Torino-Skala überarbeitet

Astronomen haben die Torino-Skala, welche die Wahrscheinlichkeit eines Asteroidentreffers bewertet, neu geschrieben, um der Öffentlichkeit ein genaueres Bild über die Risiken, die ein erdnaher Asteroid mit sich bringt, zu geben.

Ein Beitrag von Matthias Pfeiffer. Quelle: Universe Today.

Unter der Führung eines MIT Professors haben Astronomen die Torino-Skala überarbeitet. Ziel war es, die Skala, welche die Bedrohung durch Asteroiden und Kometen für die Erde bewertet, für die Öffentlichkeit transparenter und leichter verständlich zu machen.

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Die neue Fassung der Torino-Skala (Bild: MIT)

Die Torino-Skala wurde vom Prinzip von der Richter-Skala abgeschaut. Dabei bedeutet die “0” praktisch keine Kollisionschance des Objektes, während die “10” eine globale Katastrophe verkündet. Die Skala wurde 1999 von einer Arbeitsgruppe der International Astronomical Union (IAU) bei einem Treffen in Torino, Italien veröffentlicht.

„Die Idee war es, ein einfaches System auszuarbeiten, das eine klare und konsistente Information über erdnahe Objekte liefert. Oder natürlich über Asteroiden oder Kometen, die sich auf die Erde zubewegen.“ So Richard Binzel, Professor am MIT im Fachbereich planetare Wissenschaft und Schöpfer der Skala.

Dennoch bemängelten Kritiker, dass die ursprüngliche Fassung der Torino-Skala die Leute erschrecken würde, was natürlich nicht beabsichtigt war. Daher auch die Überarbeitung.

„Ein neu entdecktes erdnahes Objekt wird wie bisher nach der Skala mit einem Wert von 0 bis 10 eingestuft. Auch Berechnungen, mit denen die Gefahr eines Treffers bestimmt wird, sind exakt gleich.“ sagt Blinzel. Der Unterschied ist allein der Wortlaut der jeweiligen Kategorie, der nun die notwendige Aufmerksamkeit oder Reaktion besser beschreibt.

Zum Beispiel: Beschrieb die Originalskala die Stufen 2 bis 4 noch mit “Besorgnis erregend”, so bezeichnet die neue Version diese Stufen mit “verdient Aufmerksamkeit der Astronomen” – Also nicht notwendigerweise die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

Ebenfalls wichtig in der Überarbeitung, so Blinzel, „ist die Betonung der Tatsache, dass weitere Beobachtung und Verfolgung der Bahn eines Objektes, den Gefahrenlevel fast immer auf 0 senken, sobald ausreichend Daten gesammelt sind.“ Der allgemeine Prozess der Gefahreneinstufung eines erdnahen Objektes ist ungefähr analog zu einer Sturmwarnung. Die Vorhersagen über den genauen Verlauf des Unwetters werden auch ständig verfeinert, je mehr Daten vorliegen.

Die höchste Einstufung nach der Torino-Skala bisher war eine “4” letzten Dezember, als ein Objekt eine 2-prozentige Trefferchance im Jahr 2029 hatte. Und nach weiteren Beobachtungen der Asteroidenbahn wurde die Gefahr auf eine “1” zurück gestuft. Damit ist eine Gefahr durch diesen Asteroiden nahezu ausgeschlossen.

Laut Blinzel muss die Skala erst bekannter und besser verstanden werden. Genauso wenig wie die Öffentlichkeit sich über ein Erdbeben der Stärke 3 auf der Richter-Skala sorgt, gibt es auch keinen Grund, sich wegen einem Asteroiden mit einer niedrigen Torino-Einstufung verrückt zu machen. Ein Objekt müsste schon mindestens die Stufe “8” erreichen, damit ein Einschlag einen örtlich begrenzten Schaden anrichtet.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Objekt die Erde trifft und nennenswerten Schaden anrichtet, ist also sehr gering. Dennoch ist der Fall nicht auszuschließen. Die einzige Möglichkeit ist stets wachsam den Himmel zu beobachten und zu hoffen, dass nichts allzu großes auf seinem Weg die Erdbahn kreuzt.

Link zur neuen Torino-Skala

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