Robonaut-2 erstmals auf der ISS aktiviert

Umplanungen, Robotik-Aktivitäten und die Aktivierung eines neuen Besatzungsmitgliedes bestimmten die letzten Tage. Aber auch Forschung und die Erhaltung der Funktionsfähigkeit der ISS kamen nicht zu kurz. (Newsbild: Robonaut-2 im Destiny-Modul)

Ein Beitrag von Ralf Möllenbeck. Quelle: NASA, Raumfahrer.net.

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Andrej Borisjenko am PLANTS-2-Experiment im Swesda-Modul
(Bild: NASA)

In der letzten Woche kam es, bedingt durch den Absturz des russischen Versorgers Progress-M 12M, zu einigen Umplanungen im Arbeitsablauf der Besatzung. So kommt nun zur genaueren Überwachung der Verbrauchsgüter ein neues BCR/RFID (Bar Code Reader/Radio Frequency ID) Scanner-System zum Einsatz. Da die Missionsdauer der Langzeitbesatzung 28 verlängert wurde, übernahmen die nun länger im All verbleibenden Raumfahrer Andrej Borisjenko, Ronald Garan und Alexander Samokutjajew neue Aufgaben, welche eigentlich für die nächste Stammbesatzung vorgesehen waren. Gleichzeitig stellten sie vorübergehend ihre Rückkehrvorbereitungen mit Sojus-TMA 21 ein. Um die Reboost-Fähigkeit der Station, z.B. bei Ausweichmanövern wegen Weltraumschrott, zu vergrößern, wurde Treibstoff vom Raumfrachter Progress-M 10M in die Tanks des russischen Segmentes transferiert.

Weitere Arbeiten der letzten Woche waren die Wiederinbetriebnahme des russischen Sauerstoff-Erzeugungssystems Elektron im Swesda-Modul, die Neuanordnung der Staumöglichkeiten im Andockadapter PMA-2 und die Betreuung des Gewächshaus-Experiments PLANTS 2 durch Andrej Borisjenko. Er prüfte dabei die ordnungsgemäße Belüftung und Beleuchtung des Gewächshauses und führte eine Bewässerung der Wurzeln durch. Die Erkenntnisse aus diesem botanischen Experiment sollen zukünftigen bemannten Raumfahrtmissionen bei der Selbstversorgung zugute kommen.

Ebenfalls fand eine erste Aktivierung des Robonauten R2 statt. Dieser kam mit STS 133 zu ISS und dient der Erforschung humanoider Roboter in der Schwerelosigkeit. Die gesamte Aktivierung dauerte rund zwei Stunden, wobei die Techniker am Boden die Datenverbindungen zu R2 prüften und die Wärmeentwicklung sowie die Wärmeabführung in der Schwerelosigkeit überwachten. Nächste Arbeiten mit R2 sind für den 1. September geplant.

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Dextre entfernt den RPCM

Zum Beginn dieser Woche erfolgte der seit langem geplante Austausch eines RPCM (Remote Power Control Module), ein elektrisch gesteuerter Schalter, am P1-Gittersegment der ISS. Diese Arbeit, bei der Canadarm2 und seine Erweiterung Dextre zum Einsatz kamen, war letztmalig für Mitte 2010 eingeplant aber immer wieder verschoben worden. In einem ersten Arbeitsgang entnahm Dextre ein spezielles Werkzeug aus dem Cargo Transport Container (CTC-2) und griff damit den Ersatz-RPCM welcher ebenfalls im CTC-2 gelagert war. Bei einem zweiten Arbeitsgang eine Nacht später entfernte Dextre den defekten RPCM aus seiner Halterung und montierte das entsprechende Ersatzteil an gleicher Stelle. Der defekte Schalter wurde im CTC-2 verstaut, alle Arbeiten wurden nachts, während die Besatzung schlief, von der Bodenkontrolle durchgeführt. Dabei wurden die Spezialisten am Johnson Space Center in Houston von Kollegen der kanadischen Weltraumagentur CSA in Saint-Hubert, Quebec unterstützt. Durch diesen Einsatz von Dextre konnte auf einen gefährlichen Außenbordeinsatz verzichtet werden.

