China will zum Mond

Neben dem ambitionierten bemannten Weltraum-Programm zielt die Volksrepublik mittlerweile auf ein “höheres Ziel”: die bemannte Erforschung des Mondes.

Ein Beitrag von Felix Korsch. Quelle: CCTV.

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Wie Neil Armstrong wird in vielleicht nicht allzu ferner Zukunft ein Chinese den ersten Fuß auf den Mond setzen – wenn auch nur den erste chinesischen Fuß.
(Bild: NASA)

Nach Angaben chinesischer Nachrichtenagenturen soll schon in wenigen Jahren – die Sprache ist vom Jahr 2006 – erstmals eine chinesische Sonde unseren Begleiter im All besuchen und dessen Oberfläche kartographieren. Mittlerweile habe man im Rahmen des erst vergangen März gestarteten Programms bedeutende Durchbrüche erzielt. “Wir sind zuversichtlich, unsere Mondsonde im Zeitplan zu halten”, sagte Ye Peijian, Chefwissenschaftler des Mondprogramms gegenüber CCTV (China Central Television). Bereits früher in diesem Jahr wurden Pläne veröffentlicht, auch dem Mars in einigen Jahren einen Besuch abzustatten. Allerdings wurde die bisher euphorische staatliche Berichterstattung mit den heutigen Veröffentlichungen etwas gedämpft: das neu geschaffene Programm umfasst einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten und nicht nur einigen Jahren, wie es früher hieß.
Das chinesische Mondprogramm umfasst drei Phasen: erstens den Start eines kleinen Mondorbiters zur Kartographierung der Oberfläche unseres Trabanten bis spätestens 2006; zweitens die weiche Landung eines Orbiters inklusive eines kleinen, ferngesteuerten Rovers; drittens die Rückführung von Mondgestein zur Erde mit Hilfe eines automatischen Roboters. Letzteres soll binnen der kommenden 20 Jahre verwirklicht werden. Danach könnte auch ein Chinese seinen Fuß auf den Erdtrabanten setzen. Zumindest aber ist dies Bestandteil und Fernziel des gesamten Programms. Dieses steht unter dem Titel Chang’e und beruft sich damit auf die chinesische Mythologie, in der eine Fee mit Zauberkraft zum Mond flog.

Wahrscheinlicher als eine bemannte Mondlandung erscheint westlichen Beobachtern allerdings eine bemannte Mondumrundung. Dies könnte schon wesentlich eher geschehen – chinesischen Quellen zu Folge um 2008. Dann nämlich soll die neue Trägerraketen-Reihe CZ-5 (Chang Zheng, zu dt. “Langer Marsch”) zur Verfügung stehen. Ein modifiziertes Raumschiff vom Typ Shenzhou (“Gottesschiff”) könnte, bemannt mit bis zu vier Personen, auf einem mehrtägigen Flug den Mond umrunden und sicher zur Erde zurückkehren. Die hierfür nötige Technik steht bereits heute zur Verfügung. Ihre Feuertaufe soll das Raumschiff noch dieses Jahr erhalten: im Oktober ist der allererste bemannte chinesische Raumflug geplant. Seit 1999 fanden vier Testflüge statt, welche allesamt erfolgreich verliefen.

Parallel dazu versucht man sich nun an unserem Erdbegleiter. Auf der Expo 2000 in Hannover war im chinesischen Pavillon so z.B. ein fiktiver chinesischer Mondrover samt einigen Taikonauten, so der Name für chinesische Raumfahrer, zu sehen. Noch weiter in die Zukunft greifen hier Pläne für eine bemannte Station auf dem Mond. Derzeit steckt man mitten in Phase eins des langen Marsches dorthin: ein grober Entwurf der geplanten Sonde inklusive Antennen- und Energiesysteme sowie einer Temperaturkontrolle und verschiedener wissenschaftlicher Sensorik existiert bereits. Einen Starttermin gibt es noch nicht, ebenso wenig wie genauere Details zur Sonde. Schon bald könnte der Erdenmond aber Besuch bekommen: nicht aus den USA, nicht aus Russland, sondern aus dem Fernen Osten.

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