Galaxienwachstum ohne Crashs

Junge Galaxien können wachsen, indem sie das kühle Gas aus ihrer Umgebung aufsaugen und als Ausgangsmaterial für die Bildung vieler neuer Sterne verwenden.

Ein Beitrag von Hans J. Kemm. Quelle: ESO 1040.

ESO/L. Calçada
Künstlerische Impression einer Galaxis, die Material aus der Umgebung aufsaugt. (Bild: ESO/L. Calçada)

Wissenschaftler haben bisher angenommen, dass junge Galaxien durch die Verschmelzung mit anderen Galaxien wachsen. Jetzt haben Astronomen vom italienischen Osservatorio Astrofisico di Arcetri / Florenz mit dem SINFONI-Spektrografen am VLT 3 sehr weit entfernte Galaxien danach untersucht, ob sich bei diesen Hinweise auf aus der Umgebung einströmendes Gas und auf die daraus resultierende Entstehung neuer Sterne finden. Dabei wurde sorgfältig darauf geachtet, dass die ausgewählten Galaxien nicht durch Wechselwirkung mit anderen Galaxien gestört waren. Die Probanden waren etwa 2 Milliarden Jahre nach dem Urknall entstanden, was einer Rotverschiebung von z = 3 entspricht.

Die Wissenschaftler hatten Erfolg, denn die neuen VLT-Ergebnisse sind der erste direkte Nachweis dafür, dass die Akkretion von Gas auf frühe Galaxien tatsächlich stattgefunden hat, und dass sie ausreichte, um starke Sternentstehung und das Wachsen von massereichen Galaxien im jungen Universum anzuregen.

Im heutigen Universum finden sich schwere Elemente hauptsächlich in den Zentralbereichen der Galaxien. Bei den 3 ausgewählten Vertretern stellten die Wissenschaftler fest, dass im Zentralbereich der Galaxien, in denen zahlreiche neue Sterne entstehen, in allen 3 Fällen nur geringe Spuren schwerer Elemente zu finden sind. Dies deutet eindeutig darauf hin, dass das Material, das die Sternentstehung fördert, seinen Ursprung in dem metallarmen Gas aus der Umgebung der Galaxie hat. Hier wurden die jungen Galaxien damit quasi auf frischer Tat dabei ertappt, wie sie frisches Gas akkretieren und zur Bildung neuer Sterne nutzen.

Diese Entdeckung ist natürlich ein wichtiger Schritt für das Verständnis der Entwicklung des Universums vom Urknall bis heute.

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