Russische Raumfahrt-Pläne – Teil 2

Nachdem sich bereits Ende letzten Jahres andeutete, dass die ESA und Roskosmos sich bezüglich der Entwicklung eines neuen bemannten Raumschiffes nicht einigen können würden, ist dies seit dieser Woche offiziell.

Ein Beitrag von Günther Glatzel. Quelle: RIA Nowosti, RussianSpaceWeb, Raumcon.

RN
Überholte, geflügelte Version des Klippers von 2005
(Bild: RN)

Alexej Krasnow, Leiter der Abteilung bemannte Raumfahrt der russischen Behörde Roskosmos, bedauerte dies, gab aber gleichzeitig bekannt, dass die Entwicklung eines wiederverwendbaren Mehrzweck-Raumschiffes nun national neu ausgeschrieben würde.

Das System soll aus drei Komponenten bestehen, dem eigentlichen Raumschiff, einem Raumfrachter und einer neuen Trägerrakete, die nicht weniger als 23 Tonnen Nutzlast aufweisen müsse. Die Trägerrakete, gemeint ist mit großer Wahrscheinlichkeit die Angara, wird nicht Bestandteil der Ausschreibung sein.

Zum bemannten Raumschiff äußerte Krasnow, dieses werde von Energija entwickelt und entspräche dem bereits seit Jahren verfolgten Klipper-Konzept. Dabei handelt es sich um ein wiederverwendbares Raumschiff, von dem es sowohl eine Version als Auftriebskörper als auch eine mit kleinen Flügeln geben könnte. Der Einsatz richtet sich nach dem Flugziel. Bei Flügen in die Erdumlaufbahn bietet die geflügelte Variante gewisse Vorteile, bei Flügen zum Mond hingegen ist diese aufgrund der größeren Belastungen beim Eintritt in die Erdatmosphäre ungeeignet. Hier käme dann die Auftriebskörper-Version zum Einsatz. Ergänzt wird der Orbiter durch ein Rettungssystem.

Der Raumfrachter könnte ein im All verbleibendes, auftankbares Antriebs- und Steuerungsmodul sein, das sowohl an ein bemanntes Raumschiff als auch an Nutzlastcontainer oder Satelliten ankoppeln kann und diese dann zu ihrem Ziel bugsiert.

Die Ausschreibung soll 2010 abgeschlossen sein. Daran beteiligen werden sich vermutlich Energija, Krunitschew und Molnija. Bei termingerechter Finanzierung solle die Entwicklung des Systems 2015 abgeschlossen sein, in den darauffolgenden drei Jahren Tests erfolgen und ab 2018 einsatzbereit sein. Die Starts sollen vom neuen Kosmodrom Wostotschnui im fernen Osten Russlands aus vorgenommen werden. Allerdings wolle man das Kosmodrom in Baikonur weiterhin betreiben.

Neben den Erweiterungsplänen für das russische Segment der Internationalen Raumstation für die Jahre 2013 bis 2015, die unter der Voraussetzung realisiert werden könnten, wenn die beteiligten Staaten bzw. Organisationen einer Nutzung der ISS bis 2020 zustimmen, wird auch die Möglichkeit ins Auge gefasst, eine weitere Station zu errichten, die der Vorbereitung von Mond- und Marsflügen dienen könnte.

Raumcon:

Scroll to Top