Sternenhimmel im November 2010

Der November ist der elfte Monat des Jahres im gregorianischen Kalender. Er hat 30 Tage, alte deutsche Namen für den November sind Windmond und Nebelung. Wenn die Abenddämmerung endet und der Himmel nachtschwarz ist, gehen im Westen gerade die letzten Frühlingsbilder unter. Sommer-, Herbst- und Winterbilder ziehen nacheinander über den Himmel – ein Fest für Spechtler.

Autor: hanskemm. eigenes Archiv. Vertont von Peter Rittinger.

Plejaden im Sternbild Stier
(Bild: NASA, ESA, AURA/Caltech, Palomar Observatory)

Sichtbar wird jetzt das Wintersechseck, eine markante Konstellation von hellen Sternen 1. Größe am südlichen Winterhimmel. Allen voran der Stier mit den Plejaden – sichere Vorboten des Winters. Auch Orion hat sich schon über den Horizont erhoben, der strahlende Winterheld mit seinem leuchtenden Gürtel. Eine Stunde später ist selbst Sirius, der hellste Stern unseres Firmaments, aufgegangen. Gegen ein Uhr nachts nehmen die hell strahlenden Winterbilder den ganzen östlichen Himmel ein. Eine lange klare Novembernacht gibt dem Spechtler die Möglichkeit, fast den ganzen Tierkreis kennenzulernen: Während am frühen Abend der Schütze gerade im Westen versinkt, mit Steinbock und Wassermann im Gefolge, prangen gegen 22.00 Uhr die Fische hoch am Südhimmel. Östlich von ihnen findet man den unscheinbaren Widder. Noch ein Stück weiter zieht der Stier herauf und selbst die Zwillinge erstrahlen bereits. In den weiteren Stunden folgen im Osten Krebs und Löwe. Kurz vor der Morgendämmerung taucht auch die Jungfrau am Himmel auf.

Hoch im Süden steht die Sternenkette der Andromeda. Bei absolut dunklem Himmel kann man über dem mittleren Stern dieser Sternenkette ein schwaches nebliges Fleckchen erkennen – das ist die Andromeda-Galaxie (M 31), die uns am nächsten gelegene Milchstraße im Universum. Südlich von M 31 liegt das kleine Sternbild Dreieck. In diesem kleinen Sternbild liegt eine weitere nahe Galaxie. Es ist M 33, auch Triangulum-Galaxie genannt. M 33 ist allerdings sehr lichtschwach. Um sie zu sehen braucht man schon einen lichtstarken Feldstecher und absolut dunklen Himmel ohne Mondlicht fernab der Städte. Westlich von M 31 schließt sich das große Viereck des Pegasus an, das auch Herbstviereck genannt wird. Etwas weiter nördlich ist der Perseus aufgegangen. Im Perseus befindet sich eines der schönsten Objekte unseres Himmels. Es ist der Doppelsternhaufen h und chi der schon im Feldstecher einen schönen Anblick bietet, vorausgesetzt man beobachtet in mondloser Nacht unter dunklem Himmel. Über dem Perseus sehen wir inmitten der Milchstraße gelegen die Cassiopeia, auch das Himmels-W genannt. Cassiopeia ist zirkumpolar und recht markant. Der große Wagen hat nun seine tiefste Stellung erreicht und liegt aufrecht parallel zum Nordhorizont. Die Milchstraße zieht noch fast durch den Zenit und kann auch im Herbst gut beobachtet werden. Nach Osten hin wird sie aber zunehmend schwächer, was damit zu tun hat, das im Winter die Nachtseite der Erde zu den äußeren Teilen unserer Galaxis zeigt wo die Sternendichte immer geringer wird.

