Pleiten, Pech und Pannen mit KazSat

Zum am 18. Juni 2006 auf einer Proton-K-Rakete gestarteten kasachischen Kommunikationssatelliten KazSat 1 besteht keine Verbindung mehr. Der Satellit wird als nicht mehr betriebsfähig bezeichnet. Ein entscheidend verbesserter Nachfolgesatellit soll eine erheblich höhere Zuverlässigkeit erreichen.

Quelle: Chrunitschew, sat-nd.com, tmcnet.com, idga.org, aic.gov.kz .

Talghat Mussabajew als STS 91 die russische Raumstation MIR besuchte.
(Bild: NASA via Wikipedia)
Talghat Mussabajew als STS 91 die russische Raumstation MIR besuchte.
(Bild: NASA via Wikipedia)

Am 2. Dezember 2008 hatte die kasachische Weltraumbehörde den Verlust von KazSat 1 (russisch: Казсат 1) bestätigt. Der Fliegerkosmonaut und Direktor der kasachischen Weltraumbehörde Talghat Mussabajew teilte in einer Sitzung des Ausschusses für Auswärtiges, Verteidigung und Sicherheit des kasachischen Parlamentsunterhauses mit, dass KazSat 1 in der Nacht zum 26. November 2008 ausgefallen sei und seitdem auf kein Kommando mehr reagiert habe. Der Satellit sei wieder in einen nicht ausgerichteten Flugzustand übergegangen. Die Baukosten entsprechend 65 Millionen US-Dollar sollen vollständig versichert sein. Als ursächlich für den Totalausfall wurde laut russianspaceweb.com und ru.wikipedia.org ein Versagen in einem System namens KUDM (Complex of Control Engine Wheels / Gyroskope des Lageregelungssystems, russisch: Комплекс Управления Двигателями Маховиков) erklärt.

Erst am 30. Oktober 2008 hatte der Hersteller des Satelliten, Chrunitschew aus Russland, angegeben, dass KazSat 1 wieder unter Kontrolle und an einer vorgesehenen Position im geostationären Orbit sei (ursprünglich 103 Grad Ost). Nach einer Reihe von Tests wollte man den regulären Betrieb des Satelliten wieder aufnehmen, was jedoch nicht gelang. Vorausgegangen war eine ganze Serie von Problemen und Pannen bei Bau und Betrieb des Satelliten.

Nach zwei Tagen war bekannt geworden, dass ein Computerproblem am 8. Juni 2008 zu einer Einstellung aller Übertragungen geführt hatte. Der Satellit begann im geostationären Orbit zu driften. Die Schwierigkeiten mit dem Flugkontrollsystem sollten gemeinsam von kasachischen und russischen Spezialisten behoben werden. Offensichtlich gelang jedoch keine oder keine nachhaltige Lösung der Probleme. Eine Verwendung des Satelliten wie geplant war seit dem 8. Juni 2008 nicht mehr erfolgt.

Am 17. April 2008 war ein nicht näher bezeichnetes Problem mit dem Satelliten von Spezialisten des Herstellers Chrunitschew gelöst worden.

Intelsat-904 sprang am 9. Januar 2008 kurzfristig mit der Übernahme von Fernsehübertragungen ein, als KazSat-1 wegen Schwierigkeiten mit dem Flugkontrollsystem für einige Stunden ausgefallen war.

Bis in den Herbst 2007 hinein war KazSat-1 vom russischen Kontrollzentrum in Skolkovo dirigiert worden, anschließend hatten kasachische Spezialisten im Kontrollzentrum in Akkol im Norden Kasachstans die Steuerung übernommen. Skolkovo fungierte danach als Reservekontrollzentrum.

Der Start des Satelliten war ursprünglich bereits für August 2005 vorgesehen, fand aber erst am 18. Juni 2006 statt, nachdem es Probleme mit dem auf der gleichen Satellitenplattform wie KazSat 1 basierenden russischen Satelliten Monitor E1 gegeben hatte, und man weitere Überprüfungen an KazSat am Boden vornehmen wollte.

Die Plattform Jachta bzw. Yakhta (russisch: Яхта) wurde für KazSat 1 bei einem Gesamtgewicht von 1.092 Kilogramm mit einer 180 Kilogramm schweren Kommunikationsnutzlast ausgestattet. Die einzelnen Komponenten des Satelliten sind um eine zylinderförmige, lasttragende Struktur herum montiert, die gegebenenfalls auch einen Doppelstart mit einem weiteren Satelliten ermöglicht hätte. Die zwölf Transponder hätten eine Betriebszeit von zwölfeinhalb Jahren erleben sollen.

Die kasachische Weltraumbehörde benannte die Jachta-Plattform als Grund für die mit KazSat 1 gemachten Erfahrungen. Die Satellitenplattform befinde sich noch in einem experimentellen Stadium, kasachische Spezialisten seien bei der Auswahl einer Plattform für KazSat 1 nicht beteilgt worden, heißt es. Die Behörde analysiere die Situation und werde Maßnahmen ergreifen, damit derartiges nicht wieder vorkommt.

Am 16. November 2008 hatte Talghat Mussabajew informiert, KazSat 2 sei zu 60 Prozent fertiggestellt. Der Satellit soll deutlich moderner sein. Einige der neuen Systeme seien bereits erfolgreich getestet worden. Es habe sich allerdings herausgestellt, dass noch einige Konstruktionsänderungen umgesetzt werden müssten. Sensoren und Steuersysteme sollten ausgetauscht werden.

KazSat 2 sollte zusammen mit KazSat 1 die Zahl der von Kasachstan nutzbaren Transponder maßgeblich erhöhen, aufgrund des Verlustes von KazSat 1 wird dies für Kasachstan nun kurzfristig nicht aus eigener Kraft zu bewerkstelligen sein.

Nach Angaben von Chrunitschew wird KazSat 2, der bei 86,5 Grad Ost positioniert werden soll, mit sechzehn Transpondern und vier zusätzlichen Reservetranspondern ausgerüstet sein. Bei der Konstruktion der Kommunikationsnutzlast soll Alcatel Alenia Space wieder entscheidend mitwirken. Für den Betrieb der Kommunikationsnutzlast werden im Orbit 1.800 Watt elektrische Leistung benötigt, die von zwei Solarpaneelen bereitgestellt wird. Die Kommunikationsnutzlast soll nach derzeitigem Stand 215 Kilogramm bei 1.330 Kilogramm Gesamtgewicht des Raumfahrzeugs auf die Waage bringen. Bei einer Lebensdauer von insgesamt 14,5 Jahren will man den Satelliten 12,25 Jahre kommerziell nutzen können.

Der Start von KazSat 2 auf einer Proton-M mit Breeze-M Oberstufe von Baikonur aus wurde für November 2009 vorausgesagt. Ob tatsächlich in etwa einem Jahr gestartet werden kann, ist nicht gewiss. Bis 2021 will Kasachstan fünf Kommunikationssatelliten im All haben.

Raumcon:

Nach oben scrollen