Das Kontrollzentrum der ESA feiert Geburtstag

Vor 35 Jahren wurde das Satellitenkontrollzentrum der ESA (ESOC) in Darmstadt offiziell eröffnet. Bis heute wurden mehr als 50 Satelliten erfolgreich von dem europäischen Kontrollzentrum aus betreut.

Ein Beitrag von Michael Stein bearbeitet von Star-Light. Quelle: ESA.

Das ESOC in Darmstadt.
(Foto: ESA)

Die Anfänge des European Space Operation Center (ESOC) reichen zurück bis in das Jahr 1963, als die European Space Research Organisation (ESRO) – eine der beiden Vorläuferorganisationen der ESA – auf dem Gelände des heutigen Satellitenkontrollzentrums ein Zentrum zur Speicherung, Verarbeitung und Analyse der von Höhenforschungsraketen und Satelliten eingehenden Daten errichtete, das European Space Data Centre (ESDAC).

Ab Mitte der 1960er Jahre dann entwickelte und baute die ESRO zunehmend eigene Satelliten, deren Betrieb sichergestellt werden musste. Die Entscheidung für den Standort des neuen Kontrollzentrums fiel auf Darmstadt, und am 8. September 1967 eröffnete der damalige Forschungsminister der Bundesrepublik Deutschland, Gerhard Stoltenberg, das ESOC. Auf anfänglich 2.000 qm Fläche starteten 95 Mitarbeiter den Betrieb mit einer für damalige Verhältnisse zwar modernen, heute aber geradezu anachronistisch anmutenden technischen Ausrüstung. Ein Jahr nach Eröffnung des Kontrollzentrums, am 17. September 1968, wurde der Wissenschaftssatellit ESRO 2 gestartet, der erste von Darmstadt aus betreute Satellit.

Heute arbeiten mehr als 700 Mitarbeiter in einem hochmodern ausgestatteten Komplex mit insgesamt 40.000 qm Grundfläche und einem eigenen Energiezentrum. Von hier aus werden europäische Satelliten gesteuert und überwacht sowie wissenschaftliche Missionen vorbereitet. Die Arbeit an einer solchen Mission beginnt bereits Jahre vor dem Start. Dazu gehören am ESOC die Bahnanalyse, die Berechnung wichtiger Bahnparameter sowie die Ermittlung der Flugdynamik eines Raumflugkörpers. Schließlich werden alle Abläufe an einem Computer-Modell des Satelliten wochenlang simuliert, bis alles schlüssig und fehlerfrei ist.

Der Siemens 330-Computer des ESOC, der zur Unterstützung der LEOP-Aktivitäten verwendet wurde.

Üblicherweise beginnt die Arbeit des ESOC kurz nach dem Start vom europäischen Weltraumhafen Kourou in Französisch-Guayana und dem Einschwenken in die Flugbahn eines Satelliten, wenn die Kontrolle vom Startkontrollzentrum in Kourou an das ESOC übergeben wird. Dem folgen kritische Stunden, in denen die Bordsysteme vom Kontrollzentrum aus aktiviert werden und der Satellit in die geostationäre Bahn befördert wird. Diese Prozedur beim Start eines Raumflugkörpers der ESA spielt sich seit 1968 jährlich mehrmals beim ESOC in Darmstadt ab.

Bald genügte die Erdumlaufbahn von wenigen hundert Kilometern Höhe oder die geostationäre Bahn nicht mehr. Neue Ziele, wie beispielsweise Kometen, wurden von den Wissenschaftlern anvisiert. Den sich daraus ergebenden Anforderungen musste sich auch das ESOC stellen. Während bei der Kometensonde Giotto Mitte der 1980er Jahre noch das leistungsfähige Deep Space Network der NASA in Anspruch genommen werden musste, kann für die nächsten interplanetaren Missionen der ESA auf eine eigene Antenne in Australien zurückgegriffen werden. Sie ist mit 35 Metern Durchmesser eine der größten Stationen der Welt für derartige Aufgaben. Die in nächster Zeit beginnenden ESA-Missionen Rosetta, Mars Express und Smart-1 werden die ersten “Kunden” für die neue Bodenstation sein.

Aber nicht nur Wissenschafts-Missionen werden vom ESOC gesteuert. Etliche Jahre kamen auch die Wettermeldungen der Meteosat-Satelliten von dieser ESA-Einrichtung. Seit 1995 hat nun die eigenständige Agentur EUMETSAT die Aufgabe der Betriebsführung des Meteosat-Systems übernommen. Das trifft auch auf den erst vor einigen Tagen gestarteten neuesten europäischen Wettersatelliten MSG-1 zu. Nach der erfolgreichen Inbetriebnahme durch das ESOC wird der Wettersatellit an EUMETSAT übergeben, ähnlich übrigens wie bei zahlreichen anderen kommerziellen Anwendungssatelliten.

Für die ständige Verbindung zu den künstlichen Himmelskörpern wurde ein weltweites Netz von Bodenstationen geschaffen, die sich wie ein Spinnennetz über den Erdball legen. ESTRACK ist der Name dieses Systems. Gewissermaßen im Handshake-Verfahren werden die Satelliten beim Überflug über die Station übernommen und wenige Minuten später an die nächste Station wieder abgegeben. Das trifft für alle Raumflugkörper nach dem Start und bei der Inbetriebnahme zu. Bei einigen Missionen ist ein derartiger Aufwand später nicht mehr nötig. Sie übergeben die gesammelten Daten nur an eine bestimmte Station in größeren Zeitabständen. Zur sicheren Datenübertragung zwischen dem Kontrollzentrum in Darmstadt und den Bodenstationen wurde ein eigenes Kommunikationsnetz geschaffen.

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