Kontaktversuch mit Koronas-Photon

Russische Techniker wollen noch einen Versuch wagen, das Ende 2009 aufgegebene Sonnenobservatorium zu reaktivieren (Bild: EAAE)

Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: Roskosmos, RN.

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Koronas-Photon bei den Vorbereitungen zum Start (Bild: Roskosmos)

In den nächsten Tagen wird das Sonnenobservatorium Koronas-Photon für mindestens 300 Stunden ständig von der Sonne beschienen. Man hofft, dass die Solarzellen des Satelliten dabei soviel elektrische Energie erzeugen können, um die Batterien an Bord ausreichend aufzuladen, so dass sich wichtige Systeme reaktivieren. Seit Sommer vergangenenen Jahres hatte man Probleme mit den Batterien des Satelliten festgestellt. Man vermutet einen Konstruktionsfehler. Im Herbst 2009 schalteten sich erste Geräte ab, im Dezember war auch die Kommunikation mit Koronas-Photon verlorengegangen.

Koronas-Photon wurde am 30. Januar 2009 von Plesetzk aus gestartet. Bei dem Satelliten handelt es sich um ein hochentwickeltes russisches Sonnenobservatorium, das dritte seiner Art nach Koronas I (1994 – 2001) und Koronas F (2001-2005). Aufgabe des Messkomplexes war die Erforschung der Sonnenstrahlung vor allem im Gamma-, Röntgen und Ultraviolett-Bereich, die Ermittlung der Temperaturverteilung und -schichtung in Korona und Oberflächenschichten unseres Zentralgestirns sowie die Messung der Energieverteilung und statistischen Häufigkeit der von der Sonne emittierten energiereichen Teilchen (Elektronen, Protonen, Neutronen, Alphateilchen und weitere Kerne). Dadurch wollte man mehr über die Vorgänge im Inneren der Sonne lernen und bessere Vorhersagen für zukünftige Ausbrüche ermöglichen.

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Aufnahme der Sonne im Röntgenbereich
(Bild: Roskosmos)

Die Kritik der russischen Offiziellen bezieht sich u.a. auf die Auswahl eines möglicherweise ungeeigneten Satellitenbusses mit Unterkühlung der technischen Einrichtungen als Folge, auf eine zu geringe Energiekapazität der verwendeten Batterien sowie auf die Verwendung unzuverlässiger Sensoren. Da sich diese Sensoren nicht vom Boden aus deaktivieren bzw. überbrücken lassen, könnten sie einen eigentlich betriebsbereiten Batteriesatz abschalten.

Für das Sonnenobservatorium Koronas-Photon war ursprünglich eine Betriebsdauer von drei Jahren vorgesehen, erreicht wurde aber nicht einmal ein Jahr Messbetrieb.

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