OG2: Orbcomm muss auf SpaceX warten

Orbcomm, ein Betreiber von Relaissatelliten zur automatisierten Weiterleitung von Datenpaketen zwischen technischen Anlagen und Geräten, die als machine-to-machine communication (M2M) bezeichnet wird, muss hinnehmen, dass ein erster Start von Satelliten der neuesten Generation nicht vor Ende des Jahres 2011 stattfinden wird.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: Defense News, ISRO, Space News.

NASA/Tony Gray und Kevin O´Connell
Falcon-9-Start am 8. Dezember 2010
(Bild: NASA/Tony Gray und Kevin O´Connell)

Die beiden ersten Satelliten der Orbcomm Generation 2 (OG2) sind für einen Flug mit einer Falcon-9-Rakete von SpaceX gebucht, auf der sie neben einem Transporter vom Typ Dragon für die Internationale Raumstation ISS als Sekundärnutzlasten fliegen sollen. Weil SpaceX mit der Fertigstellung des Transportschiffs hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurückliegt, rechnet man mittlerweile mit einem Start nicht vor Jahresende.

Neben den Verzögerungen, die aus den Abläufen bei SpaceX resultieren, muss sich Orbcomm auch mit Problemen beim Bau der neuen Satelliten auseinandersetzen. Deren Hersteller, die Sierra Nevada Corporation (SNC), hatte nach der Beauftragung im Mai 2008 wiederholt vereinbarte Projektmeilensteine nicht rechtzeitig erreicht.

Die Sierra Nevada Corporation soll für Orbcomm 18 Satelliten bauen. Vom dafür vereinbarten Preis von 117 Millionen US-Dollar zahlte Orbcomm bis zum 31. März 2011 bereits 41,1 Millionen US-Dollar, bis Jahresende will Orbcomm weitere 10,1 Millionen US-Dollar an den Satellitenbauer überweisen. Eine Option auf bis zu 30 zusätzliche Satelliten wird Orbcomm nicht wahrnehmen und gibt dafür marktstrategische Gründe an.

Damit Orbcomm nicht unausgesetzt ohne die Fähigkeit bleibt, seinen Kunden Dienste im Kontext des Automatischen Identifikationssystems (AIS) für Schiffe auf hoher See anbieten zu können, hat sich Orbcomm exklusiven Zugriff auf die Daten von zwei AIS-Satelliten, deren Bau durch ein Konsortium aus OHB und LuxSpace erfolgt, gesichert. Die Satelliten sollen nach aktuellem Planungsstand als Sekundärnutzlasten im Sommer 2011 auf einer indischen PSLV-Rakete in den Weltraum transportiert werden.

Ende 2010 war Orbcomms letzter mit einem AIS-Transceiver ausgestatteter, 2008 gestarteter Satellit der QUICKLAUNCH-Serie ausgefallen, der damit das Schicksal der fünf anderen beim gleichen Flug ins All gebrachten Satelliten teilte. Im AIS-Segment steht Orbcomm insbesondere mit der kanadischen COMDEV im Wettbewerb, deren neuester AIS-Transceiver im All sich an Bord des seit dem 20. April 2011 um die Erde kreisenden indischen Erdbeobachtungssatelliten Resourcesat 2 befindet.

Mit dem Start zweier mit AIS-Transceivern ausgestatteter Satelliten auf einer Dnepr-Rakete für SpaceQuest und dem Start von ADS-1B als Sekundärnutzlast auf einer Rakete vom Typ Sojus-Fregat will COMDEV im Sommer 2011 seine AIS-Aktivitäten ausbauen. Dann hätte COMDEV mit den 2009 für Spacequest gestarteten AprizeSat 3 und AprizeSat 4 schon sechs Satelliten im All, die zusammen rund sechs Millionen AIS-Nachrichten pro Tag weiterleiten könnten.

Orbcomms Neuanfang im AIS-Segment soll der PSLV-Start im Sommer 2011 sicherstellen. Wenn dann anschließend der erste Falcon-9-Start mit OG2-Satelliten und dem ISS-Transporter noch vor Ende 2011 stattfinden kann, wird für Orbcomm das Jahr mit vier AIS-Nutzlasten im All enden. 2012 könnten bei einem weiteren Falcon-9-Flug zwischen acht und zwölf weitere OG2-Satelliten ins All gelangen, so die derzeitigen Planungen. Mit SpaceX hatte Orbcomm sich auf eine Summe von 46,6 Millionen US-Dollar für den Start von 18 OG2-Satelliten geeinigt. Bis 31. März 2011 erfolgten Zahlungen in Höhe von 10,1 Millionen US-Dollar, darüber hinausgehende Beträge soll SpaceX 2011 nicht erhalten.

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