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Autor: Günther Glatzel / 19. April 2013, 22:29 Uhr

Biosatellit mit Geckos, Schnecken und Fischen im All

Das Raumschiff Bion-M 1 beherbergt eine Vielzahl von Lebenwesen, die vier Wochen unter Weltraumbedingungen leben werden. An Bord befindet sich auch das deutsche Weltraumaquarium OmegaHab.

Quelle: Roskosmos, WDR RadioEins, DLR, Raumcon, Skyrocket
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Roskosmos

Bild vergrößernSojus 2.1a mit Bion-M 1 und weiteren Kleinsatelliten beim Start
(Bild: Roskosmos)
Der Start erfolgte heute Mittag, 12.00 Uhr MESZ an der Spitze einer Trägerrakete vom Typ Sojus 2.1a vom Kosmodrom Baikonur aus. Gut 8 Minuten später befand sich Bion-M 1 im Erdorbit. Gemeinsam mit ihm gelangten auch 6 Kleinsatelliten ins All, drei davon aus Deutschland.

Bion-M 1 ist eine Weiterentwicklung des Wostok-Raumschiffs aus den Anfangstagen der bemannten Raumfahrt. Zwischenstationen waren Woßchod, Bion, Foton und Foton-M. Hauptteil ist eine etwa 2,40 m durchmessende, kugelförmige, hermetisch abgeschlossene Kabine, in der die etwa 70 Experimente in 19 Gerätekomplexen untergebracht sind. Am vorderen Teil befindet sich ein Bremstriebwerk, am hinteren Ende ein modernes Servicemodul mit Solarzellenpaneelen und ausreichend Kommunikationsequipment.

Vier Wochen lang werden verschiedene pflanzliche und tierische Lebewesen der Schwerelosigkeit und weiteren veränderten Bedingungen im All ausgesetzt. So befinden sich auch Pilze und Bakterien in speziellen Behältern an der Außenseite der Rückkehrkapsel. Hier werden sie beim Wiedereintritt hohen Belastungen und Temperaturen ausgesetzt. Man will nun untersuchen, ob es möglich ist, dass derartige Mikroorganismen den feurigen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre überleben können. Damit wäre auch die Möglichkeit gegeben, dass primitive Lebensformen vor langer Zeit auf die Erde gelangt sind und sich hier dann weiter entwickelt haben.

Insgesamt befanden sich beim Start Experimente von Wissenschaftlern aus 20 russischen Forschungseinrichtungen sowie von 15 internationalen Partnern aus Deutschland, den USA, Frankreich, Italien, Malaysia, Südkorea und der Ukraine unter der Nutzlastabdeckung. Deutschland steuert das Aquarium OmegaHab nebst komplexer Steuerungstechnik bei, in dem einzellige Algen, Buntbarsche, die noch im Larvenstadium starten, Posthornkrebse, Hornkraut und mexikanische Bachflohkrebse gehalten werden. Dabei fungiert die Population als geschlossenes Ökosystem. Algen und Hornkraut sollen Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff umwandeln, den die Tiere anschließend verbrauchen. Deren Exkremente bilden Dünger für die Pflanzen. Außerdem dienen die Schnecken der Reinigung der Wände des Aquariums. Die Experimente wurden von Wissenschaftlern der Universitäten Stuttgart-Hohenheim und Erlangen-Nürnberg entwickelt, während die Hardware überwiegend von Kayser-Threde stammt.

Die an Bord des Satelliten befindlichen Wirbeltiere (Mäuse, Ratten und Geckos) werden rund um die Uhr überwacht. Dazu befindet sich eine Vielzahl von Kameras in den einzelnen Boxen. Die Geckos sollen während des Fluges sogar mit lebendem Futter versorgt werden. Ziel ist es, die Entwicklung der Organismen bei längerer Schwerelosigkeit zu untersuchen. Dies betrifft den Skelettbau, innere Organe und das Immunsystem.

Zusatznutzlasten bei diesem Flug sind mehrere Kleinsatelliten. AIST 2 stammt aus Russland (Samara Universität und ZSKB Progress), hat eine Masse von etwa 39 kg und soll Messungen am geomagnetischen Feld der Erde vornehmen. DOVE 2 (5,8 kg) wurde in den USA entwickelt und soll mittels herkömmlicher Technik hochauflösende Bilder von der Erde liefern. Die Lageregelung wird über magnetische und gravitative Kräfte treibstofflos im Umfeld der Erde vorgenommen. Die Mission soll 180 Tage andauern.

BeeSat 2 und 3 stammen von der TU Berlin und dienen der Erprobung von etwa münzgroßen Legeregelungskreiseln. Jeder Satellit wiegt etwa 1 kg. Dritter Cubesat aus Deutschland ist SOMP 1, der an der TU Dresden gebaut wurde. Mit ihm soll die Verteilung atomaren Sauerstoffs in der Erdatmosphäre gemessen werden. Zudem werden Dünnschichtsolarzellen zur Energieversorgung getestet.

G.O.D.Sat (Open Source Satellite Initiative OSSI 1) dient einer außergewöhnlichen Art der Kommunikation. Amateurfunker können Botschaften schicken, die anschließend zu einem festgelegten Zeitpunkt über Lichtsignale einer 44-Watt-Leuchtdiode in Richtung Erde gemorst werden. Dies soll sich von der Erde aus mit Hilfe von Amateurteleskopen beobachten lassen.

Für Bion-M 1 ist die Rückkehr für den 18. Mai 2013 vorgesehen. Die kugelförmige Kapsel soll dabei am Fallschirm niedergehen und geborgen werden. Anschließend werden die Auswirkungen der Schwerelosigkeit und weiterer Faktoren auf die Pllanzen, Tiere, Pilze und Einzeller eingehend untersucht. Bion-M 1 ist der erste Vertreter einer neuen Generation von Bio-Satelliten, dessen Nachfolger in den nächsten Jahren zum Einsatz kommen sollen. Zwischen 1973 und 1996 waren zuvor 11 Raumschiffe der Bion-Serie im All.

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