Aufregender extrasolarer Gasgigant

Wie sich die große Hoffnung auf die Möglichkeit von Leben in einer vermeintlich habitablen Zone letztendlich als unwahrscheinlich herausstellte – Schilderung einer interessanten Entdeckung

Ein Beitrag von Julian Schlund. Quelle: Centauri Dreams. Vertont von Karl Urban.

HD 73526 machte neulich erfreuliche Schlagzeilen. Entdeckt haben das interessante Planetensystem um den sonnenähnlichen, nur etwas kühleren Stern Chris Tinney, Paul Butler und Geoff Marcy zusammen mit weiteren Mitarbeitern am Anglo Australian Planet Search Project.

Planetenkonstellation um HD 73526 – auffällig die Resonanz von 2:1
(Bild: systemic )

Das Besondere an der Planetenkonstellation um HD 73526 ist einmal die außergewöhnliche, so genannte Bahnresonanz der zwei entdeckten Exoplaneten mit einem Verhältnis von 2:1. Dabei beträgt die Revolutionsdauer des inneren Planeten HD 73526b 188 Tage, während der äußere (HD 73526 c) den Stern in einer Zeit von schätzungsweise 377 Tagen umkreist.
Noch mehr Begeisterung findet das Forscherteam jedoch für die Natur der zwei Gasgiganten:

„Planet c ist ein echter Raumtemperatur-Gasgigant. Flüssiges Wasser bläst womöglich in stürmischen Böhen quer durch dessen wolkigen Himmel. Und es ist anzumerken, dass irgendwelche großen Monde, die den Planeten vielleicht umrunden, genau wie er in der habitablen Zone liegen.“ (Zitat Laughlin)

Zwar weiß man nicht, ob HD 73526 c tatsächlich Monde besitzt. Aber in Anbetracht der bisher gesammelten Erfahrungen mit Gasgiganten liegen die Chancen nicht schlecht. Immerhin haben wir in unserem Sonnensystem gerade um die Gasgiganten wie etwa den Saturn etliche Begleiter entdecken können.

NASA
G6-Stern HD 73526
(Bild: NASA)

Aber ist Leben auf potenziellen Monden wegen der hohen Strahlung, resultierend aus der Größe des Gasgiganten, überhaupt möglich? Und befindet sich der Planet HD 73526 c nicht zu nah am Mutterstern, wodurch die Entwicklung von Leben in dieser Zone womöglich durch heftige Sonnenwinde gehemmt wird?Greg Laughlin und sein Team haben die Möglichkeit von Leben speziell für dieses System gedanklich überprüft:

„Die Strahlungsbedingungen sowohl um HD 73526 c als auch um HD 73526 b sind vielleicht noch intensiver als die in der Nachbarschaft des Jupiter.“ Der Grund hierfür liegt laut Laughlin hauptsächlich in der größeren Masse der beiden Planeten im Vergleich zu Jupiter. Dies bedeutet für gewöhnlich gleichzeitig ein lebhafteres Inneres, um genau zu sein einen Anstieg der inneren Konvektion, ebenso wie ein stärkeres Magnetfeld. Die Auswirkungen von letzterem wären demnach noch heftiger als bei Jupiter, und schon das ist aufgrund der gefährlichen Eigenschaft, beim Kontakt mit geladenen Teilchen ähnlich wie ein Teilchenbeschleuniger zu fungieren, bei sämtlichen Raumfahrttechnikern gefürchtet, die ihre Mission dadurch gefährdet sehen. So waren die Wissenschaftler 1995 beispielsweise überaus erleichtert, dass Galileos Jupiter-Flyby so gut verlief, ohne dass die kostbare Sonde Schäden von der gewaltigen Strahlungsdosis seitens Jupiter davonzutrug.

ESA
Illustration am Beispiel der Erde: Schutz vor gefährlicher Strahlung durch das Magnetfeld
(Bild: ESA)

Aber zurück zum Thema: Laughlin verifiziert auch den Gedanken über zu starken Sonneneinfluss, wonach die Planeten (und damit natürlich auch die etwaigen, vermeintlich habitablen Monde um HD 73526 c) einem bedeutend größeren Strom von stellaren Windpartikeln ausgesetzt sind.
Nur, wenn die Temperatur stimmt, muss das also nicht gleich Grünes Licht für die Möglichkeit auf Leben bedeuten. In diesem Fall sind es die gefährliche Nähe des Orbits zum Stern als auch die vom Mutterplaneten ausgehende Strahlung, die den etwaigen Monden um HD 73526 c das schmeichelhafte Prädikat „unbewohnbar“ verleihen und anfänglich rosige Aussichten in einen ehrfürchtigen Blick überschwappen lassen. Letzte Chance wären dann noch starke Magnetfelder um die Monde, die eine zwangsläufige atmosphärische Erosion durch den starken Strahlungseinfluss abwehren könnten. Aber wollen wir es mal dabei belassen …

Die Vision existenten und sich entwickelnden Lebens in einer solchen Szenerie ist und bleibt jedenfalls immer noch atemberaubend, auch in einer Zeit, in der man mit dem Katalogisieren neuer extrasolarer Entdeckungen gar nicht mehr nachzukommen scheint.

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