Der Planet Venus
(Bild: NASA/Ricardo Nunes)

Die Venus macht sich erst im zweiten Monatsdrittel am Morgenhimmel bemerkbar. Etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang kann man den -4,7 mag hellen inneren Nachbarplaneten tief im Südosten erkennen. Die Sichtbarkeitsdauer nimmt rasch zu. Am 10. geht Venus um 5.51 Uhr auf, am 30. schon um 4.24 Uhr. Und die Venus ist riesig: Fast 60 Bogensekunden misst ihr Scheibchen im Durchmesser – ein Viertel mehr als die des Jupiter. Dabei ist die Venus in Wirklichkeit nur so groß wie die Erde. Doch jetzt ist sie uns noch ganz nah, nachdem sie zwischen Erde und Sonne hindurchgezogen ist. Wie ein ganz junger Mond formt sie eine hauchzarte Sichel – gerade einmal 5 % ihrer Scheibe sind am 10. November beleuchtet. Tag für Tag entfernt sie sich von uns und somit wird sie im Durchmesser ein wenig kleiner, dafür aber voller und heller. Besonders reizvoll ist der Anblick des Morgensternes in den ersten und letzten Novembernächten, wenn die schmale Mondsichel in der Nähe steht. Ein erstes Mal zieht sie morgens am 3. und 4. November vorbei, dann ist die Venus allerdings noch nicht zu sehen. In der Nacht zum 30. November steht die Mondsichel ein zweites Mal über Saturn, am Morgen des 1. Dezember dicht neben ihm und die Venus darunter. Am 5. November stehen morgens Mond und Venus sehr tief über dem Horizont. Gegen 7.00 Uhr ist der Abstand zwischen ihnen am geringsten, doch man kann sie auch noch am Taghimmel bei klarem Wetter weiterverfolgen, wenn man ein Fernglas oder, noch besser, ein Fernrohr verwendet.

Sobald der Himmel ab 18.00 Uhr abends dunkler wird, macht sich im Südosten ein gewaltiges Licht bemerkbar: Jupiter erscheint, der größte Planet unseres Sonnensystems. Um 20.00 Uhr strahlt sein ruhiges, weißes Licht hoch im Süden – unübersehbar hell. Mit einer scheinbaren Helligkeit von etwa -2,7 mag übertrifft Jupiter jeden Stern bei Weitem. Am 16. November ist der Anblick besonders reizvoll: Dann steht der Mond mal rechts, mal links über dem strahlenden Jupiter. Aber Jupiter zieht sich aus der zweiten Nachthälfte zurück. Geht der Riesenplanet am 1. um 3.05 Uhr, so erfolgt sein Untergang am Monatsletzten bereits um 1.10 Uhr.

Saturn zeigt sich morgens um 4.30 Uhr – Ende November schon gegen 3.00 Uhr im Osten. Der große Ringplanet steigt steil am Himmel empor, so dass er sich bald deutlich bemerkbar macht. Mit 0,9 mag scheinbarer Helligkeit ist er fast so hell wie der hellste Stern der Jungfrau, die Spika, unter ihm. Mit einem Teleskop man jetzt schon wieder seine Monde beobachten – und das große Ringsystem. Saturn ist inzwischen wieder so weit gekippt, dass die Ebene der Ringe sich für uns auf über 9° öffnet.

Drei Planeten können im November nicht betrachtet werden: Pluto und Mars stehen abends viel zu tief am westlichen Horizont, um noch sichtbar zu sein. Sogar Merkur, der Innerste der Planetengemeinschaft, taucht dort erst Ende November wieder auf. Doch auch er schafft keine ausreichende Höhe, da die Ekliptik jetzt abends im Westen so flach verläuft.

Zu den besonders beobachtenswerten Objekten am Nachthimmel im Monat November zählen: der Krebsnebel oder auch M 1, die Hyaden, die Plejaden und die Krippe.