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Michael Fossum löst Bolzen an MARES
(Bilder: NASA-TV)

Michael Fossum und Satoshi Furukawa hatten die Aufgabe, eine größere Wartung des europäischen Trainingssystems zur Eindämmung und Erforschung von Muskelschwund MARES vorzubereiten und durchzuführen. Das im Columbus-Modul montierte MARES (Muscle Atrophy Research and Exercise System) ist seit der Anlieferung durch STS 131 im April 2010 auf der ISS. Mit ihm sollen der menschliche Bewegungsapparat, biomechanische Abläufe und die neuromuskuläre Koordination erforscht werden. Hintergrund ist hier ein besseres Verständnis der Effekte der Mikrogravitation auf das Muskelsystem des Menschen. Bei der anstehenden dreitägigen Wartung sollen mehrere Bolzen ausgetauscht und einige klemmende Bauteile gelöst werden. Ihr Hauptaugenmerk werden die beiden Raumfahrer auf das elektrische Hauptbauteil legen, es ließ sich seit der Installation nicht normal schalten. Alle Probleme von MARES wurden am Boden an einem Testobjekt reproduziert und entsprechende Verfahren zur Reparatur erarbeitet.

Am gestrigen Tag wurden die Arbeiten an MARES fortgesetzt. Weiterhin absolvierte Ronald Garan Transportarbeiten im Permanenten Mehrzweckfrachtmodul Leonardo. Er verteilte Frachtartikel in die einzelnen Forschungsmodule, um zusätzliche Platz in Leonardo zu schaffen. Gemeinsam mit Michael Fossum führte er vorbereitende Arbeiten zur Installation eines HRCS (High Rate Communications System) durch.

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Satoshi Furukawa bei Stauarbeiten im Andockadapter PMA-2
(Bild: NASA)

Wenn dieses funktionsfähig ist, entsteht eine neue Möglichkeit über das Ethernet JSL (Joint Station Local Area Network) der Station eine Verbindung zur Ku-Band-Kommunikationseinheit herzustellen. Dies ist nötig, um zukünftig einen wesentlich größeren Austausch von Nutzlastdaten zu ermöglichen.
Im russischen Teil der ISS führten die drei Kosmonauten verschiedenste Arbeiten durch. Andrej Borisjenko übernahm die routinemäßige Wartung der Lüftungssysteme. Dazu gehörten der Austausch von Staub-Filterpatronen und die Reinigung der Lüftungsgitter in den Modulen Swesda, Sarja und Rasswjet. Alexander Samokutjajew und Sergej Wolkow führten währenddessen Forschungsaufgaben durch. Alexander Samokutjajew nahm an einer weiteren Sitzung der russischen Verhaltensbewertung mit dem Namen Tipologija (Typologie) teil. Dabei sollen die körperlichen und geistigen Fähigkeiten von Personen unter Stress zu arbeiten und zu kommunizieren getestet werden. Ein Elektroenzephalogramm registriert die elektrische Tätigkeit des Gehirns des Besatzungsmitgliedes. Sergej Wolkow startete das russische Erdbeobachtungs-Programm URAGAN (Hurrikan). Es werden damit die Auswirkungen von natürlichen oder von Menschen verursachten Katastrophen beobachtet und bewertet.

Mittlere Bahnhöhe der ISS am 30.08.2011:

385,7 km bei einem Höhenverlust von rund 79 Metern in den letzten 24 Stunden

Zukünftige Ereignisse:

  • 16. September, Sojus-TMA 21 verlässt die ISS
  • 13. Oktober, Progress-M 10M verlässt die ISS
  • 16. Oktober, Progress-M 13M erreicht die ISS

Raumcon:

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