ESA schließt Verträge für Trägerentwicklung

Auf der 48. Pariser Luft- und Raumfahrtschau auf dem Gelände des Flughafens Le Bourget wurden Anfang und Mitte der Woche mehrere Verträge abgeschlossen, die sich mit der zukünftigen Nutzung aktueller sowie der Entwicklung zukünftiger Raumfahrtträger beschäftigen.

Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: ESA.

CNES via Wikipedia
So könnte das IXV beim Wiedereintritt aussehen.
(Bild: CNES via Wikipedia)

Am 15. Juni wurde ein Abkommen zur Sicherung der kommerziellen und staatlichen Nutzung der Trägerraketen der Typen Ariane 5, Sojus-ST und Vega vom Raumfahrtzentrum Kourou aus zwischen der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA und Arianespace geschlossen. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Ariane 5 zu gewährleisten, werden staatliche Zuschüsse gezahlt. Gleiches gilt für die noch in Entwicklung befindliche Trägerrakete Vega, die kleinere Nutzlasten befördern soll. Mittlere Lasten soll die russische Sojus-Trägerrakete ins All bringen. Deren Erststart von Kourou aus ist für Anfang 2010 vorgesehen. Verschiedene Varianten dieses Trägers haben in der Vergangenheit aber bereits mehr als 850 Starts absolviert.

Einen Tag darauf wurde mit Thales Alenia Space (Italien) ein Vertrag zur Weiterführung der Entwicklung eines zukünftigen, wiederverwendbaren Raumtransportsystems unterzeichnet. Das Intermediate eXperimental Vehicle (IXV) wird ein Technologiedemonstrator. Es handelt sich dabei um eine etwa 1.800 kg wiegende Modellvariante für ein späteres Transportsystem und ist Teil des Future Launchers Preparatory Programmes der ESA. Der Auftriebskörper IXV soll in einigen Jahren mit einer Vega in einen 450-Kilometer-Orbit gebracht werden und anschließend autonom gesteuert zur Erde zurückkehren.

DLR
Könnte eine weiterentwickelte Ariane rückführbare Booster verwenden?
(Bild: DLR)

Dazu werden Leitsysteme, Navigationsgeräte, Steuerung, Hitzeschutz und natürlich die Grundform des Raumfahrzeugs selbst entwickelt. Bisher gab es viele ESA-Studien zu Wiedereintrittstechnologien. Das IXV-Programm soll nun zur Entwicklung eines einsatzfähigen Raumtransporters für (zunächst) unbemannte Lasten führen.

Am Mittwoch schließlich folgte eine Vereinbarung mit Avio Spa (Italien), Astrium (Deutschland) und Snecma (Frankreich) zur Entwicklung eines neuen, leistungsfähigeren Flüssigkeitstriebwerkes für eine zukünftige, flexibler einsetzbare Raketenfamilie der ESA (Ariane 6). Dieses Triebwerk soll gegenüber seinen Vorgängern einen deutlich höheren Schub erzeugen. Booster könnten dann die Nutzlast der Grundversion je nach Bedarf vergrößern. Ähnliche Baukastensysteme sind in den USA und in Russland bereits im Einsatz bzw. stehen kurz davor.

Die Designphase des neuen Triebwerks soll Mitte 2010 abgeschlossen sein. Der erste heiße Test könnte um 2014 erfolgen und die neue Raketenfamilie ab 2020 zur Verfügung stehen. An der Entwicklung des neuen Triebwerks sind insgesamt 14 Gesellschaften in 9 europäischen Staaten beteiligt. Der Vertrag hat ein Finanzierungsvolumen von 33 Millionen Euro.

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