„Ein (bisschen) Weltraum für Alle“ meint Rabea Rogge … und hat dazu ihre Gedanken aufgeschrieben.

Herausgekommen ist ein spannendes, interessantes, originelles Büchlein.

Quelle: Buchrezension

Vorab: Noch ‘n Buch (?)!

Viele, die jemals in den Weltraum gereist sind, haben ein Buch geschrieben.

Aber auch viele, die den Wunsch dazu hegen, aber noch nicht die Chance dazu hatten, griffen im übertragenen Sinne zu Feder und Papier. Manche mit und manche ohne Ghostwriter bzw. Co.-Autor. Erstwerk in dieser Reihe war zweifellos das Buch von Juri Gagarin „Mein Flug in den Kosmos“ von 1961. Offenbar besteht ein unbändiger Drang derjenigen, die einmal im Weltall waren, ihre Eindrücke in Papierform mit anderen zu teilen. Nun hat auch Rabea Rogge ein (ihr) Buch vorgelegt.

Rabea wer?

Fragt man auf der Straße ganz spontan nach den deutschen Astronauten/Kosmonauten, bekommt man, wenn überhaupt, die Antwort: „Klar: Astro-Alex!“ „Und dann ist noch dieser andere, der Matthias Maurer… .“ In den 5 neuen Bundesländern wird Sigmund Jähn wie selbstverständlich genannt. Dann hört es aber meist schon auf. Dabei sollte man sich den Namen Rabea Rogge genau einprägen. Sie ist die erste deutsche Frau im Weltall. Und diesen Titel kann ihr keiner nehmen, weil, er wird eben nur einmal vergeben.

Zu den Anstrengungen zur Inthronisierung der ersten Deutschen Frau im All hatten wir uns schon vor Jahren Gedanken gemacht.

Siehe unsern Artikel: „Deutschland sucht die Astro-Frau …“

Rabea Rogge auf der N8 in der Berliner Charite, 2025
Bild: Andreas Weise

Allen Bemühungen war eins gemeinsam: Es fehlte in Deutschland der Wille in Politik und Gesellschaft, dieses Ziel umzusetzen. Und auch heute scheinen die deutschen ESA-Reserveastronautinnen Amelie Schoenenwald und Nicol Winter nicht unbedingt in der ersten Reihe für ein Flugticket zu stehen.

Da muss es doch für alle Beteiligten wie ein Schlag ins Genick vorgekommen sein, als plötzlich eine fast aus dem Nichts kommende, unbekannte junge sympathische Frau diesen Ehrentitel erlangt. Und das ohne PR-Getöse vor und nachher! Ein rein privat finanzierter Flug machte es möglich. Dazu kommt das Zusammentreffen mit den entscheidenden Leuten zur rechten Zeit. Wie das Leben ebenso spielt!

Dabei ist Rabea Rogge eine mehr als passende Besetzung: Elektroingenieurin und Doktorandin, nebenbei noch Abenteurerin, weltgereist, lebensfroh und neugierig. Wenn man ihren bisherigen Lebensweg betrachtet, so stellt man fest, dass ihr Weltraumflug auch nicht ganz zufällig ist, sondern das Ergebnis einer Entwicklung. Wichtig ist auch: Bei Ihrem Flug handelte es sich nicht um einen touristisches Abenteuer, sondern um knallharte wissenschaftliche Arbeit in einem Team.

Eine weitere kleine Nebensache ist festzuhalten: Nach Baden-Württemberg und Saarland kommt nach sehr langer Zeit ein(e) deutsche Astronaut*in wieder aus dem östlichen Teil unseres Landes, aus Berlin! Auch ist es interessant, die Gedankenwelt von jemanden kennen zu lernen, der die Erfahrung eines Weltraumfluges machen durfte, aber jenseits des üblichen Korsetts staatlicher Raumfahrtbehörden steht.

Nun zum Werk selber …

Erschien ist das Büchlein im renommierten Fachbuchverlag Springer, Heidelberg, ist 266 Seiten stark und kostet stolze 22,89 Euro. Dafür hätte man auch ein etwas stabileres Cover und nicht ein sogenanntes Softcover erwartet, aber man will ja nicht gleich meckern. Also zum Inhalt.

