Mars500-Crew meistert problemlos ersten Meilenstein

Am 15. September 2010 erreichte das bisher größte Marsexperiment der Raumfahrt den symbolträchtigen 105. virtuellen Flugtag. Für die Teilnehmer der im Jahr 2009 durchgeführten Probemission endete nach genau 105 Tagen die Isolation.

Ein Beitrag von Mandy Kobs. Quelle: ESA, IBMP. Vertont von Peter Rittinger.

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Alexej Sergejewitsch Sitjow führt am 11. Tag der Mission das virtuelle Abdocken von der Internationalen Raumstation durch. Die Reise zum Mars beginnt.
(Bild: IBMP)

Am 3. Juni 2010 betrat die sechsköpfige Crew den Modulaufbau des russischen Instituts für Biomedizinische Probleme (IBMP), das sich in der Nähe Moskaus befindet. In dem hermetisch abgeschlossenen Versuchsraumschiff absolvierten bereits im Jahr 2009 sechs freiwillige Teilnehmer 105 Tage Isolation. Dieses Vorläufer-Experiment diente als Vorbereitung auf das aktuelle bisher größte Marsexperiment, das eine komplette bemannte Expedition zu unserem Nachbarplaneten von insgesamt 520 Tagen simuliert. Während an dieser Stelle der experimentelle Vorläufer planmäßig beendet wurde, stehen der aktuellen Crew noch 415 imaginäre Flugtage bevor. Mit einer täglich zurückgelegten Distanz von ca. 400.000 Kilometern beträgt die Entfernung zur Erde bereits etwa 20 Millionen Kilometer. Bis zum Mars sind noch ungefähr 190 Millionen Kilometer zu überwinden.

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Im Modul EU-150, das unter anderem auch mit einer Küche und den Schlafquartieren ausgestattet ist, bietet das Wohnzimmer die Möglichkeit, sich zu erholen und freie Zeit gemeinsam zu verbringen.
(Bild: IBMP)

Das Erreichen der markanten 105 Tage gab den sechs Männern Anlass zum Feiern, führte ihnen aber gleichzeitig vor Augen, wie anspruchsvoll die noch zu bewältigende Aufgabe ist. Diese erste gemeisterte Etappe läutet eine neue Phase ein, denn jeder nun folgende Tag ist wissenschaftliches Neuland. Der unberechenbarste Faktor ist die psychologische und körperliche Belastung der Mannschaft. Schon jetzt ist keine direkte Kommunikation mit der Außenwelt möglich, denn je weiter man in den interplanetaren Raum vordringt, desto länger brauchen Signale, um zur Erde zu gelangen und umgekehrt. Zurzeit beträgt die Kommunikationsverzögerung ca. 2 Minuten, das Maximum wird letztendlich bei 20 Minuten liegen. Erst im September 2011, wenn die Rückkehr zur Erde kurz bevorsteht, kann die direkte Sprachverbindung wiederhergestellt werden.

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Unten/von links: Wang Yue (Physiologe, Mediziner), Romain Charles (Ingenieur), Diego Urbina (Ingenieur); Oben/von links: Alexandr Jegorowitsch Smolejewski (Arzt), Alexej Sergejewitsch Sitjow (Kommandant), Suchrob Rustamowitsch Kamolow (Arzt);
(Bild: IBMP)

Eine Zwischenbilanz der virtuellen Expedition offenbart einen bemerkenswerten Teamgeist. Man hilft sich untereinander beim Erfüllen von über 100 geplanten Experimenten, bildet eigenständig Gruppen, um effektiv zu arbeiten und genießt gemeinsam die freie Zeit. Bisher gibt es keinerlei Probleme zu beklagen, weder psychischer noch körperlicher Natur. Eine Strategie des Teams besteht darin, keinen Gedanken daran zu verschwenden, wie lang die zu bewältigende Strecke noch ist oder wann die Rückkehr zur Erde erfolgt. Man denkt von Tag zu Tag, konzentriert sich auf die täglichen Aufgaben und versucht, wann immer es möglich ist, keine eintönige Routine aufkommen zu lassen. Der Weg ist das Ziel und eines davon ist die geplante Ankunft am “Roten Planeten” Anfang Februar 2011. Die Landung und der gleichzeitige Start eines 30-tägigen Aufenthalts auf dem Planeten ist am 10. Februar 2011 vorgesehen.

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