Brasilien wird 15. Mitgliedsland der ESO

Am 29. Dezember 2010 unterzeichnete der brasilianische Minister für Wissenschaft und Technologie eine formelle Beitrittserklärung seines Landes zur Europäischen Südsternwarte (ESO). Brasilien wird somit das 15. Mitgliedsland der Europäischen Südsternwarte werden.

Ein Beitrag von Ralph-Mirko Richter. Quelle: ESO.

Marcos Freitas, Brasilianisches Ministerium für Wissenschaft und Technologie, ESO
Am 29. Dezember 2010 unterzeichneten Sergio Machado Rezende, der brasilianische Minister für Wissenschaft und Technologie (rechts im Bild), und Tim de Zeeuw, der Generaldirektor der Europäischen Südsternwarte, ein formelles Beitrittsabkommen.
(Bild: Marcos Freitas, Brasilianisches Ministerium für Wissenschaft und Technologie, ESO)

In Rahmen einer Zeremonie in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia am 29. Dezember 2010 haben Sergio Machado Rezende, der brasilianische Minister für Wissenschaft und Technologie, und Tim de Zeeuw, der Generaldirektor der Europäischen Südsternwarte (ESO), ein formelles Beitrittsabkommen unterzeichnet, durch welches Brasilien zum 15. Mitgliedsland der Europäischen Südsternwarte wird. Da es sich hierbei um ein internationales Abkommen handelt, muss das Dokument zwecks Ratifizierung allerdings zunächst noch an das brasilianische Parlament weitergeleitet werden. Zuvor hatte der ESO-Rat, das oberste Leitungsgremium der Europäischen Südsternwarte, bereits am 21. Dezember 2010 in einer außerordentlichen Sitzung seine einhellige Zustimmung zu dem Beitrittsgesuch Brasiliens erklärt.

Die ESO ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und verfügt über das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Die derzeitigen ESO-Mitgliedsstaaten sind Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Tschechische Republik. Nach der Ratifizierung des Vertrags durch das brasilianische Parlament wird Brasilien somit das erste Mitgliedsland außerhalb Europas sein.

Die ESO ermöglicht astronomische Forschungen der Spitzenklasse, indem sie leistungsfähige, bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung der internationalen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Zur Zeit betreibt die ESO mit den Observatorien in La Silla, Paranal und Chajnantor drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile. Auf Paranal betreibt die ESO dabei mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts, sowie VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt.
Die Europäische Südsternwarte kann seit ihrer Gründung im Jahr 1962 auf eine lange Geschichte erfolgreicher Zusammenarbeit mit südamerikanischen Staaten zurückblicken, welche mit der Auswahl Chiles als dem bestmöglichen Standort für ihre Observatorien im Jahre 1963 begann. “Der Beitritt zur ESO wird unserem Land zusätzliche Impulse bei der Entwicklung von Wissenschaft, Technologie und Innovation verleihen. Die brasilianische Regierung legt besonderen Wert darauf, diese strategischen Bereiche zu fördern”, so Minister Rezende im Rahmen der Zeremonie.

ESO
Nach seiner Fertigstellung wird das E-ELT das größte erdgebundene Teleskop sein. Hier ein Vergleich mit den Pyramiden von Gizeh.
(Bild: ESO)

“Durch die Mitgliedschaft Brasiliens wird die dynamische Gemeinde brasilianischer Berufsastronomen uneingeschränkten Zugang zum produktivsten Observatorium der Welt erhalten. Gleichzeitig wird der brasilianischen High-Tech-Industrie die Möglichkeit eröffnet, am Bau des geplanten European Extremely Large Telescope mitzuwirken. Die Brasilianer verfügen über wertvolle Ressourcen und Kenntnisse, mit denen sie jetzt einen wichtigen Beitrag zu diesem Großprojekt leisten können”, fügt ESO-Generaldirektor Tim de Zeeuw hinzu.

Derzeit entwickelt die ESO das European Extremely Large Telescope (E-ELT) für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und des infraroten Lichts. Mit einem Spiegeldurchmesser von 42 Metern wird es sich dabei um ein Großteleskop der Extraklasse handeln. Die Entwurfsphase für das E-ELT wurde erst kürzlich abgeschlossen und einer abschließenden Bewertung unterzogen. Alle Aspekte des geplanten Projektes wurden dabei von einem unabhängigen internationalen Expertengremium eingehend überprüft. Das Gremium gelangte zu dem Schluss, dass die technischen Voraussetzungen gegeben sind, um die Konstruktionsphase des E-ELT-Projekts einzuleiten. Eine entsprechende endgültige Entscheidung soll von der ESO im Jahr 2011 getroffen werden. Die Inbetriebnahme des E-ELT ist momentan für den Beginn der nächsten Dekade vorgesehen. Anschließend wird es europäischen, chilenischen und brasilianischen Astronomen gleichermaßen zur Verfügung stehen.

Laurent Vigroux, der Präsident des ESO-Councils, fasst die Bedeutung des Beitritts Brasiliens folgendermaßen zusammen: “Die brasilianischen Astronomen werden von der Zusammenarbeit mit ihren europäischen Kollegen profitieren und bekommen dabei Beobachtungszeiten an den Observatorien der ESO auf La Silla und dem Paranal und später dann auch bei dem Observatorium ALMA, welches die ESO derzeit gerade mit internationalen Partnern aufbaut.”

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