Als Erstes fällt die Strukturierung auf. Statt der üblichen fließenden, prosaischen Schreibweise mit einzelnen Kapiteln ist hier eine klare Strukturierung mit 3 Hauptpunkten und vielen Unterpunkten gegeben. Hier erkennt man sofort: Das hat ein Wissenschaftler geschrieben.

Im ersten Teil, ein knappes Viertel des Buches, geht es gleich zur Sache. Rogge schlägt einen geschichtlichen Bogen von den frühen Pol-Forschern über die Tiefseeforschung Piccards bis zur Mondlandung um dann in einem harten Bruch zur Robotik zu schwenken. Beim weiterlesen erscheint das logisch. Die Frage, was für eine zukünftige Exploration geeigneter wäre, Mensch oder Maschine, wird klar beantwortet: Beides gemeinsam! Dabei werden Schlussfolgerungen gezogen, die zum Teil (mich) verblüffen.

Der mittlere und gleichzeitige Hauptteil beschäftigt sich mit dem eigentlichen Raumflug, der Fram-2-Mission. Vergessen wird dabei aber nicht die Vorgeschichte, die erahnen lässt, warum Rogge später ausgewählt wurde. Im Weiteren wird der Zeitraum von Dezember 2023 bis zum Abschluss des Fluges im April 2025 beleuchtet. Hier wird nicht nur auf die Abläufe und Ereignisse in Vorbereitung und Flug, Experimente und Missionstagebuch, eingegangen. Rogge scheut sich auch nicht hier ihren Emotionen freien Lauf zu lassen. Zum Ende des Hauptkapitels erfolgt noch einmal eine Reflexion über verschiedenste Fragen und Themen. Der interessierte Leser nimmt bestimmt einige Anregungen für sein eigenes Denken und Handeln mit.

Anschließend behandelt der dritte Abschnitt die Zukunft, also den Weg nach vorn. Dabei werden noch einmal grundlegende Themen wie zum Beispiel „Wozu ist Wissenschaft gut?“, „Was macht Raumfahrt mit Menschen?., „Utopien und Zukunft“ angesprochen.

Folgerichtig endet der Abschnitt mit einem „Workbook – Entwirf dein Leben“. Der Leser wird aufgefordert, aus dem zuvor gelesenem für sich selber Schlussfolgerungen zu ziehen. Das hat etwas Lehrbuchartiges, ist aber an dieser Stelle sehr gut platziert.

Aber das war von Anfang an klar: Es ist nicht ein einfaches Prosa-Buch, auch wenn es sehr unterhaltend geschrieben ist. Der Leser wird nicht nur in die Erlebnis- und Gefühlswelt der Autorin mitgenommen. Er wird aufgefordert, für sich selber nachzudenken, ohne das hier ein erhobener Zeigefinger zu sehen ist.

Bleibt anzumerken, dass das Buch nicht nur ein umfangreiches Quellenverzeichnis hat, sondern auch auf weiterführende Literatur hinweist.

Bild: Springer-Verlag

Fazit

Es ist ein Raumfahrtbuch und eigentlich doch keins. Es ist für alle (!) naturwissenschaftlich interessierten Leser gedacht. Egal ob sie fachlich versiert oder nur interessierter Laie sind. Es vermittelt Spaß und Freude am Leben, an Abenteuern, an Wissenschaft und Selbstreflexion und motiviert. Man merkt, dass die Autorin hier viel Herzblut hineingeschrieben hat.

Und es zeigt, das heute Raumfahrt nicht nur für einen speziell ausgewählten kleinen Kreis möglich ist. Eben ein (bisschen) Weltraum für Alle.

In der heutigen Zeit bräuchten wir mehr solche Bücher.

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Rabea Rogge: Ein (bisschen) Weltraum für Alle

Springer-Verlag, 2026

ISBN 978-3-662-72821-5

Auch als eBook verfügbar

Wir danken Springer-Nature für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

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