NASA und Russland stehen vor neuem Wettlauf

Die NASA ist mal wieder in der unbequemen Lage, dass sie auf die Hilfe der Russen angewiesen ist. Diesmal hat die Abhängigkeit die Form einer Rakete namens Sojus.

Ein Beitrag von Ingo Froeschmann. Quelle: SpaceDaily.

Die Sojus-Raketen haben über Jahre hinweg gute Dienste geleistet, um regelmäßig und zuverlässig Menschen und Material zur Internationalen Raumstation (ISS) zu bringen. Seit dem Columbia-Unglück im Februar letzten Jahres hat die NASA nach einer eigenen, sicheren Methode gesucht um die anfälligen Space Shuttles zu ersetzen.

Das Problem ist nicht unbedingt die Abhängigkeit von russischen Raketen, denn Russland hat bislang seine Verpflichtungen zum Bau der ISS treu erfüllt. Auch eine weitere Angst der Amerikaner, dass Russland seine Raketentechnik an Schwellenländer wie den Iran verkaufen könnte, hat sich als unnötig erwiesen. Das Problem ist vielmehr, dass auch andere Kunden die russischen Dienste in Anspruch nehmen wollen und bereit sind dafür zu zahlen.

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Start einer Sojus -Rakete.

Der niederländische Forscher und Austronaut, der diese Woche die ISS erreicht hat, ist der bislang letzte Nutzniesser dieser Politik. Der Amerikaner Greg Olsen trainiert bereits für einen geplanten Flug im April 2005. Greg Olsen wird nach russischen Plänen zusammen mit einem weiteren zahlenden ESA Astronauten, einem Italiener, zur ISS fliegen.
Damit wäre auf dem Drei-Mann-Schiff noch ein Platz für den russischen Piloten frei, aber keiner mehr für einen NASA-Astronauten. Im Gegenzug schlagen die Russen vor, die nächste ISS Besatzung statt sechs Monaten ein ganzes Jahr auf der Station zu belassen, womit Platz für zahlende Passagiere geschaffen würde.

Der NASA-Administrator für bemannte Raumfahrt, Michael Kostelnik, hat aus diesem Anlass einen Brief an die russische Raumfahrtagentur Rosaviakosmos geschrieben. Er erklärt darin dass die NASA noch nicht genügend Material für einen langen Aufenthalt auf der ISS habe. Dazu gehören insbesondere Geräte um die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf die Astronauten zu mindern. Oder wie es ein Sprecher der NASA formulierte: „Wir sagen nicht nein, aber wir sagen jetzt noch nicht“.

Das erinnert an den Versuch der NASA vor drei Jahren, den ersten Flug eines zahlenden Touristen, Dennis Tito, zu verhindern. Die NASA erklärte damals, dass die ISS noch nicht fertig für zahlende Besucher sei. Die Russen ignorierten dies und flogen Tito zur Weltraumstation. Da die amerikanischen Space Shuttles zur Zeit nicht fliegen, kann es also sein das die NASA gar keine andere Wahl hat, als längere Aufenthalte hinzunehmen.

Ein weiterer Umstand der die Lage für die NASA schwieriger macht sind die russischen Verträge für den Aufbau der ISS. Russland ist bis zum Jahr 2006 verpflichtet, Nachschubflüge und Rettungskapseln für die ISS zu stellen. Weil die NASA keine eigene Alternative hat, wird sie wohl auch danach bis auf weiteres von Sojus abhängig bleiben.

Auch die Fakten sprechen für die Russen, da bereits vier Kosmonauten mehr als ein Jahr im All verbracht haben, anscheinend ohne dauerhafte Schäden davonzutragen. Es scheint also, dass die wackeligen Beine der heimkehrenden Astronauten ein kleineres Problem sind als die wackeligen Zukunftspläne der NASA.

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