Exoplaneten-Forschung in Deutschland

Astronomen und Planeten-Experten treffen sich momentan in Weimar, um ihr Wissen über die Entstehung und Entwicklung von Planeten zu vertiefen.

Ein Beitrag von Karl Urban. Quelle: Exoplanet.de.

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Eines der ersten entdeckten extrasolaren Planetensysteme: Gliese 876
(Bild: NASA)

Thüringen ist seit der Aufklärung ein bedeutender Astronomie-Standort: In Gotha fand vor etwa 200 Jahren die weltweit erste Astronomentagung statt. Die beiden astronomischen Einrichtungen des Landes Thüringen, die Thüringer Landessternwarte Tautenburg (TLS) und das Astrophysikalische Institut und Universitäts-Sternwarte (AIU) der Friedrich-Schiller-Universität Jena, schreiben diese lange Tradition fort. Sie laden jetzt nach Weimar zu einer Fachtagung ein mit dem Titel „Planetenbildung: Das Sonnensystem und extrasolare Planeten“.

Im Vordergrund steht der gegenseitige Austausch zwischen jenen Astronomen, die die Planeten unseres Sonnensystems erforschen, und denen, die nach Exo-Planeten suchen, also nach Planeten, die um ferne Sonnen kreisen. Bestandteil der Konferenz ist auch die so genannte Astrobiologie. Sie untersucht die Bedingungen für mögliches Leben auf anderen Planeten und im All.
Bis heute sind sich die Wissenschaftler nicht sicher, wie die neun Planeten unseres Sonnensystems nebst vielen Monden und Asteroiden entstanden sind. Seit einigen Jahren werden nun auch Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt, die sich jedoch wesentlich von „unseren“ Planeten unterscheiden. Die bisher entdeckten Exo-Planeten sind alle viel massereicher als unsere Erde – eher vergleichbar mit Jupiter. Diese neuen Funde werfen viele Fragen über die Entstehung von Planetensystemen auf, zum Beispiel:
– Wie lange dauert die Entstehung von Planeten?
– Ist unser Sonnensystem typisch oder eine Ausnahme?
– Könnte es auch auf anderen Planeten Leben geben?
Diesen und viele anderen Fragen gehen die Astronomen in Weimar nach und präsentieren aufregende neue Forschungsergebnisse. Einer Gruppe um Martin Kürster, Wissenschaftler an der TLS, gelang es beispielsweise, die Nachweismethode für Exo-Planeten so zu verfeinern, dass damit bald erdähnliche Planeten aufgespürt werden können. Johny Setiawan vom Freiburger Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik stellt in Weimar einen neuen Riesenplaneten um einen Riesenstern (26-mal größer als unsere Sonne) vor. Günther Wuchterl vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München berichtet über neue theoretische Rechnungen, die zeigen, bei welchen Sternen es am wenigsten schwierig sein sollte, Planeten erstmals direkt abzubilden.
Die Ausrichtung dieser Fachtagung ist die erste gemeinsame Aktion des neuen Kompetenzzentrums namens exoplanet.de, das ebenfalls am 19. Februar 2003 der Öffentlichkeit präsentiert wird. Es soll die Forschungsaktivitäten des AIU Jena und der TLS Tautenburg bündeln und mit dem Portal exoplanet.de der deutschen Forschergemeinde, interessierten Laien und den Medien ein Diskussions- und Informationsforum über die Fachtagung hinaus bieten.

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