01.09.2011 / Autor: Daniel Maurat Raumfahrt > Raketen

Sputnik

Die sowjetische R7 sollte zunächst Atombomben nach Amerika bringen, doch startete sie als Sputnik den ersten Satelliten der Welt.

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Geschichte

Roskosmos

Bild vergrößernDer historische Start einer R-7 Sputnik-Rakete am 4. Oktober 1957 mit dem ersten Erdsatelliten Sputnik 1 an Bord
(Bild: Roskosmos)
Die Geschichte der R-7, auch unter ihrer Fabrikationsnummer 8K71 bekannt, als Satellitenträger, im Westen als Sputnik bekannt, begann damit, dass der Chefkonstrukteur des Konstruktionsbüros OKB-1, Sergej Koroljow, seine Interkontinentalrakete R-7 entwickelte. Er träumte schon lange, den ersten Satelliten der Welt zu starten und hatte nun in Form der R-7 den geeigneten Träger. Doch zunächst musste er die sowjetische Führung überzeugen, allen voran den Generalsekretär der KPdSU, Nikita Chruschtschow. Doch im September 1956 bekam er die Genehmigung für den Bau eines künstlichen Satelliten. Dieser wurde zunächst mit dem nichtssagenden Namen Objekt D (Объект Д) bezeichnet, sollte aber 1,4 t wiegen, das Maximum, was die R-7 ins All hätte starten können. Doch schnell zeigte sich, dass der Satellit sehr komplex und die Entwicklung und der Bau verzögerten sich immer mehr, weswegen man im Januar 1957, rechtzeitig, um einen Satelliten anlässlich des Internationalen geophysikalischen Jahres 1957 durchführen zu können, einen kleineren und vor allem einfacheren Satelliten plante, der zunächst den Namen PS 1 für Простой Спутник / Prostoji Sputnik oder einfacher Erdsatellit bekam. Kurz vor dem legendären Start von Sputnik 1 begann man schließlich damit, einen Satelliten zu bauen, mit dem ein Hund mitfliegen konnte. Dieser bestand aus einer Druckkabine für das Tier, in dem sich Futter, Wasser, Luft sowie eine Injektionsnadel mit einem Einschläferungsmittel (eine Rückkehr war nicht vorgesehen), sowie aus einem PS-Satelliten an der Spitze, der für die Funkübertragung zuständig war. Dies sollten die Nutzlasten der R-7 als Trägerrakete werden.

Technik

Die R-7 8K71 "Sputnik" bestand aus zwei Stufen:
  • Die Booster, wobei es sich eher um eine erste Stufe handelt, sind vier nach oben hin spitz zulaufende Raketenstufen. Sie haben dabei die Bezeichnungen Blok B, W, G und D (russ. Блок Б, В, Г, Д) nach dem russischen Alphabet. Ein einzelner Booster ist dabei 19 m lang, hat einen maximalen Durchmesser von 2,68 m und wiegt voll betankt 43,1 t. Das Gluschko RD-107-8D74PS-Vierkammerntriebwerk (also eine Turbopumpe bei vier Brennkammern), das von Walentin Gluschkos Konstruktionsbüro entwickelt wurde, hat einen maximalen Schub von 971 kN und brennt 146 Sekunden lang. Bei den zwei letzen Starts der Sputnik nutze man aber neue und leistungsfähigere Triebwerke vom Typ RD-107-8D76, wobei bei den Triebwerken vor allem das neue Flugprofil im Weltraum berücksichtigt wird. Zusätzlich hat der Booster zwei kleinere Vernierdüsen, mit denen man die Rakete lenken kann. Als Treibstoff nutzt man den bewährten Treibstoffmix aus RP-1 (Kerosin) und LOX (flüssiger Sauerstoff). Eine Besonderheit der Booster ist, dass sie, wenn sie ausgebrannt sind, von der Rakete abgelöst ein ganz spezielles Schauspiel bieten, das es nur bei der R-7 und ihren Abkömmlingen gibt: das so genannte Koroljow-Kreuz, wobei die Booster und die brennende Zentralstufe wie ein Kreuz mit einem Punkt in der Mitte aussehen.


  • Die erste Stufe oder auch zweite Stufe beziehungsweise Blok A (russ. Блок A) genannt ist eine keulenförmige Stufe, die zunächst einen gleichbleibenden Durchmesser von m hat, dann auf einen Durchmesser von 3 m anwächst und dann wieder auf einen Durchmesser von m zurückfällt. Sie ist 28 m lang und wiegt dabei 95,3 t. Das Vierkammern-Triebwerk Gluschko RD-108-8D75PS entspricht dabei dem RD-107 der Booster, es hat aber anstatt zwei Vernierdüsen vier, um eine Dreiachsenstabilisierung auch nach dem Abtrennen der Booster zu gewähren. Es liefert dabei für 340 Sekunden einen Schub von 912 kN. Auch hier wurde es, wie bei den Boostern, bei den letzen zwei Starts durch das leistungsfähigere RD-108-8D77 ersetzt. Wie die Booster benutzt man hier als Treibstoff den Treibstoffmix RP-1/LOX.
Starts

NASA

Bild vergrößernDie bekannteste Nutzlast der Rakete: der erste Erdsatellit Sputnik 1
(Bild: NASA)
Als Satellitenträger startete die R7 "Sputnik" zwischen 1957 und 1958 vier Mal, wobei ein Start ein Fehlschlag war. Als Startplatz nutze man den Kosmodrom in Tjuratam in Kasachstan, heute eher als Baikonur bekannt. Der wohl berühmteste Start fand am 4. Oktober 1957 statt, bei dem man einen Satelliten vom Typ PS-1 startete. Er bekam den Namen Sputnik (russ. Спутник für Begleiter) und auch heute heißt im Russischen das Wort "Satellit" übersetzt Sputnik. Schon am 3. November 1957, gerade einmal einen Monat nach dem Start von Sputnik 1, startete man den Satelliten Sputnik 2. An Bord war die Hündin Laika, die aber schon nach 36 Stunden an Überhitzung starb. Auch das Objekt D, zunächst als erster Satellit geplant, startete schließlich, wenn auch auf einer überarbeiten Rakete vom Typ R7 8A91 Sputnik, bei der vor allem die Triebwerke mehr Schub lieferten. Der erste Start fand am 27. April 1958 statt, doch explodierte die Rakete nach 88 Sekunden und der Satellit erreichte keine Umlaufbahn. Dies veranlasste die sowjetische Regierung, den Start zu vertuschen, da man nur erfolgreiche Starts oder Orbitalstarts (in einem gewissen Rahmen) bestätigten, um so die Überlegenheit der Sowjetunion im Raketenbau und der Raumfahrt zu propangieren. Erst die Reserveeinheit erreichte als Sputnik 3 am 15. Mai 1958 das All und war wie seine Vorgänger ein riesiger Propagandacoup.

Auswirkungen

Die R-7 stieß das Tor in den Weltraum auf und markierte den Startschuss für ein zwölfjähriges Rennen in den Weltraum und später zum Mond. Sie wurde schnell zum Arbeitspferd der Sowjets und ihre Abkömmlinge fliegen auch heute noch in den Weltraum. Ihre Nutzlasten hatten auch einen großen Einfluss, denn sie ebneten den Weg für die heutige Satelliten, die heutzutage nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken sind, so etwa Kommunikationssatelliten, Satelliten für das GPS oder Wettersatelliten, die die Vorhersage des Wetters unterstützen. All diese Satelliten basieren auf die Art von Satelliten, die die Sputniks wiederspiegelten.
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