Um M 1 zu finden, geht man vom südlichen Stierhorn aus, das von Zeta Tauri markiert wird. Ein wenig nordwestlich davon stößt man auf den Nebel. Mit 8 mag Helligkeit ist er selbst mit einem lichtstarken Fernglas nur schwer zu erkennen. Im Teleskop macht er auch keinen besonderen Eindruck. M 1 erscheint leicht länglich, filamentartige Strukturen sind nur in größeren Objektiven zu beobachten. In Liebhaberfernrohren sind die beiden 16 mag hellen Sterne im Zentrum von M 1 leider nicht zu erkennen. Einer von ihnen ist der Zentralstern, nämlich ein rasch rotierender Neutronenstern oder Pulsar, der alle 33 Millisekunden einen Licht- und Radioblitz aussendet. Es ist bekannt, dass M 1 der Überrest einer Supernova ist, die am 4. Juli 1054 an dieser Stelle aufleuchtete. Die Supernova war heller als die Venus und konnte fast den gesamten Juli 1054 auch am Taghimmel gesehen werden. Chinesische Chroniken berichten, dass dieser Gaststern im Stier noch bis zum Frühjahr 1056 mit bloßen Augen zu sehen war. Danach blieb er verschwunden. Die Gaswolke von M 1 dehnt sich mit einer Geschwindigkeit von rund 1.000 km/s aus. M 1 ist etwa 4.000 Lichtjahre von uns entfernt.

Die Hyaden sind ausgedehnter und ihre Sterne lockerer gestreut als die Plejaden. Mitten in den Hyaden steht der orangefarbene Hauptstern des Stieres, Aldebaran genannt. Aldebaran ist allerdings nicht Mitglied der Hyaden, sondern steht im Vordergrund. In den Hyaden stößt man auch auf den weiten Doppelstern Theta Tauri. Wer gute Augen hat, erkennt ihn bereits ohne Fernglas als zwei Lichtpünktchen, denn Theta-1 und Theta-2 sind 340″ voneinander entfernt. Mit 3,4 mag und 3,8 mag erscheinen beide fast gleich hell. Bereits mit einem Opernglas trennt man diesen Doppelstern ohne weiteres.

Die Plejaden (auch M 45) erscheinen dichter gedrängt als die Hyaden. Mit 390 Lichtjahren sind die Plejaden mehr als doppelt so weit weg wie die Hyaden. Beide offenen Sternhaufen sind klassische Feldstecherobjekte. Andererseits erkennt man nur im Teleskop, dass der Zentralstern der Plejaden, Alkyone oder Eta Tauri, ein Vierfachstern ist.

Die Krippe (M 44) im Sternbild Krebs ist ein weiterer offener Sternhaufen, der unter guten Sichtbedingungen schon mit bloßen Augen zu erkennen ist, aber wegen des zunehmenden Lichtsmogs ist sie oft nicht mehr auszumachen. Jedoch im Fernglas ist sie auf alle Fälle als nebliges Fleckchen zu erkennen. Besonders eindrucksvoll wirkt M 44 im Teleskop bei schwacher Vergrößerung. Sie wird auch Praesepe genannt.

Die Leoniden bilden einen Metorstrom (Sternschnuppenstrom), der im November zu beobachten ist. Sein Radiant liegt im Sternbild des Löwen, etwa 10° nordöstlich des Sterns Regulus. Sein Ursprung ist der Komet 55P/Tempel-Tuttle, der auf seiner Umlaufbahn um die Sonne zahllose Bruchstücke hinterlässt. Kreuzt die Erdbahn eine solche Wolke von Bruchstücken und geraten diese in die Erdatmosphäre, so verglühen sie und können als Sternschnuppen wahrgenommen werden. Das Aktivitätsmaximum ist in der Nacht vom 17. auf den 18. November zu beobachten. Die Sternschnuppen sind dabei mit einer geozentrischen Geschwindigkeit von ca. 71 km/s außerordentlich schnell, die ZHR ist variabel.

In der Zeit zwischen dem 25. September und dem 25. November sind die Nördlichen Tauriden und die Südlichen Tauriden aktiv. In diesem Zeitraum bewegen sich die beiden Radianten, welche einen gegenseitigen Abstand von ca. 5° besitzen, vom Sternbild Pisces über das Sternbild Aries in das Sternbild Taurus hinein. Beide Ströme haben eine ZHR von 5 Meteoren/h.

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