Chinesisches Fernsehen (CCTV)

Yutu auf dem Mondboden
(Bild: Chinesisches Fernsehen (CCTV))
Das Mare Imbrium enthält einige der mächtigsten Lavaströme auf dem Mond. Die Fließfronten sind bereits auf Teleskop-Bildern von der Erde aus sichtbar, die bisher besten Aufnahmen wurden allerdings durch Sonden aus Mondumlaufbahnen erstellt. Überlappende Lavaströme wurden durch Eruptionen 700 Kilometer südlich des Landeplatzes erzeugt. Die Lava floss nordwärts in das zentrale Imbrium-Becken. Messungen der Dicke und Länge dieser Ströme lassen auf den Erguss großer Mengen Lava von sehr niedriger Viskosität schließen. Man schätzt, dass die Fließfähigkeit etwa der von warmem Motoröl entspricht.

Da die Erosionsrate auf dem Mond extrem niedrig ist, bewahrten sich die vergleichsweise jungen Lavaströme viel von ihrer ursprünglichen Morphologie. Die Lava im Mare Imbrium ist nicht nur wegen ihrer physikalischen Eigenschaften bemerkenswert, sondern auch aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung. Durch Spektren, die u.a. mit der NASA-Sonde Clementine aufgenommen wurden, ist bekannt, dass sich dort titanreiche Basalte angesammelt haben. Außerdem hat dieser Teil des Mondes eine hohe Konzentration des radioaktiven Elemente Thorium. Die Anwesenheit von Thorium ist überraschend, da eine derartige Anreicherung normalerweise nicht in eisenreichen Basaltlaven erwartet wird.

NASA, GSFC, ASU, JHUAPL

Bild vergrößernErstarrte Lavazungen auf dem Mond
(Bild: NASA, GSFC, ASU, JHUAPL)
Diese ungewöhnliche Chemie ist wahrscheinlich das Ergebnis besondere Umstände. Die Laven in diesem Gebiet sind stark mit den Komponenten Kalium, seltene Erden und Phosphor angereichert. Auf dem Mond wird diese Zusammensetzung mit der letzten Phase der Krustenbildung verbunden und ist ein Schlüssel für das Verständnis der Entstehung und Entwicklung der Mondkruste.

Die Lava nördlich der Landestelle weist hingegen nur einen geringeren Gehalt an Titan auf. In der Nähe des Landeplatzes befindet sich ein komplexer Faltenrücken. Derartige tektonische Merkmale bilden sich, wenn sich basaltischen Lava zunächst abgekühlt und dann zusammengezogen hat. Die Bodenradarprofile von Yutu könnten bei einer Überquerung dieses Faltenrückens dessen Komplexität erfassen. Die Daten des abbildenden Spektrometers an der Vorderseite des Fahrzeugs könnte zusammen mit Untersuchungen einzelner Proben mittels Röntgenspektrometer am Instrumentenarm von Yutu könnten die Elementzusammensetzung der Oberfläche erfassen. Mit den Daten des Rovers Yutu wären die Wissenschaftler in der Lage, die vulkanische Stratigraphie dieser Region des Mondes zu rekonstruieren.

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