Space Focus: Der schwierige Weg zum Pluto

Nachdem die NASA die weitere Entwicklung einer Pluto-Forschungsmission im Jahr 2000 aus finanziellen Gründen überraschend gestoppt hatte, scheinen die heftigen Proteste aus der internationalen Wissenschaftsgemeinde Wirkung gezeigt zu haben. Vor einigen Wochen hat der US-Kongreß 30 Mio. US$ für das Fiskaljahr 2002 bewilligt, die für die weitere Entwicklung einer neu konzipierten Pluto-Kuiper-Gürtel-Mission verwendet werden sollen.

Ein Beitrag von Michael Stein. Quelle: NASA.

Pluto – NASA APoD 19. März 2001. (Bild: Eliot Young (SwRI) et al., NASA)

8. Dezember 2001 – Schon lange existieren Pläne für eine Mission zum einzigen noch nicht von einer Raumsonde besuchten Planeten unseres Sonnensystems. Die Entwicklung einer solchen Mission lief bereits einige Jahre lang unter dem Namen “Pluto-Kuiper Express” (PKE), federführend war das NASA-eigene “Jet Propulsion Laboratory” (JPL). Es war geplant, eine Raumsonde am Planeten Pluto vorbeifliegen zu lassen, dabei Daten und Aufnahmen von ihm und seinem Mond Charon zu machen und schließlich im zweiten Teil der Mission Objekte im sogenannten “Kuiper-Gürtel” zu untersuchen. Zusammen mit zwei weiteren Missionen bildete der PKE ein Programm zu Erforschung des äußeren Sonnensystems.

Die NASA stoppte jedoch im September 2000 alle drei Missionen dieses Programms, da die Kosten aus dem Ruder zu Laufen begannen. Die Vermutung liegt nahe, daß die seinerzeit schon virulenten Budgetüberschreitungen bei den amerikanischen Leistungen für die Internationale Raumstation die Entscheidung für diesen Schritt begünstigt haben.

Der Protest vieler Wissenschaftler nach Bekanntwerden des Stopps der PKE-Mission war sehr stark. Immer wieder wurde Unverständnis darüber geäußert, daß ausgerechnet diese sehr zeitkritische Mission gestoppt worden war: Einerseits tritt nur alle paar Jahre eine Planetenkonstallation auf die es erlaubt, die Anziehungskraft des Jupiter für einen Flug zum Pluto zu nutzen und so die Reisezeit für eine Raumsonde signifikant zu reduzieren; andererseits entfernt sich Pluto auf seiner stark elliptischen Umlaufbahn seit 1990 wieder von der Sonne, was etwa ab 2020 aufgrund der sinkenden Temperaturen auf dem Himmelskörper zu einem Gefrieren der Planetenatmosphäre führen wird, wodurch Untersuchungen zur Zusammensetzung dieser Atmosphäre für etwa zweihundert Jahre unmöglich werden (erst dann nähert sich Pluto wieder soweit der Sonne, daß sich erneut eine Atmosphäre bilden kann).

Nicht zuletzt aufgrund dieses starken Engagements für eine Pluto-Mission hat die NASA dann im Dezember 2000 verschiedene Universitäten und Organisationen aufgefordert, Vorschläge für eine neue Pluto-Mission zu unterbreiten. Im Sommer diesen Jahres wurden dann zwei Designstudien ausgewählt, die jeweils 450.000 US$ erhielten, um ihre Vorschläge in den folgenden Monaten weiter auszuarbeiten. Ende November wurde dann die Entscheidung für das “New Horizon”-Projekt bekanntgegeben. Die von verschiedenen amerikanischen Universitäten, Forschungsinstituten sowie dem JPL gemeinsam erarbeitete Missionsstudie sieht vor, entweder im Dezember 2004 oder im Januar 2006 eine Sonde unter Ausnutzung der Gravitationskraft des Jupiter zu Pluto und seinem Mond Charon zu schicken, wo sie je nach Startdatum und gewählter Flugroute zwischen 2014 und 2018 eintreffen soll. Wie schon bei der vormals geplanten PKE-Mission ist ein Vorbeiflug an diesen beiden Himmelskörpern mit eingehenden Untersuchungen geplant, bevor die Sonde weiter zum sich außerhalb der Pluto-Umlaufbahn anschließenden Kuiper-Gürtel fliegen soll, wo dann einige Jahre später einige der diesen Gürtel ausmachenden, asteroidenähnlichen Himmelskörper untersucht werden sollen.

Die nun bewilligten Geldmittel sind natürlich nur ein Teilbetrag der für diese Mission auf insgesamt 500 Mio US$ veranschlagten Kosten. Erst durch sie sind allerdings die anvisierten Starttermine überhaupt noch realisierbar, vorausgesetzt natürlich, daß die NASA auch nach Abschluß der nun begonnenen zweiten Projektphase die “New Horizon”-Mission immer noch befürwortet. Die Raumsonde soll über verschiedene Beobachtungsinstrumente verfügen, mit deren Hilfe die globale Geologie und Morphologie von Pluto und seinem Mond Charon charakterisiert, die Zusammensetzung ihrer Oberfläche ermittelt und die Pluto-Atmosphäre untersucht werden soll. Angesichts unserer immer noch sehr rudimentären Kenntnisse über diesen Planeten und seinen Mond – wobei viele Astronomen mittlerweile der Ansicht sind, daß Pluto eher als ein Bestandteil des Kuiper-Gürtels denn als ein Planet bezeichnet werden sollte – bleibt nur zu wünschen, daß die nun ausgewählte Mission auch tatsächlich und termingerecht umgesetzt werden wird.

Scroll to Top