Erster Weltraumausstieg in diesem Jahr beendet

Der russische Außeneinsatz Nummer 30 wurde heute zum Teil erfolgreich abgeschlossen, er diente der weiteren Aus- und Umrüstung des russischen Stationsteils. Mit dem Umsetzen des ersten der beiden STRELA-Teleskoparme wurde ein wichtiger Schritt zur Erweiterung des russischen Segments erreicht. Dies war nötig, da das Kopplungs- und Schleusenmodul Pirs im nächsten Jahr durch das neue russische Labormodul Naúka (sprich Na-u-ka) ersetzt werden soll. (Newsbild: Die beiden Außenarbeiter)

Ein Beitrag von Ralf Möllenbeck. Quelle: NASA, Raumfahrer.net.

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Die Aufteilung der Raumfahrer in der ISS während des Ausstieges
(Bild: NASA-TV)

Vorbereitend auf den Einsatz führten Anton Schkaplerow und Oleg Kononenko am 14. Februar einen Test der russischen Orlan-MK-Raumanzüge durch. Unterstützt wurden sie dabei von Anatoli Iwanischin. Bei diesem Testlauf im Kopplungs- und Schleusenmodul Pirs wurden etliche Funktionen, wie die der Kommunikationsanlagen, Dichtigkeit, Beweglichkeit, Überwachung der Biodatenübertragung sowie Funktionen der US-Kameras geprüft. Beide trugen, wie auch beim direkten Ausstieg, Raumanzüge mit blauen Streifen.

Bereits in der letzten Woche wurden die Luken von Progress-M 14M geschlossen und der Raumfrachter zum Abdocken bereit gemacht. Das ist notwendig, um das Kopplungs- und Schleusenmodul Pirs während der Außenbordarbeit als Luftschleuse nutzen zu können. Progress-M 14M müsste die ISS zeitiger als geplant verlassen, sollte es nicht gelingen, Pirs nach dem Ausstieg wieder unter Druck zu setzen. Ein Zugang zum Raumfrachter wäre dann nicht mehr möglich und seine Mission somit erfüllt.

In Vorbereitung auf den Ausstieg begaben sich Kommandant Dan Burbank und Flugingenieur Anatoli Iwanischin gegen 13:20 Uhr MEZ in das Docking- und Schleusenmodul Poisk (MIM 2) und schlossen dort die Luken zum Transfertunnel von Swesda. Dies war erforderlich, damit sie während des Außenbordeinsatzes Zugang zu ihrem Raumschiff Sojus-TMA 22 haben und der Transfertunnel von Swesda als Notluftschleuse genutzt werden kann. Gesetzt den Fall, dass das Schleusenmodul Pirs (SO 1) aus einem technischen Grund nicht wieder unter Druck gesetzt werden kann, wäre diese Notluftschleuse zum Einsatz gekommen. Diesmal blieb der Transfertunnel (wie bisher immer) jedoch druckbeaufschlagt. Donald Pettit und André Kuipers hingegen konnten im amerikanischen Segment der Station verbleiben, da sie von dort Zugang zu ihrem Rückkehrraumschiff Sojus-TMA 03M hatten, das am MIM 1 Rasswjet angekoppelt ist.

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STRELA-1 wird mit STRELA-2 zum Poisk-Modul bewegt
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Materialproben-Experiment Winosliwost am Poisk-Modul
(Bilder: NASA-TV)

Etwas später als geplant, um 15:31 Uhr unserer Zeit, öffnete sich die Ausstiegsluke von Pirs und die beiden Kosmonauten schwebten aus der Station. Kleinere Probleme bei der Arretierung eines Schutzringes sorgten für einen verzögerten Start. Oleg Kononjenko (EV1) und Anton Schkaplerow (EV2) begaben sich sogleich zu ihrer ersten Aufgabe, den ersten der beiden STRELA-Teleskoparme von Pirs nach Poisk zu versetzen. Dazu wurde der handbetriebene STRELA-2 ausgefahren und mit der Spitze an STRELA-1 befestigt. Auch hier kam es bei der Handhabung des STRELA-2 Arms zu Verzögerungen, da seine Ausrichtung den beiden Außenarbeitern Probleme bereitete. Zu dieser Zeit befand man sich bereits 30-40 Minuten hinter dem normalen Zeitplan. Während die ISS sich im Erdschatten bewegte, wurden die Arbeiten fortgesetzt. STRELA-2 transportierte Anton Schkaplerow gemeinsam mit dem STRELA-1 zu dessen neuem Einsatzort an der Oberseite der ISS am Poisk-Modul.

Dort angekommen entfernte Anton Schkaplerow eine Schutzabdeckung von dem bisher ungenutzten Haltepunkt des Arms. Diese Abdeckung wurde später nach hinten/unten, von der Station weg, ins All entsorgt. Die Installation von STRELA-1 an seiner neuen Position führten beide Raumfahrer gemeinsam durch, da das Handling mit nur einer Person sich als zu schwierig erwies. Zu diesem Zeitpunkt befand man sich bereits 1,5 Stunden hinter dem dem normalen Zeitplan und verschob daher die geplante Installation von fünf Meteoritenschutzschilden am Sevicemodul Swesda auf einen späteren Einsatz. Anschließend erfolgte die Montage des Materialproben-Experiments Winosliwost an der Außenseite von Poisk. Es war die erste von drei geplanten Zusatzaufgaben. Nach Abschluss dieser Aufgabe begaben sich beide erneut zum STRELA-2-Arm und bewegten ihn in seine Stauposition zurück.

Die zweite Zusatzaufgabe an diesem Abend war die Bergung eines weiteren Materialexperiments. Dieses TEST genannte Experiment hatte seinen Platz an der Außenseite des Swesda-Moduls. Es diente der Erforschung von verschiedenen technischen und biologischen Proben unter Weltraumbedingungen und besteht aus zwei Probenbehältern. Aus Zeitgründen konnte jedoch nur ein Behälter geborgen werden. Die dritte Zusatzaufgabe, die Befestigung von Haltern an der Ausstiegsleiter wurde ebenfalls gestrichen. Nach dem Abschuss der Arbeiten machten sich die beiden Kosmonauten auf den Rückweg zum Schleusenmodul Pirs und beendeten den Weltraumausstieg nach 6 Stunden und 15 Minuten um 21:46 Uhr MEZ. Für Oleg Kononjenko war es die dritte Außenmission, Anton Schkaplerow hingegen befand sich das erste Mal im freien All. Es war der 162. Einsatz an der Station seit der Inbetriebnahme der ISS, alle zusammen hatten eine Gesamtdauer von 1.021 Stunden und 37 Minuten. Der nächste Ausstieg ist für August 2012 geplant.

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