ISRO testet erneut Raketenstufe L110

Die indische Raumfahrtorganisation ISRO meldete am 8. September 2010 einen erfolgreichen statischen Brennversuch mit einer Raketenstufe namens L110, wie sie in der GSLV-Mk-III-Rakete eingesetzt werden soll.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: ISRO.

ISRO
L110, die Zentralstufe für die GSLV-Mk-III-Rakete
(Bild: ISRO)

Mit zwei Triebwerken des Typs Vikas ausgestattet wurde die L110 am 8. September 2010 in einem Teststand des Liquid Propulsion Systems Centre (LPSC) in Mahendragiri im Distrikt Thirnelveli im indischen Bundesstaat Tamil Nadu getestet. Gegen 15:50 Uhr Ortszeit wurden die Triebwerke gezündet, sie brannten rund 200 Sekunden lang. Im Gegensatz zum ersten Test am 5. März 2010, der wegen eines Lecks vor Erreichen der Nominalbrenndauer beendet wurde, musste der Versuch, bei dem Daten zu fast 500 verschiedenen Parametern wurden aufgezeichnet wurden, nicht vorzeitig abgebrochen werden. So kam die Raketenstufe zum ersten Mal auf die für sie vorgesehene Brennzeit. Eine erste Bewertung der gewonnenen Daten spricht dafür, dass die Stufe wie erwartet funktionierte und die geplante Leistung erreichte.

GSLV-Mk-III - Illustration
GSLV-Mk-III – Illustration
(Bild: ISRO)

Auf 17 Meter Länge und einen Durchmesser von 4 Metern bringt es die L110, welche mit zusammen 110 Tonnen flüssigem Treibstoff (UH25) und Oxidator (N2O4) befüllt werden kann. Mit ihren beiden Vikas-Hochdrucktriebwerken stellt sie eine Weiterentwicklung der in PSLV und GSLV als zweite Stufe verwendeten Antriebskomponenten dar. Beim Einsatz der L110 auf der GSLV-Mk-III ist es geplant, die beiden Raketenmotore 200 Sekunden lang zu betreiben, bei Einsätzen in Raketen des Typs PSLV und GSLV sind nur 150 Sekunden Brennzeit für die einzeln eingesetzten Triebwerke gefordert. Die Vikas-Motore basieren auf dem europäischen Viking-4A-Triebwerk, das in der Ariane 3 verwendet wurde.
Eine GSLV-Mk-III wird sich im Wesentlichen aus einer L110 als Zentralstufe, zwei seitlich angebrachten Feststoffmotoren vom Typ S200 und einer kryogenen Oberstufe des Typs C25 zusammensetzen. Der erste Start einer GSLV-Mk-III – sie soll in der Lage sein, einen rund vier Tonnen schweren Satelliten für den Geostationären Orbit ins All zu bringen – wird vermutlich nicht vor 2012 erfolgen.

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