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23.03.2002 / Autor: Clemens Mach Raumfahrt > Raumstationen

Die Saljut-Stationen

Die Saljut-Stationen lieferten der russischen Raumfahrt erste Erfahrungen mit langfristigen Weltraumaufenthalten und waren die Vorgänger der MIR.

Unter dem Druck des erfolgreich ablaufenden US-Apolloprogramms war die Sowjetunion unter Zugzwang, etwas noch Besseres zu vollbringen. So wurde am 17. November 1969 der Prototyp einer Raumstation, bezeichnet als Saljut, von Baikonur ins All geschossen. Da dies mit einem neuen Raumträger, einem Prototyp der Rakete Proton, geschah, konnte man fast ahnen, dass etwas schief laufen würde. Dies war auch so. Die Rakete explodierte mitsamt der neuen Raumstation, die sodann als Saljut A in die Geschichtsbücher einging. Dennoch war dies der Beginn einer einzigartigen Besiedelung des Weltraumes, die dazu führte, dass seit der Station MIR (ab 1986) ständig zwei bis drei Menschen über uns um den Erdball kreisen.

Trotz dieses Fehlschlages ging das Programm weiter. Saljut 1, welche am 19. April 1971 ins All geschossen wurde, war etwa so groß wie ein Reisebus. Sie hatte die Form einer Flasche und bestand aus vier hintereinander liegenden Zylindern von unterschiedlichem Durchmesser und Länge. Auf beiden Seiten hatte sie Sonnenzellen zur Stromerzeugung. Ihr Gewicht betrug 18,9 t. Die Station blieb etwa ein Jahr im Betrieb.

Am 30. April 1972 wurde eine Militärversion ins All geschossen. Doch die Rakete vom Typ Proton explodierte kurz nach dem Start. Diese Station bekam den Namen Saljut B. Diese intern als Almas, extern als Saljut bezeichnete Station diente nur zu Aufklärungs- und Spionagezwecken und war ein hochgeheimes Projekt des sowjetischen Militärs. Von der Bauweise her waren die insgesamt drei Almasstationen nicht mit den übrigen Saljutstationen zu vergleichen. Die Almasstationen wurden in wesentlich niedrigeren Umlaufbahnen stationiert. Sie besaßen eine Fotoausrüstung mit extrem lichtstarkem Objektiv um Spionagefotos zu ermöglichen. Zudem waren sie mit einem Teleskop ausgerüstet und besaßen hochpräzise Messinstrumente um die Station optimal über einem Zielgebiet zu platzieren. Zudem war vorgesehen, die Stationen mit einem Laser- oder Raketensystem auszurüsten um damit feindliche Satelliten abzuschießen. Da die Besatzungen, bestehend aus zwei Kosmonauten, aber einem riesigen Druck ausgesetzt waren - sie hatten Arbeitsschichten von vier Stunden, gefolgt von zwei Stunden Schlaf -, wurde dies nie verwirklicht. Zudem ermöglichten Fortschritte in der Entwicklung von Spionagesatelliten die militärischen Saljuts einzustellen. Insgesamt wurden drei Almasstationen, Saljut B, Saljut 3 und Saljut 5 ins All geschossen. Diese wurden von insgesamt fünf Besatzungen besucht.

Da es beim Abstieg von Sojus 11, die an Saljut 1 angekoppelt war, einen Defekt gab und die Besatzung getötet wurde, wurden die Stationen massiv umgebaut, so dass der Start der nächsten Station Saljut 2 erst am 3. April 1973 erfolgte. Doch die Station hatte einige Probleme. Sie erlangte keine Stabilität, taumelte 55 Tage und zerbrach dann. Eine gleichartige Reservestation wurde am 11. Mai 1973 unter der Bezeichnung Kosmos 557 gestartet. Da bei ihr die Kommandoübertragung nicht funktionierte stürzte sie bereits nach 11 Tagen über dem Pazifik ab.

Am 24. Juni 1974 war es wieder Zeit eine Station ins All zu schießen. Saljut 3, wieder eine militärische Station, verzeichnete insgesamt nur eine erfolgreiche Kopplung. Eine zweite Kopplung musste wegen leerer Batterien der Sojus 15-Kapsel abgebrochen werden. Saljut 4, gestartet am 26. Dezember 1974, war die erste zivile Station. Sie besaß neben anderen Messinstrumenten ein Sonnenteleskop. Bei zwei gelungenen Kopplungen waren Kosmonauten insgesamt 91 Tage auf der Station. Da die Station vermutlich nicht mehr voll funktionsfähig war, wurden ab dem Jahr 1976 keine weiteren Starts mehr unternommen. Die Station stürzte am 2. Februar 1977 ab. Bereits am 22. Juni 1976 wurde Saljut 5, die letzte militärische Version, gestartet. Die Station hatte während ihrer Lebzeit zwei gelungene Kopplungen zu verzeichnen.

Die Erfolge der bisherigen fünf (sieben, wenn man Saljut A und B dazurechnet) Stationen waren nicht gerade ermutigend. Bei zehn Kopplungsversuchen waren ganze fünf erfolgreich. Zudem verlor man bei einem Abstieg noch drei Kosmonauten, weil der Koppelkragen der Sojus 11-Kapsel nach der Kopplung nicht mehr ganz dicht war. Dennoch wurde, nach der Auswertung aller Daten von Saljut 4, einen neue Station gebaut. Die als Saljut 6 bezeichnete Station wurde am 29. September 1977 ins All geschossen. Saljut 6 wurde mit insgesamt 33 Kapseln beschickt. Davon waren 15 Progress-Raumtransporter, der Rest Sojus-Kapseln. Nur zwei Kapseln, Sojus 25 und 33, konnten nicht an die Station ankoppeln. Saljut 6 wies gegenüber den Vorgängerstationen einige Verbesserungen auf. Die wichtigste betraf die Koppelanlagen. Saljut 6 besaß nun zwei davon, eine am vorderen und hinteren Ende der Station. Saljut 6 lebte vier Jahre und zehn Monate, davon war sie an 676 Tagen mit Besatzung.

Die Erfahrungen flossen sogleich in den Bau von Saljut 7 ein, die am 19. April 1982 in den Orbit verfrachtet wurde. Mit Saljut 7 wurden nun Langzeitaufenthalte geübt. Gleich die erste Besatzung verblieb 211 Tage in der Station. Ende Januar 1985 gab es jedoch ein Problem. Sämtliche Funkverbindungen waren unterbrochen. Es wurde ein Rettungsflug unternommen. Dabei zeigte sich, dass die Solarpaneele beschädigt waren. Dadurch hatte die Station keinen Strom mehr. Nachdem diese repariert waren, kam die Station wieder in Betrieb. Wie Saljut 6 war auch Saljut 7 sehr erfolgreich. Von 25 Kopplungen, davon 13 Progress-Raumtransporter, war gerade eine Kopplung, Sojus T/8, nicht erfolgreich.

Über die ganze Zeit gesehen, kann man sagen, dass die zivilen Saljut-Raumstationen recht erfolgreich waren. Die militärischen Versionen erfüllten die in sie gesetzten Hoffnungen hingegen nicht vollständig. Es war abzusehen, dass etwas Größeres folgen musste, die MIR.
 
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