Arianespace resümiert und blickt in die Zukunft

Auf dem diesjährigen Neujahrsempfang gratulierte Jean-Yves Le Gall, Geschäftsführer von Arianespace, seinen Mitarbeitern zu einem erfolgreichen Jahr 2012. Nach einigen Statistiken wurde der Fokus durch anwesende Journalisten, zu denen auch Raumfahrer.net zählte, schnell auf das zukünftige Trägerprogramm rund um die Ariane 6 gelenkt.

Ein Beitrag von Klaus Donath. Quelle: Arianespace Neujahrsempfang 2013.

Jean-Yves Le Gall, Geschäftsführer von Arianespace, bei der Neujahrspressekonferenz im Januar 2013 in Berlin
(Bild: Klaus Donath)

Mit sieben Ariane-V-, zwei Sojus- und dem ersten Start der Vega konnte Arianespace sein Geschäftsjahr 2012 erfolgreich abschließen. Insbesondere der Blick in die Zukunft des europäischen Trägerprogrammes lenkte die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf sich. Das aktuelle Design besteht bis auf die Oberstufe ausschließlich aus Feststoffraketen, ähnlich wie sie bei der VEGA verwendet werden. War die Ariane V noch entwickelt worden, um maßgeblich neue Technologien zu erarbeiten, so ist die Vorgabe beim Nachfolger Ariane 6 unmissverständlich der Kostenfaktor. Günstig soll sie werden, vor Allem für die Kunden.

Ein Team von 150 CNES-Ingenieuren wurde darauf angesetzt, ein Design zu erarbeiten. Der Antrieb kommt primär aus Frankreich, welches viel Erfahrung in der Entwicklung aufweist und die vorhandenen Ressourcen gerne effektiv einsetzen möchte. Noch auf der vergangenen Ministerratskonferenz hatte diese Idee einen Dämpfer bekommen, als Deutschland die Zwischenlösung Ariane-V ME durchsetzte, damit das in Lampholdshausen entwickelte Vinci-Triebwerk nicht vollständig umsonst war. Daraufhin integrierten französische Studien diese Oberstufe in das Design der Ariane 6 und setzen nun alles daran, dass die Entwicklung bei der kommenden ESA-Ministerratskonferenz auch finanziell grünes Licht bekommt. Bis dahin läuft das Programm auf Sparflamme. Die Entwicklungszeit bezifferte Mr. Le Gall mit sieben Jahren.

Das Design vom kommenden Aushängeschild europäischer Raketentechnik stößt allerdings nicht überall auf Zustimmung. Der massive Einsatz fester Treibstoffe und die Begrenzung der Nutzlast auf 7 Tonnen blockiert Europa den Zugang zur autonomen bemannten Raumfahrt auf Jahrzehnte. Auch Projekte wie das ATV werden dann unmöglich. Darauf angesprochen antwortete Le Gall nüchtern, dass es keine Bestrebungen in dieser Richtung gibt und der Fokus durch die Politik klar vorgegeben wird.

Europa möchte also keine technologische Spitzenleistung mit der Ariane 6 vollbringen, sondern preislich konkurrieren. Hat Arianespace finaziell überhaupt eine Chance gegen SpaceX, Russland oder China? Angesprochen auf das Schlagwort „SpaceX“ wird sein Gesichtsausdruck kämpferisch. „Selbstverständlich haben wir eine Chance“, meint Le Gall. SpaceX rede viel, habe aber bisher keinen einzigen kommerziellen Satelliten in den geostationären Orbit gebracht und würde zusätzlich von Jahr zu Jahr immer teurer. Laut nicht näher spezifizierter Kunden soll SpaceX dabei mittlerweile in preisliche Regionen vorgedrungen sein, die mit Arianespace vergleichbar seien. Und das ohne die Erfahrung sowie den 53 erfolgreichen Starts in Folge. „Mit dem Argument „China“ sind wir bereits mehrfach totgesagt worden, aber Sie sind auf dem kommerziellen Markt durch Ausfuhrbeschränkungen praktisch nicht existent“, so Le Gall.

Kann Europa aber durch den „Geo-Return“ überhaupt preislich international konkurrieren? Bisher mussten Aufträge an die geldgebenden Länder im selben Maße zurückführen, wodurch sich nicht immer der günstigste oder beste Anbieter durchsetzen konnte. „Der Geo-Return ist sicherlich eine Sache, die andere Länder für verrückt halten. Aber es ist die logische Konsequenz der Idee eines gemeinsamen Europas. Und diese Idee sei keinesfalls verrückt. Europa sei es wert um mit solchen Einschränkungen im Wettbewerb fertig zu werden“, meint Le Gall.

Auch technisch gesehen ist die neue Ariane in einigen Punkten fragwürdig. Ob nicht viel technisches Know-How bezüglich flüssiger Antriebssysteme verloren gehe, wollte Raumfahrer.net von Mr. Le Gall wissen. Er antwortet ausweichend. Die Ariane 6 sei eine politische Entscheidung und auf die Nachfrage, ob eine flüssige Erststufe denn vielleicht preislich ähnlich zu gestalten wäre, gab es ebenfalls keine Antwort. Mit dem Design trage man vor allem den Wünschen der Kunden „Rechnung“. Mit den anvisierten 70 Millionen Euro pro Start und der Flexibilität durch Einzelstarts nicht auf andere Kunden warten zu müssen, möchte man auch wieder die ESA als Kunden gewinnen, die bislang viele Nutzlasten auf ausländischen Trägern startete. Auf einen signifikanten Anstieg der Aufträge spekuliert man bei Arianespace aber nicht. Mit 14 Starts pro Jahr möchte man mit der Ariane 6 ähnlich viele Nutzlasten starten wie letztes Jahr.

Betrachtet man die technischen Eigenschaften und den geplanten Startpreis wird schnell klar, dass die Sojus hier zur Konkurrenz im eigenen Haus werden kann. Ob die Ära der europäisch-russischen Zusammenarbeit dann endet, steht laut Le Gall allerdings noch in den Sternen.

Bei der Einführung möchte man auf jeden Fall aus alten Fehlern lernen. So wird der Erststart im Gegensatz zur Ariane V ein reiner Teststart. Eine gute Entscheidung, bedenkt man den Ausgang der ersten Mission der Ariane V. Auch die Anzahl der Starts möchte man anfänglich klein halten und einen weicheren, sprich längeren Übergang zwischen den beiden Trägern Ariane V ME und Ariane 6 ermöglichen. Eine zu große Startfrequenz in der Übergangszeit von Ariane 4 und Ariane V führte durch die damit verbundene Überlastung zu einigen Fehlern.

Für die nächsten Jahre sind die Auftragsbücher von Arianespace jedenfalls gut gefüllt. So deutete Mr. Le Gall die Verkündung eines bedeutenden Auftrages noch in den nächsten Monaten an. Mit Galileo bekommt die Ariane V auch eine weitere Nutzlast, die bisher ausschließlich bei der Sojus vermutet wurde. In drei Starts sollen insgesamt 12 Galileo Satelliten mit der EPS-Oberstufe gestartet werden, um das künftige Satellitennavigationssystem schnellstmöglich in volle Einsatzbereitschaft zu bringen.

In der Vergangenheit gab es eine Diskussionen, ob nicht die ESA selbst oder gar die EU Teilhaber von Arianespace werden könnte. Hier sieht Mr. Le Gall allerdings in naher Zukunft keine Veränderungen auf sein Unternehmen zukommen. Die aktuellen Startkosten einer Ariane V beziffert er mit ca. 200 Millionen Dollar.

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